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Wie man sich zum Gesprächsthema des Abends macht

Meine höchstpersönlich erlebte und eigens erfundene Anleitung, um sich zum abendfüllenden Gesprächsthema (oder zumindest Inspirationsquell für Gespräche) zu machen:
Man nehme eine ordentliche Prise Ortsunkenntnis, mische sie mit der Grundzutat „grundsätzliche Verpeiltheit“ und lasse sie auf die Bewohner Ravennas los!

Vorzugsweise gegen Abend, wenn die Sonne schon untergegangen ist, der Aperitivo eingenommen und der Hunger sich bemerkbar macht. So gegen 18.30 Uhr ist ideal.
Dann irre man ein wenig ziellos durch die fremde Stadt und werde auf ein Hinweisschild aufmerksam, auf dem für eine nahegelegene Osteria geworben wird. Man denke „lecker, frischer Fisch“ und steure auf besagte Osteria zu, blicke durch die vor der Tür ausgelegte Speisekarte und entscheide sich spontan, einzutreten.

Dann mixe man deutsche Sprachstruktur auf italienische Sprachpraxis angewandt unter und frage, ob man sich setzen dürfe. Wenn der Kellner dann sagt: Wir öffnen aber erst um sieben, antworte man: Kein Problem, ich kann auch warten – meint aber eigentlich, „kein Problem, ich kann später nochmal wiederkommen“, hat es aber eben nicht so gesagt! Woraufhin besagter Kellner einen zum Tisch bringt und die Kellnerin Dir um die Wartezeit zu überbrücken Wasser und Wein (hat ein bisschen was biblisches, oder) anbietet. Man entschuldige sich ehrlich – das ist wichtig für das weitere Gelingen – für das Missverständnis und hänge noch dran, dass man die Öffnungszeiten nicht gesehen habe.

Dann warte man am ausgewählten Tisch und seie peinlich berührt wenn man sehe, wie sich das Personal an einen Tisch setzt und erstmal selbst noch zu Abend isst, bevor das Geschäft losgeht und vertreibe sich die Zeit in dem man einen Blogartikel über diese Peinlichkeit verfasst und versucht ihn einigermaßen lustig zu verpacken 😛

Wenn zwischendurch die Kellnerin nochmal kommt und fragt: „Sie sind nicht aus Romagna, oder?!“ hat man es fast geschafft. Jetzt muss man nur noch sagen, dass man Deutsche ist und schon kann man „überhören“, wie das Personal beim Abendessen über einen redet. (Und über Deutsche allgemein, über Deutschland, über die deutsche Sprache…. Gott sei Dank höre man dann irgendwann auch, dass sich das Gespräch langsam aber sicher über sprachphilosophische Ansätze hin in andere einen selbst nicht mehr betreffenden Gefilde ausläuft!)

Daraufhin sitze man mit rotem Kopf (immerhin hat man ja vor eineinhalb Stunden erst einen Aperol-Spritz und nun schon wieder Weißwein getrunken, dazu gesellt sich noch bereits beschriebene Verlegenheit sowie der Umstand, sich einen Platz direkt an der Heizung ausgesucht zu haben) am Tisch und bestelle sich Scampi con salsa di cioccolato!
Während man dann brav tippend weiter wartet, kommt mit ein bisschen Glück der Kellner vorbei und bietet trotz dass man nur einen Gang bestellt hat eine Suppe an – Geschenk des Hauses. Also esse man trotz aller Peinlichkeit, Verlegenheit und gespannter Vorfreude auf Scampi in Schokoladensoße (!) eine Gerstensuppe.

Kulinarisches Fazit: Ein Spektakel für die Geschmacksknospen, für das sich der peinliche Auftritt allemal gelohnt hat! 😉

 

Comments

  1. Hallo Julia,

    Pannen sind der Garant für gute Storys. Die besten Geschichten schreibt das Leben. Ja, der Spruch ist abgedroschen, aber wahr. 😉
    Wir haben mal (drei Familien) in Bulgarien mitsamt Kind und Kegel eine Nacht in der Hotellobby verbracht, weil unsere Bungalows am Meer doppelt belegt wurden. Der Rest der Gruppe ließ sich ins 2 Kilometer entfernte Hinterland in 2*-Hütten abschieben – aus der sie nie wieder zurückkehrten. Wir nicht, wir waren hartnäckig und haben ordentlich Rabatz gemacht. Ende vom Lied: Wir bekamen das beste Haus direkt am Strand, direkt an der Hauptlobby und Vollpension, obwohl wir nur Frühstück bezahlt hatten. Zwei Wochen wurden wir wie Vips behandelt, war der beste Urlaub ever. 😀

    Liebe Grüße, Claudia

    • ahahah 😀 was für ne großartige geschichte 😀 danke fürs teilen! 😀
      ja, da lohnt es sich manchmal doch, so herrlich deutsch prinzipien zu reiten! super! 😀 …ich grins immer noch! 😀

      hast schon recht, im allgemeinen, das leben schreibt die besten geschichten 🙂

  2. Wer öffnet denn auch erst um 19 Uhr – da sind die meisten Deutschen doch schon längst verhungert?! Immerhin hat es sich am Ende doch für dich gelohnt und wenn du das nächste Mal hingehst, kennen dich schon alle 🙂

    • Mein Reden! 😀 Komische, deutschenfeindliche Öffnungszeiten da! 😀
      Nein Scherz, aber man hätte ja auch einfach die Tür abschließen können oder sonst irgendwelche kreativen Lösungen finden können… Naja, wie Du schon sagst, im Zweifelsfall hat’s auch seine Vorteile 😀

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