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Die Erkenntnisse einer Woche Sizilienurlaub rund um Catania

Es-ist-der-wunderbarste-Ort-von-der-Welt.-Regelmäßig-angelegt-scheint-er-uns-doch-feenhaft-vor-nicht-gar-langer-Zeit-gepflanzt-versetzt-er-ins-Altertum.-2 Sizilien und ich - unser erstes Mal

Auf Sizilien war ich gespannt wie ein Flitzebogen. Immerhin war ich zuvor nie auf dieser 25.000 km² großen Mittelmeerinsel und entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Einige davon wurden erfüllt, andere nicht so wirklich. Ich will nicht sagen, dass ich enttäuscht aus meinem Urlaub in Sizilien zurückgekehrt bin, aber irgendwie fehlte mir dennoch das Flash-Gefühl, um sagen zu können, dass ich nun uneingeschränkter Sizilien-Fan geworden wäre.

Einiges an meinem Sizilienurlaub fand ich super spannend, anderes wieder eher so mittelmäßig.

Ich versuche immer noch zu verstehen, was es genau es ist, das mir gefehlt hat. Denn bei allen stimmungstötenden Eindrücken, waren doch auch immer wieder spannende und interessante, schöne Momente dabei, so dass ich sagen kann, dass ich sicher noch einmal nach Sizilien in Urlaub fahren werde. Aber vielleicht lass ich dabei dann bestimmte Ecken einfach aus – oder reise gleich an die Südspitze oder in den Nordwesten der Insel, statt an der Ostküste entlang.

Die Ankunft in Catania

Schon die Anreise nach Sizilien gestaltete sich als eine der eher holprigen Sorte: Der Flug hatte satte drei Stunden Verspätung! Meine Gastgeber, die angeboten hatten, mich gegen ein kleines Trinkgeld Catania vom Flughafen abzuholen und in mein AirBnB nach Recanati / Giardini Naxos zu bringen, musste ich demnach mehrfach um Geduld und immer neue Ankunftszeiten bitten. So etwas stresst unglaublich. Und nicht nur mich.

Als ich dann endlich gelandet war, musste meine Gastgeberin zu allererst zur Arbeit gebracht werden, so spät waren wir längst dran. Danach folgte eine einstündige Fahrt mit dem Besitzer des Monolocale in Strandnähe, die mein Host mir mit allerlei Informationen und Geschichten über Sizilien und Catania zu verkürzen versuchte. Leider war ich so müde und so genervt, er gleichzeitig aber so gesprächig und auskunftsfreudig, dass ich kaum aufnahmefähig war.

Angekommen am Ort meiner Bestimmung, kam dann der nächste Dämpfer. Zwar stimmte die Information, wonach der Strand nur wenige Gehminuten vom Haus weg sein sollte, die mir die Ferienunterkunft auf AirBnB so schmackhaft gemacht hatte. Dafür war aber der nächste Supermarkt etwa 15 bis 20 Gehminuten entfernt, der nächste Bahnhof 30 bis 40, das Zentrum von Giardini Naxos ebenfalls etwa 20 bis 30 Minuten. Zentrale Lage? Fehlanzeige.

Ok, das war ein bisschen auch mein Verschulden. Ich hätte mich vorher über die genaue Lage der Unterkunft erkundigen und gegebenenfalls umbuchen können. Also hab ich die Kröte geschluckt und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Dann ging’s in …

… die Wohnung für meinen einwöchigen Sizilienurlaub

Die nächste Enttäuschung konnte ich kaum noch verbergen, so deutlich stand sie mir – zumindest meiner Meinung nach – ins Gesicht geschrieben. Die Einzimmerunterkunft war nicht etwa, wie die Bilder vermuten ließen, ein alleinstehender Bungalow in Strandnähe. Es handelte sich um ein Condominio, das zur Zeit seiner Erbauung einmal als Hotel gedacht gewesen war, aber nie als solches genutzt wurde.

Ein Teil des Gebäudes war nie fertig gebaut worden und insgesamt verströmte das Innere der Unterkunft den Charme eines sozialistischen Ferienbunkers. Oder zumindest stell ich mir einen sozialistischen Ferienbunker in etwa genau so vor: Die Aufzüge sind wahrscheinlich seit der Erbauung des Gebäudes nicht erneuert werden, jede Fahrt wurde von der Angst steckenzubleiben begleitet und eine Notfalltaste oder wenigstens Telefonnummer fand sich nirgends.

WLan? Ja, gibt es. Unten im Café beim Hausmeister oder Hausverwalter. Praktisch, wenn man, wie ich, hin und wieder auch mal was arbeiten will. Nicht.

Der geflieste Eingangsbereich hatte was von altem Swimmingpool, der leer gepumpt und zum Entree umfunktioniert worden war.

Die Wohnung selbst lockte mit tropfenden Wasserhähnen und verkalkter Duschwanne. Die Freude über den darin befindlichen Fernseher wurde beim Versuch ihn anzuschließen bzw. anzuschalten direkt wieder getrübt. Aber immerhin war Kaffee da. Und eine traumhafte Aussicht vom Balkon.

7 Tage gemischte Gefühle

Irgendwie ja, irgendwie “ich will wieder heim in ‘mein’ Apulien” … mein Urlaub in Sizilien war das wahr gewordene gemischte Gefühl. Alles, was mir missfiel, wurde doch irgendwie von etwas Positivem begleitet. Ein Für und Wider, das sich durch die Tage zog.

Der Weg zum Bahnhof? Eeeewig.

Catania? Joa, ganz cool.

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Die Busrundfahrt in Catania? Ein Reinfall und ihr Geld nicht wert.

Der Sonnenuntergang über dem Ätna? Atemberaubend.

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Messina? Enttäuschend, aber ich hab meine Lieblingspizza endlich mal wieder wo gefunden und verspeist.

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Zugverbindung? Horror und zwar mit Verspätung.

Taormina? Schön. Noch schöner wäre es mit weniger Touristen. Aber ich war im Pistazienwunderland.

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Das Meer? Ein einmalig blaues Tableau unter dem Ätna und die Temperatur war sogar zu ertragen, nachdem man sich erstmal dran gewöhnt hatte.

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Der Strand? Sah auf dem Bild des Gastgebers karibisch aus, bestand vorrangig aus Kieselsteinen, aber ok, dafür war er immerhin nicht überlaufen.

Siracusa? Hat mir mit am besten gefallen in den sieben Tagen auf Sizilien.

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Ihr seht, er war ein Wechselbad der Gefühle, dieser Sizilienurlaub.

Trotzdem kann ich es kaum erwarten, die Details, Reiseberichte, Erlebnisse, neues Wissen und alle Pros und Contras mit euch zu teilen, die meinen Urlaub in Sizilien zwar emotional durchschnittlich haben werden lassen, dafür auf eine gewisse Art ja aber auch wiederum einzigartig. 😉

Was euch bei den #Sizilienwochen auf Italien und ich demnächst noch erwartet

Ich werde euch in den kommenden Wochen einiges erzählen über Catania, die Zyklopeninseln, Messina, Siracusa, Taormina und Giardini Naxos. Darüber, was Sizilien so griechisch macht. Was ihr beim Urlaub in Sizilien unbedingt an lecker-schmecker-Schlemmerei probieren müsst. Und warum sich Touri-Rundfahrten im Bus nur zur Hälfte lohnen! 🙂

 

9 Comments

  1. Man kann deinen Frust regelrecht herauslesen aber auch wie du versuchst trotz allem die positiven Seiten zu finden.
    Ich habe in letzter Zeit viele Beiträge zu Sizilien gelesen und sie sind ganz gegensätzlich.
    Ich bin gespannt, wie deine nächsten Berichte sein werden.

  2. Ach, ich hätte mir mehr von Sizilien erwartet. Eigentlich würde ich da auch mal ganz gerne hinreisen… Ich bin gespannt auf deine weiteren Berichte von dort. Liebe Grüße Sabine

    • Ich denke, es kommt vielleicht auch ein bisschen drauf an, wie und wohin man dort genau reist oder auch, was genau man dort für einen Urlaub verbringen möchte. In einem kleinen Örtchen in der Nähe von dort, wo ich war, gibts Thermalquellen mit dazu gehörigen Bädern und Hotels. Glaube, das hätte doch auch ganz nett werden können. Aber ich wollte lieber vom kostenlosen Meer und einem letzten Bad darin für dieses Jahr profitieren. 😉 Die Thermalquellen heb ich mir vielleicht lieber für ein anderes Mal auf. Außerhalb der Badesaison. 🙂

  3. Ich mag solche ehrlichen Berichte! In der Unterkunft hätte ich mich auch absolut nicht wohlgefühlt. Ich war noch nie in Sizilien, es interessiert mich aber sehr. Ich bin gespannt auf die griechischen Aspekt und natürlich auf deine Ess-Tipps 🙂

    • Also, ich kann nicht sagen, dass Sizilien nicht schön war oder so. Das sicher nicht. Aber es hat mich einfach nicht überzeugt beim ersten Mal. Ich muss da nochmal hin, glaub ich. 😉 Und mich vergewissern. 🙂

  4. Ja, genau so darfst du dir ein sozialistisches Ferienbunker vorstellen… die Fliesen wären vielleicht braun, aber sonst…

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