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Eine der Dinge, die ich als bekennende Kaffeeliebhaberin an Italien besonders zu schätzen weiß, ist die Kaffeekultur.

Kaffee trinkt man dort zu nahezu jeder Uhrzeit. Auch schon mal abends um 23.oo Uhr, wenn man spät gegessen hat. Der Unterschied zu uns liegt wohl hauptsächlich in der Tassengröße.

Und das ist auch schon der „Kasus Knacktus“. Wer sich in einer der unzähligen Cafebars in Italien einen normalen Kaffee bestellt, bekommt das serviert, was bei uns unter dem Namen Espresso bekannt ist.

Wer also eher Schonkaffeetrinker ist, Koffein ohnehin nur in schwachen Dosen verträgt oder wer schon braun gefärbtes, heißes Wasser als Kaffee bezeichnet, sollte aufpassen, was er bestellt. Ein Caffè ist ein Espresso. Immer. Ausnahmslos.

Zwar kann man problemlos auch einen Espresso bestellen, die Baristas wissen schon, was man meint, aber man enttarnt sich natürlich auch sofort als Tourist. (Oder Neu-Italiener.)

Das was wir in unseren „Humpen“ zu schlürfen gewohnt sind, ist in Italien ein Caffè Americano.

Ein weiterer klassischer Kaffee-Faux-Pax ist der der Tageszeit. Einen Kaffee mit großem Milchanteil, wie der vielgeliebte Cappuccino oder Latte Macchiato (korrekt: caffè macchiato) wird typischerweise zum genauso typischerweise süßen und kleinen Frühstück getrunken.

Während man den normalen Kaffee zu jeder Tages- und Nachtzeit trinkt, ist der Cappuccino ein klassischer Frühstückskaffee.

Will man also in der Kaffeekultur aufgehen, sollte man es sich verkneifen, einen milchhaltigen Kaffee zu irgendeiner anderen Tageszeit als bis zum späten Vormittag zu bestellen.

Fun fact: In den überall über die Städte verteilten Bars, trinkt man den Kaffee in der Regel im Stehen. Direkt an der Bar. Der Gedanke dahinter mag wohl der sein, dass es sich wegen den zwei Schlückchen des schwarzen Lebenselixirs ohnehin nicht lohnt, sich hinzusetzen.

Hinsetzen, Zeit verbringen, das ist eine Sache, die man später am Tag beim Aperitivo macht. Der wiederum ist allerdings alkoholischer Natur. Man kann zwar auch einen Kaffee dazu ordern, aber der eigentliche Fokus liegt auf dem Spritz, Bellini oder was man eben so mag.

In diesem Sinne, ich mach mir jetzt erstmal ’nen Kaffee…

Kaffeemaschine Bialetti weiß
Meine heißgeliebte Bialetti. Vergesst Pads und Kapseln. DAS ist Kaffee! 🙂

Comments

  1. Ciao, eine Frage bitte: ist der caffe americano denn ein Filterkaffee (sicher nicht) und ist er dasselbe wie ein caffe lungo? Bekommt man dazu automatisch Kaffeesahne extra in kleiner Abpackung wie in Deutschland oder muss man das extra dazusagen. Wenn ja: wie drückt man sich da in Italienisch aus.?

    • Hallo Simona, nein, Filterkaffee, wie wir ihn hier kennen, gibt es in Italien – ich wage mal so mutig zu sein und zu sagen – nicht. Also wenn, dann selten. Ein caffè americano ist ein Espresso, dem nochmal Wasser beigemischt wird. Entweder die gleiche Menge Wasser wie Kaffee (das ist dann aber eher ein caffè lungo) oder die doppelte Menge Wasser. Der Name rührt tatsächlich daher, dass den ersten amerikanischen Italienreisenden, der lokale Espresso zu stark war.
      In der Regel – zumindest habe ich es bisher noch nicht erlebt – bekommt man keine Milch und erst recht keine Kondensmilch zum Kaffee. Wenn man einen Kaffee mit Milch trinken möchte, sollte man einfach direkt einen caffè latte oder caffè macchiato bestellen. Die Basis italienischer Kaffeearten ist eigentlich immer der Espresso. Ich denke, in großen Hotels und Touristenanlagen sollte es aber durchaus möglich sein, auch Milch oder Kondensmilch mit dazu bestellen zu können („Mi da un po‘ di latte, per favore?“ wäre eine Möglichkeit danach zu fragen). In kleinen Bars ist Milch sicher zu kriegen, aber es wird sie keiner unaufgefordert servieren, wie das hier gemacht wird.
      Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Kaffee-Dunkel bringen! 🙂 Wenn Du noch Fragen hast, einfach in die Kommentare oder ne Mail. LG Julia

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