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Ich bin ja persönlich jemand, der Enttäuschungen – zumindest nach etwas Verarbeitungszeit – gerne als Herausforderung hernimmt. Eine der herben Enttäuschungen kulinarischer Natur habe ich bei meinem letzten Italienbesuch erlebt. Genauer gesagt bei unserem Ausflug nach Monte Sant’Angelo im nahegelegenen Foggia (circa 1,5 Stunden mit dem Auto) in Apulien. (An dieser Stelle wink‘ ich mal eben rüber zur lieben Corinna! 🙂 )

So. Nun muss man wissen: Ich liebe Taralli! Und ich meine, ich L I E B E sie! Taralli sind ein typisch apulisches Knabbergebäck in Form von – mal kleineren, mal größeren – Kringeln aus einem brotähnlichen Teig hergestellt. Der Klassiker ist entweder naturale oder mit Fenchelsamen verfeinert. Es gibt die Knabberkringel aber auch in diversen, anderen Geschmacksrichtungen.

Bei unserem Rundgang durch das kleine Städtchen Monte Sant’Angelo, dessen Hauptattraktion übrigens die Grottenkirche des Erzengel Michael ist, aber dazu an anderer Stelle bald mehr, sind wir auf unzählige, kleine Läden gestoßen, die neben religiösem Krimskrams (also Souvenirs) auch typische, kulinarische Leckereien verkauft:

  • superfluffiges, großartiges Brot,
  • feiner Caciocavallo Podolico (ein Hartkäseklassiker aus Apulien und sooo guuut!)
  • und natürlich: TARALLI! 😀

Was also sahen meine entzündeten Äuglein, als wir uns so durch die engen Gassen von Monte Sant’Angelo schlängelten? Pistazientaralli! <3 Oh! Mein! Gott!

Ich konnte nicht widerstehen und musste einfach zuschlagen. Als mein Freund meinte: „Die sind aber süß“, dachte ich mir erstmal nichts weiter dabei. Im Gegenteil. Warum auch nicht.

Die Farbe hätte mich allerdings stutzig machen müssen!

Glaubt Ihr nicht?

Hmmmmmm…

dsc_0455 Ich .L I E B E. Taralli!
Pistazien-Taralli
dsc_0456 Ich .L I E B E. Taralli!
Pistazien-Taralli

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zGlaubt Ihr’s jetzt?! 😀

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pEntsprechend haben sie leider auch geschmeckt.

Beim ersten Kontakt mit meinen Geschmacksknospen gab’s einen chemischen Knalleffekt. 🙁 Zugegeben, nach einiger Zeit (bzw. einigen verdrückten Taralli) hatte ich mich an den Geschmack gewöhnt. Aber meine Enttäuschung war schon groß. Groß genug jedenfalls, dass ich mir vorgenommen habe, dass ich meine eigenen Pistazientaralli machen werde, sobald ich die Gelegenheit hätte.

Gestern war es dann also soweit. 😀 Ich nahm mir

dsc_0475 Ich .L I E B E. Taralli!
Die Zutaten für Pistazientaralli
  • 500 gr Mehl
  • 130 ml Olivenöl
  • 200 ml Weißwein
  • Salz und
  • geschätzte 150 gr Pistazien (selbst gestößelt)

und fing an, mich an den Teig zu machen. (Die Menge reicht für ein Backblech voll – außer man wählt den großen Kringeldurchmesser. 🙂 )

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Pistazien vor dem Stößeln
dsc_0474 Ich .L I E B E. Taralli!
Pistazien nach dem Stößeln

Zwischendurch hat sich dann noch mein Handrührgerät verabschiedet, also habe ich den Rest mit der Hand geknetet. Nach etwa einer halben Stunde im Kühlschrank, habe ich aus dem Teig erst kleine „Würstchen“ gerollt, und deren Enden dann Taralli-typisch geschlossen.

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dsc_0476 Ich .L I E B E. Taralli!
Tschüß, Knethaken!
dsc_0477 Ich .L I E B E. Taralli!
Taralliteig handgeknetet 😀
dsc_0479 Ich .L I E B E. Taralli!
Ab in den Kühlschrank!

Diese Roh-Taralllis sind dann in einen Topf mit kochendem Wasser gelandet und zwar so lange, bis sie an die Oberfläche gestiegen sind.

dsc_0481 Ich .L I E B E. Taralli!
Gleich geht’s Baden 😀
dsc_0483 Ich .L I E B E. Taralli!
Ab ins Heißwasserbad 🙂
dsc_0484 Ich .L I E B E. Taralli!
….und wieder raus!

Dann nichts wie raus mit den Knabberkringeln und zum Trocknen auf ein sauberes Küchentuch gelegt. Ich habe mehrere Rezepte gefunden. Bei einigen wurde quasi direkt weitergemacht, andere rieten dazu, die feuchten Taralli erst richtig austrocknen zu lassen – mindestens 5 Stunden, besser sogar über Nacht. Letzteres habe ich getan.

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Daher ein Tipp: mehrere Stunden zum Austrocknen lassen sind wahrscheinlich kein schlechter Rat, aber es sei hier angeraten, diese nicht über Nacht vorübergehen zu lassen, denn die feuchten Taralli kleben am Küchentuch fest und werden vor allem nicht trocken von der Unterseite. Also entweder eher auf Backpapier trocknen lassen oder auf einem Rost, oder aber sie während dem Trocknungsprozess öfter mal drehen.

dsc_0486 Ich .L I E B E. Taralli!
Jetzt trocknen lassen

Auf den Geschmack hat das keinen Einfluss und sie sind auch so sehr lecker geworden, nachdem ich sie nach circa 30 Minuten aus dem Backofen (200°) genommen habe (je nach Herd genügen vielleicht auch 20 Minuten, da muss man einfach ein Auge drauf haben). Auch hier empfiehlt sich, die Kringel nach etwa der Hälfte der Zeit einmal zu wenden. Ich musste einige ein paar Minuten früher heraus nehmen, weil ich sie leider nicht alle gleich groß bzw. gleich dick hinbekommen habe. 😀 Und vor allem nicht daran gedacht habe, dass mir die Kringel im Wasserbad ja aufgehen könnten. 😉

dsc_0490 Ich .L I E B E. Taralli!
Fertige Taralli

Aber egal: 1. ist es der erste Versuch, 2. sie sind trotzdem lecker! Und 3. *räusper* ich bin eben Deutsche… 😀 😀

dsc_0492 Ich .L I E B E. Taralli!
Fertige Taralli

Fazit: Das nächste Mal werde ich einen Teil des Olivenöls durch Pistazienöl ersetzen, um den Geschmack meiner Lieblingsnüsse noch etwas mehr herauszukitzeln. Außerdem werde ich die rohen Taralli etwas dünner rollen. Und zu guter Letzt – sie schmecken trotzdem noch besser als die Pistazientaralli aus Monte Sant’Angelo. Ob ich das aber gut oder schlecht finden soll….weiß ich (noch) nicht. 🙂

dsc_0493 Ich .L I E B E. Taralli!
Fertige Taralli

……sprach’s und schob sich ein Tarallo in den Mund. 😀

Comments

  1. Toll! Complimenti! Wenn sie so schmecken, wie sie aussehen, dann würde ich sofort bei Dir zu Verkostung vorbeikommen. Ich habe auch einmal Taralli zu backen versucht, bin dann aber doch aufgrund des Aufwands wieder dazu übergegangen, die Teigkringel beim „Antico Forno“ einzukaufen. 🙂

    Heftig zurückwinkend – Corinna

    • Ja, ich war beim Salz ein bisschen zu vorsichtig, aber ansonsten sind sie lecker 😀 Aber stimmt schon, ist ein recht aufwendiges Prozedere. Schätze ich werde wohl auch bald wieder zum Import übergehen 😉 Außer wenn ich sie wieder mit Pistazie haben will 🙂

      LG

      • Das verstehe ich gut, denn ich hatte auch schon das leicht eklige Aha-Erlebnis mit Pistazientaralli. Süße Taralli sind einfach nicht mein Fall.

        • Naja, das Süße hätte mich glaube ich weniger gestört, wär’s nicht übertüncht worden von diesem super chemischen Geschmacksverstärkergeschmack… Aber ich glaube ich bleibe auch bei der klassischen Version in Zukunft. 😀

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