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Die zwei Seiten von Siracusa

Trotz meiner ersten Erfahrung mit Rundfahrten in Hop-on-hop-off-Bussen in Catania, die mich zwar an schöne Fleckchen gebracht hat, aber mich insgesamt nur mittelmäßig begeistert hat, hab ich dieses Fortbewegungsmittel ein weiteres Mal zur Erkundung einer Stadt gewählt. Auch, weil es nur ein Drittel des Preises gekostet hat, den man mit in Catania abgeknöpft hat.

Unabhängig von der Stadtrundfahrt, muss ich sagen, hat mich von allen Städten, die ich während meiner einwöchigen Workation in Sizilien gesehen hab, Syrakus am meisten begeistert. Hierhin will ich gern irgendwann nochmal wieder. Warum? Weil in Siracusa zwei Welten aufeinandertreffen. Und zwar im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne.

Ein Rundgang durch die Altstadt von Syrakus auf der Insel Ortygia

Syrakus_Siracusa_12 Die zwei Seiten von Siracusa: Syrakus und OrtygiaSiracusa ist eine Stadt mit zwei Gesichtern. Nicht im negativen Sinn. Im Gegenteil. Die Stadt ist zweigeteilt, in die historische Altstadt und die moderne Neustadt. Das alte Stadtzentrum von Syrakus liegt der Neustadt vorgelagert auf einer Insel. Diese erreicht man über zwei Brücken. Hier offenbart sich dem Besucher die komplette Geschichte Siracusas.

Syrakus_Siracusa_10 Die zwei Seiten von Siracusa: Syrakus und OrtygiaAn den Ruinen des Tempels des Apollo links vorbei kommt man – zumindest freitags vormittags – direkt hinein ins Getümmel und Gemenge eines echt sizilianischen Marktes. Hier wird angeboten, was das Herz begehrt. Frischer Fisch, Obst, Gemüse, Nüsse, Gewürze, Kräuter, Kleidung. So bunt und aromatisch ist das Flair des Marktes, das man sagen könnte, es spiegelt die wechselhafte Geschichte Siracusas und ganz Siziliens und dessen Internationalität wieder.

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Zwischen den Marktständen hindurch Richtung Meer und dann rechts, kommt man linker Hand zu einem mittelalterlichen Schutzwall. Von hier hat man einen grandiosen Ausblick über das strahlend blaue Meer, das die Inselaltstadt von Syrakus, Ortygia, umgibt. Rechter Hand geht’s zurück in die historische Altstadt.

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Das Zentrum von Siracusa auf der Insel Ortygia ist sehr gut beschildert. Man kann einfach den kleinen braunen Hinweisschildern folgen und verläuft sich sicher nicht. Andernfalls kann man sich natürlich auch anhand von Google Maps orientieren oder sich einen Plan von der Touristeninformation besorgen. Wenn mich nicht alles täuscht, bieten die sogar eine App an.

Das verleitet aber nur, ständig aufs Telefon zu glotzen und ich empfehle daher, es ganz oldschool zu machen und den Schildern zu folgen. So seht ihr einfach mehr von dieser wunderbaren Stadt. Und sie ist jeden Blick wert.

Syrakus_Siracusa_8 Die zwei Seiten von Siracusa: Syrakus und OrtygiaDie Schilder führen euch vorbei an Brunnen, Statuen, Palazzi und hinein ins in den 1990ern restaurierte Stadtzentrum. Nach einigen Metern vorbei an Bodegas, Bars und Lokalen, kommt ihr nach rechts auf die Piazza Duomo. Ringsum gibt es jede Menge interessante Palazzi, Museen und natürlich Kirchen. Die auffälligste ist dabei selbstverständlich der Dom, der der Piazza ihren Namen gibt. Die Kathedrale geht zurück auf antike griechische Tempelanlagen, die in jeder Epoche erweitert und ergänzt, vergrößert und mit für die Herrscher typischen Elementen versehen wurde. So ist es verständlich, dass aus dem ursprünglichen Tempel der Athene mittlerweile ein Musterbeispiel sizilianischen Barocks geworden ist.

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Die Piazza hinunter Richtung Meer (mit dem Rücken zur Kathedrale nach links) kommt ihr, wenn ihr nach links abbiegt zum Fonte Aretusa. Eine wunderschöne, grüne Anlage, die auf einer griechischen Legende basiert. (Dazu bald mehr, sonst wird das an dieser Stelle einfach zu viel.) Der Kaimauer entlang kommt ihr zum Castello Maniace. Als ich da war, war es geschlossen. Leider. Andererseits … ein Grund mehr, noch mal wieder zu kommen. Nicht, dass ich den bräuchte.

Von dort wiederum nach links, führen euch die Straßen Siracusas am Meer entlang wieder zurück ins historische Zentrum hinein. Und zurück zu den Brücken, die die Altstadt von Syrakus mit dem Festland verbinden, auf dem die Neustadt angesiedelt ist.

Die Neustadt von Siracusa auf dem Festland

Syrakus_Siracusa_4 Die zwei Seiten von Siracusa: Syrakus und OrtygiaÜber die Brücken rüber habe ich mich an die erste Hop-on-hop-off-Haltestelle gestellt (der Dienstleister bietet auf seiner Seite eine Karte an, auf der alle Haltestellen und die nächste Abfahrtszeit und Richtung vermerkt sind). Ich musste keine fünf Minuten warten, bezahlte mein Ticket und stieg in den menschenleeren Bus.

Bei meiner Ankunft, wusste ich nicht, was mich erwartet. Und der Weg vom Bahnhof zum Zentrum versprach zunächst nicht viel. Ich informiere mich ja selten vorab über meine Reiseziele und muss daher immer mit Enttäuschungen rechnen. Aber Syrakus hat mich wirklich überrascht. Umso mehr, dass vergleichsweise wenig Touristen da waren. Sie waren da. Nicht zu übersehen. Auch auf den Fotos. Aber es waren weniger, als ich erwartet hätte. Vor allem nach dem Massentourismusschock, den mir Taormina verpasst hatte.

Also rein in den Bus und mal sehen, was die Neustadt von Syrakus so zu bieten hat. Außerhalb der historischen Inselhauptstadt, dachte ich, wird’s so viel kaum geben. Ein Aussichtspunkt hier, ein Kriegsdenkmal da. Doch dann: Die Katakomben von Siracusa! Oh! Die muss ich sehen! Leider hatte ich die falsche Uhrzeit gewählt. Erst zwei Stunden später würde das Museum um die Katakomben wieder öffnen.

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Also lieber auf dem Rückweg hier vorbei.

Der nächste Punkt auf der Rundfahrtsliste? Das Grab des Archimedes! Wow! Hier konnte man zwar nicht aussteigen, vorbeigefahren sind wir allerdings und die Ampel war zumindest lang genug rot, dass ich ein schnelles Foto schießen konnte. Wenn auch kein gutes.

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Dann ging es um die Ecke zum Parco Archeologico della Neapoli. Hier wollte ich einen einstündigen Stop einlegen und dann die nächste Haltestelle sehen und vor allen Dingen nochmal zu den Katakomben fahren. Aber wie das oft ist: Aus dem Plan wurde nichts.

Syrakus_Siracusa_1 Die zwei Seiten von Siracusa: Syrakus und OrtygiaDer Parco della Neapoli hat mich so lang in Beschlag genommen, dass ich danach einfach zu kaputt war, als dass ich mich nochmals irgendwo in Syrakus hätte absetzen lassen. Es war immerhin ganz schön warm und ich hätte mir gerade wirklich Kilometergeld verdient gehabt. Stattdessen hab ich mit meiner Granita begnügt. 😉

Ihr seht: Ich muss Siracusa auf jeden Fall noch mal einen Platz auf meiner Italien-Bucketlist frei machen und wieder kommen. Demnächst erzähle ich euch, was und warum ihr bei einem Besuch in Syrakus auf keinen Fall verpassen dürft und stelle euch den Archäologischen Park von Neapoli vor, der die zwei Seiten Siracusas perfekt verkörpert: Rechts die griechischen Wurzeln, links die römische Prägung. Wirklich eindrucksvoll.

8 Comments

  1. Hallo Julia,

    das sieht wirklich nach einer sehr spannenden Stadt aus! Ich mag diese Mischung von Geschichte, Moderne und dazu noch das Meer. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Ort viele Urlaubswünsche erfüllt. Ich wäre vermutlich über den Markt gebummelt, dann wieder ein bisschen Sightseeing, dann ein Kaffee, dann die Katakomben… ich liebe die abwechslungsreichen Städte.
    Viele liebe Grüße
    Sabine

    • Das ist in Siracusa auf jeden Fall ein sehr realistisches Urlaubsszenario. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich auch wirklich jede Station abgeklappert!! 😀 Einschließlich Kaffeepausen. 🙂 Muss ich wohl auf ein ander Mal verschieben…

  2. Ich liebe diese typischen einheimichen Märkte, wo alles hübsch drapiert ist und und frisch riecht, total gerne wenn ich auf Reisen bin. Der in Syrakus hätte mir auch total Spaß gemacht. Ich habe mal Katakomben in der Nähe von Rom besucht, gab her auch die Möglichkeit einer Besichtigung?

    • Der Markt selbst war der Hammer, ja. Die Farben, die Gerüche … Nur halt leider proppenvoll, sodass man kaum vorwärts kam. Und da wird’s dann trotz allem Flair schnell ungemütlich. Vielleicht kann ich auch einfach zu eng gepresste Menschenmassen nicht so gut ab. Das gleiche Problem hab ich auch an verkaufsoffenen Sonntagen in der Heidelberger Altstadt oder auf Weihnachtsmärkten… 😉

      Die Katakomben von Rom fehlen auf meiner Liste noch!! Meine Oma hat sie in den 50ern mal besucht… xD Erzählt sie immer.
      Die in Syrakus, ja, kann man besichtigen. Aber sie sind nur bis 13.oo Uhr und dann wieder ab 16.3o/17.oo Uhr geöffnet. Und ich kam genau zu der Zeit dort an, zu der geschlossen war…

  3. Wow, tolle Eindrücke! Nach Sizilien möchte ich auch unbedingt mal.
    Liebe Grüße
    Julie

    • Danke für das schöne Kompliment. Freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt!! =) LG Julia

  4. Liebe Julia,

    danke für diesen wirklich faszinierenden Einblick in die Stadt Siracusa. Ich wusste gar nicht, dass Archimedes von dort stammte. Die Stadt selbst macht einen sehr schönen Eindruck.

    Liebe Grüße,
    Monika

    • =) Danke für das liebe Kompliment. Ob er von dort stammt, weiß ich nicht. War er nicht Grieche? Aber die sind ja früher überall herumgereist. Dass er dort seine letzte Reise antrat, liegt also durchaus im Rahmen des Möglichen… =)

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