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Zur Sprache. Als ich 2013 in Australien war, hat sich mein eigentlich eher amerikanisches Englisch innerhalb weniger Tage an den australischen Akzent angepasst. Ich habe typische Ausdrucksformen, wie mate oder G’day fast sofort in meinen Sprachschatz aufgenommen und eingesetzt. Habe lots / much ohne weiter drüber nachzudenken durch das dort gängige heaps ersetzt.

Nun spreche und schreibe ich seit nahezu einem Jahr täglich Italienisch. Nicht nur hat es meinem Vokabular unglaublichen Schub verliehen, sondern es schleicht sich gerade aufgrund der häufigen Nutzung fast unmerklich in meine Alltagssprache ein.

Wo ich früher oft beim Fluchen auf das wenig kreative, aber sehr ausdrucksstarke F*ck gesetzt habe, entfleucht mir heute stattdessen dann eben ein vaffanculo. Nicht das Gleiche, aber nah dran und sinngemäß kommt’s schon hin.

Auch ma che cazzo… rutscht mir bisweilen unkontrolliert über die Lippen, wo ich früher vielleicht so etwas wie Sch**ße gesagt hätte.

So weit. So gut.

Wenn’s dann allerdings zu Szenarien wie dem folgenden kommt, kann’s schon mal „peinlich“ werden. Da steh ich dann schon mal an der Kasse im Supermarkt oder vor dem Bahnschalter, egal, möglich ist so ziemlich alles, was irgendwie einen Service- und Kundenkontaktbereich abdeckt. Und werde beispielsweise beim Bezahlen nach Payback- und / oder diversen Kndenrabattkarten gefragt. Hab ich alles nicht, bin aber geistesabwesend genug, dann mit: no zu antworten. (Wahlweise mit si, je nach Ausgangssituation, versteht sich.)

Oder aber, erst gestern passiert: ich wollte mir ein Eis kaufen und war hellauf begeistert, dass mein Lieblingseisladen die Sorte „Dunkle Schokolade“ ins Sortiment aufgenommen hat. Zuvor sendete ich noch eine schnelle Whatsapp-Sprachnachricht an meinen Freund. Belangloser Inhalt: „Ich hole mir jetzt noch ein Eis, rate welche Sorten?“ (Er hat mit Schokolade und Pistazie übrigens 100% richtig gelegen. Nicht, dass das ein Kunststück wäre, bei meinem Pistazienfimmel, aber für die, die’s interessiert, sei’s der Vollständigkeit halber erwähnt. 😉 )

Dunkles Schokoeis habe ich tatsächlich das erste Mal bei meinem letzten Trip nach Italien gegessen und war entsprechend angetan, es nun auch beim Eisdieler vor Ort zu finden. Statt Dunkle Schokolade habe ich also cioccolato fondato bestellt. Ganz so, wie ich’s in Italien letztes Mal gelernt hatte.

Glücklicherweise sind die Eisverkäufer Italiener, Probleme gab’s also keine, aber ein verdutzter Blick war im Kaufpreis inbegriffen.

Ich fürchte, es wird mir noch das ein oder andere Mal öfter passieren, dass mein Sprachzentrum nicht richtig sortiert.

Zwei der wichtigsten Sprachzentren (Wernicke- und Broca-Areal)
Zwei der wichtigsten Sprachzentren (Wernicke- und Broca-Areal)

In seltenen Momenten passiert es schon auch einmal, dass ich im Gespräch mit meinem Freund den ein oder anderen deutschen Wortbrosamen einstreue. (Von wegen, ich würde kein Deutsch mit ihm sprechen, HA! 😀 )

Ich schieb‘ das ja tatsächlich auf die Lexika im Kopf, die man sich beim Sprachenlernen automatisch anlegt. Die sind bei mir, vielleicht auch, weil ich eben viel durch Eselsbrücken lerne, einfach nicht oder noch nicht klar genug aufgeteilt. Man darf also sicher noch so auf die ein oder andere Sprachmatschepisode gespannt sein.

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