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Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber immer häufiger fällt mir auf, dass ich, seit ich einen Italiener zum Freund habe, auch immer wieder Italiener kennenlerne. Und auch immer häufiger. Bevor ich in dieser – übermorgen übrigens immerhin ein Jahr alte – Beziehung war, kannte ich in meinem Freundeskreis genau einen Italiener. Aus Sardinien. Die eigene Familie in Mailand lasse ich an dieser Stelle erstmal außen vor, denn mit denen hielt und hält sich der Kontakt schlichtweg in Grenzen.

Ich hatte also diesen einen Bekannten aus Sardinien, der zunächst wahlweise Englisch oder Italienisch (ich hatte es da gerade ein Jahr lang gelernt) oder einen Mix aus beidem, mit mir sprach. Seit ich meinen Freund habe, stieg die Zahl der italienischen Bekannten und Freunde auf circa 10 an. Das ist fast einer pro Monat, wobei sich die meisten Bekanntschaften ergeben, wenn mein Freund bei mir ist.

Scheinbar ziehen die sich an, wie Magneten 😀

Am Wochenende war es also einmal wieder soweit. Ich war mit Freunden unterwegs. Ein Musikwochenende. Und als wir samstags nachts nach dem Konzert nach Hause gingen, fragte ein Bekannter aus München, ob ich für seinen Kumpel eine Schlafmöglichkeit hätte.

Klar hab ich.

Also schläft am Samstag auf Sonntag Giorgio bei mir. 😀

Mit ihm habe ich bequemerweise sowohl Deutsch als auch Italienisch sprechen können, aber vor allem konnten wir uns herrlich über Klischees und Eigenheiten austauschen. Nach dem (obligatorischen) Caffè (um drei Uhr nachts) kamen wir schnell auf die Sprache zu sprechen.

Ich erinnere mich wie ich damals – des Italienischen bis auf die Zahlen 1 bis 10 und si und no nicht weiter mächtig – immer das Gefühl hatte, Italiener würden so unglaublich schnell reden. Es schien mir absurd, dass man eine Sprache diesen Tempos überhaupt verstehen könnte.

Als ich nun vergangenen Samstag mit Giorgio genau darüber sprach, traf mich die Weisheit wie ein Blitz: was, wenn Italiener gar nicht viel schneller sprechen, als wir Deutschen, wenn wir Deutsch sprechen, sondern es uns nur so vorkommt, weil wir die Sprache nicht verstehen?! Denn zugegeben, je länger ich Italienisch spreche und häufiger ich es anwende, je vertrauter mein Umgang damit also, desto weniger schnell scheint mir die italienische Sprache.

Und selbst wenn ich nachwievor natürlich nicht jedes Wort verstehe, verstehe ich im Zusammenhang das Gesagte, auch wenn das ein oder andere Wort eine lexikale Lücke lässt, eine Sinnlücke bleibt nicht zwingend.

Am Ende kamen wir Samstag also – zugegeben, etwas an-alkoholisiert – zu dem Schluss, dass Italiener letztendlich gar nicht schneller Italienisch sprechen, als wir Deutschen Deutsch. Sie sprechen nur einfach viel mehr! 😀

Wahrscheinlich ist auch das nur eine (falsche) Wahrnehmung, aber zumindest musste auch Giorgio zugeben, dass Italiener eben alles, was Sie sagen „aus drei verschiedenen Perspektiven erzählen“. Mir wenigstens scheint es, als ob zumindest alles, was gesagt wird, auch nochmal begründet wird und dann die Begründung wiederum damit begründet wird, was alternativ passieren würde, wenn man nicht so sondern anders………… Ihr versteht, worauf ich hinaus will. 😀

Anmerkung: Ich behalte mir das Recht vor, ggf. die abschließende These zu gegebener Zeit zu widerlegen. 😉

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