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In den letzten Tagen, während die Temperaturen stetig höher kletterten und mein Freund einen neuen Rekord darin aufstellte, zu erwähnen, wie heiß es doch wäre, waren wir nahezu täglich in der Eisdiele.

Muss man erwähnen, dass meinem Freund die Besitzer bekannt sind?!

Als wir also das erste Mal in der Eisdiele seines Vertrauens ankommen, mache ich mich zunächst mal noch mit den Gegebenheiten des Eiseinkaufs und der Sortenauswahl vertraut. (Zwei unterschiedliche Variationen Pistazieneis – ich bin im Himmel!) Als wir dann an der Reihe sind, bestell ich meine drei ausgeguckten Sorten und während die Eisverkäuferin mir die – selbstverständlich hausgemachten – Eisbällchen in die Waffeln manövriert, fragt sie plötzlich meinen Freund, woher ich denn sei.

Versteht mich richtig – ich habe ja zuvor ein paar Worte mit ihr gewechselt, sie sollte also zumindest geahnt haben können, dass ich zumindest des italienischen Grundwortschatzes mächtig bin. Dass mein Akzent mich verrät, okay, verstehe ich. Dass das dann Interesse weckt an meiner Herkunft, auch. Zumal ich ja nun mal mit einem ihr vertrauten termolesischen Gesicht in der Eisdiele aufgelaufen bin. Versteh ich alles völlig, keine Frage.

Was ich dagegen nicht verstehe: Wieso fragt sie nicht mich?

Sie spricht mich auf meine Tätowierung an, auf’s Wetter, auf’s Eis. Aber nicht darauf, woher ich denn komme? Wie. So?

Wir also ein paar Minuten später raus aus der Gelateria, laufen ums Eck, um vom nahegelegenen Plateau aus den Strand und das Meer zu betrachten, während wir so unser Eis (und natürlich unsere Zweisamkeit) genießen.

Ich hab’s versucht zu übergehen und ignorieren und ich hab versucht, hab ich wirklich, mir die Frage zu verkneifen. Aber ich hab’s nicht geschafft.

Nach einigen Schritten sag ich zu meinem Freund also mit als Neugier getarntem, aber seinerseits schnell entlarvtem Unverständnis: „Find‘ ich ja schon irgendwie unhöflich, dass die dich fragt, woher ich sei, wo ich doch nebendran steh. Hätte ja auch mich fragen können…“

Okay, zugegeben, ich bin nicht gut in „fare finta“. Tatsächlich versage ich auf ganzer Länge, wenn ich in Sachen Emotionen so tun soll als ob – noch offensichtlicher wird es, je besser mich jemand kennt. Ich glaube, meine Entrüstung stand mir wohl recht leserlich ins Gesicht geschrieben, während ich also versuchte herauszufinden, warum über meinen Kopf hinweg über mich gesprochen wurde.

Die Antwort seitens meines Freundes war zwar lehrreich, aber nicht unbedingt das, was ich hören wollte: „Naja, hier wird das als höflich empfunden, den Mann zu fragen.“

Na, was ein Glück wurde ich wenigstens auf meine Eisauswahl direkt angesprochen. Fehlte ja gerade noch, dass auch die er für mich bestellen müsste.

Ich stellte erst einmal klar, dass das zu Zeiten der Emanzipation ja wohl ziemlich lächerlich sei, um nicht zu sagen eben unhöflich, die Frau – zumal anwesend – so zu übergehen. Die Sache ist eben nur die: Bei meinem Freund renne ich damit offene Türen ein. Ihm brauche ich das nicht zu sagen. Und er ergänzte dann auch, dass man im Norden sicher direkt mich gefragt hätte, sobald man erkannt hätte, dass ich der Sprache zumindest soweit mächtig bin, mich im Alltag auszudrücken. Aber im Süden scheinen die Uhren irgendwie wohl einfach auch anders zu ticken.

Ich beschloss die Diskussion mit der Bemerkung, dass der Stadt wohl ein feministisches Zentrum mal ganz gut täte. Punto.

Und das nicht, weil ich überzeugte Feministin wäre. Im Gegenteil. Wenn überhaupt -istin, dann Humanistin und Egalistin. Aber dieser – nennen wir es – kulturelle Bruch hängt mir noch heute, 3 Tage später, nach.

Dieses etwas gewöhnungsbedürftige Verständnis von Höflichkeit hat doch ein bisschen an meinem Ego gekratzt…

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