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2.000 € für einen Umzug nach Ligurien

Dass italienische Dörfer mit überdurchschnittlicher Abwanderung der jungen Generation zu kämpfen haben, ist hinlänglich bekannt. Auch bei uns. Legambiente, eine italienische Naturschutzorganisation, schätzt, dass dieses Phänomen an die 2.500 italienische Gemeinden betrifft.

Um dem entgegenzuwirken beweisen einige Bürgermeister großen Einfallsreichtum. Während einer mit ankommenden Flüchtenden seiner vom Überaltern und Aussterben bedrohten Stadt neues Leben einhaucht, versucht ein anderer es mit dem ältesten Argument der Welt: Geld.

2.000 € Begrüßungsgeld in Bormida ab 2018

Bürgermeister Daniele Galliano wirbt auf seinem Facebookprofil damit, dass er jedem, der seinen Wohnsitz nach Bormida verlegt, ein Begrüßungsgeld von 2.000 € erhalten wird – und das bei Mieten zwischen 50 und maximal 120 € pro Monat.

Aktuell ist man in der Gemeinde anscheinend dabei, die Möglichkeiten und Details eines solchen Begrüßungsgeldes auszuhandelnd und rechtlich sauber in trockene Tücher zu wickeln. Ab 2018 soll es losgehen: Für jeden Miet- oder Kaufvertrag gibt’s für „die Neuen“ dann 2.000 €.

Ein Angebot, das man kaum ablehnen kann. Die Zielgruppe: Jeder! Und die Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Web. Über 17.000 Anfragen aus aller Welt gingen binnen kürzester Zeit bei Bürgermeister Galliano ein.

Mit dieser Anzahl an Interessenten könnte man mehr als eines der über 2.000 betroffenen Dörfer wieder bevölkern. Dabei war das alles gar nicht so gemeint, sagt der Bürgermeister jetzt.

Bildschirmfoto-2017-05-25-um-17.20.58 Fundstück des Monats Mai

Es gibt KEIN Geld für den Zuzug nach Bormida!

Zumindest nicht für Nicht-Italiener, wie Galliano am 10.05.2017 auf seinem Facebookprofil mitteilte:

Ich hatte diese Idee, die ich der Region Ligurien unterbreiten wollte, mit der ich bereits in Kontakt bin, und die sich nur auf nationaler Ebene bewegt.

Wo und wie ist Bormida?

So verführerisch das Angebot auf den ersten Blick auch sein mag: Ohne Arbeit bringt auch die billigste Miete nichts. Darauf machen den Bürgermeister auch andere Facebookuser aufmerksam, die sogar anbieten, auf die 2.000 € zu verzichten, wenn ihnen stattdessen ein Job garantiert würde.

Auch wenn sich Galliano wirklich bemüht, den potentiellen Neuankömmlingen die 3/400-Seelengemeinde in Ligurien schmackhaft zu machen: Aufgeschlossene Menschen, frische, saubere Bergluft, Nähe zum Meer …

Aber ganz so einfach ist es eben nicht.

Mehr Facts zu Bormida

  • Bormida liegt eine knappe Stunde Autofahrt südwestlich von der Provinzhauptstadt Savona.
  • Von San Remo über Imperia, Genua bis nach La Spezia erstreckt sich die Küste entlang dem ligurischen Meer.
  • Die kürzeste / direkte Verbindung von Bormida zum ligurischen Meer ist etwa 20 km lang.
  • Zum berühmten Naturschutzgebiet Cinque Terre sind es knappe 2,5 Stunden Autofahrt.
  • Näher ist der regionale Naturschutzpark del Beigua (ca. 60 km).
  • Noch näher der von Bric Tana (20 km).
  • Bormida liegt 420 m über Normalnull und ist umringt von unberührter, teils geschützter Natur und Bergen.

Sicher übertreibt der Bürgermeister also nicht, wenn er die vielen Vorzüge des kleinen ligurischen Bergdorfes betont. Und wer mobil arbeiten kann oder das erst gar nicht mehr muss, hat mit einem Umzug dorthin nicht nur ein finanzielles Schnäppchen gemacht.

1 Comment

  1. Das ist einfach unfassbar, wie Leute mit besonderen Vorzuegen gelockt werden und am Ende „nur“ das Geld eine Rolle spielt. Schade, dass meistens kein Geld im Sinne von Arbeit verdient werden kann!

    Liebe Grüße!

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