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Nord-Süd-Gefälle

Nachdem ich mittlerweile recht häufig in Italien war, vor allem in Süditalien, sind meine Sprache und mein Wortschatz merklich von süditalienischen Begriffen und oft auch von der entsprechenden Aussprache geprägt. (Den Akzent mal außen vor.)

Am deutlichsten wird das in der Häufigkeit, mit der ich das Wort mo‘ verwende. Irgendwie geht es mir leichter über die Lippen als das „ellenlange“ adesso oder zweisilbige ora.

Bei meinen letzten beiden Reisen in Italiens Norden sind mir aber noch zwei andere gravierende Unterschiede aufgefallen – von der Aussprache mal abgesehen:

Wenn ich mein Frühstück bestelle, dann bestelle ich einen „normalen Kaffee“ und ein „Hörnchen“, also un caffè, höchstens noch un caffè normale und un cornetto.

Aber nur im Norden versichert sich der Barista immer nochmal rück: „Einen Espresso und ein Brioche?“ 😀

Jaaa, einen espresso oder caffè ristretto und ein brioche bzw. Croissant [kʁwasɑ̃], wie der Franzose sagt oder ein [kʁɔso] Krossoh, wie es der Deutsche auszusprechen pflegt.

Mir war klar, dass es Unterschiede in der Sprache gibt zwischen Nord und Süd – so sagte mir ein Bekannter aus Emilia-Romagna auch, wenn man im Norden das Passato Remoto verwendet, wird man schief angeschaut, weil’s einfach niemand benutzt! -, aber dass das Nord-Süd-Gefälle so auffällig ist, selbst für mich als Fremde, wird mir erst so langsam durch das Reisen klar.

Comments

  1. Oje: verschiedene Regionen und ihre Sprachunterschiede. Ich kann das total nachvollziehen. Wie oft werde ich von US-Amerikanern komisch angeguckt, weil ich ein Irisch- oder Britisch-Englisches Wort verwende. Manchmal denke ich aber auch, dass die sich ein wenig anstellen, wenn sie noch extra nachfragen.
    Und weil du das Beispiel vom Kaffee hast: hier wird immer nochmal nachgefragt, ob ich wirklich „Latte“ meine, der hier auch noch ganz anders ausgesprochen wird. Und Latte Macchiato versteht sowieso schonmal niemand.

    • Ich denke, in meinem Fall liegt es vielleicht am Akzent. Dass Sie wissen wollen, was genau ich mit Caffè meine. In Deutschland ist ein normaler Kaffee das, was in Italien ein Caffè Americano ist, wohingegen dort ein Caffè normale ein Espresso ist. Es herrscht also durchaus Verwirrungsmöglichkeit 😀 Vielleicht hören die mir einfach an, dass ich keine Muttersprachlerin bin und meinen das nur höflich, wenn sie dann nochmal nachfragen, ob ich denn jetzt den italienischen, normalen Kaffee mein oder den deutschen…
      Ich geb Dir allerdings recht, manchmal denk ich auch, dass das ein bisschen überzogen ist, nochmal nachzufragen, ob ich mit Cornetto nun ein Brioche meine, z.B. Das wissen die wahrscheinlich ziemlich genau 😛 😀 (Jetzt in Bari hat übrigens nie einer nachgefragt! 😀 )
      Je nun, jedem Land seine Eigenarten. 🙂

      Allerdings würd‘ mich jetzt echt interessieren, wie die Amerikaner Latte aussprechen…. 😀

  2. Ich glaube das ist fast in jedem Land so. Auch hier in Deutschland gibt es ja schon für verschiedene Gebäcke verschiedene Wörter 😀
    Ich denke in manchen Ländern ist es noch krasser. In Vietnam z.B. gibt es zwischen dem Norden und dem Süden schon in der Aussprache totale Unterschiede. Manche Vietnamesen verstehen sich untereinander nichtmal, haha 😀
    Aber das finde ich eigentlich immer ganz interessant 🙂

    LootieLoo’s plastic world

    • Ja, ist auf jeden Fall so und ist auf jeden Fall auch immer spannend zu beobachten. In Deutschland denk ich da an Erdäpfel, Krumbeeren und Kartoffeln oder an Berliner, die im selbigen ja Krapfen heißen 😀
      Das mit dem Nicht-Verstehen zwischen Nord- und Süd gibt’s aber auch nahezu überall 😀 Wie viele Norditaliener mir schon gesagt haben, sie würden die Süditaliener im Dialekt nicht verstehen, kann ich schon gar nicht mehr zählen…und bei mir hört das Verständnis an der Schwäbischen Alb auch auf 😀
      Danke für deinen Kommentar 🙂

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