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Das ultimative Reiseziel in Italien für Vegetarier und Veganer

Die italienische Küche gilt als eine der gesündesten der Welt. Sogar so gut, dass der mediterranen Ernährung das überdurchschnittlich hohe Alter der Sarden bei gleichzeitig bester Gesundheit zugeschrieben wird.

Doch bei aller Gesundheit und Köstlichkeit, die italienische Küche ist mitunter auch sehr fleischlastig. Speziell in den Regionen, die nicht unmittelbar am Meer, sondern im Landesinneren liegen: Umbrien, Piemont, die Lombardei und das Trentino haben keinen eigenen Zugang zum Meer und sind darum eigentlich Regionen, in denen Fleischgerichte viel mehr kulinarische Tradition haben.

Nun hat sich ausgerechnet eine Stadt in der „Fleischprovinz“ Piemont zum Ziel gesetzt, Italiens vegan-vegetarische Hauptstadt zu werden: Turin.

Ex-Hauptstadt des Königreiches Italien wird Hauptstadt der Vegetarier

Turin ist der Status einer Hauptstadt nicht fremd:

  • im 11. Jht war Turin Hauptstadt der gleichnamigen Markgrafschaft,
  • im 16. Jht unter der Herrschaft derer zu Savoyen wurde sie zur Hauptstadt eben jener,
  • ab dem frühen 18. Jht war Turin die Hauptstadt des Königreiches Sardinien,
  • im 19. Jht mit der Einheit Italiens wurde Turin für vier Jahre die Hauptstadt des Königreiches Italien,
  • im 20. Jht war Turin eine der Hauptstädte des antifaschistischen Widerstandes und
  • im 21. Jht strebt die Metropolitanstadt in Piemont nun den Titel Hauptstadt der Vegetarier an.

Initiative „fleischfreieste Stadt Italiens“

Das Bestreben, Italiens vegetarische Hauptstadt zu werden, wurde initiiert von der regierenden Bürgermeisterin Turins. Nicht nur die Förderung einer Etablierung veganer und vegetarischer Esskultur ist im Parteiprogramm vorgesehen, auch Aufklärung über Ernährung und Tierhaltung in den Schulen Turins, sowie einen fleischfreien Tag in Mensen sind Teil der Initiative.

Von einer solchen, von oben oktroyierten Fleischlosigkeit oder zumindest -verringerung mag man halten, was man will. Ich persönlich nicht viel, auch wenn ich mich seit mehr als 20 Jahren überwiegend vegetarisch ernähre. Andererseits ist der Ansatz der Aufklärung nicht ganz verkehrt, bedenkt man die ökologischen Auswirkungen von Massentierhaltung. Aber das ist ein anderes Thema. Und hier soll es ja um die Veggie-Stadt Turin gehen und nicht um Prinzipienreiterei. 😉

Bei allem Für und Wider und trotz aller Politik, auch die Restaurantbetreiber bemerken bei den Besuchern schon lange ein Umdenken. Vielerorts haben Vitello Tonnato und Schmorfleisch in Barolo ausgedient, denn

[…] die Leute wollen neue Sachen ausprobieren […].

So zumindest ist die Erfahrung vieler Gastronomen in Turin, die Chiodi Latini mit diesen Worten auf den Punkt bringt. Er betreibt eines der über 30 veganen und vegetarischen Restaurants und Lokale in Turin. Seine alte Kundschaft beschwert sich nach der Umstellung von Fleisch und Fisch auf Vegan und Vegetarisch natürlich. Dafür erkennt der Koch bei seinen jetzigen Kunden ein ganz neues Bewusstsein: Sie möchten

[…] Essen, mit dem sie sich körperlich und seelisch gut fühlen.

Um das piemontesische Erbe von Fleischgerichten und Weinen zu erhalten, wurde im März 2017 das erste Mal sogar ein vegan-vegetarisches Festival abgehalten. Für Touristen soll es sogar einen eigenen Restaurantführer in Form einer Karte geben. Den konnte ich online nicht finden, gibt’s aber bestimmt bei den Touristeninformationen in Turin.

Ich jedenfalls werde besonders das Torino Veg Festival weiter verfolgen und plane, es nächstes Jahr zu besuchen, damit ich aus erster Hand davon berichten kann, wie sich die Initiative „fleischfreie Hauptstadt Italiens“ weiterentwickelt.

3 Restauranttipps für Vegetarier und Veganer in Turin

Für meinen nun vorgenommenen Trip nach Turin 2018 habe schon mal ein paar Restaurants herausgesucht, die ich selbst gern testen möchte – auch dann, wenn es kein 2. Torino Veg Festival geben sollte. In Turin war ich ja immerhin sowieso noch nie, von daher ließe sich das alles sogar miteinander verbinden…

Aber vielleicht schafft ihr es ja vor mir in eines dieser Lokale und könnt mir dann berichten, ob sich ein Besuch der folgenden 3 vegan-vegetarischen Restaurants lohnt?! 🙂

  1. Soul Kitchen
    Ein Restaurant, das mich schon vom Namen her mehr als anspricht und dessen Adresse mein persönliches Sahnehäubchen ist:
    Via Santa Giulia 2
    10124 Turin
    Besonders viele Besucher sind dort dienstags mittags und freitags abends. Wer weniger Rummel mag, geht also lieber an einem anderen Wochentag oder reserviert vielleicht zur Sicherheit einen Tisch. 🙂
  2. Veg & Veg
    Auch hier lass ich mich schon im Vorfeld vom Namen verführen und freu mich vor allem, dass ich sogar zwischen veganem und vegetarischem Essen wählen kann:
    Largo Montebello 31/B
    10124 Turin
    Bei Veg & Veg kann man das Essen auch telefonisch zur Abholung bestellen. Und sogar nachkochen kann man einige der Rezepte, die vom Chefkoch auf YouTube hochgeladen werden.
  3. Sale in Zucca
    Das Sale in Zucca ist nicht nur ein Restaurant, sondern bietet auch einen veganen Cafeteria-Betrieb mit Kaffee, Kuchen und Süßem an:
    Via Santa Chiara 45H
    10122 Turin
    Wer vegan kochen lernen will, kann auch an Kursen für Veganer und Rohkostler teilnehmen, die hier immer mal wieder veranstaltet werden. Eine kleine Auswahl an Büchern laden dort zum Pause machen ein.

9 Comments

  1. Finde ich toll! Auch wenn ich selbst keine Vegetarierin bin. Falls es mich mal nach Turin verschlägt,werde ich auf alle Fälle eines der 3 Restaurants besuchen 😉

    Liebe Grüße,
    Michaela

  2. Was für ein spannendes Experiment! Wir sind zwar keine Veganer oder Vegetarier, essen aber regelmäßig auch fleischlos. Da bin ich sehr gespannt, wie sich dies in Turin weiter entwickelt.

    Liebe Grüße,
    Monika

    • Ich finde, man muss nicht unbedingt Vegetarier sein, um hier und da mal auf Fleisch verzichten zu können. Ich glaube, es geht bei dem Projekt auch nicht darum, ausschließlich fleischfreies Essen zu etablieren, sondern einfach Bewusstsein zu schaffen. Wie Du schon sagst, es muss eben nicht immer Fleisch sein. 🙂

  3. Interessanter Ansatz, um eine bestimmte Zielgruppe/Trendgruppe touristisch anzulocken. Ich bin gespannt, wie sich das Konzept entwickelt. Sind Nicht-Veganer und Nicht-Vegetarier in der Stadt willkommen? Mich würde auch das Untereinander der Turiner sehr interessieren.

    Liebe Grüße,
    Anne

    • Wieso genau sollten sie nicht? Es geht ja nicht darum, einen Ernährungsfaschismus zu etablieren. Komische Frage. 😉

      • Ich versuche es nicht aus dem Blickwinkel der Ernährung, sondern eher aus dem Blickwinkel der verschiedenen touristischen Zielgruppen zu betrachten. “Willkommen” ist von mir vielleicht auch falsch gewählt. Ich meine eher, die Vielfalt des gastronomischen Angebots. 😉

        • Ja, aber klar doch. Die piemontesische und turnerische Küche sind grundsätzlich eher fleischlastig. Umso mehr ist es eine Erwähnung des größer werdenden vegetarischen Angebotes wert. 🙂

  4. In Turin war vor -oh Gott- 26 Jahren… Ich hätte nicht erwartet, dass diese Stadt sich beim Thema Vegi etabliert und dies sogar auf politischer Ebene. Aber ich muss gestehen, dass ich das Thema insgesamt nicht mit Italien verbunden hätte. Spannend- so kann man sich täuschen!
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Ja, Gott sei Dank findet auch hier in langsam ein Umdenken statt. Es wurde Zeit. In einigen Dingen hängen sie schwer hinterher. 😀 Aber sogar in kleinen Städten wie Bari gibt’s längst vegetarisch vegane Alternativen. Besonders in den alternativeren Stadtteilen, wenn man davon in Bari überhaupt sprechen kann…. 😉

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