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Ich weiß nicht, wie andere Sprachen lernen, aber mal abgesehen von Vokabeln lernen und Grammatikregeln verstehen zu versuchen oder wahlweise auswendig zu lernen, funktionieren für mich vor allem Eselsbrücken besonders gut.

Und deshalb freu ich mich zum Beispiel immer, wenn ich über die ein oder andere Formulierung stolpere, die mir den Luxus gönnt, eine Redewendung eins-zu-eins übersetzen zu dürfen. Ohne mich dadurch zum Affen zu machen, versteht sich.

Wenn ich meinen Freund einmal zu oft auf solche „Sprachphänomene“ aufmerksam mache, folgt in der Regel so etwas wie: „Oh, welch Wunder. Weißt Du, Schatz, das Römische Reich hat sich auch über unser Land erstreckt.“ *hmpf* 😀

Aber ernsthaft – und blöde Sprüche hin oder her – mir helfen solche „modi di dire“, die auf Deutsch und Italienisch, wahlweise auch auf Englisch und Italienisch* gleich funktionieren, unheimlich beim Erlernen der Sprache.

*Ich erinnere an dieser Stelle an das grünere Gras in Nachbars Garten…

Das ist mitunter auch ein Grund dafür, weshalb ich, selbst bei den dümmlichsten Fernsehsendungen der Italiener, bisweilen wie gebannt an deren Lippen hänge. Nicht, weil der Inhalt der Sendung so außerordentlich spannend ist oder weil die Menschen besonders intelligente, hochkomplexe Dinge von sich geben. Sondern, damit ich die ein oder andere Redensart oder Ausdrucksform aufschnappen kann und so mein Vokabular aufstocken kann.

Also, natürlich kommt es auch vor, dass ich keine Ahnung habe, von dem, was gerade gesprochen wird, aber um so wichtiger ist es mir, wenigstens unter den paar Fetzen, die ich dann doch kapiere, die ein oder andere Formulierung aufzutun, die meinen Sprachschatz berreichert. (Ich bin ein linguistisches Trüffelschwein, haha!)

Immer mal wieder stolpert man auch über so nette Nebenbei-Zufälle im molisischen Dialekt, wie Matratze (im Dialekt: matrazzo), die ja ohnehin schon einen sichtbaren gemeinsamen Wortursprung mit „materasso“ hat, oder Petersilie (eigentlich „prezzemolo“), die bei den Molisen petrolisio ausgesprochen wird.

Aber im Grunde spreche ich eher von so feststehenden Redewendungen, die eine Sprache eben ausmachen. So etwas wie den bzw. die luna di miele, zum Beispiel. Macht als Mond des Honigs oder Honigmond im Deutschen wenig Sinn. Wenn man aber weiß, dass im Englischen die Flitterwochen honeymoon genannt werden, wird einem da schon etwas klarer. Klingt Honigmond zwar vielleicht etwas klebriger als Flitterwochen, aber irgendwie auch romantischer. 😀

Für’s Deutsche gibt es solche Paarungen allerdings aber durchaus auch. Und teilweise sind die sogar recht gut zu gebrauchen!

Bleiben wir mal kurz bei der Romantik. Sich wie im siebten Himmel fühlen, beispielsweise, kann man sich genau so auch im Italienischen: sentirsi nel settimo cielo. Und nach den ersten verliebten Wochen, ist man sich dann hoffentlich bald mehr als sicheressersi più di sicuro.

Wenn nicht, sollte man gegebenenfalls vielleicht nochmal eine Nacht über die Sache schlafen, dormire sopra la cosa. Immerhin ist die Nacht noch jungla notte è ancora giovane.

Wer dann aber immer noch beim andern bleibt und ihm etwas vorgaukelt, hat wirklich keinen Skrupel, non ha scrupolo.

Mal sehen, was ich in der nächsten Zeit noch so an Redewendung-Schätzen so bergen kann…

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