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fernweh Heimweh vs. FernwehDas blöde an Fernbeziehungen – zumal an einer, die über die Landesgrenzen hinaus geht – ist, dass man sich irgendwann in der eigenen Wohnung nicht mehr so richtig zu Hause fühlt. Irgendetwas fehlt einfach. Irgendwer fehlt einfach.

Irgendwie treibt einen der Gedanke nach dem Wiedersehen ständig um:
Wann? (Nie schnell genug.)
Wie lange? (Immer zu kurz.)
Wieso? (Ist ist die gemeinsame Zeit immer so schnell vorbei…)

Das Leben zu Hause gerät ein wenig in den Hintergrund, weil selbst die gemütlichste, eigenhändig eingerichtete Wohnung leblos erscheint, wenn man ständig von sehnsüchtigen Gedanken und Wünschen umgeben ist.

Natürlich hält man sein Leben aufrecht: Arbeiten, Freunde, Einkaufen. Das alles findet natürlich weiterhin statt, aber am Ende des Tages kommt alles auf diesen einen zentralen Punkt zurück: Wie lange soll oder kann das noch so weitergehen?

Ich stelle mir diese Frage in letzter Zeit häufiger. Nach einem Jahr. Ein weiteres haben wir uns gegeben, dann möchten wir unser Leben endlich gemeinsam führen. (Darüber berichte an anderer Stelle ausführlich.)

Immer wenn ich zurückkomme von verlängerten Wochenenden, Kurzurlauben, etc. folgt meinerseits der quasi-obligatorische Anruf bei meiner Mutter. „Ja, ich bin gut angekommen. Ja, mir geht es soweit gut…“

Was heißt soweit?

Soweit heißt, dass ich großes Heimweh habe. Nicht zwingend nach der Fremde. Kein wahres Fernweh also. Obwohl auch dies mich seit meinem Urlaub in Australien ein wenig plagt. Und obwohl auch dies sicher einen Teil zu unserer Entscheidung beigetragen hat, dass ich zu ihm, statt er zu mir ziehen werde.

Fernweh, der Wunsch nach einer einschneidenden, alles (einschließlich mich selbst) verändernden Erfahrung, die Herausforderung, mich in einem neuen, fremden Land zurechtzufinden, eine neue Kultur anzunehmen. Auch das hat ein wenig Besitz von mir ergriffen.

Das Heimweh allerdings, ist viel, viel schlimmer.

heimweh Heimweh vs. FernwehDas liegt daran, dass Heimweh nicht zwingend an einen Ort gebunden ist.

Wenn meine Mutter mich also fragt, ob es mir gut gehe, dann meine ich mit „soweit ja“, dass ich einfach unglaubliches Heimweh nach meinem Freund, nach unserer Beziehung, unserer Zweisamkeit habe.

Natürlich mischt das Fernweh nach Meer und einer positiveren Lebenskultur gehörig mit.

termoli_1 Heimweh vs. Fernweh
Termoli vom Hafen aus
(By Zitumassin (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons)
Aber das Heimweh ist ein nahezu zerstörerisches Element.

Ich begegne ihm mit gemischten Gefühlen, weil es mich einerseits dazu bringt, mir neue Ziele zu setzen. Mich motiviert, mich neuen Herausforderungen zu stellen und sie anzugehen.

Andererseits legt es mich gleichzeitig lahm, weil es eine unglaubliche Kraft ist, die mich dazu bringt, mein Leben, meinen Alltag, mein Handeln auf sich auszurichten.

Was davon schwerer wiegt? Das ist jeden Tag anders. Dank dem Heimweh weiß ich also auch nie, was ich am nächsten Tag von mir selbst zu erwarten habe.

Comments

  1. Jeder Umzug in ein anderes Land ist ein großer! Für mich war das erste Mal Auswandern, also in die Türkei ein viel größerer Schritt als jetzt zu sagen, dass ich weiter in die USA ziehe. Deine Gegenüberstellung von Fern- und Heimweh finde ich schön. Ich glaube, viele von uns wollen lieber bei einer bestimmten Person als an einem bestimmten Ort sein …

    • 🙂
      Ja, der erste Schritt ist wohl immer der größte. Da hängt noch diese völlige Unerfahrenheit mit und bei allem drumherum mit dran. Das macht es in all seinen Facetten aufregend. Ich beneide dich ein bisschen darum, dass Du das schon hinter dir hast.
      Und klar, home is where the heart is – und das ist wohl meistens eher eine Person als ein bestimmter Ort. Ich muss aber dazusagen, dass ich mir schon erhoffe, dass etwas von der positiveren Lebenseinstellung der Italiener, so wie ich sie bisher kennengelernt habe, auf mich abfärbt, wenn ich dorthin gehe. Wir werden sehen 🙂 Freut mich übrigens mit der neuen Umzugsfirma. Ich drück die Daumen, dass der Rest jetzt etwas geschmeidiger vonstatten geht!
      Vielleicht kann ich mir ja von deinen Erfahrungen das ein oder andere noch abgucken oder ab“lesen“, bevor’s dann richtig losgeht für mich.

      • Gerne 🙂 Du wirst es auf jeden Fall viel einfacher haben, weil du innerhalb der EU bleibst. Da fallen viele Probleme automatisch weg, wie z.B. der Zoll und die Papiere für ihn beim Umzug über die Grenze. Die Versicherungen sind einfacher und und und. Ich freue mich schon, bei dir zu lesen, wie es dann läuft!

        • Hehe – ich „freu“ mich schon, darüber zu schreiben. Einige Probleme fallen sicher weg, aber dennoch wird’s einem wirklich nicht einfach gemacht. Ich bin – aller Ungeduld zum Trotz – gerade echt froh, dass wir uns noch ein Jahr gegeben haben. Ich muss erstmal Informationen sammeln und filtern. Allein das ist schon echt eine Herausforderung. Aber wird schon werden. 😉 Dank Geschichten wie der/den deinen, find ich immer wieder Motivation, dranzubleiben!

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