Beitrag speichern und ausdrucken:

Vorab ein paar Zeilen zum „Projekt Nichtrauchen“. Es sind erste Fortschritte erkennbar. Glaube ich. 😀 Nachdem ich am Freitag erst einmal die E-Zigarette auf Arbeit vergessen hatte und so nervös wurde bei der Vorstellung eines „rauch“freien Wochenendes, dass ich abends zurück gefahren bin, um sie noch zu holen. Bin ich nun immerhin soweit, dass ich zwar immer noch hibbelig werde, wenn ich sie, wie gestern, wieder auf Arbeit vergesse. Aber ich hab’s immerhin ausgehalten bis heute Morgen zu warten – das sind 15,5 Stunden ohne Zigarette (also: ohne Möglichkeit zu rauchen) und 17 Stunden ohne Nikotin. Ich habe zwar mit dem Gedanken gespielt, zur Tankstelle ums Eck zu laufen und ersatzweise Tabakwaren zu kaufen. Nachdem ich allerdings letzte Woche das erste Mal an dem Punkt war, dass ich kalten Zigarettenrauch gar nicht so gern riechen mag und mir das endgültige Ziel, mit dem Rauchen aufzuhören, vor Augen hielt, habe ich darauf verzichtet. Außerdem war ich zu faul, am Abend nochmal vor die Tür zu gehen. Also hab ich mich schießhundmäßig selbst beobachtet und dafür gesorgt, dass ich mangelndes Rauchen nicht mit Essen kompensiere – das passiert vielen, die das Rauchen lassen möchten, weshalb sie dann gerne ein paar Kilo zulegen.
Fazit 1: E-Zigaretten haben einen großen Nachteil. Wenn man sie irgendwo liegen lässt oder vergisst, kann man sich am nächsten Automaten nicht einfach ein neues Päckchen ziehen.
Fazit 2: Ich fühl mich in der Annahme bestätigt, dass mein Rauchen eher ein lästige Angewohnheit, als eine echte Sucht ist. Ich sage nicht, dass das bei jedem so ist, aber ich bin schon immer eher ein Gewohnheitstier gewesen, als wirklich suchtgefährdet. Werde das weiter beobachten.

Nun aber zum eigentlichen Thema.

San Basso

San Basso ist zum einen kurz für „Festa di San Basso“ und benennt natürlich zum anderen den Namensgeber dieses zweitägigen, termolesischen Ausnahmezustands und Schutzpatron der Stadt. Jedes Jahr sind der 03. und der 04. August dem Bischof und Märtyrer San Basso gewidmet. Dabei teilen sich die Festtage auf den katholisch kirchlichen Teil und den Teil mit den Schnapsleichen am Strand auf.

Am 03. August wird das Festa di San Basso mit einer Prozession eingeläutet. Dabei wird die Statue des San Basso aus der Cattedrale die Santa Maria della Purificazione (oder auch dem Dom von Termoli) durch die Straßen der termolesischen Altstadt hinunter zum Fischereihafen getragen. Begleitet von Musik und vielen Gläubigen, Einheimische und Touristen gleichermaßen.

Nun sind weder ich noch mein Freund besonders gläubig oder gar noch Mitglieder der katholischen Kirche, weshalb wir den ersten Teil der Prozession verstreichen ließen. (Deshalb habe ich auch selbst keine Bilder gemacht, aber hier findet Ihr dennoch einige.)

Die Statue des San Basso wird also bis hinunter in den Hafen getragen und dort auf ein Fischerschiff geladen, das die Heiligenfigur hinaus ins Meer bringt – begleitet von anderen Fischereischiffen und den örtlichen Kirchenrepräsentanten und dem Bischof der Region Campobasso. Sowohl die Ausfahrt aufs Meer, als auch die Rückkehr ist ein Spektakel für die Einwohner und Touristen. Abends kehrt die Delegation bestehend aus Fischern und Klerikern zurück und bringt San Basso nach Termoli zurück, wo er über Nacht im alten Fischerviertel der Stadt stehen bleibt. (Genauer gesagt, wird er in einer Lagerhalle des Fischereiamtes (sagt man das so?) eingesperrt. Wohl zu seinem eigenen Schutz in diesem Fall… 😉 )

Am 04. August dann wird der Schutzpatron im zweiten Teil der Prozession zurück vom Hafen in den duomo getragen.

Wieder säumen dabei viele Menschen die Straßen. Besuchen danach die anschließende Messe in der Cattedrale di Santa Maria. So richtig zünftig wird’s dann aber erst bei Einbruch der Dunkelheit. Ich glaube, mit der Aussicht auf den Abend des 04. August, vergessen die Menschen sicher gern, worum es in diesen zwei Tagen eigentlich geht. Anders als hier oft, allerdings, wissen sie zumindest den Hintergrund der beiden Feiertage. 😀

San Basso lebte zu einer Zeit, in der Selbstmord von der katholischen Kirche noch nicht verpönt war, sondern zu der Selbsttötung noch Grund genug war für eine Seligsprechung – zumindest, solange der Tote ein Amt der Kirche bekleidet hatte. (Ja, auch in der katholischen Kirche gab es einstmals einen Märtyrerkult.) Laut meinem Freund hat sich San Basso gemäß der Legende selbst im Meer ertränkt, wo dann Fischer eines Tages einen Marmorsarg treiben sahen und darin die Reliquien des Schutzpatrons fanden.

Für den Abend des zweiten Feiertages wurden bereits Tage vorher am Yachthafen von Termoli Feuerwerkskörper, Knaller, Böller usw. installiert. Die Testläufe der Kanonenschläge waren über die ganze Stadt zu hören und man bekam ein bisschen einen Eindruck davon, wie es wohl geklungen haben mag, als die Stadt dereinst tatsächlich von den Turkvölkern angegriffen worden ist. Es hallte so absurd laut durch die Straßen, dass ich – hätte ich nicht gewusst, was los ist – tatsächlich von einem Angriff durch Schlachtschiffe überzeugt hätte werden können. Ein mulmiges Gefühl mit Gänsehautfaktor. Besonders weil in der antiken Stadt mit der alten Architektur und Struktur, dieser Geist der Vergangenheit beizeiten doch noch sehr lebendig scheint.

Am Abend war von diesem Gruselfaktor nichts mehr zu spüren. Die Stadt versammelt sich am Strand, wo Lagerfeuer entzündet wurden, die Strandbars für musikalische Untermalung sorgten und hier und da der ein oder andere reglose Körper aus der seichten Brandung am Strand gezogen werden musste.

Der Spaziergang am Strand glich eher einem Slalomlauf, um weder den betrunkenen Jugendlichen im Weg zu stehen, die gerade mal wieder ins Meer stolperten (wahlweise zum Schwimmen, sich übergeben oder die Blase zu leeren), noch über die überall verteilt herumliegenden, leeren Flaschen oder knutschenden und quasi-kopulierenden Pärchen zu fallen.

Offtopic: Übrigens ist nachts ins Meer gehen irgendwie gruselig. Das Meer sieht aus wie eine schwarze Brühe, man sieht nicht wohin man tritt….tiefer als knietief habe ich es auch mit Begleitung eines bekanntlich ja Mannes vom Meer nicht geschafft. Also zum Schwimmen hätte mich jedenfalls keiner gekriegt.

Um Punkt Mitternacht wird dann mit drei Kanonenschlägen der Beginn des halbstündigen Feuerwerksspektakels eingeläutet, das den Abschluss des Festa di San Basso bildet. Endgültig Schluss ist dann, wenn erneut drei laute Knalle ertönen, deren durchdringendes Getöse von den Stadtmauern zurück aufs offene Meer geschleudert wird. Der Strand leert sich interessanterweise auch umgehend (man muss dazu sagen, dass nun der 05. auch ein Werktag war, ich kann natürlich nicht beurteilen, wie es gewesen wäre, wäre der nächste Tag auf einen Samstag oder Sonntag gefallen), es bleiben aber genug Feierwütige vor Ort. So auch wir, haben’s aber etwas entspannter angehen lassen und den Cousins meines Freundes Gesellschaft geleistet, die an einer der Lidos aufgelegt haben.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Am nächsten Tag war der ganze Spuk, wie man so sagt, vorbei und das süditalienische Sommerleben ging wieder seinen gewohnten Gang. Was bleibt mir also zu sagen?! Es war interessant zu sehen. Denn ich brauche nicht gläubige Katholikin zu sein, um das Spektakel zumindest aus der Position des Skeptikers oder Atheisten beobachten und gar genießen zu können. In der Geschichte spielt auch der Glauben und im Glauben eben der Kult eine große Rolle. Ich habe zumindest den zweiten Teil der Prozession (die ich aus meinem Miniheimatort nur von Ostern kenne) respektvoll und leider ohne Handy (d’oh!) betrachtet und neugierig verfolgt. Und es war interessant zu sehen und vor allem die Geschichte dahinter, die Legende hinter dem Brauch kennenzulernen. Und zum Rest?! Ich wollte schon immer einmal nachts am Strand feiern gehen!! 😀

Comments

  1. Ja, diese Heiligenfeiern sind schon interessant. Ich genieße so tolle Feuerwerke meistens sehr. … nur nicht, wenn sie jedes Wochenende mitternachtens vor meine Haustür stattfinden und man auch noch früh um 8 mit Kanonenschlägen geweckt wird.

    • Ja, ich habs auch schon ziemlich genossen. Vor allem weil wir ja zu zweit waren, wars schon echt schön.

      Dass sie mich morgens mit Kanonenschlägen geweckt haben blieb mir Gott sei Dank aber erspart. Stattdessen warens die Roller, deren Motorengeheul durch die engen Gassen gehallt hat oder die Garagentore direkt nebenan. Aber glücklicherweise bin ich dann trotzdem immer wieder eingeschlafen.

      Leider war das Feuerwerk irgendwie ständig pausiert. Irgendwas müssen die da falsch geschaltet haben. Einmal ging die Unterbrechung so lange, dass die Leute sogar schon wieder aus dem Meer raus gerannt sind, nur um kurz danach wieder reinzustürmen, als es unerwarteterweise dann doch wieder weiter ging 😀 Aber schön wars allemal 🙂

Write A Comment