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Fundstück des Monats: September

Zugegeben, wenn ich mir so manche Satiresendung im deutschen Fernsehen anschaue, bin ich mir manchmal auch nicht sicher, ob so manches Bauvorhaben, Gesetz oder Erlassung nur dafür geschaffen worden sind, damit man sich darüber lustig machen kann. Da strotzt es teilweise nur so vor Realsatire.

Grund genug, mich diesem Phänomen auch mal in Italien zu widmen und zu schauen, was es da so an alltäglichen Absurditäten zu entdecken gibt.

Und tatsächlich: Ich bin fündig geworden!  (Wer hätt’s gedacht!? 😉 )

Die Italiener sind ja grundsätzlich ein eher kreatives Völkchen. Vor allem wenn es darum geht, Dinge nicht zu tun, zu umgehen und zu vermeiden. Das kann für den einzelnen Bewohner natürlich erstmal vorteilhaft sein.  Zum Nachteil wird es erst dann, wenn diese Kreativität auf politischer Ebene eingesetzt wird. Ich habe mir deshalb mal

fünf der absurdesten Steuern und Abgaben

angesehen, die Italiener (eigentlich) zahlen müss(t)en.

5. Die Flaggensteuer

Es ist eine Sache, eine Steuer darauf zu erheben, dass man die Nationalflagge im Garten, vor dem Haus oder auf dem Hotelparkplatz hissen darf. Das eigentlich Absurde an dieser Abgabe ist aber, dass sie als Werbesteuer deklariert ist. Vulgo: Wer die italienische Flagge hisst, macht damit Werbung für sein Anwesen, Hotel, etc. mit dem italienischen Staat und das wird ihm folglich in Rechnung gestellt. Übrigens so im Schnitt 140 €.

4. Pilze-Sammel-Steuer

Wer zum Herbstanfang lecker Pilze im Wald sammeln gehen will, braucht dafür in Italien eine offizielle Genehmigung. (Auch wenn ich starke Zweifel habe, dass sich die jemand holt.) Die muss man natürlich bezahlen, is‘ klar. Aber auf die Kosten für die Genehmigung werden nochmal zusätzliche Gebühren erhoben, die von Gegend zu Gegend variieren. Ehrlich gesagt, hätte es mich nicht gewundert, hätte es so etwas bei uns auch gegeben, aber … nein, nichts dergleichen. In Österreich gibt es tatsächlich etwas Vergleichbares, allerdings in Südtirol. Südtirol aber gehört formal ja nicht zu Österreich, sondern zu Italien. Hm.

3. Die Schattensteuer

Die Schattensteuer hingegen gibt es in ähnlicher Form auch bei uns, ist Teil des Gewerberechtes und zwar als Sondernutzung von Straßen und öffentlichen Wegen. Das tritt dann in Kraft, wenn ein Lokal den Gehweg vor dem Laden bestuhlen und gegebenenfalls mit einer Markise den bestuhlten Bereich beschatten (hehe) möchte. In Italien braucht’s für die Schattensteuer erst gar keine Stühle oder Tische. Eine ausgefahrene Markise reicht. Der Teil der öffentlichen Straßen und Wege, die von der Markise überschattet werden, werden besteuert. Ehm. Ja.

2. Die Sterbesteuer

Ja, ihr habt richtig gelesen! In Italien bezahlt man Abgaben fürs Sterben. Also eigentlich bezahlt man eine Gebühr für die offizielle Feststellung des Ablebens des Verstorbenen. Ich hab zwar in Deutschland schon davon gehört, dass die GEZ Toten weiterhin Abschläge und Mahnbescheide schickt, aber außer einer Erbschaftssteuer und einem Steuer-Schutzbrief, habe ich sonst nichts gefunden, dass der italienischen Sterbesteuer irgendwie ähnlich wäre. 36 € werden hier in Rechnung gestellt. 35 € Todes-Feststellungs-Gebühr und 1 € für die Briefmarke. 😀 Kein Scherz! 😀

1.  Die Atomkraftwerkssteuer

Und weil eine Sterbesteuer noch nicht absurd genug ist, setzt Italien noch eins drauf. Auf jeder Stromrechnung wird pauschal 1 € als Atomkraftwerksabgabe für die Kommunen aufgeführt. Na, immerhin. Wenigstens nur in den Gemeinden und Gegenden, in denen Atomkraftwerke stehen. Damit kann man ja irgendwie noch leben. Allerdings auch nur dann, wenn man nicht weiß, dass nicht ein einziges Atomkraftwerk auf italienischem Boden steht! Die Italiener importieren ihre Kernkraft nämlich aus Frankreich und Russland. Wofür dann die AKW-Steuer? Wahrscheinlich nur zur Zwecken der Realsatire. 😉

P.S. Eine Kernbrennstoffsteuer (schönes Wort, oder?!) gibt es in Deutschland tatsächlich auch – die zahlen allerdings die AKW-Betreiber, nicht die Stromkunden.

4 Comments

  1. Deine Artikelideen sind immer der Knaller. Toll absurde Fundstücke hast du da wieder zusammengesucht. Irgendwie schon liebenswert, die Italiener mit ihren schrägen Ideen.

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