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In Cagliari ist der Teufel los

Halten wir fest: Italien ist ein katholisches Land. Wie zwischen den Vatikan und das Küssen von Kruzifixen noch Verwünschungen passen, die alle Heiligen und verstorbenen Ahnen verfluchen, erklärt sich zwar auf den ersten Blick nicht so richtig. Aber das kann man ja irgendwie erstmal unter “kulturelle Eigenheit” verbuchen.

Halten wir außerdem fest, dass im katholischen Glauben der Teufel und seine Dämonen das ultimative Böse verkörpern. Man meidet sie … nun ja, wie der Leibhaftige höchstpersönlich eben das destillierte gesegnete Weihwasser.

Umso merkwürdiger erscheint es da, dass der Höllenfürst in Cagliari fast schon omnipräsent ist. Man könnte nun sagen, dass das daran liegt, dass Sardinien ja nicht zu Italien gehört – also, formell schon, aber es hat sich eine gewisse Autonomie bewahrt und die Sarden selbst fühlen sich auch nicht als Italiener.

(Wenn ihr also bei einem Sarden so richtig punkten wollt, sprecht dort nicht von Italienern und Italien, sondern macht die Unterscheidung in Sarden und Sardinien.)

Ist der Teufel Spanier?

Ich kann jetzt natürlich nicht belegen, dass es an der räumlichen Trennung vom Festland und der Isolation der Insel liegt, dass dem Fürst der Finsternis so eine Ehrerbietung zuteil wird. Vielleicht sind auch die spanischen Einflüsse schuld – immerhin waren die ja auch in Mexiko, wo man bis heute den Tag der Toten feiert.

(Allerdings weiß ich auswendig auch nicht, ob dieser Tag ein traditionell mexikanischer ist oder, ob die spanischen Invasoren den katholischen Feiertag, den wir in bestimmten Regionen als Allerseelen kennen und begehen, und den die Italiener (und Sarden) ebenfalls Tag der Toten nennen, importiert haben. Was mir unter den gegebenen Umständen wahrscheinlicher scheint.)

Also, wer weiß, vielleicht waren es tatsächlich die Spanier, die Tod und Teufel nach Cagliari gebracht haben.

Sind die Cagliaritani verkappte Satanisten?

  • Eine Felsformation am süd-östlichen Küstenzipfel im Süden Cagliaris heißt übersetzt “Teufelsjoch” oder “Sattel des Teufels”.

Man kann auch hochkraxeln, ich hatte dafür aber nicht das passende Schuhwerk im Gepäck. (Und mir schon bei der Stadterkundung am Vortag eine Blase gelaufen.) Ich könnte aber wetten, dass die Aussicht wirklich toll ist. Sollte es euch nach Cagliari verschlagen, wäre das auf jeden Fall ein Ausflugstipp von mir – und dann bitte Bilder zeigen, ja?! 😉 Meine Kommentarspalte und ich freuen uns. 😀

  • Die offensichtlichste Teufelswidmung ist die Straße “Sankt Luzifer” – Luzifer natürlich aus dem Latein; lux = Licht, ferre = tragen oder bringen.

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Tatsächlich erinnere ich, dass meine Oma mir einmal erklärte, dass Luzifer eine gefallener Erzengel sei. Und im 4. Jht gab es in Cagliari einen gleichnamigen Bischof. Damit erklärt sich vielleicht die Bezeichnung als Heiliger. Übrigens ist Luzifer auch Latein für “Morgenstern”, der wiederum die Venus ist, der (oder dem) wiederum das Geschlecht der Julier entstammen (ihr wisst schon Julius Cäsar und so) soll, auf denen sich wiederum mein Name Julia begründet. Heil mir Satanas! 😀

  • Ich nehme einmal an, dass auch Krypta und Kirche des gleichen Namens eher dem besagten Bischof geweiht sind, denn mir dem Fürst der Finsternis (nach seinem Fall).

Chiesa_Cripta_San_Lucifero_Cagliari-1024x768 In Cagliari ist der Teufel los

Chiesa_San_Lucifero_Cagliari-768x1024 In Cagliari ist der Teufel los

Die Krypta habe ich nicht besucht, weil an dem Tag zu viel los war – es war, nagelt mich nicht fest, entweder grade Allerheiligen oder der Feiertag zu Ehren des Schutzpatrons von Cagliari. Vom Innern der Kirche konnte ich einen Blick erhaschen, war aber unspektakulär.

  • Viel interessanter fand ich dagegen die Teufels- und Toddarstellung in der Kathedrale Santa Maria in Cagliaris Altstadt. Und hier hat Luzifer eindeutig nichts mehr mit dem gleichnamigen Bischof zu tun.

Der Tod thront über allem – wo sonst eigentlich ein Strahlensymbol für das Licht des Herrn platziert ist. (Moment, Licht wie in Lichtträger? Und Licht soll Gott symbolisieren? Heißt das am Ende Gott ist der Teufel oder umgekehrt? Wow…! 😉 ) Kenne ich jedenfalls in dieser Deutlichkeit aus keiner Kirche bisher. Denn im Grunde nimmt in dieser Darstellung der Tod eine höhere Stellung ein, als der Allmächtige.

Die Sünder stürzen angesichts des rettenden Lichtes (hm) in das Fegefeuer (das die katholische Kirche mittlerweile übrigens abgeschafft hat – zu meinem Glück, sonst wäre ich allein für diesen frevelhaften Artikel (von meinen anderen Verfehlungen gar nicht erst zu reden) mit Sicherheit dort gelandet, aber, hey, immerhin is dort warm). Auch die Darstellung von Sündern wäre mir bisher in dieser Form in keiner Kirche zuvor aufgefallen – mit den Teufelshörnern bei den Fallenden und den Schlangendämonen bei denen, die bereits im Feuer baden brennen.

  • An dieser Stelle schließe ich mein Plädoyer mit einem letzten Beweisstück, das mir zufällig vor die Linse geriet:

Grotta_del_Diavolo_Cagliari-1024x575 In Cagliari ist der Teufel los

P.S. Im ersten Weltkrieg trugen die sardischen Soldaten rote Halstücher, was ihnen bei den österreichischen Gegnern den Spitznamen “rote Teufel” einbrachte.

2 Comments

  1. Wie interessant! Dan Brown könnte das bestimmt als verschwörungstheoretisches Ambiente für einen neuen Pageturner nutzen.

    Wolltest Du noch Wörter im Text durchstreichen, hast den Beitrag aber schon vorher veröffentlicht? Es steht immer mal in Klammern hinter einem Wort “durchstreichen”.

    • Vielleicht nehm ich einfach mal Kontakt mit ihm auf und biete ihm ne Zusammenarbeit an ? Natürlich gegen Beteiligung an den Tantiemen ?

      Danke für den Hinweis. Ich war schon müde, als der Artikel endlich eingepflegt war. Muss ich echt einfach voll vergessen haben. Jetzt is’ richtig! 🙂

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