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Wie in jeder Beziehung, kommt auch bei Fernbeziehungen irgendwann der Punkt, an dem man seinen Partner der Familie vorstellt. Bei mir gestaltet sich dies durch mehrere Komponenten einigermaßen … nun … nennen wir es: interessant.

  1. Meine Eltern sind geschieden
    Das heißt, es stehen nicht nur ein Familienbesuch, sondern gleich zwei auf dem Programm.
  2. Trotz italienischer Wurzeln spricht in meiner Familie keiner mehr Italienisch
    Da mein Herzallerliebster allerdings auch kein Deutsch spricht, bin ich mehr oder minder in der Übersetzerrolle, was Gespräche recht langatmig und bisweilen anstrengend macht.
  3. Meine Mutter

Wir „wollten“ also zu meiner Mutter fahren.

Nach mehreren Telefonaten darüber, wann – also, Tag, Uhrzeit, etc. – und wie – Zug- bzw. wo – welcher Bahnhof -, war eigentlich soweit alles geplant, getimed und abgestimmt.

Wie Mütter – oder zumindest meine – aber nun einmal so sind, sind sie eben auch immer um das Wohlergehen besorgt. Also konnte meine Mutter nicht umhin, mich am vereinbarten Tag doch nochmal anzurufen, ob es denn bei Uhrzeit, Bahnhof usw. bliebe oder ob sich irgendetwas ändern würde:

Nein, Mama, alles so, wie abgesprochen.

Bis hier hin: solito. Standard.

Ich freute mich schon, das Gespräch so schnell beendet gehabt und ihre Zweifel ausgeräumt zu haben, als sie die Frage stellte, die meinem Freund das blanke Entsetzen ins Gesicht treiben sollte:

Soll ich was kochen? Ich könnte Spaghetti machen?!

Natürlich hat er sie nicht verstanden, aber ich wollte – die Höflichkeit gebot es -, bevor ich eigenmächtig ablehnte, meinen Freund wenigstens gefragt haben. Ein Grinsen konnte ich mir beim Übersetzen natürlich nicht verkneifen.

Amò, mia mamma chiede se dovesse cucinare, dice che potrebbe fare gli spaghetti?!

Nie werde ich seinen Gesichtsausdruck vergessen und kann mich noch heute köstlichst darüber amüsieren.

img-20150517-wa0001 Spaghetti alla tedesca
Spaghetti hausgemacht – echt italienisch eben.

Offiziell lehnten wir mit der Begründung ab, dass wir selbst schon gekocht hätten und noch vor unserer Abfahrt gemeinsam essen würden. Inoffiziell war der Grund natürlich der, dass er seine italienischen Geschmacksknospen schon kurz vor deren Verkümmerung sah. Übertrieben, klar, aber ein perfektes Beispiel dafür, wie eigen die Italiener sind, geht es um ihre Pasta oder grundsätzlich ums Essen, oder nicht?! 😉

Comments

  1. Hahaha das klingt ja nach einer witzigen Geschichte 😀
    Aber unser italienischen Freunde sind auch total wählerisch beim Essen – sowohl in Italien als auch als sie bei uns in Österreich zu Besuch waren.. ich find das trotzdem total lieb 😀

    Alles Liebe, Katii von Süchtig nach…

    • Ja, ach, ich denke, das Leben bietet generell sehr viele witzige Aspekte, die man viel zu leicht übersieht und wenn dann noch so culture clashes dazu kommen, grad‘ umso mehr. Hab meiner Mum allerdings auch nichts davon erzählt hehe sonst wär sie am Ende vielleicht noch beleidigt gewesen 😀

  2. Das mit dem Essen und den kulturellen Unterschieden kannst du laut sagen! Wenn mein Schwiegervater bei deutschem Essen diplomatisch meint, das seien eben die „sapori tedeschi“ kann man sich sicher sein, dass er den Geschmack gerade noch so toleriert. 😉

    • hahaha 😀 Ja, sie haben’s schwer mit uns 😀 Meiner Erfahrung nach wirds beim typisch deutschen Essen (Sauerkraut, Bratwurst, wasweißich) dann doch gut angenommen. Aber wehe wir vergreifen uns an italienischen Rezepten xD

      • Ja, und wie verwundert sind sie, wenn man so gar nicht ins „Deutschen-Schema“ passt! Ich mag zum Beispiel kein Bier und finde Weißwurst ziemlich eklig. Ich habe auch noch nie den Hang verspürt, Currywurst zu essen. So etwas führt sehr oft zu Irritationen. *lol*

        Dafür kommt Kartoffelsalat immer sehr gut an. … und ich versuche alles nicht zu kochen, was Mamma Maria macht. An den Geschmack von Mamas Essen kommt ja sowieso niemand ran. 😉

        • Ich machs mir gleich ganz einfach und lass ihn kochen 😀 hehehe so komm ich gar nicht erst in die Verlegenheit mit Mamma mithalten zu müssen 😀 aber stimmt, Kartoffelsalat hab ich meinem auch schon versprechen müssen, mal zu machen. 😉 Aber sicher nich jetzt im Hochsommer in Molise ahahaha

          • Ach, zum Grillen ist der doch super. Man kann ihn allerdings tatsächlich erst kurz vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank nehmen… und grillt am besten abends. 😉

          • Stimmt eigentlich. Unter den Umständen wäre das tatsächlich vielleicht sogar eine Überlegung wert 😀

  3. Haha, die Situation kann ich mir sehr gut vorstellen! Andersherum dachte die Mutter meines Exfreundes wohl auch einmal, ich wolle sie vergiften, als ich fertige Sandwiches mit zu einem Ausflug brachte – während in der Türkei alle Zutaten mitgenommen und dann erst vor Ort das Essen gezaubert wird.

    • 😀 Hahaha, großartig. 😀 Ja, es dürfte wohl ein ähnliches Gefühl zugrunde gelegen haben 😀 Ich find‘ beim Essen sind die Unterschiede zwischen den Kulturen mit am deutlichsten zu erleben…! 😀

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