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Die Cagliaritani und ich, Teil 1

Man kann mich aber nun auch wirklich nicht alleine lassen. Irgendwie schaff ich es dann doch immer, mich in absurde, zwischenmenschliche Situationen hineinzumanövrieren.

(A propos, absurd – das Wort gebrauche ich nahezu inflationär, seit Italienisch sozusagen meine zweite Alltagssprache geworden ist. Absurd. 😉 )

So geschehen jedenfalls und unvermeidlich also auch in Cagliari. Und das obwohl man den Sarden nachsagt, sie seien nicht so kontaktfreudig und aufgeschlossen, wie beispielsweise die Süditaliener. (Weil, Sarden sind ja nun mal keine Italiener – hatten wir schon. 😉 ) Tatsächlich begrüßt man sich auch nicht schon beim zweiten Treffen im Leben mit Küsschen-links-Küsschen-rechts. Der gewöhnliche Sarde braucht dafür doch mehr Anlaufzeit. Eine Eigenschaft, die besonders bei Deutschen auf Wohlgefallen stoßen dürfte.

Dass ich es nun dennoch geschafft habe, (ohne größeres Zutun) bei immerhin vier Cagliaritani das Eis zu brechen, betrachte ich aufgrund dessen als eine beachtliche Mammutleistung. Und als Überraschung. Selbst meinem persönlichen Haus-und-Hof-Sarden kam das höchst ungewöhnlich vor. Will also was heißen. Irgendwie.

Erste, zarte Bande

Den ersten Kontakt mit einem Cagliaritano abgesehen von meinem Bekannten (und ja, ich hab tatsächlich so viele Bekannte und Freunde in Italien, ich such mir die nicht bewusst, das passiert einfach und das ist gut so!) hatte ich am – ich glaube ungefähr – zweiten oder dritten Tag.

Ich war unterwegs ins Stadtzentrum und kam auf dem Weg an den Wohnblocks vorbei, die die Straße säumten. Nichtsahnend schlenderte ich brav meines Weges, als ich von schräg hinten plötzlich jemanden rufen hörte: “Scusi, mi scusi signorina!”

Da ich niemanden bewusst gesehen hatte, blieb ich zwar kurz stehen, setzte meinen Weg aber nach wenigen Sekunden wieder fort. Wer weiß schon, was der wollte oder ob der überhaupt mich gemeint hatte.

Hatte er aber, denn in dem Moment, in dem ich mich wieder in Bewegung versetzte, rief er erneut. Als ich mich diesmal umsah, entdeckte ich plötzlich einen Arm, der durch die Gittertür vor einem der Wohnblöcke durch winkte.

Ok, also zumindest trennt uns eine Stahlbarriere, sollte er doch irgendwelche komischen Absichten haben. Ich schaute ihn fragend an und wollte wissen, ob er mich meinte. (Nicht, dass noch irgendwer anders da gewesen wäre, aber irgendwie schein ich so ne Art Leidenschaft für dumme Fragen zu haben.)

Er nickte und blickte mich erleichtert an und bat mich, bei einer der Bewohnerinnen zu klingeln. Er sei dort zu Reparaturarbeiten gewesen, aber die Tür sei ins Schloss gefallen und er könne sie von innen nicht öffnen.

Der Arme saß also fest – konnte weder wieder in den Palazzo hinein, weil Haustür zu, noch aus dem Vorhof raus, um zu seinem Auto zu gelangen, noch erreichte er die Klingelleiste recht neben der Gittertür, geschweige denn, dass er die richtige Klingel gefunden hätte.

Ich war zwar immer noch verdutzt, fand die Situation aber auch irgendwie köstlich und konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Er lachte halb selbst amüsiert, halb erleichtert mit, während ich bei seiner Kundin klingelte und sie bat die Tür nochmal zu öffnen, damit ihr Elektriker weiterfahren könnte.

😀

2 Comments

  1. Das sind die Geschichten, die das Salz in der Suppe sind. Ich bin gespannt, wie es mit Teil 2 weitergeht.

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