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LieblingsBARi

Ort: Bari, Bar Sumo, Corso Vittorio Emanuele II, 95
Zeit: 18.15
Ereignis: Ich irre, wie gehabt, einigermaßen orientierungslos durch eine mir bis dato unbekannte Stadt auf der Suche nach fotowürdigen Gebäuden und interessanten Motiven. Und! Nach einem Ort, um meiner mir liebgewonnenen Italienangewohnheit zu frönen: dem Aperitivo. Das Wetter schreit zwar nach einem Eis, aber im Aperol-Spritz sind ja auch Eiswürfel. Fast das gleiche also. 😀

Ich mache zwischen Cafés und Eisläden eine Bar aus und beschließe kurzerhand dort einzukehren. Ich gehe also zielstrebig durch die Öffnung der durch Glasscheiben von der Straße abgeschirmten …. nennen wir sie Terrasse auf die Tür zu, aus der im gleichen Atemzug ein Mann heraustritt. Einigermaßen Vitamin-B angereichert vom Tag in der Sonne begrüße ich ihn beschwingt und frage, ob ich einen Aperitivo einnehmen könnte. (Ja, manchmal mach ich so unnötige Dinge…) Er antwortet mir höflich und sagt: Ja, klar, was willst Du trinken? Ich bestelle brav meinen Aperol-Spritz und will mich gerade setzen, als er hinter sich in die Tür hinter die Bar reinruft: Hey, mach mal einen Aperol-Spritz! Ok, denk ich, wird der Chef dem Barmann eine Anweisung gegeben haben, als im gleichen Moment ein angegrauter, gut gekleideter Herr mit Schürze aus der Tür tritt und meine Bestellung aufnimmt. In dem Augenblick dämmert mir langsam, dass der junge Mann vorher mich gerade gewaltig auf die Schippe genommen hat und ich frag ihn, im selben Moment, in dem er mir sagt, dass er gar nicht hier arbeitet, ob er überhaupt hier rein gehört… Natürlich nicht! Wie sollte es auch anders sein! Irritiert gerate ich ins Stottern und krieg keinen graden Satz mehr zustande während er die ganze Situation irgendwie einfach nur lustig zu finden scheint. 😛

Gut, ich hab mich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder eingekriegt und mich noch mit ihm unterhalten, sein Angebot, mir einen Drink (Bier, Wein, Whisky, sein Vorschlag) zu bezahlen höflich abgelehnt, zumal ich ja bereits bestellt hatte.

Später – da hatte ich in der Zwischenzeit auch etwas gegessen und einen weiteren Spritz bestellt und der Laden hatte sich einigermaßen gefüllt – trat eine Vierergruppe Männer herein, die zwei andere an einem kleinen Zweiertisch begrüßten. Ich hörte heraus, dass sie sich gerne zusammensetzen wollten. Es war aber nur noch ein Vierertisch frei, während ich allein an einem Sechsertisch saß. Also ließ ich dem Aperol seinen Willen und sagte, dass ich mich gerne umsetzen kann, wenn sie denn einen größeren Tisch brauchten. Dankend lehnten sie ab und die Neuankömmlinge setzen sich an den letzten freien Vierertisch, die beiden andern wieder zurück an Ihren. Während ich diesen Artikel in mein Handy tippte, gemütlich meinen letzten Rest Aperol-Spritz trank und eigentlich schon beschlossen hatte, danach zu gehen, konnte ich nicht umhin zu merken, dass einer der vier immerzu zu mir herüberschielte. Hin und wieder ließ ich es mir auch nicht nehmen zurückzublinzeln. Als ich gerade im Begriff war, den Kellner um die Rechnung zu bitten, stand er plötzlich auf. Sofort fluteten Fluchtgedanken mein Gehirn und ich dachte: Nein, komm‘ bitte nicht her, geh einfach nur aufs Klo…! 😀 Aber natürlich kam er zu mir… “Hör mal, Du sitzt hier so allein, setz‘ Dich doch zu uns…” Ich lehnte höflich ab, ich wollte ja gehen… Packte schon alles zusammen und wartete nur noch darauf, dass der Kellner wieder rauskäme, um zu bezahlen. Da trafen sich unsere Blicke – die ich nun erst recht zu meiden suchte – wieder. Er winkte mich her, ich entgegnete: “Da ist doch gar kein Platz mehr.” Nun drehten sich auch die beiden Herren, die mit dem Rücken zu mir saßen um und sagten halb durcheinander, halb im Chor, dass man ja Platz schaffen könnte.
Tja, so kam ich aus der Nummer nicht mehr raus und ging eben doch zu den Jungs an den Tisch. Drei waren aus Bozen, einer aus Bari. Es waren wohl Arbeitskollegen und nach wenigen Minuten wurde ich auch schon gefragt, ob ich nicht noch etwas trinken wollte. So schnell können aus einem Aperitiv drei Aperol werden…. 😀 Als ich den letzten Spritz fast ausgetrunken hatte, entschuldigten sich die vier, sie wollten noch etwas essen gehen und müssten ja morgen Früh wieder arbeiten.

Der Barese ging nach drinnen, bezahlen, die anderen verabschiedeten sich von mir. Als er dann zurückkam, verabschiedete auch er sich und drückte mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer in die Hand – er hätte am Samstag frei, wenn ich wollte, würde er mir die Stadt zeigen. Ah! 😀

Ich leerte meinen letzten Aperol und um nicht in die Verlegenheit zu kommen, noch einen Vierten trinken “zu müssen”, bin ich ins Lokal und habe am Tresen bezahlt. “Das Essen und ein Aperol.” – “Nein, Moment, aber ich habe drei….” – “Ja, einen hat der Herr von eben bezahlt und der erste ging auf die Rechnung vom Kollegen dort…” Ah! 😀

Sympathisches Klientel hier in der Bar Sumo. Am Sonntag habe ich die letzten Stunden vor dem Abflug auch nochmal hier verbracht und hab mir gleich nochmal die Blöße gegeben. Um 10 Uhr, ich war nochmal im “Biergarten Altstadt”, stieg vom Meer her ein rauchartiger Dampf auf, der in die Stadt waberte. Ich dachte, irgendwo wäre ein Boot abgebrannt, aber komischerweise roch da ja nichts verbrannt. Ich war halb beeindruckt, halb irritiert, aber da keiner größere Panikanfälle hatte, dachte ich mir nichts weiter. Den ganzen Tag lag dieser “Rauch” über der Stadt und als ich später wieder im Sumo ankam, fragte ich den Kellner – man kennt sich ja jetzt – was dieser Rauch denn wohl sei. Nebel. Manchmal kanns so einfach sein. Als ich ihm sagte, was ich dachte, dass es gewesen sei, lachte er sich kringelig und erzählte es direkt dem Besitzer (diesmal dem echten), der gleich mitlachte, mich mit Handschlag begrüßte und mir meine letzten Drinks vor dem Abflug aufs Haus gehen ließ. (Also…den Pistazienlikör nicht mitgerechnet… 😉 )

Einen ersten Eindruck vom baresischen Dialekt habe ich dann später auch noch gekriegt, als sich das Lokal wieder dezent zu füllen begann und der Chef mich an den Tisch zu sich und seinen Bekannten eingeladen hatte. Und verstand… nichts! 😀 Einer meinte zwar, er gäbe mir einen Monat und ich würde auch den Dialekt, wenn schon nicht sprechen, dann doch zumindest verstehen, aber ich selbst bin davon nicht so 100% überzeugt. 😀 Muss ich’s wohl drauf ankommen lassen?! 😉

Als ich gehen wollte, war das “Drama” groß und alle “flehten” mich an, zu bleiben. Der Chef sagte sogar, ich könne doch bei ihm als Kellnerin arbeiten. 😀 Verführerisch mit drei (scheint meine Schlüsselzahl zu sein) Weißwein im Kopf und ohnehin dem Plan, auszuwandern. Ich sagte ihm dann, dass ich zu gegebener Zeit vielleicht auf sein Angebot zurückkäme… Man kann ja nie wissen wozu es gut ist. 😀

In jedem Fall kann ich behaupten, dass es sich lohnt, sich auch einfach mal gekonnt zu blamieren. So lernt man jedenfalls Leute kennen – sofern man sich selbst nicht zu ernst nimmt. Bar Sumo ist auf jeden Fall eine meiner Anlaufstellen in Bari!

Und wen’s interessiert – ich habe zwar samstags nachmittags mit der ganz tollen Corinna und ihren beiden Männern einen Ausflug nach Polignano gemacht, aber abends habe ich mich tatsächlich noch mit dem Telefonnummernmann getroffen, ja!

Dieser Beitrag ist Teil von Alex‘ und Birgittas „Lieblingscafé“-Blogparade.

Comments

  1. Was für eine tolle Geschichte! Typisch süditalienische Lebensart, würde ich sagen. Man fühlt sich hier nicht nur willkommen, man ist es auch. 🙂

    Und wenn die Telefonnummernmanngeschichte nicht für die Öffentlichkeit ist, dann würde ich sie gern privat hören. *ggg* (Bin doch auch ein bisschen neugierig,)

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