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Alberobello und die Trulli

Was hab ich Euch Geschichten mitgebracht aus Alberobello! 😀 Ich könnt’ Euch die nächsten Wochen echt noch auf einige Episoden freuen, denn für einen einzigen Artikel wäre es tatsächlich einfach zu viel. Zum Lesen. Und zum Schreiben.

Deshalb kriegt Ihr Alberobello jetzt eben ebenso wie Bari häppchenweise schmackhaft gemacht, da kommt zumindest auf keiner Seite Langeweile auf! 😉

Also. Den Donnerstag nach meiner Ankunft habe ich erstmal in Bari selbst verbracht. Zwecks Orientierung und solchen Nebensächlichkeiten. Am Abend habe ich dann das Internet durchforstet (wer braucht schon Reisevorbereitungen, tsss), wo ich denn überall hinfahren könnte und entschied mich für einen Besuch bei den weltweit einzigartigen und weltweit bekannten Rundhäusern Apuliens: den Trulli.

Ich hatte die in einer Folge meiner Lieblingssendung “Unti e Bisunti” schonmal so aus dem Augenwinkel gesehen und war schon längst neugierig. Mit meinem Ex habe ich es von Molise aus ja “nur” nach Monte Sant’Angelo geschafft.

Wo ich aber nun schon mal in der Gegend war, ging’s also los nach Alberobello. Von Bari aus fährt stündlich ein Zug (nach nirgendwo *träller*) der Ferrovie Sud Est nach Alberobello. Damit ist man circa eine Stunde unterwegs, was total in Ordnung ist. Zumal das Ticket, wenn ich mich richtig entsinne, nur 1.40 € einfach kostet.

Pro-Tipp 1: Die Ferrovie Sud Est betreiben nur zwei Gleise ganz am Ende des Hauptbahnhofs. Das heißt vom Haupteingang aus die Treppen runter und unter den Gleisen durch bis an die letzte Treppe. Dort ist dann auch der Ticketschalter.

Ich kaufte also mein Ticket, versuchte meinen Akku bei circa 80% stabil zu halten, weil ich zwar mein Ladegerät mit hatte, aber meine Hoffnung beim Anblick der FSE-Züge eher gering war, darin eine Steckdose zu finden, wie ich sie sonst weitestgehend in allen Ferrovie-Statale-Zügen gewohnt bin. Zum Glück hatte ich meine neu gekauften Schuhe dabei, die ich im Zug (unter den wachsamen Seitenblicken der Mitfahrer) erstmal anzog, und ein Buch, sodass ich den Handyakku während der Fahrt wirksam schonen konnte.

Pro-Tipp 2: Die FSE hält es nicht zwingend für nötig, die Durchsagen oder Digitaldisplays einzuschalten, sodass man eventuell besser “fährt”, wenn man sich in Fahrtrichtung an ein Fenster setzt, um die Stationen im Auge zu behalten. (Was ich genau nicht getan habe und somit doch hin und wieder auf mein Handy schielen oder wahlweise beim nächsten Halt an die Tür laufen und draußen gucken musste, um zu sehen, wo ich bin.) Damit andere aus meinen Fehlern lernen können, hab’ ich hier mal das Haltestellennetz hochgeladen.

Bei strahlendstem Wetter in Alberobello angekommen hüpfte ich aus dem Zug und merkte: Damn, man muss hier den Berg rauf! 😀 Na gut. Wo ich schon mal da bin… 😉

Den Weg nach oben kann man über zwei Straßen erreichen. Ich entschied mich für die, die – den Bahnhof im Rücken – rechts verläuft. Auf halber Strecke eine Verschnaufpause und irgendwann kam ich dann unter viel Begucke im Ort an. Wieder stand ich vor der Wahl: rechts oder links lang? Gerade hatte ich mich für rechts entschieden lief eine Schulklasse an mir vorbei. Ich dachte: Super, richtig entschieden! Und lief in angemessenem Abstand hinterher.

alberobello_2 Alberobello und die Trulli← Vorbei an der Kirche kam ich nach wenigen hundert Metern oben an. Die Schulklasse hatte sich vor einem Trullo versammelt, andere Touristen stießen dazu, ich machte gerade ein Foto, als mir von der rechten Straßenseite ein vor seinem Trullo platzierter, älterer Herr entgegenrief, ich könne doch auch seinen Trullo besichtigen. Da mir der Gedanke, mit einer kompletten – energiegeladenen – Schulklasse in einem Trullo zu sein dezent zu wider war, entschied ich mich, dem Aufruf des Herrn zu folgen.

Zwar war gleich klar, was es mit seiner gekonnten Inszenierung auf sich hatte, aber! Es hat sich trotzdem gelohnt. Denn den Schulklassen-Trullo hab ich zwar später dann auch noch besichtigt, aber bei diesem Rundhaus handelt es sich um ein in Größe und Bau recht einzigartiges Objekt, das seinerzeit sicher von sehr reichen Leuten bewohnt gewesen sein muss. Weil es das einfach wert ist, werde ich über das Trullo Sovrano demnächst einen eigenen Beitrag hier reinstellen!

minitrullo_1 Alberobello und die Trulli

Mit dem Betreten des Touri-Trullos des besagten Herren – der mir dann gleich noch Melonen-, Nuss- und Pistazienlikör zur Verköstigung anbot (zum Glück war’s ja schon 11.00 Uhr vormittags und ich hatte mit Cornetto und Caffè eine solide Grundlage geschaffen) – konnte ich mir zumindest einen Eindruck darüber verschaffen, wie das gemeine Volk gelebt hat: Beengt! Himmel herrje, in so einem Trullo hat eine gesamte Familie gelebt! Das muss man sich erstmal vorstellen!

Rechts neben der Eingangstür war die Kochstelle, hinten rechts das “Bad”, hinten links das “Wohnzimmer” und mit einer Holzleiter war die Schlafstätte unter dem Dach zu erreichen. Ich bekam schon bei dem Gedanken einen leichten Anflug von Platzangst.

Mittlerweile ist dieser Trullo – wie so viele andere am andern Ende der Stadt – zu einem Touristenladen umfunktioniert worden. In diesem Fall hier gab’s eben Alkohol zu kaufen. Und weil ich voll auf Pistazien steh und vor allem, weil ich nicht von Mittag bis 12 denk manchmal, hab ich mir ein Fläschlein davon mitgenommen. In Trullo-Form!!! 😀 Juhu!

dsc_0056 Alberobello und die Trulli(Erst zwei Stunden später fiel mir aus dem Nichts heraus ein, dass ich nur mit Handgepäck unterwegs war und die Flasche viel zu groß für meinen Supervielfliegerplastikbeutel, der mir teilweise schon für mein Kosmetikkrempel nicht auszureichen droht. Das Problem löste ich also folgendermaßen: Ich habe am nächsten Tag den Inhalt in eine leere Halbliterwasserflasche umgeschüttet und die Trullobuddel ausgespült. Am Sonntag habe ich mir dann auf die drei Gläser Weißwein, die ich mir in meiner neuen Lieblingslokalität (dazu auch bald noch mehr) auf Kosten des Hauses (deshalb Lieblingslokal 😀 nein, Scherz…!) einverleibt habe, auf dem Weg zum Flughafen hinter die Binde gekippt. Trulloflasche gerettet – Pistazienlikör auch und Laune dementsprechend sowieso! 😀 )

Jeeeedenfalls bin ich nach dem Besuch im Alkotrullo dann doch noch in den Trullo Sovrano gesteppt und habe mir den angesehen. Weil er so groß ist und man dort sehr viele Informationen wahlweise lesen oder erfragen kann, hat das auch eine ganze Weile gedauert und ich merkte danach plötzlich, dass ich ziemlich hungrig war.

Ich trat wieder ans Tageslicht und war schon ein wenig enttäuscht, dass es das nun schon gewesen sein sollte, als mir direkt neben dem Riesentrullo ein Lokal auffiel, dessen Name mich sofort ansprach: Terra Madre. Und es standen sogar die Öffnungszeiten an der Tür! (Da können sich gewisse Restaurants in gewissen Städten der Emilia-Romagna nochmal ne gehörige Scheibe abschneiden! 😀 ) Nachdem ich die Karte (auf Italienisch und Englisch) überflogen hatte, die draußen angebracht war, kehrte ich also ein. Lokales und vorrangig vegetarisches Essen! Wenn das kein Wink des Himmels ist, weiß ich auch nicht.

An dieser Stelle will ich noch nicht zu viel verraten, weil die Story einfach viel zu witzig ist, um sie hier zwischen den ganzen Trulli untergehen zu lassen – und weil der Artikel jetzt schon unglaublich lang ist! Aber der Kontinuität halber so viel dann doch: Dank dem Personal im Terra Madre wich meine Enttäuschung von gerade eben und ich bekam sogar den Weg ins Trulli-Viertel erklärt.

Nach dem Essen machte ich mich also auf den beschriebenen Weg und landete zwischen Rentnern und Jugendlichen, Asiaten und Engländern, oh, und natürlich Trulli! 😉

Die eigentliche Touriattraktion lag nämlich auf der „anderen Seite“ der Stadt und nicht da, wo ich herkam. Und weil ich ja gerade nach dem Mittagessen die Gelegenheit hatte, bequem bergab zu laufen, ging’s hier nun direkt auch schon wieder bergauf. Was auch sonst?! 😀 Weil mir das mit vollem Magen und zwischen den Tourimassen (wir reden hier immerhin von März; ich will gar nicht wissen, wie es im Sommer erst ist!) irgendwie grade zu anstrengend war, beschloss ich, eine kurze Raucherpause einzulegen, bevor ich die Anhöhen in Angriff nahm. (Handyakku an dem Punkt bei 19% – bye-bye Googlemaps…)
Irgendwann überwand ich mich tatsächlich und wagte frohen Mutes den Aufstieg – rechts Touritrullo, links Touritrullo. Aber der Anblick war echt herrlich! Über die Dächer nach unten, die kalkweißen Rundhäuser mit ihren schieferfarbenen Steindächern vor strahlendblauem Himmel sind schon eine spektakuläre Kulisse…

alberobello_4 Alberobello und die Trulli

Und klar verstehe ich auch, dass die Einwohner sich das zunutze machen und so ziemlich alles feilbieten, was man Touristen eben so andrehen kann (in meinem Fall sind Pistazienlikör oder Taralli ein sehr effektives Mittel, um mich zum Kauf zu bewegen). Ist schon in Ordnung. Ich würde es wahrscheinlich nicht anders machen.

Die Trulli unterscheiden sich in Form, Aufbau und Größe nur unwesentlich voneinander – manche sind modernisiert und entsprechend ausgebaut, aber alles in allem scheint mir die Mehrheit der Trulli Arme-Leute-Trulli und Noch-Ärmere-Leute-Trulli (wie es der von dem Pistazienmann einer war) gewesen zu sein. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass ich ja aber auch beileibe nicht in jedem Trullo drin war!

Ein, von der Größe mal abgesehen, prominentes Unterscheidungsmerkmal der Trulli sind die Dächer!

beschriftete_trullidc3a4cher Alberobello und die Trulli
Manche sind beschriftet – eines habe ich zum Beispiel gesehen, auf dem der muslimische Halbmond zu sehen war… (und ich muss mal wieder an die Begegnung mit einem Termolesen denken, der mir sein stolzes Herkunftserbe mit den Worten ich bin Italiener, mein Vater ist Italiener, mein Großvater war Italiener und sein Vater auch; wir sind noch nie etwas anderes gewesen um die Ohren warf – ähem, jaaaa…*bloß nicht die Mauren erwähnen, Julia, bloß nicht*)

muslimischer-halbmond-trullo Alberobello und die Trulli

Oder die Zierspitzen auf den Dächern weichen voneinander ab. Jedes Zeichen – egal ob auf das Dach gemalt oder in Form der Zierspitze oben drauf gezimmert – hat eine andere Bedeutung. Und vor allem geben die Zeichen aber Einblick in die Jahrhunderte alte Tradition dieser runden Häuschen. Manche Symbole stammen noch aus vorchristlicher Zeit und das ist für mich persönlich ein echt spannender Aspekt!

trulli-zeichen-bedeutung_3 Alberobello und die Trulli

Das Trulli-Viertel von Alberobello ist seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe und meiner Meinung nach hat es sich das auch echt verdient! Die Alberobello…ianer hegen und pflegen ihre Trulli und erzählen gerne Geschichten dazu und dahinter. Auf meinem Weg zu der Trullo-Kirche kam ich an einer Trulli-Reihe vorbei vor der ich einen alten Mann auf einer Bank sitzen sah – kurz war ich versucht, ihn anzusprechen, mich zu ihm zu setzen und mir von ihm etwas erzählen zu lassen, aber ich wollte nicht unhöflich sein. Immerhin war sein Trullo nicht wie die vielen anderen drumherum für Besucher geöffnet, sondern wohl tatsächlich sein Zuhause. Umso mehr hätte es mich allerdings gereizt, ein bisschen mit ihm zu sprechen. Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich das nicht getan hab.

Je nun. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof verabschiedete sich dann mein Handyakku endgültig – aus irgendeinem Grund hielt Android es für eine besonders gute Idee bei 17% Akku eine “App-Optimierung” ausführen zu müssen, die gefühlt eine halbe Stunde dauerte. Bis ich – mehr durch Zufall denn gezielt – an der Aussichtsplattform “Belvedere” ankam, war der Akkustand bei 1% und erlaubte mir nur noch ein allerletztes Foto!

alberobello_3 Alberobello und die Trulli

Den Weg zurück zum Bahnhof musste ich dann notgedrungen selbst rausfinden bzw. auf bewährte Mittel wie “Passanten fragen” zurückgreifen. Die Straße nach unten war dann prompt die oben erwähnte linke Straße, die vom Bahnhof aus den Berg hochführt – führt konsequenterweise eben auch nach unten. 😀 Auf der Hälfte der Strecke griff mir plötzlich jemand von links die Hand… Kurzer Schock, dann sprach mich ein Mann auf meine Tätowierungen an. Auf der anderen Straßenseite warteten vier Freunde auf ihn, die mich dann auch noch in Gespräche verwickelten und so ziemlich kein Klischee ausließen:

  • Einer behauptete Mitglied der Camorra zu sein (was man als Mafiamitglied ja auch eben mal so auf der Straße rumposaunt und Fremden unter die Nase reibt, is’ klar…), worauf ich ihm entgegnete, dass ich das gar nicht so genau wissen wolle, denn schließlich ist es immer besser, nichts zu wissen in Sachen Mafia. 😉
  • Ein anderer wollte mir seinen Kumpel schmackhaft machen: “Er ist ein schöner Mann…” Was ich nur mit der Gegenfrage konterte, warum er sich denn dann nicht selbst mit ihm zusammentäte.
  • Ein weiterer fragte mich nach dem Oktoberfest und war ziemlich enttäuscht, als ich ihm mitteilte, dass ich dort noch nie gewesen sei.

Es flogen dann noch ein paar spielerische Wortfetzen hin und her, aber ich schaffte es, mich loszueisen und rechtzeitig zum Zug zurück am Bahnhof zu sein. Der dann ohnehin 20 Minuten Verspätung hatte, aber immerhin waren diesmal die Haltestellendurchsagen und die Digitaldisplays aktiviert. 😉 Man kann eben nicht alles haben! 😀

Fazit? Alberobello ist auf jeden Fall eine Reise wert! Eine echt niedliche kleine Stadt, die historisch und menschlich einiges zu bieten hat.

Pro-Tipp 3: Ich würde jedem ans Herz legen, Alberobello vielleicht nicht zur Hochsaison zu besuchen. Wie gesagt, war es bereits Ende März von Touristen aus aller Herren Länder bevölkert – ich vermute, im Sommer wird die Zahl der Besucher exponentiell steigen. Davon abgesehen: Hey, es geht viel bergauf; dürfte in der apulischen Sommerhitze nicht unbedingt zu einem Vergnügen werden…

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