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Ach herrje, wie die Zeit vergeht. Schon wieder so lange her seit dem letzten Eintrag. Zeit, die ich mir mit viel Arbeit für die anstehende Freiberuflichkeit vertan habe, weshalb dieser Blog leider etwas in den Hintergrund gerückt ist. Ich hoffe, ich kann die lange Wartezeit mit den kommenden Zeilen wieder ein wenig gut machen.

Da dove vieni? Akzente-Raten in Italien.

Ich gebe mir ja (bekanntlich) in allen Fremdsprachen große Mühe nicht „deutsch“ zu klingen. Damit meine ich keine allzu harten Akzent zu bemühen, bei dem ein QU wie ein KW ausgesprochen wird und das Rollen beim italienischen R einfach geflissentlich ignoriere.

Scheinbar werde ich darin merklich besser, denn bei meinem letzten Besuch in Italien gab es eine Situation, in der mein Freund plötzlich meinte: „Schatz Du machst mir Angst, manchmal klingst Du wie eine echte Italienerin.“

Nun, das trifft vielleicht auf meine Aussprache von ein- oder zwei-Wort-Sätzen zu, aber bei längerer Unterhaltung lässt sich der ausländische Einschlag sicher nicht verbergen.

Da ich so langsam immer flüssiger spreche und somit immer sicherer werde, traue ich mich natürlich auch schon mal mit „Fremden“ zu sprechen. Und so wurde ich in den letzten zwei Italienwochen nebst besagter Italienisch-Authentizität auch darauf angesprochen, ob ich wahlweise:

  • aus Estland (wie genau man jetzt darauf kommt, ist mir schleierhaft, aber gut…)
  • aus Spanien (schön wär’s, dann hätte ich zumindest mit der Grammatik und den Tempi des Italienischen weniger Probleme 😀 )
  • oder überhaupt aus Europa

käme.

Eine Situation ist mir ganz speziell in Erinnerung geblieben. Wir haben eine Frittura gekauft und während wir warteten kam das Gespräch auf eines der Bilder, die dort in dem Laden aufgehängt sind. Auf einem Bild sieht man ein Boot aus den End-30ern / Anfang-40ern des letzten Jahrhunderts voller Leute. Amerikaner, erzählt der Verkäufer uns, Amerikaner, die aus deutscher Gefangenschaft geflohen waren und mein Großvater gerettet hat.

Dann kam’s wohl wie’s kommen musste: „Ah, hörst Du Schatz! Aus deutscher Gefangenschaft….“ und zum Verkäufer gewandt: „Sie ist nämlich Deutsche…“

Woraufhin dieser charmanterweise entgegnete: „Tatsächlich? Das hört man gar nicht, Du hast gar keinen deutschen Akzent…“

Und blitzgescheit und schlagfertig wie ich nunmal bin, fiel mir nichts besseres ein, als zu antworten: „Ja, na zum Glück! Der klingt ja furchtbar!“ 😀

Ohne irgendwen beleidigen zu wollen, ich respektier‘ jeden, der überhaupt eine Fremdsprache spricht, aber der deutsche Akzent ist nunmal ein harter und auffälliger und ich mag ihn nicht. Zumindest dann nicht, wenn sogar ich ihn raushören kann. Und das aus einer Sprache, die ich selbst nicht als Muttersprachlerin spreche. Das ist vielleicht ein wenig polarisierend jetzt, aber ich für mich hat das immer den Eindruck vom Elefant im Porzellanladen. Umgekehrt kann man natürlich finden, dass ich mich über-bemühe oder zu viel von andern verlange. Keine Ahnung. Tut eigentlich auch nichts zur Sache. 🙂

Das sorgte dann für ein ordentliches Gelächter und das Angebot ein Glas (bzw. nach italienischer Tradition 😉 einen Plastikbecher) Weißwein auf’s Haus zu trinken während wir warten.

Man sollte eben einen perfektionistischen Linguisten, ja Sprachwahnsinnigen, niemals auf ein anderes Land loslassen…! 😀 😀

Comments

  1. Dabei macht ein Akzent eine Person doch irgendwie einzigartig. 😉 Ich mag es, wenn man mich als Ausländerin erkennt. Dann finden alle immer sofort, ich hätte schon supergut Italienisch gelernt. …und man hat auch sonst was zu erzählen.

    • Hahaha 😀 Ok, dass man das Kompliment kriegt, man spräche gut italienisch, wenn man einen Akzent hat, das stimmt natürlich hihi, von der Warte aus stimm ich dir natürlich zu. Und sicher macht es sich auch als Gesprächseinstieg ganz gut, aber mir gings dabei ja nur um den Klang und meinen ganz persönlichen Geschmack dabei. Ich bin in sprachlichen Dingen ziemlich perfektionistisch, wie man merkt… *räusper* 😀

      P.S. Sorry für die späte Rückmeldung, ich bin momentan zeitlich etwas arg eingeschränkt. Hoffe Dir und Euch geht’s gut!!

      • Oh, uns geht’s gut! Da ich im Oktober wieder angefangen habe zu arbeiten, bin ich zeitlich auch ziemlich eingeschränkt. Im Moment schläft der Kleine und lässt mir ein bisschen Zeit für den Computer. Ich hatte heute mal den Nachmittag frei und habe auch geschlafen. Sonst ziehe ich das Bett nämlich dem Computer vor. 🙂

        Viel Erfolg mit Deiner Selbständigkeit. Ich bin auch notgedrungen auch selbstständig. Daher weiß ich, dass man sehr viel Zeit investiert.

        • Ach, dann verstehst Du mich ja! 😀 Ja, es ist schon sehr zeitaufwendig (zumal neben einer Vollzeitanstellung her noch momentan), ich hoffe dass es alles mal ein bisschen einfacher wird, wenn ich mir nen einigermaßen regelmäßigen Kundenstamm erarbeitet hab und diesen Wirrwarr mit den Steuern und allem durchschaut hab 🙂
          Freut mich sehr zu hören, es Euch gut geht und der Lütte wächst und gedeiht und dir hin und wieder auch mal wieder Zeit zu lassen scheint für Arbeit und riposo! 🙂

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