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#1. Dein Koffer steht immer griffbereit zur Verfügung

Zumindest meiner. Und zumindest zu Zeiten, in denen ich häufiger zu ihm, als er zu mir reist. Ab September wird er wohl den Weg in den Schrank erst einmal wieder finden, weil meine Urlaubstage dann leider soweit aufgebraucht sind.

Momentan aber lohnt es sich einfach nicht wirklich, ihn zu verstauen. Kaum ausgepackt, wird er ja ohnehin schon wieder befüllt.

#2. Das Flughafenpersonal begrüßt dich, wie einen alten Bekannten

Jedenfalls dann, wenn man immer mit der gleichen Airline unterwegs ist. Bei uns ist das so. Aus preislichen, wie auch aus Lokalitätsgründen. Ich bin zwar zu Anfang wegen Direktflugmöglichkeiten auch mit größeren Airlines geflogen, aber seit mein Freund in den Süden zurückgekehrt ist, ist die Auswahl der näher gelegenen Flughäfen doch einigermaßen eingeschränkt.

Mittlerweile halte ich mit dem ein oder andern Kontrolleur auf dem Flur während der Wartezeiten schon immer mal einen kleinen Smalltalk. Und wenn ich bei einem mir bekannten Kontrolleur zur Kofferinspektion marschiere, brauch ich auch mittlerweile keinen Ausweis mehr vorzeigen. Der weiß schon, dass das passt.

#2.1. Deine Flugroutine ist „der Shit“

Die 100-ml-Regelung ist längst kein Problem mehr, dein Reiseoutfit prüfst Du schon vorab auf Metallelemente und Elektrogeräte packst Du erst gar nicht mehr in den Koffer, um nachher nicht unnötig darin rumwühlen und anderen Passagieren eher unfreiwillig Einblick in deinen Kleiderschrank-auf-Zeit geben zu müssen. Das Sortiment der Flughafenläden kennst Du aus dem FF und den Weg zur Toilette kannst Du inzwischen in mindestens drei unterschiedlichen Sprachen beschreiben.

#3. Videochat und Messenger werden deine besten Freunde

Leider lässt es die moderne Technik immer noch nicht zu, sich beamen zu lassen. (In eigener Sache: Wird Zeit, dass das endlich mal jemand erfindet, bitte, danke!) Also musst Du – und im Vergleich mit vor einigen Jahrzehnten ist das echter Luxus – auf das zurückgreifen, was man eben machen kann. Videotelefonie und Messengerapps.

Wenn ich überlege, was ich früher noch Ärger bekam, wenn ein Telefonat mal weiter als aus dem Vorwahlradius hinausging oder geschweigedenn länger gedauert hat, als 10 / 15 Minuten („Die Rechnung zahlst Du!!“), ist die Erfindung von solchen Diensten ein wahrer Segen. Allein der Gedanke, ich müsste vielleicht aufs Briefe- statt aufs Whatsappschreiben zurückgreifen lässt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen.

Nicht, weil ich Briefeschreiben doof fände. Aber die brauchen ja teilweise heute noch mehrere Tage bis sie ankommen. Wie muss das erst früher gewesen sein? Gruselige Vorstellung.

Also heißt das Mittel der Wahl: Videochat und Messenger.

#4. Kaum einen Satz sagst Du so oft, wie „Ich vermisse dich“

Ehrlich, ich kanns schon nicht mehr zählen. Täglich mindestens einmal. Eher mehr. Und wenn man sich besonders einsam fühlt oder besonders lang auf das nächste Wiedersehen warten muss, steigt die Häufigkeit expotential an.

(Ich habe bei mir zum Beispiel beobachtet, dass je näher der Tag des Wiedersehens rückt, desto eher wird „Ich vermisse dich“ durch „Gott sei Dank, nur noch xx Tage“ ersetzt.)

#5. Du zählst die Tage

Jeden Morgen denkst Du dir: Nur noch heute, dann sind es schon nur noch 4 Wochen.

Jeden Abend denkst Du dir: Morgen sind es schon nur noch 3 Wochen und 6 Tage.

Oder Du machst es wie ich und stellst deine Rechnung so großzügig auf, dass bspw. 2 Wochen und 5 Tage schon nur noch 2 einhalb Wochen sind. Außerdem klingt 2 Wochen und 6 Tage wesentlich besser als 3 Wochen. Oder fast drei Wochen. Es „klingt“ kürzer. Macht natürlich absolut keinen Sinn, aber irgendwie hat sich dieses Gedankenspiel eingebürgert. Auch 2 Monate klingen kürzer als 8 Wochen, übrigens. Dauert zwar faktisch gleich lang, hört sich aber kürzer an. Und wenn man den Selbstbetrug wirklich gemeistert hat, fühlt es sich vielleicht auch kürzer an. So weit bin ich aber noch nicht.

Einen Nachteil hat das ganze.

Da eure Zeit zusammen in der Regel immer um circa 4/5 kürzer ist, als die Zeit, die ihr aufeinander wartet, zählst Du auch während ihr beieinander seid. Bei mir sieht das dann so aus: 1. Tag – Ankommen (i.d.R. abends, also eh schon gelaufen eigentlich), 2. Tag – Geniiiieeeßen, 3. Tag – Oh Mann, übermorgen muss ich schon wieder weg (i.d.R. morgens, wenn’s dumm läuft, also zählt der Tag auch nicht wirklich, weil da hat man ja auch nix voneinander), 4. Tag – Das Leben ist ein Arsch! (nett ausgedrückt.

Und so entsteht ein Kreislauf, denn am Abreisetag fängt das ganze Spiel natürlich schon wieder von vorne an.

Aktueller Stand: Noch exakt 2 Wochen – dann sollt‘ ich, wenn nicht wieder so ein Chaos passiert, wie zuletzt, sogar schon angekommen sein. Also … da heute ja quasi irgendwie schon vorbei ist … sind’s genau genommen nur noch eine Woche und 6 Tage … 😉

Comments

  1. Je weiter ich gelesen habe, desto breiter wurde mein Grinsen – ich habe mich in exakt jedem einzelnen Wort hier wiedererkannt. 😀
    Vor allen Dingen beim Tage zählen – egal in welchen Kombinationen. 😉
    Glücklicherweise konnte ich diese anstrengende Zeit nach dreineinhalb Jahren hinter mir lassen. Ich denke sie hat uns sehr zusammen geschweißt… und wenn man eine Fernbeziehung meistert, dann kann man eigentlich alles zusammen schaffen. 🙂

    • Ich hoffe auch, dem Ganzen nächstes Jahr langsam mal ein Ende setzen zu können. Es zehrt schon sehr an der emotionalen Substanz. Es freut mich aber immer, zu hören, wenn es bei anderen geklappt hat! 🙂 Das macht mir arg viel Hoffnung und gibt noch mal wieder so einen Schub Durchhaltekraft. Wobei bei Euch ja auch noch eine erheblich größere Distanz zu überbrücken war! Davor habe ich wirklich eine heiden Respekt!! Und es freut mich echt für Euch, dass ihr das hinter Euch gebracht habt und es Euch zusammengeschweißt hat. 🙂

    • Ich kann das schon, sofern die andere Hälfte auch mitzieht – und mich schafft zu überzeugen, dass ich ihr vertrauen kann 😉 Aber ich bin eigentlich eher jemand, die sehr viel Nähe braucht, deshalb brauch ich bei so einem Unterfangen immer die Aussicht darauf, dass es nur vorrübergehend ist und man darauf hinarbeitet, es zu beenden.
      Beendet wurde es ja dann. Aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte 🙁

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