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Oder: wie ich mich der Lächerlichkeit Preis gab.

Hmpf. Wir Deutsche gelten ja gemeinhin als ein relativ humorloses Volk. Ich möchte das zumindest von mir selbst zwar nicht behaupten (tut glaube ich keiner), aber das ist jedenfalls unsere Reputation. Nicht nur in Italien. Meiner Erfahrung nach, denken das auch Amerikaner und Australier von uns.

Ich dagegen bin grundsätzlich schon jemand, der auch über sich selbst lachen kann. Wenn, ja wenn(!), ich denn endlich diesen schmerzhaften Punkt der Scham überwunden habe.

Als wir vor zwei Abenden bei – wie soll es anders sein – einem Bekannten in der Pizzeria waren, um uns ein, zwei Stücke Pizza und ein, zwei kühle Biere (oder das, was man in Italien unter Bier eben so versteht) zu genehmigen, standen wir am Ende an der Kasse, um zu bezahlen.

Bis dahin alles schön und gut und fein. Und dann machte ich einen klassischen Fehler und tappte in die typisch-Deutsche-Falle, die ich sonst zumindest soweit umgehen kann, dass ich mir nicht die Blöße geben muss, für allgemeine Erheiterung gesorgt zu haben: ich hab aufgerundet! Trinkgeld gegeben! Was ein Faux-pas!

Als ich den Betrag von 6,70 Euro auf 7 Euro aufgerundet wissen wollte, fragte die Frau an der Kasse erst irritiert nach, nur um dann, nachdem ich meine Aussage wiederholt habe, gemeinsam mit ihrem Mann und meinem Freund in lautes Gelächter auszubrechen.

Mein Freund raunte mir noch erheitert zu, dass hier derjenige, der kassiert entscheidet, wieviel bezahlt wird. Woraufhin sein Bekannter lachend sagte „Naja, sie ist eben Deutsche“. Danach hab ich auf Durchzug gestellt.

Ich hätte am liebsten verschwinden wollen im allgemeinen Gelächter und dem ausgeprägt dialektal gefärbten Stimmentumult. Erde tu dich auf und verschluck mich.

Wegrennen galt nicht. Wegrennen gilt nie und macht im Zweifelsfall nur alles noch schlimmer. Also die Scham runterschlucken, versuchen zu ignorieren, dass man gerade einen hochroten Kopf hat und hoffen, dass die anderen so in ihrem Spott aufgehen, dass sie wenigstens das nicht auch noch bemerken.

Ich setzte halbherzig ein schiefes Grinsen auf und saß die ganze Sache aus. Eine gefühlte kleine Ewigkeit verging, bis sich alle wieder beruhigt hatten und wir endlich den Laden in Richtung casa verließen.

Auch wenn es danach kein Thema mehr war und ich sicher bald auch darüber lachen kann, dass ich in diese typische-Deutsche-Falle getreten war, im Moment bin ich noch damit beschäftigt, dieses Gefühl von Peinlichkeit zu verdauen.

Note 2 self *: Informiere dich im Internet beizeiten einmal über die Gepflogenheiten im Umgang mit Trinkgeld in Italien.

Naja, auch so lernt man seine Lektion. Und immerhin. Wer diesen Blog liest, kann zumindest vermeiden, selbst den gleichen Fehler zu machen und stattdessen aus meinem lernen. Gern geschehen, alles im Dienste der Völkerverständigung und des Allgemeinwohls, sozusagen. Und bevor ich mir jetzt gleich die Ehrenmedaille für das Meistern eines peinlichen Auftritts verleihen lasse, sei abschließend gesagt: im Zweifel gebt lieber kein Trinkgeld!


Update * – Ergebnis:

Trinkgeld sorgt für Verwirrung

Trinkgeld zu geben hat sich in Italien nie wirklich durchgesetzt. Da dieses schon in der Rechnung inbegriffen ist, ist es sogar sehr unüblich, die Summen aufzurunden. Meist wird das dann mit einem eher ratlosem Blick der Kellner quittiert. In manchen Bars und Cafés wird das Geben von Trinkgeld sogar als unhöfliche Touristen-Angewohnheit gesehen. Um nicht unangenehm aufzufallen, ist es also am besten einfach gar kein Trinkgeld zu geben oder maximal ein bisschen Wechselgeld am Tisch liegen zu lassen – so machen das auch die Italiener.

Quelle: Checkfelix.com

Comments

  1. Du hast ja, was deine Italienisierung anbetrifft große Pläne, wie ich auch aus deinem Artikel über Entschuldigungen entnommen habe. Ich hingegen glaube, dass ich weder in Beziehung auf die Sprache noch mein Verhalten mein Deutschsein jemals gänzlich ablegen kann. Ich gebe zwar kein Trinkgeld, weil man bereits „coperto“ (diese Art „inbegriffenes Trinkgeld“) bezahlt. Aber ich halte als Fußgänger und Autofahrer weiterhin bei rot. Ich äußere häufig Ansichten, die in Italien allgemein für naiv gehalten werden… zum Beispiel wenn ich meiner Hoffnung auf Bestrafung von Leuten, die wilde Mülldeponien mit Giftstoffen anlegen, äußere. Ich bin weiterhin pünktlich, wenn ich einen Termin habe. Und, und, und…

    Man muss halt in seinen deutschen Gewohnheiten nur liebenswürdig bleiben und darf sich selbst nicht so ernst nehmen. Immerhin hat sich dein Freund in dich verliebt, wie du warst. Also wird er dich auch so weiterlieben.

    • Nein, nein, oh Gott, so meinte ich das nicht. Ich bezog das mehr darauf, einfach etwas entspannter zu werden. Das hab ich allerdings nicht erst vor, seit ich mit einem Italiener zusammen bin… Das täte mir insgesamt recht gut 😀 Ich will mich ja nicht völlig aufgeben und verändern. Das seh ich natürlich genau so wie Du! Ich bezog das vor allem auf die Sprache, Sprachverwendung und Aussprache. 😉

  2. In meinem Italienleben gab und gibt es verschiedene Momente, in denen ich die „das sitze ich jetzt mit schiefem Lächeln aus“-Taktik anwende: Wenn man bis dato unbekannten Leuten vorgestellt wird und zur Sprache kommt, dass ich Deutsche bin, kommt in gefühlt 80% Prozent der Fälle ein joviales Lachen (blöd fiele mir auch noch ein) und „Ahahaha, Stuntzpatafühlen“ – bezogen auf irgendein uraltes Komik, in dem die Deutschen ganz klassisch als dumpfbackige, zackige Militärs vorkommen. Oder wenn ich auf „Angela“ und ihre Politik angesprochen werde, als wäre ich nicht nur ihre offizielle Italienrepräsentanz sondern auch ihr größter Fan.
    Meine sprachlichen Faux-Pax sind ungezählt aber, den Peinlichkeitsmoment erst einmal überwunden, eigentlich ganz lustig. Ich erinnere mich gut an das Gesicht eines Freundes, als ich ihm einen kleinen Feigling als „Vodka alla fica“ anbot – nichtsahnend, dass die Feige „il Fico“ ist, und das Wort in der weiblichen Form ein ordinärer Ausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan ist…

    • Jaja, für Angie’s Verfehlungen werde ich auch gern verantwortlich gemacht. Als könnt ich was für ihre Politik, geschweigedenn dafür, dass sie überhaupt noch im Amt ist… 😀 und joa, die Sprachfehlerchen betrachte ich mittlerweile auch etwas entspannter. Ich halt mir halt immer vor Augen, dass ich umgekehrt ja auch Fehler verzeih, wenn jemand meine Sprache lernt. Und das mit dem Tringeld hab ich nun sicher ein für allemal gelernt…. 😀

  3. In diese Falle bin ich auch getappt. Es gibt soviel ich weiß (ich habe in Italien selten selber bezahlt) sogar einen Preis für Gäste die an der Bar stehen und einen anderen Preis für Gäste an Tischen, die bedient werden.
    Meine Mutter lebt in Italien, sie ist dorthin in den 80gern ausgewandert. Ich liebe Italien, das Essen, die Natur, die Menschen.
    Und ja es stimmt man hält uns Deutsche für humorlos. Ich lebe in der USA und als ich jemand erzählt hatte, das wir deutsche zum lachen in den Keller gehen, hatte der das wirklich geglaubt lol.

    • Hey Stefanie! Danke für deinen Kommentar und herzlich willkommen! 🙂
      Ja, Trinkgeld ist echt nicht üblich dort. Allerdings muss ich sagen, dass mein Freund auch schon nach Hause kam und Trinkgeld erhalten hatte – nicht mal wenig und von einem italienischen Gast. Aber es ist definitiv mehr die Ausnahme als die Regel… 😉 Ansonsten gilt: „Die, die etwas verkaufen, bestimmen, wieviel Du bezahlst.“ 😀 Aber schön zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, die sich diese Blöße schon gegeben hat. 😉
      Ich liebe auch das Essen, vor allem aber dessen Rolle in der Kultur und die Art, wie Italiener ans Leben herangehen. Leider kann ich davon in meiner aktuellen Situation wenig mitnehmen, so dass es mal auf mich ein bisschen abfärben könnte, aber ich hoffe ganz fest, dass sich das bei einem längeren Aufenthalt dort, der im besten Fall der Rest meines Lebens sein wird, irgendwann einschleicht! 🙂 Ich glaube, die Amerikaner haben da eine ähnliche Herangehensweise, das Leben einfach zu nehmen, wie es kommt und sich nicht Probleme zu schaffen, wo gar keine sind oder wären… Allerdings ist schon beachtlich, wo auf der Welt wir überall als humorlos empfunden werden… 😀 Langsam fang ich an, beleidigt zu sein…! 😀
      LG

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