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Sardinien

Sardinien bietet für Touristen jede Menge Sehens- und Entdeckenswertes. Neben wunderschönen Stränden, die sogar im Oktober noch mit 20°+ zu locken wissen, vor allem viel Geschichte.

Durch seine Lage im östlichen Mittelmeer lief Sardinien schon immer Gefahr, von fremden Völkern angegriffen und assimiliert zu werden. Kaum eine Nation, die sich Sardinien nicht zu irgendeinem Zeitpunkt angeeignet hätte. Erst die Phönizier aus Nordafrika, dann die Römer, Byzantiner, selbst die Araber haben hier gesiedelt. Später auch die schwäbischen Staufer, dann die Spanier, danach die österreichischen Habsburger und Savoyen. Erst die haben Sardinien an die Italiener abgetreten.

Alle haben ihre Spuren in der Architektur, in der Lebensart, der Küche, Kultur und dem Selbstverständnis der Sarden hinterlassen. So bezeichnen sich die Sarden nicht nur nicht als Italiener, sie haben bis in die 1980er Jahre hinein auch immer wieder für eine vollständige Autonomie gekämpft.

Im Grunde ist Sardinien ein Melting Pot der Kulturen und Völker. Viele Einflüsse, die es in andere Regionen Italiens niemals geschafft haben. Sei es, weil es Seefahrervölker waren oder weil sie am Festland auf zu große und starke Gegenwehr gestoßen sind und unterlegen waren.

Wissenswertes zu Sardinien

  • Die sardische Flagge ist berühmt. Ein rotes Kreuz auf weißem Grund und vier Köpfe in jedem Feld. Und sie ist noch heute Zeuge dieses Hin und Hers, das Sardinien im Laufe seiner Besiedelungsgeschichte durchgemacht hat. Das Motiv soll auf den spanischen König Peter I. von Aragón zurückgehen. Die vier Maurenköpfe symbolisieren die erfolgreiche Rückeroberung Sardiniens durch die Spanier aus den Händen der Mauren.

    Sardische_Flagge-300x225 Sardinien und Cagliari
    Sie sollten künftigen Angreifern zur Abschreckung dienen – wir schlagen euch die Köpfe ab!
  • Mir wurde erzählt, dass Sardinien einmal – ähnlich wie Australien – eine Gefängnisinsel war. Denn ohne Boote waren die Gefangenen nicht in der Lage, die Insel zu verlassen.

Seit 19 n. Chr. die befreiten Juden von Herrscher Tiberius per klassischem Urteilsspruch „ich verbanne dich nach Sardinien“, den man in einigen Filmen aus den 50er Jahren noch hören kann, mit der Deportation auf die Insel bestraft wurden, hat die Vorstellung von Sardinien als wildes, unwirtliches Land, das von „Barbaren“ bewohnt ist und in der Geschichte nur am Rande eine Rolle spielt, zwei Jahrtausende überstanden. Quelle

Der Vorteil der Lage Sardiniens heute

Heutzutage kommen Überfälle durch fremde Nationen eher selten vor. Wenn man von den regelmäßigen Touristenströmen einmal absieht. 😉 Aber die tun ja in der Regel niemandem was.

Dafür haben sie erkannt, dass der ehemals militärisch strategische Vorteil der Lage Sardiniens auch ihnen zum Vorteil gereichen kann. Sardinien ist nur etwa 200 km über’s Tyrrhenische Meer von der Toskana entfernt, von Korsika gerade einmal 12 km (im Norden). Tunesien ist ebenso ein Katzensprung von weniger als 200 km im Süden und auch nach Menorca kann man es in einem Tag schaffen.

Inselhopping über Korsika bis hin zur Inselkette rund um Elba und dann eine Tour durch die Toskana ist ein Klacks.

Dank zahlreicher Flughäfen, die auch von Low-Fare-Airlines angeflogen werden, sind diverse andere Städte auf dem Festland Italiens, Frankreichs oder Afrikas ebenfalls in wenigen Stunden erreichbar.

Und mit den beiden Bahnbetriebe (Ferrovie dello Stato, Ferrovie della Sardegna) kann man sogar die ganze Insel innert weniger Tage befahren.

Rundreise, kein Problem.

Cagliari

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Ich kann natürlich nur davon erzählen, was euch in Cagliari erwartet. Da wären zunächst einmal viele Hügel. Besonders, wenn ihr den historischen Stadtteil besichtigen möchtet, müsst ihr euch auf ein paar Bergwanderungen gefasst machen. Aber für die Gehfaulen oder die, die schlecht zu Fuß sind, stehen an mehreren Punkten auch Aufzüge zur Verfügung. Die bringen Euch hoch und wieder runter und lassen euch das Panorama über die Bucht vor Cagliari oder über die Viertel am Fuß des Berges – je nachdem, auf welcher Seite ihr euch befindet – genießen. Außer ihr habt’s nicht so mit Höhen. Dann – wörtlich – Augen zu und durch. 😉 So wie ich. 😀

Das historische Viertel erlaubt von unterschiedlichen Punkten aus einen Ausblick über die gesamte Stadt. Oben könnt ihr viele Kirchen (darunter eine russisch-orthodoxe) besichtigen, ein ehemaliges jüdisches Ghetto (aus dem Mittelalter, unsereins hat damit nichts zu tun) und weitere historische Überbleibsel, wie etwa den Elefantenturm.

Darin ist noch immer ein Stadttor aus Eisen, unter dem ihr durchlaufen müsst, wenn ihr wieder den Berg runter wollt. Mir hat’s ein mulmiges Gefühl gemacht. Auch, weil diese verdammten Spitzen gefährlich genug aussehen. Das Tor ist aber angeblich gesichert. Jedenfalls sind an dem Tag weder mir noch anderen Spaziergängern oder Autofahrern was passiert.

In Cagliari könnt ihr abgesehen vom historischen Stadtkern auch einen tollen Strand besuchen. Je nach Wetterlage und Saison zum Baden oder einfach nur, um die gute Meerluft und den Ausblick auf das Teufelsjoch genießen. Vom Stadtzentrum (Bahnhof) mit dem Bus sind das etwa 10 – 15 Minuten.

Auch die Hafenpromenade lädt zum Spaziergang ein. Und wenn mal grade eine Festivität ansteht, könnt ihr hier lokale Leckereien probieren und kaufen. Ich hab mich für Schokolade mit Orangen- und Erdbeergeschmack entschieden. Und ein bisschen selbstgemachte Torrone hab ich obendrauf geschenkt gekriegt. Außerdem hab ich sardisches Craftbeer probiert. War auch sehr lecker. Besser, fand ich, als das berühmte Ichnusa.

Die Hafenpromenade ist übrigens auch nachts ein sehr schöner Ort für einen Absacker oder, um ein paar Schritte zu gehen.

Um Cagliari herum

Wenn ihr euren Urlaub vorrangig im Süden Sardiniens verbringen wollt, dann rate ich euch dazu, die Orte und Ziele rund um Cagliari gleich noch mitzunehmen. Mit den Bussen und Bahnen kommt ihr auch in entlegenere Gegenden, wie etwa Villasimius oder Oristano, wo das Meer wunderschön sein soll.

Andernfalls könnt ihr auch Sassari in vier Stunde mit dem Zug erreichen. Oder eben gleich die ganze Insel per Bahn erkunden. Dafür solltet ihr aber pro Ort einen oder zwei Tage einplanen.

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