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Montag, 17. August.
Nun sitze ich seit 07.30 / 7.40 Uhr also wieder brav an meinem Schreibtisch im Büro neben dem großen Fenster und schiele auf den wolkenverhangenen, süddeutschen Himmel da draußen. Gelandet bin ich am Samstag Abend, etwas früher, als geplant, und bin deshalb zu einer moderateren Uhrzeit nach Hause gekommen, als ich zunächst befürchtete.

Allerdings.

So richtig angekommen bin ich noch nicht

Den Sonntag habe ich damit verbracht, meinen Koffer zu entpacken und alles was nötig war in die Waschmaschine zu stopfen. Aber auch das eher halbherzig und eher „zwangsläufig“, da ich heute Besuch bekomme, ein Bekannter aus Rom, dem ich für einige Tage ein Dach über dem Kopf angeboten habe. Und da er im gleichen Raum schlafen wird, in dem ich sonst meine Wäsche – wenn’s das Wetter nicht anders zulässt, was nun eben hier nunmal der Fall ist – trockne, musste der ganze Kladderadatsch eben erledigt werden, bevor mein Mitbewohner-auf-Zeit sein Übergangsquartier bezieht.

Den Rest des Tages habe ich damit zugebracht, die neuerliche Umstellung bzw. Rückkehr in mein Einpersonenleben einigermaßen zu verkraften; zu verarbeiten, dass ich nun wieder alleine zu Bett gehe, schlafe, aufwache. Ich war ein bisschen wie ein Roboter unterwegs gestern, hab‘ mich gefragt, wieso es ausgerechnet im erzkatholischen Italien auch sonntags noch möglich ist, das Nötigste für den alltäglichen Bedarf einzukaufen, in unserer so hoch gepriesenen freien Marktwirtschaft aber nicht und habe lange und viel hin- und her- überlegt, ob ich diesen Eintrag bereits gestern verfassen soll. Dagegen entschieden hab ich mich nicht zuletzt auch deshalb, weil gestern noch alles so frisch war: die Trennung, die Reise, die Rückkehr, das Gefühlschaos, das Alleinsein. Dazu kam dieser nicht endende Regen und der Umstand, dass meine Gedanken, meine Erlebnisse, meine gesammelten Blogpost-to-be-Infos und Fotos noch gar nicht richtig sortiert waren. Und es eigentlich auch immer noch nicht sind.

Ich sitze jetzt also hier, bearbeite mehr schlecht als recht die eiligsten der angefallenen Mails von 2 Wochen und mein Blick wandert immer wieder von den weißen Bürowänden über den mausgrauen Büroschrank zu der großen Fensterfront. Was ich dort sehe lässt mich nur noch nostalgischer, mein Heimweh und die Sehnsucht noch größer werden.

Den Klimaschock mit einem Temperaturunterschied von mehr als 10° Grad habe ich einigermaßen verkraftet, die neuerliche Trennung (wenn auch auf Zeit) steckt mir allerdings noch immer in den Knochen.

Ich kenne das schon. Die ersten paar Tage nach dem Abschiednehmen sind immer die Schlimmsten. Unkontrollierbar sammeln sich in unregelmäßigen Abständen die Tränen in meinen Augen: drei-, viermal kräftig den Kloß im Hals runtergeschluckt, die ein, zwei Tränen, die es geschafft haben, sich ihren Weg über mein Gesicht zu bahnen weggewischt und weiter geht’s.

Ich denke darüber nach, welche Artikel ich in den nächsten Tagen und Wochen posten könnte, denke darüber nach, wie sich mein – nach 20 Jahren erstmaliger! – Versuch, das Rauchen aufzugeben in der nächsten Zeit entwickeln wird und versuche, mir eine Strategie zurechtzulegen.
Denke daran, dass ich mir zwingend ein Rezept für Taralli heraussuchen muss, damit ich meine Enttäuschung über die gekauften Pistazien-Taralli, die eigentlich gar keine waren, oder zumindest nicht so richtig, überwinden kann.
Versuche einfach meinen „Alleine-Alltag“ wieder in seine gewohnte Bahn zu lenken – was diese Woche gleich doppelt schwierig wird, da ich wie gesagt Besuch haben werde und noch dazu mental und emotional immer noch etwas in den Seilen hänge. Weshalb mir auch jedes Mal klarer wird:

Lange kann das so nicht mehr weitergehen

Klar finde ich immer wieder doch genügend Kraft, weiterzumachen und nach einiger Zeit schleicht sich der Standardalltag ja auch wieder ein. Aber immer öfter – vor allem eben nach dem Abschiednehmen – frage ich mich, wie lange ich das noch durchhalte. Langsam aber sicher ist meine Substanz deutlich angegriffen und dieser Zustand wird mit jedem Mal Zurückfliegen, bzw. generell Trennen, schlimmer. Hinzu kommt, dass es diesmal wahrscheinlich nicht zu schaffen sein wird, sich im September zu sehen. Das heißt, die Wartezeit zum nächsten Wiedersehen verlängert sich um mindestens schmerzlich lange zwei Wochen. Eigentlich ganz schön unfair, dass die 2 Wochen, die man gemeinsam verbringt so in Nullkommanix um sind, die gleichen 2 Wochen (mehr), bis man sich wiedersieht aber wie eine Ewigkeit scheinen…

Also mal sehen, was haben wir denn so in Planung?!
dsc_0459 Rückflug in die Realität
Meine E-wie-Ersatz-Zigarette

Ja, die Sache mit dem Rauchen. Mal sehen, ob das klappt. Im Moment ist die Verführung immer noch sehr, sehr groß – trotz Raucher“methadon“ in Form einer E-Zigarette, zu der mein Freund mich mehr überredet als von ihr überzeugt hat. Außerdem waren wir bei einer Weinprobe, ich durfte im und am Meer San Basso miterleben, wir haben einen Tagesausflug nach Monte Sant’Angelo gemacht, von dem es einiges zu berichten gibt, das ein oder andere kulinarische Highlight will ich auch für und vor Euch ausbreiten und ein paar weitere heitere Stilblüten und charmante Absurditäten aus der Welt des Culture-Clash habe ich noch in petto – einschließlich eines Chaosberichtes des ÖPNV in Pescara auf dem Weg zum Flughafen, um meinen Rückflug in die Realität anzutreten.

Doch alles zu seiner Zeit.

Nun steht erst einmal meine nicht nur physische, sondern auch mentale und emotionale Rückkehr (letzteres findet immer mit etwas Verspätung statt) auf dem Plan. Und die Umgewöhnung von Bikini und Shorts und Shirt auf lange Hosen und Pulli……………grausam!

Comments

  1. Vielleicht ist es ganz gut, dass Du Besuch bekommst. Der könnte Dich ein wenig ablenken.

    Kopf hoch und Weitermachen! Eine gute Idee ist immer, sich die Zukunft auszumalen und Pläne zu schmieden. Und dann voll hineinknien ins Leben, damit die Zeit schnell vergeht. 🙂

    • Ja, ablenken tut er sicher – hoffe nur, das Ganze „verschleppt“ sich dadurch nicht nur 🙂
      Und beim Rest kann ich nur zustimmen. Nach den ersten paar Tagen läufts auch wieder ein bisschen normaler…nur die erste Zeit geht mir einfach immer sehr nah. 🙂

  2. So eine lange Trennung ist schon schwierig, ich kann dir da sehr nachfühlen.
    Ist eine E-Zigarette wirklich eine Alternative? Ich rauche immernoch „analog“.
    LG
    Sabiene

    • Hi Sabiene.
      Ja, wobei wir wohl noch Glück haben und uns dank relativ günstiger Flugpreise recht häufig sehen können. Was natürlich nicht wirklich etwas daran ändert, dass die Wartezeit immer unproportional lang sind zu den Zeiten, die wir gemeinsam verbringen. Naja, wir wollen das bis nächsten Sommer auf jeden Fall ändern, es zehrt schon sehr an einem…
      Und zur E-Zigarette. Hm, es ist nicht das gleiche, das definitiv nicht. Der Rauch ist schwerer bei einer normalen Zigaretten, weil er bei ner E-Zigarette halt ja auch Dampf ist. Ich hab ne Flüssigkeit gefunden, die allerdings im Geschmack recht nah an echtem Tabak dran ist. Das ist zumindest schon mal was. Und ich trau mir nach 20 Raucherjahren nen „kalten Entzug“ nicht zu 😀 Da ich aber der Meinung bin, dass mein „Suchtverhalten“ eher daraus besteht, etwas in der Hand zu halten und aus dem „dran ziehen“, möchte ich damit versuchen den Nikotingehalt peu à peu zu senken. Ob das Experiment erfolgreich wird, weiß ich noch nicht. Bisher habe ich seit den ersten drei Tagen der Umstellung keine Zigarette mehr angefasst. Aber weder der Habitus noch die Organisation ist die gleiche. Das Ding qualmt und raucht nicht, man hält es anders in der Hand (was mir immer noch mehrmals am Tag auffällt, dass mir zwischen Zeige- und Mittelfinger „etwas fehlt“) und die Liquids und Ersatzteile sind nicht so leicht zu beschaffen wie Zigaretten, die man auch Feiertags am Automaten ziehen kann oder Tabak, den man an jeder Tanke kriegt. Also…hm, es ist ein Ersatz oder eine Alternative, aber kein 1:1 adäquater…schwierig zu beschreiben. Ich glaube, hätte ich nicht die Idee gehabt, aufzuhören, wäre ich wohl nie umgestiegen. Zugegeben.
      LG 🙂

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