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Trullo Sovrano in Alberobello

Was sind eigentlich Trulli?

Trulli sind ein Erbe der Araber, die dereinst das südliche Italien besiedelten. Ich hatte ja andernorts bereits den muslimischen Halbmond auf einem Trullodach beschrieben. Die Rundbauweise zumindest ist aus der heute türkischen Gegend um Harran bekannt, das an der Grenze zu Syrien liegt. Die recht einfachen, aber dennoch hocheffektiven Häuser sind perfekt für die klimatischen Verhältnisse Apuliens.

Die unverputzten und traditionell ohne Mörtel erbauten Trulli bestehen aus dickem Naturstein, der das Innere im Sommer angenehm kühl hält, weil die dicken Steine lange brauchen, bis sie aufheizen. Im Winter dagegen die Wärme vom offenen Kamin lange im Innern halten.

Ohne Putz und Mörtel? Warum das denn?

Das finde ich persönlich den witzigen Teil der Geschichte der Trulli: Scheinbar hat sich das ein gewiefter Graf einfallen lassen, der damals die Region um Bari herum verwaltete. Der Grund ist so verblüffend wie clever. Der Graf wollte keine Steuern an die Regierung bezahlen und befahl der Bevölkerung des damaligen Apuliens dann, Steinhäuser zu bauen, die bei Bedarf – Vulgo: “Besuch” von Regierungsentsandten – in Nullkommanichts auseinander genommen werden konnten und später auch recht zügig wieder aufgebaut waren.

Seit sich dieser Sinn und Zweck erübrigt hat, werden die Trulli von außen auch getüncht und mit Kalkstein verputzt, wodurch sie ihre typisch weiße Farbe erhalten.

Trullo Sovrano

trullo_sovrano_beschilderung Trullo Sovrano

Neben all den Trulli, die man in Alberobello von innen und außen besichtigen kann, ist der Trullo Sovrano der hervorstechendste. Weil er in Größe und Bauart einzigartig ist: Zweistöckig nämlich. Der Name des “Riesentrullo” ist übrigens seit 1797 in notariellen Dokumenten belegt. Wer ihn erbaut hat, ist hingegen nicht hinlänglich bekannt.

trullo_sovrano Trullo Sovrano

Das Erdgeschoss:

Hier befanden sich das Schlafzimmer und zwei Küchen – eine kleine und eine große, die zusätzlich als Aufenthaltsraum und Esszimmer dienten -, sowie ein “Wohnzimmer” und eine Art offene Vorratskammer. Mehrere Türen führen nach draußen auf die Straße und in den Garten, wo man über eine Minitreppe auch auf das Dach gelangt(e).

Der 1. Stock:

Über eine schmale Treppe mit niedrigen Decken (Achtung Kopf, werte mitteleuropäische Mitmenschen! 😀 ) gelangt man ins obere Stockwerk, wo sich noch zwei weitere Räume befinden. Der Handarbeitsraum und ein wahlweise Kinder- oder Gästezimmer. Die Durchgänge sind mindestens so niedrig wie die Decken im Treppenaufgang…! Und mit niedrig meine ich: Ich bin ja schon nicht unbedingt groß, aber selbst ich überrage den Türbogen noch um einige, deutlich sichtbare Zentimeter. 😉

Der Eintritt kostet 1,50 € und ich will meinen, dass es eine Investition ist, die sich durchaus lohnt. Die Betreiberin gibt bereitwillig Auskunft über Alberobello und die Trulli, vorrangig natürlich auch über das Trullo Sovrano. Und wer sich für die Geschichte Apuliens, Alberobellos und der Trulli oder für Legenden und Sagen aus und über die Region interessiert, hat neben einem Gespräch mit der Inhaberin die Möglichkeit unterschiedliche Literatur in diversen Sprachen zu kaufen.

trullo_sovrano_segno Trullo SovranoTrullo Sovrano
Piazza Sacramento, 10
70018, Alberobello / Italien
Tel.: +39 080 4326030

Comments

  1. Trullo? Wieder was gelernt. 🙂
    Wunderschöner Bericht und tolle Fotos. Ich liebe das Ursprüngliche und an solchen Häusern komme auch ich nirgends vorbei. (Man glaubt ja gar nicht, was in Deutschlands Dörfern für Schätze zu entdecken sind.)

    Liebe Grüße, Claudia

  2. solche Häuschen gibt es bei uns auch… habe das meiner Oma komplett renoviert, Steinmauern natürlich erhalten. Im Sommer kühl und im Winter durch den eingeheizten Ofen kuschelig… sein eigener Charme, den man mögen muss

  3. Sehr schöne Fotos und interessante Einblicke. Ich möchte aber noch hinzufügen, dass die Sache mit den Regierungsbeamten eher eine Legende ist, denn so schnell lässt sich ein Trullo wegen der schwierigen Dachkonstruktion auch nicht wieder aufbauen. 😉

    • Ich hatte beim Schreiben schon überlegt, dass mir das doch ein wenig zu viel des Guten schien. Aber ich weiß auch nicht, ob die Originaltrulli nicht vielleicht auch ein „loses“ Dach hatten, sodass eventuell auch das Dach recht zügig abgedeckt war… Drum hab‘ ich’s halt mal so übernommen… 🙂

      • Die Mythen sind halt schöner als die profane Realität. Ich liebe solche Geschichten auch.

        Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas schnell zerstört ist, nur mit dem Aufbau dürfte es schwierig werden: Steine lose rundherum zu einem Kegel zu legen, ohne dass die irgendwann einstürzen. Vielleicht probiere ich doch mal ein Katzentrullo auf der Terrasse zu bauen. 😉

          • Eines der Ergebnisse wären auf jeden Fall ordentlich Muskelkater und wahrscheinlich auch Rückenschmerzen. 😉

    • Rein von der Energieeffizienz her, wäre da glaub ich aber ein „Armer-Leute-Trullo“ (http://wp.me/p6fhOE-Gf) geeigneter…wobei…nach den ersten drei sonnigen Tagen hierzulande lohnt sich das noch gar nicht so recht. 😀

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