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In Sizilien essen Sie uneheliche Kinder!

Bevor ihr denkt, ich bin jetzt komplett durchgeknallt (Hitzschlag oder so), löse ich das Rätsel lieber gleich auf: Es handelt sich dabei natürlich um eine Legende. Aber ich fand sie so kurios und interessant, dass ich sie euch nicht vorenthalten wollte! 🙂

Wenn ihr meiner Facebookseite folgt oder meinen letzten Blogartikel aufmerksam gelesen habt, wisst ihr sicher, dass ich derzeit in Sizilien weile. Direkt am Fuße des Ätna, nahe Catania, nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt.

Und hier trug sich nun vor einigen Jahrhunderten folgende Geschichte zu.

In Sicilia si mangiano i bastardi

Friedrich II., seines Zeichens Enkel des berühmten Barbarossa und schon im zarten Alter von vier Jahren Vollwaise und König von Sizilien, wurde nach einer ziemlich laxen Erziehung in Palermo durch seine wahrscheinlich nur aus Machtansprüchen an ihm interessierten, wechselnden Vormündern 1209 zunächst Konstanze von Aragón ehelichte, nach deren Tod dann 1225 mit Isabella II. von Jerusalem (Jolante oder Yolanda von Brienne)  eine Ehe einging und nach deren Ableben wiederum mit seiner dritten und letzten Frau, Isabella von England (Isabella Plantagenet), die Ehe schloss.

Warum die Adligen jener Zeit so furchtbar viele Namen hatten, die synonym verwendet wurden, lass ich mir zu gegebener Zeit mal von einem Historiker erklären.  Tut an dieser Stelle aber auch nur bedingt was zur Sache. Ähnlich wie die Tatsache, dass Friedrich II. ein – wie man so schön sagt – echter Schwerenöter war, der eine Heerschar von unehelichen Kindern in die Welt setzte.

Und wo wir grade von unehelichen Adelskindern sind. Der Begriff Bastard – und da unterscheidet er sich im Italienischen nicht vom Deutschen – bezeichnete zuallererst uneheliche Kinder, die aus Verbindungen hervorgingen, bei denen mindestens eine/r der beiden unvermählten Beteiligten adeligen Geblütes war. Erst später wurde der Begriff ausgedehnt und beschrieb ab dann grundsätzlich alle unehelich gezeugten Kinder.

Leider wusste ich von Friedrich II.s äußerst zahlreichen – offiziellen und inoffiziellen – Damengeschichten nichts, als ich von der Legende der Bastard fressenden Sizilianer hörte, sonst hätte ich genauer nachgefragt. So muss ich leider etwas vage bleiben.

Es begibt sich also, dass Friedrich II. eine seiner Gemahlinnen (rein von der Naivität würde ich auf die gerade einmal 14-jährige Jolante tippen, hinsichtlich historischer Grenzen und verbriefter Aufenthaltsorte könnte es aber auch Isabella gewesen sein) in sein Königreich Sizilien schickt, damit die Neu-Regentin ihr Reich kennenlernt.

Dazu sei angemerkt: Sizilien mag heute nurmehr eine Insel sein. Doch zur Zeit Friedrich II. sah das Königreich Sizilien etwa so aus:

Kingdom_of_Sicily_1154-903x1024 In Sizilien essen sie uneheliche Kinder!!! (inkl. Zubereitungstipp)
© MapMaster CC BY-SA 3.0

Die frisch angetraute Königin von Sizilien traf also auf der Insel ein und sollte die Brauchtümer und Menschen im Herkunftsgebiet ihres Gatten kennenlernen. So tat sie wie geheißen (hätte sich auch mal was andres trauen sollen) und ging auf Entdeckungstour.

Bei einem ihrer Ausflüge lernte sie laut Legende eine alte Sizilianerin kennen, deren traditionelle Witwentracht – komplett in schwarz mit ebenso schwarzem Schleier im Gesicht – wohl mächtig Eindruck auf die Königin machte. Die alte Frau aus Catania soll im Gespräch dann wohl im catanischen Dialekt eine Einladung zum Abendessen ausgesprochen haben, indem sie die Regentin zum Essen von bastaddu, also bastardi (ital. plural von Bastard) bat.

Des Rätsels Lösung: Was sind sizilianische Bastardi?

Die Königin war schockiert – verständlich! Und ihr ist es zu verdanken, dass im Norden Italiens schon bald ein Schreckgespenst die Runde machte: Das Gerücht nämlich, dass man in Sizilien uneheliche Kinder, sprich, Bastarde äße.

Dieses unglaublich pikante Wissen brachte Euer Hochwohlgeboren nämlich dann mit ans Festland und mit sich auf Reisen bis in den Norden Italiens. Und wenn eine Königin so etwas sagt, muss das ja stimmen. Von da an, aßen die Sizilianer also Bastarde.

Die Legende hielt sich etliche Dekaden.

Bis irgendwer dann mal Licht ins Dunkel brachte. Die bastaddu oder bastardi sind nämlich die Röschen einer violetten Blumenkohlsorte, eng verwandt mit dem Brokkoli. 😉 Und das Rezept für leckere, versunkene Bastarde aus der Pfanne gibt’s noch wie eh und je!

Lest das Rezept für bastaddu affucatu auf Seite 2! ↓

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2 Comments

  1. Die Überschrift hat mich schon ein wenig irritiert und hat mich echt neugierig gemacht. Interessante Geschichte und danke für das Rezept. Ich werde dann auch man uneheliche Kinder ausprobieren 😉

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