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Chin’otto

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Eine Orangenlimo, die aussieht wie Cola?

Eine Orangenlimo, die aussieht wie Cola!

Genau genommen handelt es sich um eine Bitterorangensorte, deren Saft Basis für das gleichnamige Getränk ist: Chinotto.

Ich selbst habe Chin’otto das erste Mal in Rom getrunken und war zugegeben überrascht. Ich war zwar vorgewarnt, hab mich aber dennoch von der Farbe täuschen lassen und etwas klebrig Süßes erwartet.

Von der Frucht hatte ich bis dato noch nie gehört. Von der Limonade gleich gar nicht.

Das höchste der Gefühle, das für mich vorher als mehr oder minder bittere Limo durchging, war die italienische Fanta. Die ist hier tatsächlich herber als bei uns. Aber ganz Coca-Cola eben immer noch sehr süß. Anders Chin’otto.

Wie schmeckt Chin’otto?!

Chin’otto ist auf jeden Fall herb. Nicht zu vergleichen mit Orangensaft oder Fanta und ähnlicher Limonade.

Es schmeckt ganz latent wie Campari – soweit ich mich erinnere. Ich trinke eher Aperol. Campari ist mir zu bitter. Ein fruchtig herber Geschmack, der sich vor allem an den beiden Seiten der Zunge und ganz leicht am hinteren Ende und im Hals wahrnehmen lässt.

Ähnlich wie beim Schlehen essen werden die eben genannten Stellen im Mundraum so ein klitzekleines bisschen pelzig und trocken. Aber nie zu sehr. Denn da kommen die Kohlensäure und der Zucker ins Spiel.

Wenngleich Chin’otto gerade so viel gesüßt ist, dass der Bitteranteil nicht zu aufdringlich ist. Allerdings kommt das auch ein bisschen auf den Hersteller an. Das Chin’otto von San Pellegrino, das ich hier in Bari gekauft habe, ist deutlich süßer, als das andere, das ich in Rom probieren konnte. (Leider hab ich dieses Chin’otto hier noch nicht gefunden, aber vielleicht treib ichs ja noch auf. Hab ja noch Zeit. 😉 )

Laut Wikipedia ist zwar San Pellegrino der “Erfinder”, aber das tut der Sache ja keinen Abbruch. Man kann ein Getränk auch besser machen, als das Original. Außerdem sind Geschmäcker ja verschieden. Und auch wenn die colafarbene Limo laut eben jenem Webportal von San Pellegrino / Nestlé weltweit vertrieben wird, wäre es mir in Deutschland noch nirgendwo aufgefallen.
In der Schweiz scheint es sie zu geben. Von Migros. Das sind die, die auch einen super leckeren Eistee aus schweizer Kräutertee verkaufen. Davon leg ich mir bei jedem Besuch in der Schweiz ein ganzes Lager an – aber das ist wieder ein andres Thema. 😀

Wie aus Chinotto Chin’otto wurde

Die Italiener trinken grundsätzlich eher wenig Softdrinks. Wasser, Kaffee und Wein sind Grundnahrungsmittel. Brausen und Limos liegen weit abgeschlagen dahinter. Aber Chin’otto ist so eine Art Kulturgut, von Italienern für Italiener sozusagen. Wer braucht schon Coca-Cola? 😉

… dachte sich wohl auch der Duce, der seinerzeit ein systemkonformes Erfrischungsgetränk in Auftrag gab. Von Italienern für Italiener eben. Auf dass die Amerikaner mit ihrem Gebräu nicht den strammen Nationalstolz verwässern mögen!

Nach dem Krieg konnte Chin’otto sich vor allem deshalb durchsetzen, weil es kein importiertes Luxusgut war wie die Limonaden der Coca-Cola-Company.

Aber schon vor der Einführung von Chin’otto kannten die Italiener Chinotto.

Und zwar als kandiertes Obst, das samt Schale in Kirschlikör eingelegt zum Aperitif gereicht wurde – so wie heute Oliven, Nüsse, Chips und / oder lokale Knabbereien, wie etwa in Apulien Taralli.

“Früher stand in den meisten Bars der Riviera ein großer Porzellankrug mit Chinottos, die man zum Aperitif oder Digestif bestellte.”

Zitat: Gian Pietro Pamparino, Quelle: Welt am Sonntag

Chinotto, die Frucht

Die Frucht Chinotto ist eine kleine Bitterorangensorte, die in unseren Gefilden vor allem in Südeuropa wächst.

Anscheinend wurde die Zitrusfrucht aus China mitgebracht und fühlte sich in Gegenden wie Sizilien recht wohl. Sie wird zwar auch in den Weinbergen Liguriens angebaut, das Klima im Süden gefällt ihr aber deutlich besser, wie sich auch am Ertrag und der Verbreitung zeigt.

Die kleinen, trockenen Bitterorangen mit der dicken Schale wachsen an etwa ein Meter hohen Bäumchen. Ernten kann man sie das erste Mal nach sechs Jahren. Dafür dann aber auch bis zu drei Mal pro Jahr.

Chinotto, der Name

Der Name Chin’otto bezieht sich – offensichtlich – auf den Namen der Frucht Chinotto.  Dieser wiederum leitet sich vom französischen “chinois”, also “Chinese / chinesisch“ und damit vom Herkunftsland der Orangenvariante, China, ab.

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