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Begegnungen der neapolitanischen Art, Teil 3/4

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In Teil 3 meiner Begegnungen der neapolitanischen Art geht es heute um Verwechslung. (Juhu, sie is‘ mit dem Tattooding durch! 😉 )

Folgendes Szenario: Man sitzt entspannt im Lokal, genießt Sonne und Drink und entdeckt umherschweifenden Blickes auf der andern Straßenseite plötzlich einen Bekannten oder eine alte Freundin, die man seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen hat. Man lächelt in die entsprechende Richtung, in der Hoffnung, er oder sie würde einen ebenfalls entdecken. Leider kommt weder ein Blick noch ein Lächeln zurück. Man entschließt sich zu größerer Geste (große Geste, große Wirkung, so die Idee) und winkt – eventuell pfeift man auch. Arm in die Höhe, also, und wie wild drauf los geschwenkt. Aber? Nichts. Wenn er oder sie aber jetzt nicht gleich was merkt, ist man schon wieder aus dem potenziellen Blickfeld verschwunden! Leichte Panik! Dann ist diese oder dieser unglaublich tolle Bekannte, mit dem man seit der Grundschule nicht mal mehr bei Facebook geschrieben (geaddet schon) hat, schon wieder für weitere Jahrzehnte aus dem eigenen Leben getreten!

Was tun? Aufspringen und den Namen über die vierspurige Straße, die zusätzlich noch von einer Straßenbahntrasse geteilt wird, brüllen natürlich!

Dabei mit dem Knie am Bistrotisch hängen bleiben und Tisch samt Drink auf den Boden zu werfen. (Scherben bringen Glück.) Während man sich nun mit einer Hand das schmerzende Knie hält, winkt man mit dem andern Arm wie wahnsinnig weiter und ruft – weil sie gerade vorbeifährt – durch die Straßenbahn hindurch nun noch lauter den Namen der betreffenden Person.

Weil die einen aber scheinbar aber immer noch ignoriert (dabei hat man ihm oder ihr ja gar nichts getan … zumindest nicht, dass man wüsste), hilft jetzt alles nichts mehr und man stürzt sich, das kaputte Knie ebenso wie den Feierabendverkehr ignorierend, in bester Harakirimanier, die selbst japanische Piloten aus dem zweiten Weltkrieg vor Neid erblassen lassen würde, auf und über die Straße.

Gott sei Dank wurde man nur von 5 Autos touchiert und nur ein Straßenbahnfahrer musste ein Trauma erleiden, weil man so haarscharf, dass der Arme niemals hätte rechtzeitig in die quietschenden Bremsen steigen können, um die Elektroschlange zum Stehen zu bringen, vor der Bahn über die Gleise gehetzt ist.

Drüben angekommen – immer noch winkend und mittlerweile mehr keuchend als rufend – kriegt man diesen ehemals so guten Bekannten endlich zu fassen. Der dreht sich um und sagt: Kenn ich Dich?

Ups, verwechselt.

Kennt man, oder? Also … so oder so ähnlich.

Nun, meiner allgemeinen Verpeiltheit ist es geschuldet, dass ich derlei Szenarien eigentlich immer eher in der Geber-Position bin. Vulgo: Ich bin die, die peinlich berührt ist, weil sie wen anders für jemand anderen gehalten hat und laut hechelnd hinter “wen anders” hergerannt ist, während sie japsend seinen Namen so etwas ähnliches wie gerufen hat und wenn sie ihn dann mit letzter Kraft erreicht und sich – dem Zusammenbruch nahe – mit dem kleinen Finger an dessen Ärmel festkrallt, um ihn zu stoppen, erst bemerkt, dass sie sich vertan hat. Und ja, der Satz ist absichtlich so lang!

Kein Wunder hat der sich nicht umgedreht! Meh.

Bei meiner nächsten Begegnung in Neapel war ich zur Abwechslung mal die, die verwechselt wurde!

Juhu! Endlich hab auch ich ein Allerweltsgesicht, das nicht weiter auffällt. (Oder mein Double sieht einfach nur so ähnlich blendend aus, wie ich. Wahrscheinlich wird’s eher das sein! Glückliches Mädchen! 😛 )

Also:

Ich hatte meinen 1-Euro-Bier-Kater, der mir am Vorabend zugelaufen war, einigermaßen weggeschlafen und war bereit, mich auf die Suche nach Essbarem zu begeben, (für mich, nicht für den Kater – oder zumindest nur mittelbar) bevor ich mich mit meinem Kumpel Giando, der eigentlich Giandomenico heißt, aber, weil die Süditaliener es nicht so mit langen Namen haben (Giulia ist ab Rom südwärts gerne auch Giù), von allen nur Giando genannt wird, zur nächsten Lokalrunde (Lokal ist hier im Plural zu verstehen) zu treffen.

Kaum aus dem Haus – dazu muss man wissen, dass die Straße, die zu meiner vorübergehenden Wohnung führte linksseitig gesäumt war von kleinen Läden -, grüßte mich nach ein paar Metern ein junger Mann. Mit dem Besen fegte er den Dreck vor dem Kebabladen weg – oder tat zumindest so, dem Handy in seiner Hand nach zu urteilen.

Ich grüßte zurück und er setzte gerade dazu an, mich zu fragen, wie es mir ginge, während ich in meinem Kopf dachte, och nee, nicht auf so ne billige Tour, bitte, als er sich entschuldigte und sagte, er hätte mich verwechselt!  Ok, kann immer noch Masche gewesen sein, aber da er nach ein paar Sätzen (woher kommst Du; Du siehst einer Freundin von mir ähnlich; etc.) sofort wieder in den Laden verschwand ohne jedwede Art von Annäherungs- oder Kennenlernversuch unternommen zu haben, gehe ich einfach mal davon aus, dass es sich tatsächlich um eine Verwechslung gehandelt haben muss.

Beseelt ging ich meiner Wege, um irgendwo in den Weiten der neapolitanischen Altstadt etwas zu essen aufzutun.

[An dieser Stelle bitte eine eloquente, aber weniger ausführliche, als es die Einleitung war, Überleitung zur nächsten denkwürdigen Begegnung einfügen.]

An der zweiten Begegnung dieses Tages ist, wie schon aus Teil 1 bekannt, mein neapolitanischer Freund Giando schuld*. *wer auch sonst?

Spritz_contro_crisiEr und ich zogen an diesem Abend, wie schon am Abend zuvor, also einmal quer durch die Altstadt auf der Suche nach günstiger 1-Euro-Flüssignahrung. Nach einigen Zwischenstopps kamen wir an das kleine Lokal, von dem ich bereits im ersten Neapelbeitrag gesprochen hatte. Dort, wo es den Anti-Krisen-Spritz gab.

Davor auf einer Bank saßen Studenten mit Gitarre und spielten und sangen. Da wir beide rauchen, nahmen wir alsbald unser Getränk und gesellten uns zu ihnen. Es dauerte nicht lange, bis wir Gesellschaft in Form eines mittelalten Herrn bekamen, der definitiv schon ein oder zwei Becherchen zu viel Anti-Krisen-Sprit (ohne z) getankt hatte. (Der Wirt weigerte sich später auch, ihm noch mehr zu geben, was für ihn Anlass zu einer Litanei aus Beschwerden war.)

Besagter, dezent überalkoholisierte Mann unterhielt sich also mit uns. Was genau er so erzählte erinnere ich nicht mehr so gut. Das ist zu Teilen auch dem Umstand geschuldet, dass er vom Italienischen immer wieder ins Neapolitanische zurückfiel. Gepaart mit einer lallenden Aussprache dank alkoholschwerer Zunge war das meiste seines Kauderwelschs für mich so gut wie unverständlich.

Giando und ich warfen uns von Zeit zu Zeit vielsagende Blicke zu, während die antifaschistischen Lieder der Studenten den Backgroundsoundtrack lieferten, in den unser neuer Bekannter hin und wieder mit einstimmte.

Irgendwann unterbrach er mich und Freund Giando in einem Gespräch und fragte: “Ma quanto parli male?” Was so viel heißt, wie: Mein Gott, ist dein Italienisch schlecht.

. . .

Kurze Schockstarre, dann versuchte ich es als das Gewäsch eines Besoffenen abzutun. Das wollte mir aber erst dann richtig gelingen (hier, hallo, Ego und Perfektionismus und so…), als Giando mich aufklärte: Diese Redewendung wird benutzt, wenn jemand nicht mit dem örtlichen Akzent oder im lokalen Dialekt spricht, bzw. der italienische Zuhörer nicht anhand der Aussprache oder der Kadenz zuordnen kann, von wo aus Italien sein Gesprächspartner kommt.

Glück gehabt! 😉

Und da ich ja schon von Nord bis Süd überallhin eingeordnet wurde, konnt‘ ich den Spruch dann auch als Kompliment verbuchen. So für mich.

Und immerhin hat sich der Gute so einen Platz in meinen Erinnerungen gesichert. Ehre, wem Ehre gebührt und so.


 

Incontri alla napoletana, puntata 3/4

La terza puntata dei miei incontri alla napoletana parla della confusione di persone. (Bella, ha finalmente finito con i tatuaggi! 😉 )

Immaginate vi questo scenario: Siete in un locale e vi godete il sole ed un bel drink. All’improvviso vedete un conoscente o una vecchia amica che non avete visto da una vita sull’altro lato della strada. Gli date un sorriso nella rispettiva direzione sperando che anche lui o lei vi veda. Putroppo non vi da né uno sguardo né un sorriso. Vi decidete a fare un gesto più appariscente (gesto sporgente, effetto grande; è questa l’idea). Allora accenate – forse fate pure un fischio. Cioè braccia su e si lo sciaborda da matto. Ma? Niente. Se lui o lei non vi riconosce fra un po‘, siete ancora fuori vista! Cresce un po‘ di panico! Sennò, quest’incredibilmente meraviglioso amico con cui non avete neanche più messaggiato su Facebook (aggiunto sì però) e con cui non avete mai avuto niente a che fare dai tempi scolastici sparisce dalla vostra vita per un’altra decina d’anni!

Che fare? Balzare dalla sedia, ovviamente e gridare il suo nome attraverso la strada a quadrupla corsia che inoltre viene divisa da un tracciato tranviario!

E mentre balzate, buttate giù il tavolino con il drink. (I frantumi portano fortuna, si dice da noi.) Tenendo il ginocchio debole con una mano continuate ad accenare da pazzi coll’altra e chiamate ancora più alto il nome della rispettiva persona attraverso il tram che sta appena passando.

Visto, però, che loro sempre sembrano di ignorarvi (anche se non gli avete fatto niente di male … almeno non per quanto ne sapreste), non serve più altro che buttarvi nel traffico ed attraverso la strada in una bella maniera Harakiri che farebbe invidia pure i piloti giapponesi della Seconda Guerra Mondiale.

Menomale che siete stati urtati da solo 5 auto e soltano un tranviere ha riportato un trauma perché anche volendo non fosse mai riuscito a fermare il tram in tempo per non urtarvi mentre siete stati attraversando i binari sfiorando un incidente.

Arrivati dall’altro lato della strada – sempre accenando e nel frattempo più ansimando che chiamando – finalmente riuscite a giungere questa conoscenza di una volta. Si gira e vi dice: Ma tu chi sei?

Ops, confuso.

Suona familiare, no? Sia così che in un modo simile.

Grazie alla mia generale confusione sono più o meno sempre io quella che fa questa figuraccia. Cioè: Sono io quella che fa l’impressione penosa perché ha confusa una persona per un’altra ed è ansimante corsa dietro “una persona” mentre ansantemente sfiata il suo nome e la giunge a gran pena cercando di fermarla aggrappando la sua manica col mignolo e solo poi nota che si è sbagliata. E sì, la frase e così lunga apposta!

Mica meraviglia che non si girava! Meh.

Al mio prossimo incontro a Napoli tanto per cambiare fui io quella chi fu presa per un’altra persona!

Uei! Finalmente ho anche io una faccia comune che non fa spicco. (Oppure la mia contrafigura ha un splendido aspetto simile al mio. Probabilmente sia questo il caso! Beata lei!)

Allora:

Ebbi dormito via la mia spranghetta che presi la serata scorsa e fui pronta per andare alla ricerca di qualcosa edule, prima che incontrai di nuovo il mio amico Giando – che in realtà si chiama Giandomenico ma visto che al Sud non gli piacciono i lunghi nomi (Giulia viene pure Giù da Roma in giù) tutti lo chiamano solo Giando – per andare ad un altro giro da bere (o meglio giri in plurale visto che abbiamo passato più che un locale).

Appena uscita della casa che si trovò in una stradina laterale dove sulla sinistra ci furono tanti piccoli negozi, mi salutò un giovane ragazzo. Una scopa in mano spazzò la strada in fronte della kebabberia – o perlomeno fece finta di spazzare, giudicando dal cel nella sua mano.

Gli salutai pure io (tanto sono gentile eh) e lui stette per chiedermi come stessi quando all’improvviso si scusò e mi disse che mi avesse confusa con un’altra ragazza! Certo, può sempre essere stato il suo trucco, ma visto che dopo qualche parola (di dove sei; assomiglia una mia amica; ecc.) tornò subito dentro senza nessun approccio o conato di conoscenza, suppongo proprio che si dovette trattare di una confusione.

Ispirata dall’incontro tirai diritta per scoprire una qualcosina da mangiare nella distesa del centro storico di Napoli.

[Inserire passaggio eloquente ma meno elaborato che l’introduzione allo prossimo memorabile incontro, per favore.]

Il secondo incontro del giorno fu colpa del mio amico napoletano Giando come fu la sua colpa già nella prima puntata*. *chi altro?

Spritz_contro_crisiCome la serata scorsa ci incontrammo anche questa sera per andare alla ricerca dei liquidi a prezzo basso nella città vecchia. Dopo alcune soste finivammo a quel piccolo locale di cui parlai nel mio primo articolo su Napoli. Il bar dove venderono gli spritz contro crisi ad un euro.

In fronte al locale sederono degli studenti suonando la chitarra e cantarono. Visto che siamo entrambi fumatori prendemmo le nostre bevande e gli facemmo compagnia. Mancò poco che ci raggiunse un uomo che decisamente ebbe ormai bevuto uno o due troppi spritz contro crisi. (Dopo anche il titolare gli rifiutò altri che venne seguita da un sacco di lamentele.)

Detto, decentemente sopraalcolizzato uomo allora ci parlò per un bel po‘ però ciò che disse non ricordo bene. In parte è anche colpa del fatto che lui stette scambiando tra l’italiano ed il napult’an. Insieme alla sua voce avvinazzata per me fu l’arabo ciò che parlò.

Giando ed io invece scambiammo degli sguardi comprensivi ogni tanto mentre le canzoni antifascisti che cantarono gli studenti, di tempo in tempo raggiunti del nostro nuovo conoscente, suonarono nel sottofondo.

Ad un certo punto interruppe un altro discorso tra Giando e me e mi chiese: “Ma quanto parli male?”

. . .

Un attimo di shock poi cercai di prenderlo come lo sproloquio di un tossico. Considerando il mio perfezionismo ed il mio ego, ci riuscii comunque solo dopo che Giando mi spiegò cosa vuol dire: E‘ un modo di dire che si usa quando uno non parla il rispettivo accento o il dialetto locale oppure quando l’ascoltatore non sa dire di dove in Italia l’altro viene sentendolo parlare.

Menomale! 😉

E visto che fui ormai inquadrata ovunque dal nord al sud, potei anche prendere la battuta come un complimento. Solo per me.

E poi, perlomeno quel tizio si salvò un posto nei miei ricordi. Onore al merito, dai.

 

LieblingsBARi

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LieblingsBARi

Ort: Bari, Bar Sumo, Corso Vittorio Emanuele II, 95
Zeit: 18.15
Ereignis: Ich irre, wie gehabt, einigermaßen orientierungslos durch eine mir bis dato unbekannte Stadt auf der Suche nach fotowürdigen Gebäuden und interessanten Motiven. Und! Nach einem Ort, um meiner mir liebgewonnenen Italienangewohnheit zu frönen: dem Aperitivo. Das Wetter schreit zwar nach einem Eis, aber im Aperol-Spritz sind ja auch Eiswürfel. Fast das gleiche also. 😀

Ich mache zwischen Cafés und Eisläden eine Bar aus und beschließe kurzerhand dort einzukehren. Ich gehe also zielstrebig durch die Öffnung der durch Glasscheiben von der Straße abgeschirmten …. nennen wir sie Terrasse auf die Tür zu, aus der im gleichen Atemzug ein Mann heraustritt. Einigermaßen Vitamin-B angereichert vom Tag in der Sonne begrüße ich ihn beschwingt und frage, ob ich einen Aperitivo einnehmen könnte. (Ja, manchmal mach ich so unnötige Dinge…) Er antwortet mir höflich und sagt: Ja, klar, was willst Du trinken? Ich bestelle brav meinen Aperol-Spritz und will mich gerade setzen, als er hinter sich in die Tür hinter die Bar reinruft: Hey, mach mal einen Aperol-Spritz! Ok, denk ich, wird der Chef dem Barmann eine Anweisung gegeben haben, als im gleichen Moment ein angegrauter, gut gekleideter Herr mit Schürze aus der Tür tritt und meine Bestellung aufnimmt. In dem Augenblick dämmert mir langsam, dass der junge Mann vorher mich gerade gewaltig auf die Schippe genommen hat und ich frag ihn, im selben Moment, in dem er mir sagt, dass er gar nicht hier arbeitet, ob er überhaupt hier rein gehört… Natürlich nicht! Wie sollte es auch anders sein! Irritiert gerate ich ins Stottern und krieg keinen graden Satz mehr zustande während er die ganze Situation irgendwie einfach nur lustig zu finden scheint. 😛

Gut, ich hab mich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder eingekriegt und mich noch mit ihm unterhalten, sein Angebot, mir einen Drink (Bier, Wein, Whisky, sein Vorschlag) zu bezahlen höflich abgelehnt, zumal ich ja bereits bestellt hatte.

Später – da hatte ich in der Zwischenzeit auch etwas gegessen und einen weiteren Spritz bestellt und der Laden hatte sich einigermaßen gefüllt – trat eine Vierergruppe Männer herein, die zwei andere an einem kleinen Zweiertisch begrüßten. Ich hörte heraus, dass sie sich gerne zusammensetzen wollten. Es war aber nur noch ein Vierertisch frei, während ich allein an einem Sechsertisch saß. Also ließ ich dem Aperol seinen Willen und sagte, dass ich mich gerne umsetzen kann, wenn sie denn einen größeren Tisch brauchten. Dankend lehnten sie ab und die Neuankömmlinge setzen sich an den letzten freien Vierertisch, die beiden andern wieder zurück an Ihren. Während ich diesen Artikel in mein Handy tippte, gemütlich meinen letzten Rest Aperol-Spritz trank und eigentlich schon beschlossen hatte, danach zu gehen, konnte ich nicht umhin zu merken, dass einer der vier immerzu zu mir herüberschielte. Hin und wieder ließ ich es mir auch nicht nehmen zurückzublinzeln. Als ich gerade im Begriff war, den Kellner um die Rechnung zu bitten, stand er plötzlich auf. Sofort fluteten Fluchtgedanken mein Gehirn und ich dachte: Nein, komm‘ bitte nicht her, geh einfach nur aufs Klo…! 😀 Aber natürlich kam er zu mir… “Hör mal, Du sitzt hier so allein, setz‘ Dich doch zu uns…” Ich lehnte höflich ab, ich wollte ja gehen… Packte schon alles zusammen und wartete nur noch darauf, dass der Kellner wieder rauskäme, um zu bezahlen. Da trafen sich unsere Blicke – die ich nun erst recht zu meiden suchte – wieder. Er winkte mich her, ich entgegnete: “Da ist doch gar kein Platz mehr.” Nun drehten sich auch die beiden Herren, die mit dem Rücken zu mir saßen um und sagten halb durcheinander, halb im Chor, dass man ja Platz schaffen könnte.
Tja, so kam ich aus der Nummer nicht mehr raus und ging eben doch zu den Jungs an den Tisch. Drei waren aus Bozen, einer aus Bari. Es waren wohl Arbeitskollegen und nach wenigen Minuten wurde ich auch schon gefragt, ob ich nicht noch etwas trinken wollte. So schnell können aus einem Aperitiv drei Aperol werden…. 😀 Als ich den letzten Spritz fast ausgetrunken hatte, entschuldigten sich die vier, sie wollten noch etwas essen gehen und müssten ja morgen Früh wieder arbeiten.

Der Barese ging nach drinnen, bezahlen, die anderen verabschiedeten sich von mir. Als er dann zurückkam, verabschiedete auch er sich und drückte mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer in die Hand – er hätte am Samstag frei, wenn ich wollte, würde er mir die Stadt zeigen. Ah! 😀

Ich leerte meinen letzten Aperol und um nicht in die Verlegenheit zu kommen, noch einen Vierten trinken “zu müssen”, bin ich ins Lokal und habe am Tresen bezahlt. “Das Essen und ein Aperol.” – “Nein, Moment, aber ich habe drei….” – “Ja, einen hat der Herr von eben bezahlt und der erste ging auf die Rechnung vom Kollegen dort…” Ah! 😀

Sympathisches Klientel hier in der Bar Sumo. Am Sonntag habe ich die letzten Stunden vor dem Abflug auch nochmal hier verbracht und hab mir gleich nochmal die Blöße gegeben. Um 10 Uhr, ich war nochmal im “Biergarten Altstadt”, stieg vom Meer her ein rauchartiger Dampf auf, der in die Stadt waberte. Ich dachte, irgendwo wäre ein Boot abgebrannt, aber komischerweise roch da ja nichts verbrannt. Ich war halb beeindruckt, halb irritiert, aber da keiner größere Panikanfälle hatte, dachte ich mir nichts weiter. Den ganzen Tag lag dieser “Rauch” über der Stadt und als ich später wieder im Sumo ankam, fragte ich den Kellner – man kennt sich ja jetzt – was dieser Rauch denn wohl sei. Nebel. Manchmal kanns so einfach sein. Als ich ihm sagte, was ich dachte, dass es gewesen sei, lachte er sich kringelig und erzählte es direkt dem Besitzer (diesmal dem echten), der gleich mitlachte, mich mit Handschlag begrüßte und mir meine letzten Drinks vor dem Abflug aufs Haus gehen ließ. (Also…den Pistazienlikör nicht mitgerechnet… 😉 )

Einen ersten Eindruck vom baresischen Dialekt habe ich dann später auch noch gekriegt, als sich das Lokal wieder dezent zu füllen begann und der Chef mich an den Tisch zu sich und seinen Bekannten eingeladen hatte. Und verstand… nichts! 😀 Einer meinte zwar, er gäbe mir einen Monat und ich würde auch den Dialekt, wenn schon nicht sprechen, dann doch zumindest verstehen, aber ich selbst bin davon nicht so 100% überzeugt. 😀 Muss ich’s wohl drauf ankommen lassen?! 😉

Als ich gehen wollte, war das “Drama” groß und alle “flehten” mich an, zu bleiben. Der Chef sagte sogar, ich könne doch bei ihm als Kellnerin arbeiten. 😀 Verführerisch mit drei (scheint meine Schlüsselzahl zu sein) Weißwein im Kopf und ohnehin dem Plan, auszuwandern. Ich sagte ihm dann, dass ich zu gegebener Zeit vielleicht auf sein Angebot zurückkäme… Man kann ja nie wissen wozu es gut ist. 😀

In jedem Fall kann ich behaupten, dass es sich lohnt, sich auch einfach mal gekonnt zu blamieren. So lernt man jedenfalls Leute kennen – sofern man sich selbst nicht zu ernst nimmt. Bar Sumo ist auf jeden Fall eine meiner Anlaufstellen in Bari!

Und wen’s interessiert – ich habe zwar samstags nachmittags mit der ganz tollen Corinna und ihren beiden Männern einen Ausflug nach Polignano gemacht, aber abends habe ich mich tatsächlich noch mit dem Telefonnummernmann getroffen, ja!

Alberobello und die Trulli

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Alberobello und die Trulli

Was hab ich Euch Geschichten mitgebracht aus Alberobello! 😀 Ich könnt‘ Euch die nächsten Wochen echt noch auf einige Episoden freuen, denn für einen einzigen Artikel wäre es tatsächlich einfach zu viel. Zum Lesen. Und zum Schreiben.

Deshalb kriegt Ihr Alberobello jetzt eben ebenso wie Bari häppchenweise schmackhaft gemacht, da kommt zumindest auf keiner Seite Langeweile auf! 😉

Also. Den Donnerstag nach meiner Ankunft habe ich erstmal in Bari selbst verbracht. Zwecks Orientierung und solchen Nebensächlichkeiten. Am Abend habe ich dann das Internet durchforstet (wer braucht schon Reisevorbereitungen, tsss), wo ich denn überall hinfahren könnte und entschied mich für einen Besuch bei den weltweit einzigartigen und weltweit bekannten Rundhäusern Apuliens: den Trulli.

Ich hatte die in einer Folge meiner Lieblingssendung “Unti e Bisunti” schonmal so aus dem Augenwinkel gesehen und war schon längst neugierig. Mit meinem Ex habe ich es von Molise aus ja “nur” nach Monte Sant’Angelo geschafft.

Wo ich aber nun schon mal in der Gegend war, ging’s also los nach Alberobello. Von Bari aus fährt stündlich ein Zug (nach nirgendwo *träller*) der Ferrovie Sud Est nach Alberobello. Damit ist man circa eine Stunde unterwegs, was total in Ordnung ist. Zumal das Ticket, wenn ich mich richtig entsinne, nur 1.40 € einfach kostet.

Pro-Tipp 1: Die Ferrovie Sud Est betreiben nur zwei Gleise ganz am Ende des Hauptbahnhofs. Das heißt vom Haupteingang aus die Treppen runter und unter den Gleisen durch bis an die letzte Treppe. Dort ist dann auch der Ticketschalter.

Ich kaufte also mein Ticket, versuchte meinen Akku bei circa 80% stabil zu halten, weil ich zwar mein Ladegerät mit hatte, aber meine Hoffnung beim Anblick der FSE-Züge eher gering war, darin eine Steckdose zu finden, wie ich sie sonst weitestgehend in allen Ferrovie-Statale-Zügen gewohnt bin. Zum Glück hatte ich meine neu gekauften Schuhe dabei, die ich im Zug (unter den wachsamen Seitenblicken der Mitfahrer) erstmal anzog, und ein Buch, sodass ich den Handyakku während der Fahrt wirksam schonen konnte.

Pro-Tipp 2: Die FSE hält es nicht zwingend für nötig, die Durchsagen oder Digitaldisplays einzuschalten, sodass man eventuell besser “fährt”, wenn man sich in Fahrtrichtung an ein Fenster setzt, um die Stationen im Auge zu behalten. (Was ich genau nicht getan habe und somit doch hin und wieder auf mein Handy schielen oder wahlweise beim nächsten Halt an die Tür laufen und draußen gucken musste, um zu sehen, wo ich bin.) Damit andere aus meinen Fehlern lernen können, hab‘ ich hier mal das Haltestellennetz hochgeladen.

Bei strahlendstem Wetter in Alberobello angekommen hüpfte ich aus dem Zug und merkte: Damn, man muss hier den Berg rauf! 😀 Na gut. Wo ich schon mal da bin… 😉

Den Weg nach oben kann man über zwei Straßen erreichen. Ich entschied mich für die, die – den Bahnhof im Rücken – rechts verläuft. Auf halber Strecke eine Verschnaufpause und irgendwann kam ich dann unter viel Begucke im Ort an. Wieder stand ich vor der Wahl: rechts oder links lang? Gerade hatte ich mich für rechts entschieden lief eine Schulklasse an mir vorbei. Ich dachte: Super, richtig entschieden! Und lief in angemessenem Abstand hinterher.

Alberobello_2← Vorbei an der Kirche kam ich nach wenigen hundert Metern oben an. Die Schulklasse hatte sich vor einem Trullo versammelt, andere Touristen stießen dazu, ich machte gerade ein Foto, als mir von der rechten Straßenseite ein vor seinem Trullo platzierter, älterer Herr entgegenrief, ich könne doch auch seinen Trullo besichtigen. Da mir der Gedanke, mit einer kompletten – energiegeladenen – Schulklasse in einem Trullo zu sein dezent zu wider war, entschied ich mich, dem Aufruf des Herrn zu folgen.

Zwar war gleich klar, was es mit seiner gekonnten Inszenierung auf sich hatte, aber! Es hat sich trotzdem gelohnt. Denn den Schulklassen-Trullo hab ich zwar später dann auch noch besichtigt, aber bei diesem Rundhaus handelt es sich um ein in Größe und Bau recht einzigartiges Objekt, das seinerzeit sicher von sehr reichen Leuten bewohnt gewesen sein muss. Weil es das einfach wert ist, werde ich über das Trullo Sovrano demnächst einen eigenen Beitrag hier reinstellen!

Minitrullo_1

Mit dem Betreten des Touri-Trullos des besagten Herren – der mir dann gleich noch Melonen-, Nuss- und Pistazienlikör zur Verköstigung anbot (zum Glück war’s ja schon 11.00 Uhr vormittags und ich hatte mit Cornetto und Caffè eine solide Grundlage geschaffen) – konnte ich mir zumindest einen Eindruck darüber verschaffen, wie das gemeine Volk gelebt hat: Beengt! Himmel herrje, in so einem Trullo hat eine gesamte Familie gelebt! Das muss man sich erstmal vorstellen!

Rechts neben der Eingangstür war die Kochstelle, hinten rechts das “Bad”, hinten links das “Wohnzimmer” und mit einer Holzleiter war die Schlafstätte unter dem Dach zu erreichen. Ich bekam schon bei dem Gedanken einen leichten Anflug von Platzangst.

Mittlerweile ist dieser Trullo – wie so viele andere am andern Ende der Stadt – zu einem Touristenladen umfunktioniert worden. In diesem Fall hier gab’s eben Alkohol zu kaufen. Und weil ich voll auf Pistazien steh und vor allem, weil ich nicht von Mittag bis 12 denk manchmal, hab ich mir ein Fläschlein davon mitgenommen. In Trullo-Form!!! 😀 Juhu!

DSC_0056(Erst zwei Stunden später fiel mir aus dem Nichts heraus ein, dass ich nur mit Handgepäck unterwegs war und die Flasche viel zu groß für meinen Supervielfliegerplastikbeutel, der mir teilweise schon für mein Kosmetikkrempel nicht auszureichen droht. Das Problem löste ich also folgendermaßen: Ich habe am nächsten Tag den Inhalt in eine leere Halbliterwasserflasche umgeschüttet und die Trullobuddel ausgespült. Am Sonntag habe ich mir dann auf die drei Gläser Weißwein, die ich mir in meiner neuen Lieblingslokalität (dazu auch bald noch mehr) auf Kosten des Hauses (deshalb Lieblingslokal 😀 nein, Scherz…!) einverleibt habe, auf dem Weg zum Flughafen hinter die Binde gekippt. Trulloflasche gerettet – Pistazienlikör auch und Laune dementsprechend sowieso! 😀 )

Jeeeedenfalls bin ich nach dem Besuch im Alkotrullo dann doch noch in den Trullo Sovrano gesteppt und habe mir den angesehen. Weil er so groß ist und man dort sehr viele Informationen wahlweise lesen oder erfragen kann, hat das auch eine ganze Weile gedauert und ich merkte danach plötzlich, dass ich ziemlich hungrig war.

Ich trat wieder ans Tageslicht und war schon ein wenig enttäuscht, dass es das nun schon gewesen sein sollte, als mir direkt neben dem Riesentrullo ein Lokal auffiel, dessen Name mich sofort ansprach: Terra Madre. Und es standen sogar die Öffnungszeiten an der Tür! (Da können sich gewisse Restaurants in gewissen Städten der Emilia-Romagna nochmal ne gehörige Scheibe abschneiden! 😀 ) Nachdem ich die Karte (auf Italienisch und Englisch) überflogen hatte, die draußen angebracht war, kehrte ich also ein. Lokales und vorrangig vegetarisches Essen! Wenn das kein Wink des Himmels ist, weiß ich auch nicht.

An dieser Stelle will ich noch nicht zu viel verraten, weil die Story einfach viel zu witzig ist, um sie hier zwischen den ganzen Trulli untergehen zu lassen – und weil der Artikel jetzt schon unglaublich lang ist! Aber der Kontinuität halber so viel dann doch: Dank dem Personal im Terra Madre wich meine Enttäuschung von gerade eben und ich bekam sogar den Weg ins Trulli-Viertel erklärt.

Nach dem Essen machte ich mich also auf den beschriebenen Weg und landete zwischen Rentnern und Jugendlichen, Asiaten und Engländern, oh, und natürlich Trulli! 😉

Die eigentliche Touriattraktion lag nämlich auf der „anderen Seite“ der Stadt und nicht da, wo ich herkam. Und weil ich ja gerade nach dem Mittagessen die Gelegenheit hatte, bequem bergab zu laufen, ging’s hier nun direkt auch schon wieder bergauf. Was auch sonst?! 😀 Weil mir das mit vollem Magen und zwischen den Tourimassen (wir reden hier immerhin von März; ich will gar nicht wissen, wie es im Sommer erst ist!) irgendwie grade zu anstrengend war, beschloss ich, eine kurze Raucherpause einzulegen, bevor ich die Anhöhen in Angriff nahm. (Handyakku an dem Punkt bei 19% – bye-bye Googlemaps…)
Irgendwann überwand ich mich tatsächlich und wagte frohen Mutes den Aufstieg – rechts Touritrullo, links Touritrullo. Aber der Anblick war echt herrlich! Über die Dächer nach unten, die kalkweißen Rundhäuser mit ihren schieferfarbenen Steindächern vor strahlendblauem Himmel sind schon eine spektakuläre Kulisse…

Alberobello_4

Und klar verstehe ich auch, dass die Einwohner sich das zunutze machen und so ziemlich alles feilbieten, was man Touristen eben so andrehen kann (in meinem Fall sind Pistazienlikör oder Taralli ein sehr effektives Mittel, um mich zum Kauf zu bewegen). Ist schon in Ordnung. Ich würde es wahrscheinlich nicht anders machen.

Die Trulli unterscheiden sich in Form, Aufbau und Größe nur unwesentlich voneinander – manche sind modernisiert und entsprechend ausgebaut, aber alles in allem scheint mir die Mehrheit der Trulli Arme-Leute-Trulli und Noch-Ärmere-Leute-Trulli (wie es der von dem Pistazienmann einer war) gewesen zu sein. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass ich ja aber auch beileibe nicht in jedem Trullo drin war!

Ein, von der Größe mal abgesehen, prominentes Unterscheidungsmerkmal der Trulli sind die Dächer!

beschriftete_Trullidächer
Manche sind beschriftet – eines habe ich zum Beispiel gesehen, auf dem der muslimische Halbmond zu sehen war… (und ich muss mal wieder an die Begegnung mit einem Termolesen denken, der mir sein stolzes Herkunftserbe mit den Worten ich bin Italiener, mein Vater ist Italiener, mein Großvater war Italiener und sein Vater auch; wir sind noch nie etwas anderes gewesen um die Ohren warf – ähem, jaaaa…*bloß nicht die Mauren erwähnen, Julia, bloß nicht*)

Muslimischer Halbmond Trullo.JPG

Oder die Zierspitzen auf den Dächern weichen voneinander ab. Jedes Zeichen – egal ob auf das Dach gemalt oder in Form der Zierspitze oben drauf gezimmert – hat eine andere Bedeutung. Und vor allem geben die Zeichen aber Einblick in die Jahrhunderte alte Tradition dieser runden Häuschen. Manche Symbole stammen noch aus vorchristlicher Zeit und das ist für mich persönlich ein echt spannender Aspekt!

Trulli-Zeichen-Bedeutung_3

Das Trulli-Viertel von Alberobello ist seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe und meiner Meinung nach hat es sich das auch echt verdient! Die Alberobello…ianer hegen und pflegen ihre Trulli und erzählen gerne Geschichten dazu und dahinter. Auf meinem Weg zu der Trullo-Kirche kam ich an einer Trulli-Reihe vorbei vor der ich einen alten Mann auf einer Bank sitzen sah – kurz war ich versucht, ihn anzusprechen, mich zu ihm zu setzen und mir von ihm etwas erzählen zu lassen, aber ich wollte nicht unhöflich sein. Immerhin war sein Trullo nicht wie die vielen anderen drumherum für Besucher geöffnet, sondern wohl tatsächlich sein Zuhause. Umso mehr hätte es mich allerdings gereizt, ein bisschen mit ihm zu sprechen. Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass ich das nicht getan hab.

Je nun. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof verabschiedete sich dann mein Handyakku endgültig – aus irgendeinem Grund hielt Android es für eine besonders gute Idee bei 17% Akku eine „App-Optimierung“ ausführen zu müssen, die gefühlt eine halbe Stunde dauerte. Bis ich – mehr durch Zufall denn gezielt – an der Aussichtsplattform „Belvedere“ ankam, war der Akkustand bei 1% und erlaubte mir nur noch ein allerletztes Foto!

Alberobello_3.JPG

Den Weg zurück zum Bahnhof musste ich dann notgedrungen selbst rausfinden bzw. auf bewährte Mittel wie “Passanten fragen” zurückgreifen. Die Straße nach unten war dann prompt die oben erwähnte linke Straße, die vom Bahnhof aus den Berg hochführt – führt konsequenterweise eben auch nach unten. 😀 Auf der Hälfte der Strecke griff mir plötzlich jemand von links die Hand… Kurzer Schock, dann sprach mich ein Mann auf meine Tätowierungen an. Auf der anderen Straßenseite warteten vier Freunde auf ihn, die mich dann auch noch in Gespräche verwickelten und so ziemlich kein Klischee ausließen:

  • Einer behauptete Mitglied der Camorra zu sein (was man als Mafiamitglied ja auch eben mal so auf der Straße rumposaunt und Fremden unter die Nase reibt, is‘ klar…), worauf ich ihm entgegnete, dass ich das gar nicht so genau wissen wolle, denn schließlich ist es immer besser, nichts zu wissen in Sachen Mafia. 😉
  • Ein anderer wollte mir seinen Kumpel schmackhaft machen: “Er ist ein schöner Mann…” Was ich nur mit der Gegenfrage konterte, warum er sich denn dann nicht selbst mit ihm zusammentäte.
  • Ein weiterer fragte mich nach dem Oktoberfest und war ziemlich enttäuscht, als ich ihm mitteilte, dass ich dort noch nie gewesen sei.

Es flogen dann noch ein paar spielerische Wortfetzen hin und her, aber ich schaffte es, mich loszueisen und rechtzeitig zum Zug zurück am Bahnhof zu sein. Der dann ohnehin 20 Minuten Verspätung hatte, aber immerhin waren diesmal die Haltestellendurchsagen und die Digitaldisplays aktiviert. 😉 Man kann eben nicht alles haben! 😀

Fazit? Alberobello ist auf jeden Fall eine Reise wert! Eine echt niedliche kleine Stadt, die historisch und menschlich einiges zu bieten hat.

Pro-Tipp 3: Ich würde jedem ans Herz legen, Alberobello vielleicht nicht zur Hochsaison zu besuchen. Wie gesagt, war es bereits Ende März von Touristen aus aller Herren Länder bevölkert – ich vermute, im Sommer wird die Zahl der Besucher exponentiell steigen. Davon abgesehen: Hey, es geht viel bergauf; dürfte in der apulischen Sommerhitze nicht unbedingt zu einem Vergnügen werden…

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Der Chianti und die Legende des Gallo Nero

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Weil Wein – wie ich finde – eigentlich immer eine gute Idee ist und ich mich in Norditalien gar nicht mal so gut auskenne (und außerdem Zeit gewinnen muss für weitere Beiträge aus Bari und Umgebung), erzählt Christine von „Erfolgreiches Sprachenlernen“ mir und Euch im Gegenzug für meinen Gastbeitrag bei ihr, die Legende um den schwarzen Chianti-Hahn. 

Damit Ihr erst einmal einen Eindruck davon bekommt, wer Christine eigentlich ist, hier ein paar Details zu ihr:


Christine KonstantinidisIch heiße Christine Konstantinidis, bin 49 Jahre alt und wohne in Nordbayern. Beruflich habe ich derzeit verschiedene Hüte auf: Ich unterrichte in Sprachkursen die Sprachen Italienisch, Englisch, Latein und ab und zu auch Französisch, mache Übersetzungen, biete Lerntechnikseminare an, schreibe Blogartikel für Firmenblogs, betreibe meinen Blog, übersetze mein letztes Jahr erschienenes Buch ins Englische und habe den Plan, ein neues Buch zu schreiben. Ideen für künftige Projekte gibt es schon genug! Letztes Jahr habe ich ein eigenes Buch mit dem Titel Sprachen lernen – Tolle Tipps und Tricks herausgebracht. In diesem Buch findest du auf 372 Seiten unzählige Tipps zum Sprachenlernen, alle praxistauglich und sofort umsetzbar. Das Buch ist keine wissenschaftliche und komplizierte Abhandlung, dafür gibt es schon genügend Fachliteratur. Erhältlich ist das Buch bei allen gängigen Online-Portalen und in jeder Buchhandlung (ISBN: 978-3734779947).


dsc_0119.jpgIch persönlich kenne Gallo Nero nur als italienisches Edelrestaurant in meiner Stadt, das ich mir nicht leisten kann, deshalb finde ich den Beitrag sehr spannend und bedanke mich hiermit recht herzlich für den tollen Beitrag! Genug gesabbelt… Los geht’s! 🙂 

Der Chianti…

Der Chianti ist einer der berühmtesten und meistgeschätzten Weine in Italien und in Europa, vor allem in England, wo die Region Toskana tatsächlich Chiantishire genannt wird! Dadurch wird die Wertschätzung der Engländer für diesen italienischen Wein ausgedrückt.

Der Chianti stammt in der Tat aus der Toskana, und er wird auch nur in der Toskana hergestellt. Ursprünglich konzentrierte sich die Produktion einzig und allein auf die Hügellandschaft des Chianti zwischen Florenz und Siena – daher stammt auch der Name des Weins -, aber seit dem Jahr 1932 kann mit der Zustimmung der italienischen Regierung die Produktion des Chiantis auf andere Gebiete der Region ausgeweitet werden, zum Beispiel auf die Hügellandschaften bei Pisa oder bei Arezzo. Damit konnte und kann die steigende Nachfrage nach diesem Wein besser befriedigt

Der Chianti ist einer der charakteristischen Weine Italiens. Er ist ein Rotwein von kräftigem Geschmack, der sehr gut zur typisch toskanischen Küche passt, vor allem zu Wildgerichten und zu gereiftem Käse, außerdem zu den ersten Gängen wie Bohnensuppe, der „Ribollita“ oder Tortelli.

Das „Consorzio Vino Chianti“ wurde im Jahr 1927 gegründet und hat eine tragende Rolle beim Schutz der Reputation des Weines inne. Außerdem kontrolliert es die Eigenschaften des Weines, wegen derer er auf internationaler Ebene berühmt ist. Das Consorzio vereinigt die 2500 Chiantiwein-Produzenten, kontrolliert die Qualität und den Zustand der im Chianti-Register eingetragenen Weinreben, nimmt die verwendeten Rebensorten auf und kontrolliert das Endprodukt, bevor es auf den Markt und den Tisch der Endverbraucher gelangt.

Das Symbol des Consorzio ist der Gallo Nero – der Schwarze Hahn – auf goldenem Grund, auch ein Symbol der Lega Militare del Chianti, und muss auf jeder Flasche Chiantiweins, die in Umlauf gebracht wird, aufgebracht sein.

Das Symbol des Gallo Nero ist allerdings nicht zufällig gewählt.

…und die Legende des schwarzen Hahns

Die Legende besagt, dass im Mittelalter in der Zeit der Rivalitäten zwischen Siena und Florenz die zwei Städte die Grenzen der jeweils zugehörigen Ländereien festlegen mussten.

Es musste unter allen Umständen vermieden werden, dass die Spannungen in eine offene Auseinandersetzung mündeten. Also wurde eine Vereinbarung getroffen, die gleichzeitig eine Herausforderung war: Sowohl die Einwohner von Siena als auch die von Florenz hatten die blutigen Auseinandersetzungen der Vergangenheit satt und bestimmten zwei Reiter, einen aus Siena und einen aus Florenz, die eine sehr eigentümliche Prüfung bestehen sollten.

Beide Reiter ritten aus der jeweiligen Stadt los und bewegten sich in Richtung der jeweils anderen Stadt. Die Grenze der jeweiligen Gebiete sollten also entsprechend gezogen werden, wo die beiden Reiter sich trafen.

Beide sollten nach dem Krähen des Hahnes losreiten, das wurde als Signal für den Beginn des Duells festgesetzt.

In Florenz wurde der schwarze Hahn von den Bewohnern in den Tagen vor dem Duell nicht gefüttert, wohingegen in Siena – dort war man davon überzeugt, dass er am festgesetzten Tag umso lauter singen würde – der weiße Hahn in den Tagen zuvor reichlich zu essen erhielt. Beide Städte hegten die Hoffnung, dass der eigene Hahn zuerst erwachen und am lautesten krähen würde.

Am Morgen des Duells begann der ausgehungerte schwarze Hahn aus Florenz noch vor Sonnenaufgang an zu krähen, während der Hahn aus Siena erst viel später erwachte, da er ja nicht hungrig war und noch einen vollen Bauch hatte.

Der Reiter aus Florenz war schon unterwegs, der aus Siena musste dagegen noch lange warten, bevor der Hahn krähte, und so gewann die Stadt Florenz einen großen Vorsprung.

Die zwei Reiter trafen sich also am Castello di Fonterutoli, praktisch vor den Toren von Siena, nur 12 Kilometer von der Stadtmauer entfernt. So konnte Florenz fast das ganze Chiantigebiet in seinen Besitz bringen.

Ob die Legende wahr ist oder nicht, ob diese beiden Städte die Grenzen so oder anders festgelegt haben – der Gallo Nero ist nach wie vor das Symbol der Chiantiregion und des Weines, der dort produziert wird.

Chianti

In Vino Veritas – „Castello DiVino“

Es war mehr oder weniger Zufall, dass ich ein paar Tage vor dem 12. August auf die kleinen Plakate aufmerksam wurde, die überall in Termoli verteilt waren: Weinprobe im Kastell! Unter dem Motto „Castello DiVino“. (Ich bin ja großer Fan von Wortspielen, wahrscheinlich stach mir das Plakat auch deshalb ins Auge… 🙂 )

Weinprobe
Weinprobe
Weinprobe
Weinprobe

An vier Stationen gab es verschiedene Weine zu probieren. Die weißen am Anfang, dann gings weiter zum Rosé, dann gab’s zwei Tische an denen Rotweine serviert wurden – angefangen mit den leichten, fruchtigen bis zu den schweren.

Pro Person kostete der Spaß gerade mal 7 Euro für die man das Glas geschenkt bekam und 7 Weine probieren durfte. Nach jedem probierten Wein wurde auf einem kleinen Kärtchen ein Kreuzchen gemacht. Wenn die 7 voll waren war man es entweder selbst auch oder man musste sich eben nochmal eine Karte kaufen. 😀

Wir haben’s bei einer Runde belassen. 😉

In Vino Veritas
In Vino Veritas

Vini da Campobasso

Zu Probieren gab es ausschließlich Weine aus Campobasso. Und logischerweise liegt bei einer italienischen Weinprobe der Fokus auf den Roten. Ich selbst bin ja kein großer Rotweintrinker. Auch wenn ich einen guten Barolo durchaus zu schätzen weiß, hab ich für weiße und rosé Weine ein besseres Händchen, Näschen und Gäumchen. 😉

Kaum an der ersten Station – Weißwein, juhu! 🙂 – sprach uns die Dame hinter dem Tisch (Sommelière heißt das dann glaub ich?!) an: „Entschuldigung, Sie beide kenne ich doch?“ Kurz drauf stellten wir dann zu dritt fest, dass wir uns Ende Mai schon einmal bei einer Weinprobe kennengelernt hatten. Damals auf einem nahegelegenen Weingut – Cipressi -, das zufällig den Eltern der Freundin des Bruders meines Freundes (Könnt Ihr mir folgen? 😀 ) gehört.

1. Station Weißweine
1. Station Weißweine

An jeder Station gab’s wahlweise Taralli oder Weißbrot mit Olivenöl und Käse, um den Geschmack des jeweils probierten Weines zu neutralisieren.

Also ging’s los mit dem Weißen.

Ich hatte mich für den Bioweißwein vom Weingut Cipressi entschieden (Familie und so 😉 ) und Einen namens Kantharos entschieden. (Von dem ich mir dann am Ende nochmal ein Gläschen genehmigte, weil er mir einfach so gut geschmeckt hat…)

Kantharos
Kantharos

Bei der nächsten Station haben wir die Roséweine versucht. Mein Freund entschied sich für einen frizzante – dem kann ich nicht allzu viel abgewinnen, probierte dann von Adams Glas, sah mich bestätigt…..

2. Station Roséweine
2. Station Roséweine

…..und entschied mich für den Aere aus der Cantina San Zenone und siehe da: mein Auge für leichte Weine hatte mich auch dieses Mal nicht im Stich gelassen! Er war köstlich. 🙂

Aere
Aere

Also probierte ich mein Glück – oder besser gesagt meinen 7. Sinn, meinen Wein-Sinn 😉 – nochmal und auch mit dem nächsten lag ich nicht daneben. Zwar fand ich den Aere ein bisschen besser, weil der Rosator doch nochmal ein bisschen schwerer war, aber geschmeckt hat mir auch der:

Rosator
Rosator

Wenn man bedenkt, dass so manche Flasche dieser angebotenen Weine das vielfache des Eintrittes zu dieser Weinprobe kosten, war das schon ein echt gelungenes Schnäppchen, das wir da gemacht haben.

Die Roséauswahl
Die Roséauswahl

Außerdem vergaß man an der 2. Station mein Kreuz auf dem Kärtchen, was mir am Ende des Rundgangs ermöglichte, den Kantharos nochmal zu „probieren“.

Weiter ging’s zu den Roten. Das war eher Adams Welt. Er mag vor allem die wuchtigen Rotweine gerne, die man oft zu Fleischgerichten trinkt. Außerdem sind wir in Italien – besonders im Süden – ja doch eher im Land der roten Weine. Wahrscheinlich gab’s auch deshalb zwei Tische Rotweine…

3. Station Rotweine #1
3. Station Rotweine #1
3. Station Rotweine #2
3. Station Rotweine #2
Rotwein
Bei Rotwein versagt mein „Weinsinn“ leider 😀
Rotwein
Bei Rotwein versagt mein „Weinsinn“ leider 😀

Entsprechend war’s dann auch so, dass ich eher an Adams Glas mal nippte, bevor ich mich entschied. Man muss sich Anordnung der Weine so vorstellen: Angefangen hat das Angebot immer mit den leichten Weinen und wurde dann nach links hin immer schwerer und wuchtiger. Das heißt konkret. Mein Freund war an der 2. Rotweinstation ganz am linken Ende des Tisches in seinem ganz eigenen Rotweinparadies. Ich dagegen fühlte mich – wenn schon rote Weine – am Anfang der 2. Rotweinstation ganz rechts wesentlich wohler. 😀 Daheim war ich zwar ohnehin eher bei meinen weißen und rosé Weinen, aber auch die Roten wollte ich nicht unprobiert lassen und gab also auch hier einigen eine Chance.

Lag aber mit beiden Auswahlen leider sowas von daneben….dass ich dann lieber auf altbewährtes zurückgriff und mir mit meinem Freund einen mir bereits bekannten (und für gut befundenen Wein) teilte, bevor ich mir den zweiten Kantharos abholte… 😉

Cipressi
Cipressi

Draußen vor dem Eingang war eine Station aufgebaut, an der man seine Fähigkeiten als Sommelier testen konnte: „Entdecke deine natürlichen Fähigkeiten und lerne, wie man Wein verkostet.“

Plakat Sommeliertest
Sommeliertest

Als wir ans Castello kamen, war die Station leider gerade belagert, weshalb wir uns entschieden haben, erst die Weinprobe, dann die Sommelierprobe. Fataler Fehler. 😀 Wir haben gnadenlos versagt. 😀

Der Test bestand aus drei Teilen: Sehtest, Geruchstest und Geschmackstest.

Der Sehtest: Es wurden uns 3 schwarze Plastikbecher gereicht, in denen jeweils entweder Wasser, Weißwein oder Rotwein drin war. Das war noch einfach. Zwar konnte man beim schummrigen Nachtlicht und den schwarzen Bechern nicht wirklich die Farbe erkennen, aber irgendwie verrieten sie sich doch. Also, bestanden. 🙂

Der Geruchstest: Es wurden uns mehrere geschlossene Becher gereicht, mit einem Loch im Deckel. Darin waren Kräuter und Gewürze und man musste das Aroma erschnuppern. Um die Sache abzukürzen. Wir lagen bei allen 4 Aromen komplett daneben. 😀 Ich behaupte ja, es lag daran, dass wir zuerst den Wein probiert haben, statt erst diesen Sinnestest zu machen, aber mein Freund meinte noch vor der Weinprobe, dass er bei den Gerüchen komplett versagen würde. Nun, wie es scheint bin ich da auch kein Spezialist. 😉

Der Geschmackstest: Man reichte uns drei kleine Becher mit vier unterschiedlichen Flüssigkeiten zum Trinken. Süß, salzig, sauer und bitter (na danke!). Da lagen wir wieder richtig und haben 100% bestanden. 🙂

Fazit: 2 von 3 reicht nicht, um Sommelier zu werden. Nix mit zweitem Standbein. 😀 Schade eigentlich. Aber alles in allem war es ein rundum gelungener Abend. 🙂 Nein, ehrlich, es war toll. Falls sich irgendwer einmal im Sommer nach Termoli verirren sollte, haltet auf jeden Fall die Augen nach dem „Castello DiVino“ offen. Es lohnt sich. Letztes Jahr gab’s Weine aus Molise zu probieren, dieses Jahr aus Campobasso. Süditalienische Spitzenweine zu echt unschlagbaren Preisen. Und es macht wirklich Spaß. In diesem Sinne: Cin cin! 🙂

Weinprobenfinale
Weinprobenfinale: 7 Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren 😀

Anmerkung: Ich wollte hier keine Schleichwerbung machen. Die namentlich erwähnten Weingüter und Weine habe ich nur deshalb explizit genannt, falls es dein ein oder anderen Weinliebhaber gibt, der sich ggf. interessiert.

Limoncello selber machen

Als mein Freund zuletzt einmal länger hier war, haben wir spontan beschlossen, als Geburtstagsgeschenke für meine Schwester und den Freund meiner Mutter, hausgemachten Limoncello herzustellen. In Italien lässt sich der dazu benötigte hochprozentige Alkohol ganz einfach im Laden kaufen. Bei uns gestaltet sich die Sache etwas komplizierter:

Apotheke: Geht, darf dort aber nur in geringen Mengen abgegeben werden und kostet daran gemessen schlichtweg unverschämt viel.

Import: Wäre möglich gewesen, aber das geht wiederum nicht, wenn man nur mit Handgepäck reist und hätte geplant sein müssen. So spontan war damit also auch nichts.

Was bleibt?

Internet! Ich habe also eine Flasche (1 Liter) reinen Alkohols – also, 100%-igen gibt es ja nun nicht, aber den reinsten, den man eben so kriegen kann – im Netz bestellt. Innerhalb weniger Tage war der 96%-ige Weingeist dann da und wir konnten uns ans Werk machen.

Da von dieser Aktion im April noch etwa 300 ml Alkohol übrig waren, nachdem einschließlich uns alle beschenkten Familienmitglieder ausreichend versorgt waren, habe ich letzte Woche spontan beschlossen, mein erlerntes Schnaps-selbst-machen-Wissen mit Euch zu teilen.

Limoncello

Das Rezept

Für knapp einen Liter Limoncello braucht ihr:

  • 500 ml Alkohol (reinen, farb- und geschmacklosen – wenn ihr einen Link braucht, wo ihr den recht günstig bestellen könnt, fragt in der Kommentarfunktion ruhig nach, ich stell Euch dann den Link zur Verfügung, wo ich meinen gekauft hab 🙂 )
  • 7 Zitronen (am besten Ungespritzte bzw. Unbehandelte)
  • ca. 350 gr. Zucker
  • 800 ml Wasser
Limoncello selbstgemacht Schritt 1
Limoncello selbstgemacht Schritt 1

Zunächst müsst Ihr die Zitronen waschen und schälen. Vorsicht. Die Schale sollte so dünn wie möglich sein, das Weiße unter der gelben Schicht ist bitter, deshalb davon so wenig wie möglich mit abschälen.

Limoncello selbstgemacht Schritt 2
Limoncello selbstgemacht Schritt 2

Die dünne Schale der 7 Zitronen packt ihr danach in ein luftdicht verschließbares Gefäß. Ich habe ein Einweckglas genommen, aber sicher geht das auch mit jedem anderen Gefäß, dass sich dicht verschließen lässt. Danach fügt den Alkohol dazu, schließt das Glas bzw. Gefäß und stellt es für eine Woche an einen Ort, möglichst ohne direktes Sonnenlicht. Ich stelle meines in einen Küchenschrank. Da geh ich auf Nummer sicher. 😀

Limoncello selbstgemacht Schritt 3
Limoncello selbstgemacht Schritt 3

Nach einer Woche hat das Gemisch eine schöne, giftgelbe Farbe angenommen:

Limoncello selbstgemacht Schritt 4
Limoncello selbstgemacht Schritt 4

Ja, ihr habt richtig gelesen. Ihr habt nach dem Schälen und Einlegen erst einmal eine Woche Pause. 🙂

Was ihr übrigens mit den Zitronen machen sollt, deren Fruchtfleisch ja nach wie vor verwertbar ist?! Nun, werdet kreativ 😉 Ich habe meine verbacken. Habe das Fruchtfleisch in kleinen Stücken herausgelöst, von der Haut befreit und in einen süßen Teig aus Wasser, (viel) Zucker (um die Säure zu kompensieren 😀 ), Ei und Mehl gemischt; in die Springform und ab in den Ofen. Genaue Mengen und Gradangaben kann ich Euch hierfür leider nicht geben, da ich selbst komplett improvisiert habe und die Konsistenz des …..“Kuchens“…… regelmäßig mit einem Holzstocher überprüft habe. Aber lecker war’s. 😀 Habe es über mehrere Tage mit Eiscreme als Dessert verspeist. 😀

So. Wenn die Woche also um ist, nehmt ihr euer Zitronen-Alkohol-Gemisch aus dem Schrank und gießt es über ein Sieb ab. Die Flüssigkeit auffangen natürlich, mit den Schalen könnt ihr höchstens noch dekorativ arbeiten. 😉 Diese also ab in die Abfalltonne, den extrem alkoholischen, extrem zitronigen Schnapsansatz erst einmal beiseite stellen. Dann gebt Wasser in einen Topf und lasst es aufkochen. Wenn sich erste Bläschen bilden, gebt den Zucker hinzu. (War etwas schwierig zu fotografieren, während dem Aufkochen und Reinschütten, deshalb fehlen ein, zwei Arbeitsschritte in Bildform. Ich hab eben doch auch nur zwei Hände und immerhin sprechen wir hier von kochend heißer Flüssigkeit. 😉 )

Limoncello selbstgemacht Schritt 5
Limoncello selbstgemacht Schritt 5

Sobald aller Zucker im kochenden Wasser ist, geht’s ans Rühren. So lange, bis der Zucker komplett aufgelöst ist. Dann lasst das Zuckerwasser auf mittlerer Flamme weiterköcheln. Hin und wieder schadet das Umrühren dazwischen auch nicht, immerhin soll das Zuckerwasser 10 Minuten lang weiterköcheln.

Nach den 10 Minuten nehmt das Wasser von der Flamme und lasst es komplett abkühlen.

Wenn es abgekühlt ist (und ja, auch hierzu fehlen Bilder – Flüssigkeiten, notorische Schusseligkeit und Mobiltelefone verstehen sich unter Umständen nicht so gut… 😀 ), gebt das Alkohol-Zitronen-Gemisch zum Zuckerwasser und rührt alles gut um, damit es sich gut vermscht. Danach das Ganze in Flaschen füllen, kühl lagern und dann genießen!

Limoncello selbstgemacht Schritt 6
Limoncello selbstgemacht Schritt 6

Meiner steht schon brav im Kühlschrank und später werd‘ ich mir sicher ein Schlückchen meines ersten (man stelle sich hier eine stolzgeschwellte Brust vor) selbstgemachten Limoncello genehmigen. In diesem Sinne also: Cin cin….! 🙂

P.S. Wer mit dem Gedanken spielt, den Zitronenschnaps zu verschenken – ich kann’s empfehlen, kam sehr gut an. Sollten wir uns demnächst an die sahnige Version heranwagen, lasse ich Euch auch gerne wissen, wie man den „braut“. 🙂 Da trau ich mich aber alleine (noch) nicht ‚ran. Ebenso wenig wie an den selbstgemachten Schokoladenlikör, den mein Freund ebenfalls schon (sowohl mit weißer, als auch mit dunkler Schokolade) gemacht hat. Aber wenn er das nächste Mal hier ist, wird er einfach als „Schnapsbrenner“ abgestellt und ich „nur“ als Dokumentatorin. Dann klappt’s auch mit den bebilderten Arbeitsschritten besser…. 😀 So. Nu‘ aber. Cin cin…! 🙂