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Ich muss heute nach der Arbeit noch ein paar Sachen erledigen und einige davon kaufe ich vorzugsweise gezielt in einer Drogerie. Duschgel und Make-up zum Beispiel. Für mich ist es also im Deutschen ganz normal zu sagen: “Ich muss noch in die Drogerie.” Wobei ich eigentlich den Namen der Kette benutze, aber grundsätzlich ist das Wort Drogerie eben kein besonders Ungewöhnliches.

Als ich dann gestern so am Zettelchen schreiben war, um zumindest die Wahrscheinlichkeit zu senken, die wichtigsten Dinge zu vergessen, fiel mir diese kleine Episode wieder ein, als ich eines der ersten Male in Italien meinen Freund besucht habe. Ich vermute, es war das eine Mal, als sie mir am Flughafen mein komplettes Make-up (neu gekauft) in die Tonne gekloppt haben, weil ich zu viele zu große Dosen, Tuben und Fläschchen mit bei hatte. Es war also nötig, mir diversen Kosmetikkrempel in Italien neu zu kaufen. So weit so gut.

Also sagte ich ganz unbedarft zu meinem Freund, ich müsse noch in die Drogerie. Devo ancora andare in drogheria cosi mi ricompro il trucco. Mein Freund schaute mich an mit einem Blick, der sich mir bis heute nicht ganz erschlossen hat… War es Schock? Hat er mich belächelt? War es Mitleid? War es ein “na gut, sie weiß es ja nicht besser”? War er belustigt?

Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich war es ein bisschen was von allem im gleichen Moment. 🙂

Seine Antwort war dann… La drogheria è una parola che non si usa più dai tempi di Mussolini, nessuno dice più drogheria. Was so viel heißt, wie: In welcher verdammten Zeit bist Du denn hängengeblieben? Scherz. Aber die Quintessenz ist die gleiche. (Drogerie hat man seit Mussolinis Zeiten nicht mehr, keiner benutzt mehr dieses Wort.)

bildschirmfoto-2015-11-03-um-09-51-29 Das Ding mit der Droge............rie
Facebookscreenshot “Frate Indovino”: http://on.fb.me/1HocPI1

Zugegeben, ich war etwas bedröppelt und seitdem hab ich auch ein wenig Scheu das Wort zu benutzen und beschränke seinen Gebrauch nur auf Deutschland. Heißt, wenn er hier ist und ich eben so etwas sagen muss, wie, dass ich nur zur Drogerie müsste – und auch nur, weil er mit DM nichts anfangen könnte. 😀

Da mir diese kleine Episode heute Morgen also durch den Kopf geschossen ist, habe ich beschlossen, mal kurz das Internet ein bisschen zu quälen und zu sehen, ob das so wirklich stimmt, wie er mir das gesagt hat. Und es scheint bis zu einem gewissen Grad tatsächlich was dran zu sein.

Aber:

  1. Ist (oder war) eine drogheria in Italien ganz anders definiert als hier bei uns. Nämlich eher als eine Art Tante-Emma-Laden, der vor allem Waren anbietet, die man offen kaufen kann. Getreide zum Beispiel oder Gewürze. Eben nichts Vorverpacktes, sondern genau so viel, wie man braucht, will oder sich gerade leisten kann. Tatsächlich bedeutet das Wort droga auch nicht nur das offensichtliche Droge, sondern auch Gewürz. Unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ist die italienische drogheria also eigentlich die richtig…ere Drogerie. Im Grunde wären also zum Beispiel deutsche Teeläden eine Art drogheria, immerhin werden viele Kräuter und Gewürze durchaus auch als psychoaktiv beschrieben. Man denke da mal an die Muskatnuss zum Beispiel, die in hoher Dosierung (*igittigitt*) wie eine Droge wirken soll. Manche Sorten Salbei auch, usw. usf.
    Halten wir also fest: Die drogheria ist nicht das gleiche wie unsere Drogerie.

  2. Gibt es sie tatsächlich nicht mehr, die drogheria? Ich gestehe, mir ist bisher keine Beschilderung aufgefallen, weder in Bologna oder Mailand noch in Termoli oder Pescara, auf der das Wort zu lesen gewesen wäre. ABER! Ich habe natürlich bis heute Morgen unter einer drogheria auch einen Laden für Hygiene- und Kosmetikartikel, Waschpulver, etc. erwartet, also nach etwas ganz anderem Ausschau gehalten, als eine drogheria ja tatsächlich ist (siehe Abs. 1). Entsprechend kann ich nicht mit 100%-iger Sicherheit sagen, noch keine drogheria gesehen zu haben – vor allem, weil ich mir durchaus vorstellen könnte, dass sie sich vielleicht im Süden sogar doch noch einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Besonders bei Leuten, die die Veramerikanisierung der italienischen Kultur, und dazu gehört eben auch das Einkaufen (ich sag nur Malls, Supermärkte, etc. vs. drogherie, mercati), verabscheuen. (Von denen gibt es auch hier welche, und besonders das Konzept des Einkaufens nach Wunschmenge ohne Verpackung ist hier gerade im Kommen… Ob das eine Wiederkehr der Tante-Emma-Läden zur Folge haben wird? Vielleicht in neuem Gewand? Irgendwie wär’s ja schön… Egal. Anderes Thema.) Vielleicht habe ich also auch einfach nur entsprechende „Beschilderung“ übersehen bisher. Laut Internetforen jedenfalls soll’s die drogherie durchaus vereinzelt noch geben. Ich hab mir jedenfalls vorgenommen, das nächste Mal in Italien die Augen entsprechend dem neuen Filter offen zu halten und vielleicht entdeck’ ich ja doch noch eine alte ins Mauerwerk über der Eingangstür eingemeißelte Altschrift, die mir sagt, dass im Laden vor mir irgendwann einmal eine drogheria war. (Und dann kauf ich den Laden und mach einen Gewürz-, Tee- und Getreidehandel darin auf! Jawohl! *…träumen wird man ja wohl noch dürfen…*)

Seid Ihr in Italien schon mal über eine alte drogheria gestolpert?
Falls ja, würd ich mich über nen Kommentar freuen, darüber wo das war. Vielleicht habt Ihr ja sogar ein Bild gemacht?

Ich jedenfalls werde mal auf Suche gehen, wenn ich nächstes Mal wieder in Italien bin.

Und bis dahin, wenn ich in eine Drogerie gehen will oder muss, werd ich sie beim Namen nennen, so wie ich hier sagen würde “Ich muss noch zu DM”, werd ich in Italien künftig sagen “Devo ancora andare all’Acqua e Sapone.” (Sofern ich von denen irgendwo einen ums Eck entdeck. Oder solange DM noch nicht ins europäische Ausland expandiert hat. 😀 Note 2 self: Beim Erkunden neuer Gegenden Augen auf beim Drogeriemarktsuchen und Namen merken!)

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