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Italiener und ihr Kult um die Mutter ist legendär. Selbst wenn sich längst abgenabelt wurde: Auf ‚Mamma‘ lässt kein Italiener was kommen.

(Tatsächlich gibt es auch kaum Beleidigungen gegen die Mutter des anderen, höchstens in indirekter Form, wenn man jemanden als ‚figlio di putana‘ beleidigt. Ein deutsches ‚ich f*cke deine Mutter‘ gibt es dagegen nicht. Dafür muss im Italienischen die Schwester herhalten. Auch wenn es keine gibt. Aber dazu in Kürze in einem anderen Beitrag mehr.)

Ich erinnere mich an einige Gespräche mit meinem Partner vor Weihnachten, darüber, dass meine Angst – oder besser gesagt, Ehrfurcht – vor seiner Mutter ja angeblich unbegründet sei. Nun ja. Wenn er das sagt…

Aber seien wir ehrlich: Das erste Mal die potentielle Schwiegerelternschaft zu treffen ist (zumindest im Vorfeld) für niemanden ein Vergnügen.

Tja, bei italienischen Müttern potenziert sich dieses mulmige, flaue Gefühl in der Magengegend nochmal ums – gefühlt – Hundertfache.

Was ein Glück war meine Schwiegermutter in spe für italienische Verhältnisse unglaublich begeistert von mir. Am zweiten Tag folgte die Frage, wann wir denn die ersten Enkel präsentieren wollten. Einschließlich Wunschliste: ein Mädchen soll’s bitte sein, blond, blaue Augen – wenn der Sohnemann sich schon ’ne Deutsche schnappt, dann bitte die Klischee-Gene direkt an die nächste Generation weitergeben – und natürlich soll sie ihren Namen tragen.

So. Ich schätze, das kann man dann unter erfolgreicher Zusammenführung der beiden wichtigsten Frauen im Leben meines Freundes verbuchen. Zumindest betonte er mehrfach, dass seine Mutter bei noch keiner Freundin, die er je zu Hause vorgestellt habe, so einen Budenzauber veranstaltet habe, eher im Gegenteil immer das recht zeitnahe Ende der aktuellen Beziehung prophezeite.

Ich bekomme etwas Sorge über die eventuell verborgenen spirituellen oder seherischen Fähigkeiten meiner suocera… Ich hätte einfach lieber ’nen Sohn…

Wie dem auch sei: Aufnahmetest bestanden, möcht‘ ich behaupten. Auch wenn ich immer noch leise Bedenken um die Mutter-Sohn-Bindung habe. Aber gut. Bin ja … “selbst schuld“. Irgendwie…

Nun bekam ich kürzlich eine Whatsapp-Nachricht von der Mutter meines Freundes geschickt.

(Man mag sich fragen, woher sie meine Nummer hat. Des Rätsels Lösung ist, dass sie das alte Handy meines Partners übernommen und er die Kontaktdaten nicht aus dem Speicher gelöscht hatte. Kleine Anmerkung am Rande: Das Klischee von den humorlosen Deutschen hatte sich in dem Moment erledigt, als ich das erste Mal “witzige Whatsapp-Nachrichten“ von meiner Schwiegermutter erhielt. Es ist 1:1 das italienische Pendant dessen, was meine eigene Mutter unter Humor versteht.)

Jedenfalls kam nun also diese Nachricht mit Bild: “Devi imparare a fare gli spaghetti se vuoi sposare mio figlio.“

img-20150517-wa0001 Damit auch Schwiegermutter glücklich ist
Selbstgemacht schmeckt’s besser.
img-20150517-wa0000 Damit auch Schwiegermutter glücklich ist
Echte Hausmannskost: Spaghetti .

Heißt: Du musst lernen, wie man Spaghetti macht (nicht kocht!), wenn Du meinen Sohn heiraten willst.

Ich nur: Na, wenn das die einzige Bedingung ist, lern‘ ich eben Spaghetti machen.

Was Schwiegermamma nicht weiß: In den Überresten der alten Küche meiner eigenen Mutter habe ich vor Jahren noch eine Nonna Papera gefunden und hüte sie seither wie einen Schatz.

Also, lern‘ ich eben Spaghetti machen. Dann ist auch Schwiegermuttern glücklich. Und ich habe es dann irgendwie geschafft, zwei der italienischsten aller italienischen Dinge zu aller Wohlwollen unter einen Hut zu kriegen: die Pasta und die Mamma.

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