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Sirmione zum Erholen

Gehört Ihr auch zu den Menschen, die eigentlich gar nicht viel brauchen, um glücklich zu sein?

Ich selbst würde mich auf jeden Fall zu diesen Menschen zählen. Besonders dann, wenn mir mal wieder alles über den Kopf zu wachsen droht, freue ich mich auf ein paar ruhige Stunden, um wieder in Balance zu kommen. Manchmal tut auch ein bisschen Abstand gut. Eine Luftveränderung.

Und genau diese stand nun an, als ich einige Tage in die Provinz Brescia in der Lombardei gefahren bin und dort ein bisschen Jamaica im Landesinnern Norditaliens erleben durfte.

Palmen unter Schnee bedeckten Bergspitzen

Okay, zugegeben, Ende Juli / August wird man auch in dieser Gegend kaum Schnee auf den Bergen sehen. Dennoch finde ich diese Kombination aus Palmen an der Uferpromenade und den bewaldeten Riesengebirgen im Hintergrund immer wieder erfrischend. Hat irgendwie einfach was.

Solche landschaftliche Eigenschaften kann man besonders im Norden Italiens öfter erfahren. Am Comer See zum Beispiel oder wie in diesem Fall am Gardasee.

Dorthin hat es mich nämlich für ein Wochenende verschlagen. Genauer: Nach Sirmione.

Sirmione ist längst kein Geheimtipp mehr

Von Skandinaviern, Amerikanern, Franzosen, Holländern, Deutschen und Schweizern ist die Region um den Gardasee längst in Beschlag genommen. Besonders in den Sommermonaten. Darum muss ich euch auch nichts vormachen: Eine super spektakuläre Entdeckung für euren nächsten Urlaub hab ich hier nicht gemacht.

Mein Tipp richtet sich daher eher an die unter euch, die vielleicht nicht in Sirmione direkt Urlaub machen, aber mal einen Tag oder zwei ganz entspannt den Bauch in die Sommersonne halten wollen und sich im Gardasee abkühlen möchten.

Jamaica Beach an der Spitze von Sirmione

Der Name Jamaica Beach ist eigentlich etwas irreführend: Wer hier importierte Kokospalmen oder feinsten, weißen Sandstrand erwartet, vielleicht eine karibische Band oder wenigstens Reggae-Musik, wird enttäuscht werden.

Weder wurden hier künstliche Palmenhaine angelegt, noch Sand aufgeschüttet. Stattdessen erstreckt sich an der nördlichsten Spitze von Sirmione, die in den Gardasee hineinragt, ein Steinplateau, das nach Sonnenuntergang zu Teilen auch Opfer der Gezeiten wird. Dann nämlich steigt der Wasserstand und flutet das Terrain, auf dem sich gerade noch Touristen und Einheimische in trauter Harmonie dem sommerlichen Badevergnügen – wahlweise in Sonne oder See oder beidem – hingegeben haben.

Gardasee_Sirmione_Jamaica_Beach_1-1170x508 Nehmt ein Bad im See unter atemberaubendem Panorama

Wer also nicht viel braucht zum Glücklichsein, kann hier im besten Sinne dem dolce far niente frönen.

7 Tipps für einen Tag am Jamaica Beach von Sirmione

  1. Nehmt eine Kühltasche mit Getränken und Snacks mit. Zwar gibt es dort eine kleine Bar all’aperto, doch ihr spart Geld und Nerven, wenn ihr euch selbst versorgt. Außerdem weiß ich auch nicht, wie gut die mit Essbarem aufgestellt sind. Mir sah es eher danach aus, als ob die Nahrung hier vorrangig flüssig und hochprozentig serviert würde.
  2. Stört euch nicht an bloßem Busen. In Bari ist es bei Strafe verboten, als Frau blank zu ziehen am öffentlichen Strand. In Sirmione scheint man damit weniger Probleme zu haben und auch ich hätte es den Damen, die ich dort am Seeufer oberkörperfrei hab liegen sehen, am liebsten gleich getan. Wer mit Nacktheit ein Problem hat oder g’schamert wegschauen muss, wenn er Brüste sieht, sollte einen Gang zum Jamaica Beach vielleicht überdenken.
  3. Es gibt dort keinen Verleih von Strandliegen oder ähnlichem. Drum packt euch eine Klappliege oder Badetücher ein. Die meisten Leute waren nur mit Decken und Handtüchern am See. Die lassen sich natürlich einfacher transportieren, vor allem deshalb, weil man nicht mit dem Auto an den Strand fahren kann. Wer aber Rücken hat oder wem die Steine zu uneben oder zu hart sind, wird nicht darum herumkommen, sich einen Liegestuhl mitzunehmen.
  4. Geht vorher noch mal Pipi. Ja, ich mein das Ernst. Denn trotz der Bar direkt am Seeufer konnte ich zumindest dort weit und breit keine Toilette ausmachen. Zwar gibt es den Berg hinauf auch eine Bar mit angeschlossenem Restaurant. Dort kann man bestimmt die Sanitärbereiche mal nutzen – ich habs nicht ausprobiert -, aber man müsste für jeden Toilettengang immer wieder einen Auf- und Abstieg von mehreren Minuten in Kauf nehmen.
  5. Achtung Rutschgefahr! Die Steine am Seeufer von Sirmione sind teilweise sehr glitschig und algig. Ihr solltet im besten Fall also rutschfeste Schwimmschuhe anziehen, die geben euch etwas besseren Grip. Andernfalls solltet ihr vorsichtig sein, wenn ihr barfuß in Richtung See marschiert. Auch der Einstieg ins kühle Nass wird euch dadurch nicht gerade leicht gemacht.
  6. Der Gardasee unterliegt den Gezeiten. Für euch heißt das, dass der Jamaica Beach sich mit dem Sonnenuntergang peu à peu mit Wasser füllt. Je nachdem, wo ihr es euch gemütlich gemacht habt, kann es also sein, dass ihr euch ab 19.00 / 20.00 Uhr ziemlich zügig verkrümeln müsst, wenn ihr nicht wollt, dass eure Habseligkeiten nass werden.
  7. Ab 19.00 Uhr ist der Badespaß offiziell vorbei. Das heißt in der Praxis aber nur, dass das Tor, durch das man vom  Berg aus nach unten zum Strand kommt, zugemacht wird. Nicht einmal abgeschlossen wird, weil die Badegäste ja auch noch wieder herauskommen müssen. Der Abstieg zum Jamaica Beach aber ist nach 19 Uhr abends nicht mehr vorgesehen – steht zumindest so auf dem Schild neben dem Tor. Wobei das Tor im Zweifel selbst in abgeschlossenem Zustand problemlos zu überwinden wäre. Es ist nicht einmal hüfthoch.

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!! Extratipp: Beim ins-Wasser-gleiten einfach auf einen der ohnehin glitschigen Steine setzen und langsam in den See hinein rutschen. Hat sich zumindest bei mir bewährt! 😉

Wie ihr zum Jamaica Beach kommt


Die Durchfahrt der Altstadt von Sirmione ist nur Anwohnern oder Hotelgästen gestattet, die dafür eine Berechtigung vorweisen können. Für euch heißt das, mit dem eigenen Auto oder der gemieteten Vespa ist irgendwann Schluss und ihr seid gezwungen, außerhalb der Altstadt zu parken.

Hierfür stehen bereits wenige Meter nach der Ortseinfahrt eine Vielzahl von Parkplätzen bereit. Die Parkkosten belaufen sich auf 1.50 € pro Stunde, die Suche nach einem freien Platz so nah wie möglich am historischen Stadtzentrum gestaltet sich je nach

  • Saison,
  • Temperatur / Wetterlage,
  • Wochentag und
  • Uhrzeit

leichter oder schwieriger bis hin zu nahezu unmöglich und unglaublich geduldsfordernd.

Wenn ihr einen Parkplatz ergattern konntet, der einigermaßen fußläufig zur Altstadt ist: Glückwunsch.

Alle andern können aber entspannt bleiben: Den Tag über fahren alle 15 Minuten (sonntags und abends alle 20 Minuten bis zwei oder drei Uhr morgens) Busse, die an fünf Haltestellen stoppen, um euch einzusammeln oder rauszuwerfen. Tipp: Das Busticket kostet beim Fahrer 1,50 €. Holt ihr es euch vorher an einem der Verkaufspunkte oder Automaten (die stehen aber nicht an jeder Haltestelle), könnt ihr 50 Cent sparen. Die Kosten sind übrigens immer gleich – also auch dann, wenn ihr nur eine Haltestelle mit fahrt.

Haltestelle Nummer 5 ist die am Eingang zur Altstadt von Sirmione.

Von hier aus geht es zwangsläufig zu Fuß weiter. Eigentlich immer geradeaus, bis ihr zu einer kleinen Piazza am Ende der Hauptstraße kommt. Hier habt ihr dann die Wahl: Entweder ihr lauft zu Fuß weiter, was bedeutet, ihr lauft ein Stückchen bergauf, macht eine Kurve und kommt dann auf dem Belvedere an, von wo aus ihr in einen angrenzenden Park und zu den Grotte di Catullo kommt, die über dem Jamaica Beach thronen.

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Oder aber ihr spart euch den „Aufstieg“ – je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit bzw. Ausstattung und Kreislaufverfassung kann das die bessere Wahl sein – und fahrt mit einem der Trenini, die dort eigentlich im Minutentakt verkehren. Sobald ein Elektrozug voll ist, fährt er auf den Aussichtspunkt und wieder zurück. Kosten für den E-Transfer: 1 €.

Von nun an ging’s bergab (Cit.)

[Ja, das war eine Anspielung auf Hildegard Knef und nein, es hat überhaupt nichts mit dem weiteren Inhalt zu tun.]

Genau genommen geht es ja auch bergab. Auch hier rate ich wieder zur Vorsicht, denn die Piste, die euch den Berg hinunter zum „jamaikanischen Strand von Sirmione“ bringt, ist nicht befestigt. Da ich vermute, dass keiner von euch in Wanderstiefeln zum Sonnenbaden an den See geht, passt beim Abstieg ein bisschen auf, dass die Adiletten nicht rutschen.

Und dann ist eh alles ganz einfach: Sucht euch ein Plätzchen und genießt ein paar Stunden am Gardasee mit viel Sonne und angenehm kühlen Seewasser zum Schwimmen und Planschen.

Das Schöne am Jamaica Beach ist: Auch wenn es voll ist, vom Touritrubel in der Altstadt seid ihr hier gaaaanz weit entfernt. Und wenn ihr so lange durchhaltet, könnt ihr hier einen wunderbar sanft silbernen Sonnenuntergang erleben.

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