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Survivalguide für den italienischen Straßenverkehr

Survival Guide für den italienischen Straßenverkehr

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Clacson nennen die Italiener eines ihrer liebsten Spielzeuge – nach dem Namen des ersten Herstellerunternehmens im amerikanischen Newark, Klaxon. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war es so weit verbreitet, dass die Italiener zeitgleich beschlossen haben, das Wort zu italienisieren. Aus Klaxon wurde also Clacson. Und wo man schon dabei war, wurde gleich noch das passende Verb clacsonare dazu erfunden.

Üblicher Weise wird aber das Nomen in Kombination mit „suonare“ für läuten, klingeln, tönen verwendet. Ich jedenfalls habe noch keinen Italiener das Wort clacsonare benutzen hören. Oder zumindest nicht, dass ich mir dessen bewusst wäre.

Wenn es noch nicht klar war, die Rede ist von der Hupe. Und für deren inflationären Gebrauch sind die Italiener mindestens so berühmt, wie für ihre relativ freie Interpretation von Straßenverkehr oder umsichtigem bzw. vorausschauendem Fahren.

Hätte mir mal einer sagen sollen, dass ich nach Italien ziehe, als mir meine Führerscheinprüferin damals das Versprechen abgerungen hat, in Zukunft „umsichtiger zu fahren“, damit ich meinen Führerschein nach der ersten praktischen Prüfung bekomme. Egal.

Hupen auf Deutsch

Wenn in Deutschland die Hupe benutzt wird, kann man sich sicher sein: Es ist wirklich was passiert.

Mindestens, dass einer beim Ausscheren vor oder Wiedereinscheren nach dem Überholen einen anderen geschnitten hat.

Oder dass der Überholende einen schwächeren Verkehrsteilnehmer zu übersehen droht, sich schlicht irgendwie rücksichtslos verhält.

Hupen auf Deutsch, das ist eine Schelte, eine Warnung. Hin und wieder auch mal ein Mittelfinger.

Und ohne, dass wir uns dessen bewusst wären, sind wir den Italienern damit gar nicht so unähnlich.

Hupen auf Italienisch

Denn auch in Italien ist die Hupe durchaus ein Warnzeichen. Nur wird es eben präventiv eingesetzt. Zum Beispiel dann, wenn die Hupe das Verkehrszeichen – etwa eine Ampel – ersetzt.

Für den geneigten Touristen aus hup-schwachen Teilen der Welt ist diese übertriebene Huperei mindestens total ungewohnt. Im Zweifel mehr als befremdlich.

Die Italiener wissen zwar sehr wohl selbst, dass sie es damit übertreiben, aber irgendwie ist in Italien das Hupen beim Autofahren wie die Gestik beim Sprechen – Teil der Kultur. Vor allem aber Teil der Verständigung, der Kommunikation. Beim Autofahren.

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The Other Side Of The Ink Tattoo Convention Rom 2017

Das hier ist ein Artikel, den ich eigentlich bei meinem alten Arbeitgeber als freie Mitarbeiterin einreichen wollte. Im Zuge meiner „Recherche“ hab ich auch ein Interview geführt, für das ich diese „Hoffnung“ noch nicht aufgegeben habe. Leider ist es nur so, dass ich aktuell kaum dazu komme, neue Artikel in Eigenregie zu schreiben. Und was jetzt vielleicht gleich nach Jammern klingt, spielt sich auf einem doch recht hohen Niveau ab – dessen bin ich mir sehr wohl bewusst und es soll mitnichten als Ausdruck typisch deutscher Unzufriedenheit verstanden werden. Eher ein leises Bedauern. Darüber nämlich, dass ich vor lauter Fremdaufträgen kaum noch dazu komme, meinen Blog weiterzuschreiben.

Es bleiben also mittelfristig nur zwei Alternativen:

  1.  Entweder ich gebe dem Blog den Gnadenstoß.
  2. Oder ich nehme Auftrags- und damit finanzielle Einbußen in Kauf, um ihn zumindest zu einem meiner Standbeine, langfristig vielleicht gar zum meinem Hauptstandbein auszubauen. Eine Idee, die ich schon lange habe. Aber ohne eine gewisse finanzielle Absicherung scheint mir das Vorhaben schlichtweg zu riskant. Denn auch in (Süd-) Italien kostet das Leben eben Geld.

Sei’s drum. Kommen wir zum eigentlichen Beitrag. 😉

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The Other Side Of The Ink – Women’s Tattoo Convention in Rom

Es ist wahrscheinlich nur einem Bruchteil meiner Leser*innen (die aufgrund meiner Inaktivität in den letzten Monaten überhaupt noch dabei sind) überhaupt bekannt, dass ich eine gewisse Affinität zu Tätowierungen nicht absprechen kann.

Eigentlich geht das sogar so weit, dass ich auf die Frage „Wie viele Tattoos hast Du?“ gar nicht mehr weiß, wie und was antworten. Denn wie zählt man, wenn aus einem Tattoo durch das Anfügen eines weiteren (also eigentlich 2) eines wird? Wie zählt man einen vollständig tätowierten Arm? Als ein Tattoo? Oder als viele? Pro Motiv oder pro Körperstelle? Wie dem auch sei. Ich bin jedenfalls von meiner deutschen Tätowiererin ein bisschen angefixt und neugierig geworden, auf die Frauenconvention in Rom.

Convention: Eine Convention – auch im Comicbereich ein gebräuchlicher Begriff – ist eine Messe oder Ausstellung, wo man Künstler und Aktive live bei der Arbeit beobachten kann. Meist umrahmt von einem Programm auf einer Bühne, einschließlich Vorträgen oder Wettbewerben.

Ich war schon auf einigen Conventions, deutschen natürlich, und kenne den Ablauf und die Aufmachung im Grunde genommen. Dennoch war ich vor meiner ersten italienischen Tattoo Convention ein bisschen aufgeregt. Total gespannt darauf zu sehen, wie sich eine reine Frauen-Convention einerseits und eine italienische andererseits von denen unterscheidet, die ich bisher so besucht hatte.

Zu meiner Enttäuschung eigentlich gar nicht.

Ist das schon Gleichberechtigung oder noch Feminismus?

Nur die Entstehungsgeschichte der Tattoo Convention fand ich ganz spannend. Vielleicht ist daraus auch die Vorstellung erwachsen, dass die Other Side Of The Ink Convention irgendwie anders sei.

Das erste Mal, dass diese Frauen-Tattoo-Convention in Rom nämlich stattfand, fiel auf einen 08. März. Und der ist bekanntlich der Weltfrauentag. Aber der 08. März (wieder jeder andere Tag im Jahr) fällt nicht immer auf den gleichen Wochentag und Conventions finden per se an den Wochenenden statt. Damit wird der nächste Weltfrauentag für die Convention wohl erst 2022 wieder ein Ankerpunkt.

Und wenn ich grundsätzlich die Förderung von Frauen begrüße, besonders in ansonsten betont männlich dominierten Nischen, so hat sich mir der Sinn und Nutzen einer reinen Frauen-Tattoo-Convention nicht so 100%ig erschlossen.

Wäre das komplette Programm von Frauen gestaltet worden, wären vielleicht sogar nur weibliche Kundinnen zugelassen worden und nur weibliche Medienvertreter, hätte die Jury bei den abendlichen Contests nur aus Frauen bestanden (von 5 Juroren, war 1 eine Frau) – dann hätte es einen Unterschied gemacht. So scheint eine solche reine Tätowiererinnenmesse irgendwie nur als konkurrenzlose Gegenveranstaltung zu normalen Conventions. Diese sind übrigens für alle offen. Nicht nur für männliche Künstler. Und ich glaube, wenn man sich schon messen möchte, dann doch bitte wirklich gleichberechtigt. Und nicht unter dem vermeintlichen Vorteil rein weiblicher Mitstreiterinnen.

Versteht mich nicht falsch. Ich will damit mitnichten die Fähigkeiten, Talente oder Maßstäbe, die einige der Tätowiererinnen, die ich bei der Other Side Of The Ink gesehen und kennengelernt habe, an den Tag legen, klein reden. Absolut nicht. Ich finde eigentlich eher, sie halten sich damit selbst klein. Denn natürlich ist es leichter zu bestehen, wenn man sich gegen weniger Konkurrenz durchsetzen muss. Und natürlich ist die Konkurrenz um Welten größer, wenn es plötzlich nicht nur die nach wie vor prozentual geringe Anzahl weiblicher Tätowierer „zu schlagen“ gilt.

Ich glaube im Gegenteil, dass einige der Künstlerinnen, deren Arbeit ich auf der Tattoo-Convention in Rom bestaunt habe – und mit größtem Respekt bestaunt habe – sich auch gegen die größere Konkurrenz auf gemischten Convention locker durchsetzen könnten.

Insgesamt ist also ein eher gespaltenes Verhältnis zu – in letzter Konsequenz gar nicht mal wirklich – rein weiblichen Tattoo-Conventions bei mir übrig geblieben.

Einerseits…

  • … haben mich einige der Tätowiererinnen wirklich tief beeindruckt.
  • … kann ich mir vorstellen, dass viele Frauen in dem Beruf unter der männlichen Konkurrenz untergehen.
  • … versteh ich, dass eine Frauen-Tattoo-Convention den Künstlerinnen eine Möglichkeit gibt, aus dem Schatten hervorzutreten und leichter auf sich aufmerksam zu machen, als auf einer normalen Convention, die ja nun auch nur begrenztes Teilnehmerkontingent hat.
  • … versteh ich auch, dass es besonders Neulingen, wie etwa meiner Interviewpartnerin, die seit gerade einmal 4/5 Jahren tätowiert, leichter fällt, nicht gleich unter den Druck zu geraten, den eine gemischte Convention vielleicht mit sich bringt, weil man sich unter Frauen irgendwie sicherer fühlt.
  • … hätte ich ja selbst viele Tätowiererinnen ohne eine solche Frauen-Convention gar nicht wahrgenommen – sogar eine Künstlerin aus Bari habe ich in Rom getroffen.
  • … dient eine solche Veranstaltung auch dazu, das Publikum zu sensibilisieren dafür, dass Tattoos kein Männerding mehr sind und somit Vorurteile gegenüber (stark und sichtbar!) tätowierten Frauen abzubauen (und glaubt mir, einige Menschen haben das – in Deutschland wie in Italien – ganz bitter nötig).

Andererseits…

  • … ist für mich, die ich mich ausgesprochen viel in Männerdomänen und betont maskulin geprägten Subkulten bewege, der einzig funktionierende Weg, solche Fronten aufzubrechen der, dass man sich mit ihnen misst, neben und zwischen ihnen besteht und sich nicht aufgrund des Geschlechtes unter dem Vorwand der Förderung und besonderen Aufmerksamkeit über Schleichwege eben jene generiert.
  • … ist so eine „Female-Only“-Veranstaltung für mich immer dann irgendwie sinnlos, wenn sie nur der Bauchpinselei dient – man stelle sich vor, es gäbe eine All-Male-Convention, was das für ein Aufschrei wäre.
  • … wurde die Idee der anderen, nämlich der weiblichen Seite der Tinte (aka. Tattoos) nicht bis in die letzte Instanz konsequent durchgezogen – blanker Busen on stage hält die männlichen Besucher entschieden besser bei Laune, als die weiblichen und wenn schon Männer ins Bühnenprogramm aufgenommen werden, sollten die der Weiblichkeit zuliebe doch mindestens ebenso blank ziehen, statt im Yankee-Doodle-Dandy-Outfit mit lustigen Bällchen zu jonglieren; immerhin reden wir hier doch von gleichem Recht für alle oder?!

Bin ich zu kritisch?!

So richtig weiß ich nicht, was ich von der The Other Side Of The Ink halten soll. Klar, für Tätowiererinnen, vor allem solche, die aus dem Ausland kommen oder die noch neu sind, ist so eine reine Frauen-Tattoo-Convention eine tolle Plattform. Und ich will weder dieser Frauen-Convention in Rom noch der in Berlin ihre Existenzberechtigung absprechen. Aber irgendwie hat der Besuch bei mir ein gewisses G’schmäckle hinterlassen, das ich nicht so richtig einzuordnen weiß.

Positiv in Erinnerung geblieben sind mir neben dem tollen Gespräch mit meiner Interviewpartnerin vor allem die netten Veranstalter. Auch der betont respektvoller Umgang zwischen Künstlern, Medienvertretern, Besuchern und Kunden (bis auf ein, zwei Zwischenfälle, die sich mir eingebrannt haben), der auf der The Other Side Of The Ink in Rom herrschte, ist auf jeden Fall positiv hervorzuheben. (Das hab ich auch schon anders erlebt.) Und aus künstlerischer Perspektive dürfen auch die wirklich spektakulär talentierten Künstlerinnen nicht unerwähnt bleiben, die sich auf der Frauen-Tattoo-Convention zusammengefunden hatten. Punktabzug gab’s für die Anreise, wobei selbst die mit der Buslinie 780 von der Piazza Venezia aus ohne Umsteigen möglich war. Nur halt was lang. Aber das kann man dank dem Aufgebot weiblichen kreativen und kunsthandwerklichen Talents getrost in Kauf nehmen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Hat sich der Besuch der Frauen-Convention in Rom für mich gelohnt? Jein. Ich hab jedenfalls fleißig Visitenkarten eingesteckt und würde mir von ein oder zwei Tätowiererinnen, mit denen ich dort gesprochen hab, auch wirklich gern ein Tattoo stechen lassen. Irgendwann. Andererseits hab ich meine Erwartungen vielleicht etwas zu hoch gesteckt und wurde leider ein bisschen enttäuscht. Die Convention unterscheidet sich schlichtweg bis auf die rein weiblichen Tätowierer in Nichts von anderen Tattoo-Messen.

Sie könnte eher so eine Art „sanfter Einstieg“ werden für an Tattoos und dem Kunsthandwerk an sich Interessierte. Oder für Rombesucher, die dort mal was erleben möchten, das sich vom üblichen Touristenprogramm abhebt. Erreichbar ist die Messe wie gesagt per Bus, aber auch mit der Metro – wo ihr dann aber ein paar Meter mehr zu Fuß zurücklegen müsst. Ansonsten aber aber problemlos zu finden. Denn das Sheraton Hotel ist von weitem aus zu erkennen. Dort könnt ihr dann auf etwa 1.000 m² verteilt Verkaufsstände von Tattoosupply (Farben, Maschinen, Schmuck, Mode) und über zwei Räume Tätowiererinnen bei der Arbeit bestaunen. Der Eintritt pro Tag liegt bei fairen 10.- €.

Fundstück des Monats Dezember

Auf ein frohes Neues mit viel Tanz und Lust am Leben

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Mein Fundstück im Dezember … kurz und knackig. Ich wünsche euch allen ein schönes, erfolgreiches und glückliches, neues Jahr – auf dass ihr alle mehr Zeit zum Tanzen finden mögt, wie er hier:

Gianluca Vacchi aus Sizilien, der es im Sommer geschafft hat, mit seinen Tanzvideos ein kleines, italienisches Internetphänomen zu werden.
Klar, er kann es sich leisten, nachdem er als Erbe eines Millionenunternehmens die Geschäftsleitung an seinen Cousin abgegeben hat und so den ganzen Tag Zeit hat, Tanzchoreos einzuüben.

Was sonst noch so war:

Zum Abschluss des Jahres, verlinke ich hier nochmal den beliebtesten Artikel des Jahres 2016.

Am besten haben euch meine Geschichten aus Neapel gefallen, vor allem die über die vierte und vorerst letzte Begegnung der neapolitanischen Art. Viel Spaß beim nochmal Reinlesen!

Und nun: Einen guten Rutsch euch allen und danke, dass ihr mir 2016 die Treue gehalten habt. ♥

Ich geb mir Mühe, euch auch 2017 weiterhin mit witzigen, lustigen und spannenden Beiträgen und Geschichten zu versorgen!

#ItalienischeLieblingsprodukte No. 2

#ItalienischesLieblingsprodukt No. 2

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Weihnachten steht so gut wie vor der Tür, da ist es nur konsequent, wenn mein heutiges #Lieblingsprodukt auch mit Weihnachten zu tun hat.

Oder so ein bisschen zumindest.

Zwar ist es hier in Bari nicht so kalt wie in Deutschland im Winter, aber es kühlt schon merklich runter. Was gibt’s da besseres als eine heiße Schokolade zum Aufwärmen?!

(Und sag mir jetzt keiner „Glühwein“ – den gibt es hier nicht nur nicht, das ist meines Erachtens auch eine Misshandlung der Geschmacksknospen, das Zeug.)

Ciobar

Ich hab mich kringelig gefreut, als ich im Supermarkt um die Ecke Ciobar entdeckt habe. Ich hab das zum ersten Mal getrunken in Bologna, damals bei meinem Exfreund, und war total begeistert.

Falls euch das Logo an ein deutsches Lebensmittelunternehmen erinnert – ja, Cameo ist Dr. Oetker. Ich glaube, Ciobar gibt es in Deutschland auch. Heißt dort „Mein Moment“ oder so ähnlich. Das müsste etwa das Gleiche sein, nagelt mich aber nicht drauf fest. Mir sieht das deutsche Pendant viel mehr nach Pudding denn nach Kaba aus. Und probiert hab ichs nie.

Die Schokolade ist, wenn sie dann fertig und trinkbar ist, in ihrer Konsistenz eine Art Mischung aus Kaba und Schokopudding. Nicht so fest wie letzterer, aber eben auch nicht so flüssig, wie Kakao. Wobei man da mit der Milchmenge schon noch entsprechend drauf einwirken kann.

Und nach dem Geschmackstaumel im winterlichen Bologna, kam ich nicht umhin, zuzugreifen, als mir die blaue Verpackung im Supermarkt hier ins Auge sprang.

Als ich dann noch den *Pandoro entdeckte, war es ganz um mich geschehen. Mehr Weihnachtsfeeling bei 10-15 Grad geht einfach nicht! Und hey, wenn das Herz eines Sizilianers aus Pistaziencreme besteht, dann kann es mich ohnehin im Sturm erobern! 😀

Fundstück des Monats November

Ein linguistisches Fundstück des Monats

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Ich hab lang mit mir gehadert, ob ich den Artikel wirklich unter die Fundstücke des Monats mischen soll. Aber, um ihn nicht zu machen, ist er eigentlich zu wichtig und ich habe nie behauptet, dass es hier immer nur witzig zugeht. 😉 Es geht um einen Begriff, den ich erstmals in Italien gehört habe. Daher passt er sehr wohl hier rein. Wenngleich ich ihn nicht erst diesen Monat entdeckt habe, wie es die Rubrik eigentlich vorgibt. Aber darüber sehe ich einfach mal großzügig hinweg, denn irgendwann war es ja mal ein linguistisches Fundstück des Monats.

Ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber am 25.11. ist jedes Jahr der weltweite Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Daher passt es sehr gut, dass mein

Fundstück des Monats November

in diesem Zusammenhang steht.

Da hört es mit dem „Gut“ aber auch schon auf.

Femizid

Während es aus Deutschland noch immer keine offiziellen Untersuchungen und damit auch keine Zahlen darüber gibt, ob und wie viele Frauen Opfer von Femiziden wurden, sind gerade im Hinblick auf den 25. November aus Italien alarmierende Zahlen zu hören.

Allein im bisherigen Jahr 2016 starben 116 Italienerinnen an den Folgen der Gewalteinwirkungen ihrer Partner oder Brüder. Zum Thema Femizid gibt es alleine auf der Repubblica 700 Artikel.

In Brand gesteckt, erstochen, erwürgt

… und danach in die Bar und erst mal nen Kaffee.

  • Bitono, 03. Nov. 2016: Der Ehemann ermordet seine 29-jährige Frau vor den Augen des kleinen Sohnes mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser.
  • Sassari, 10. Nov. 2016: Der Ehemann tritt und schlägt erst auf seine Ehefrau ein, steckt sie dann bei lebendigem Leib in Brand. Danach ruft er seelenruhig seine Tochter und die Polizei an – der Grund des Mordes? Sie wollte die Scheidung.
  • Trapani, 20. Nov. 2016: Der Ehemann ersticht seine Noch-Ehefrau kurz nach der Trennung mit 23 (!) Messerstichen. Ihre 80-jährige Mutter, die im Haus nebenan wohnt, ruft die Polizei. Leider zu spät. Der Mann ist danach erstmal einen Kaffee trinken gegangen.
  • Seveso, 23. Nov. 2016: Der Lebensgefährte stranguliert seine Partnerin nach oder während eines Streits. Besonders tragisch: Die Polizei war wenige Stunden vorher wegen eben jenes Streites vor Ort war. Die beiden kleinen Kinder mussten alles mit ansehen.

Femizid, ein italienisches Phänomen?

Mitnichten. Ich selbst bin allerdings tatsächlich das erste Mal in den italienischen Nachrichten auf den Begriff gestoßen.

Dennoch ist Femizid kein rein italienisches Problem. In muslimisch geprägten Kulturen heißt das Phänomen Ehrenmord. Bei uns wird es mit in die verschwommene Definition von „Familientragödie“ hineingewaschen. Besonders krasse Fälle aus Indien schaffen es schon auch mal in unsere Berichterstattung.

Deutschlandweite Studien gibt es nicht. Angaben der WHO zufolge allerdings werden in 35% aller Femizide von engen Partnern oder Freunden, Verehrern, Stalkern oder Ehemännern begangen.

Deutschland – Land der Unschuldsengel …

Nein! Zwar gibt es nach wie vor keine deutschlandweiten Erhebungen zum Phänomen des Femizids, aber das heißt nicht, dass er nicht auch bei uns passiert. Im Jahr 2011 gab das BKA bekannt, dass von den über 300 Tötungen an Frauen, die Hälfte durch die Hand des Partners geschah. Dunkelziffer exklusive.

Und falls es wem aufgefallen ist: Mit der Zahl von 154 gesicherten Femiziden lagen wir 2011 weit vor den Italienern 2016.

Es kann jeder Frau passieren, dass sie sich irgendwann unter Fäusten wiederfindet, die auf ihr Gesicht eintrommeln und sie nur noch denken kann: Bitte, lass mich leben. Ich weiß es.

Und ich weiß auch, dass sozialer Stand, Religion, Herkunft, Hautfarbe keine Rolle spielen. Auch wenn bestimmte Gruppierungen von Menschen das gerne behaupten, um Diskriminierung und Unfrieden weiter voranzutreiben.

Es wird Zeit, dass wir auch in Deutschland den Mord, den Totschlag oder den zumindest willentlich in Kauf genommenen Tod an Frauen durch Männer als das benennen, was er ist: Femizid.

#ItalienischeLieblingsprodukte No. 1

Tra-ri-tra-ra, eine neue Rubrik ist da – #ItalienischeLieblingsprodukte

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Es ist schon eine ganze Weile her, dass mich jemand darauf angesprochen hat, welches denn meine Lieblingsprodukte in oder aus Italien wären. Da ich bis vergangenen Samstag ja erstmal nur Gast in diesem Land war und erst neuerdings so richtig in den Genuss von Shopping, Einkaufen und Ausprobieren komme, hab ich mir das einfach mal aufgehoben.

Da bestimmt immer noch wieder neue Dinge ihren Weg auf meine Liste finden werden, dachte ich, macht es vielleicht sogar Sinn, das Ganze als Reihe anzulegen. Ähnlich wie das Fundstück des Monats. Die Artikel werde ich im „Über Mich“-Reiter anlegen, den ihr über die Startseite direkt oben im roten Querbalken anwählen könnt.

Monatlich werde ich euch ein Lieblingsprodukt vorstellen – so zumindest die Idee. Ob das so klappt, steht auf einem anderen Blatt.

Da mein Fundstück ja bereits den letzten Tag des Monats für sich beansprucht, werde ich dem Lieblingsprodukt die Mitte des Monats zuweisen. Das hat, ganz nebenbei, für mich den Vorteil, dass ich „gezwungen“ bin, systematischer und organisierter an die Blogfütterung ranzugehen. So kann ich mir meine Arbeits- und Freizeit ein bisschen routinieren und einteilen. (Das ist also diese geheimnisvolle Work-Life-Balance, von der immer alle reden!)

Die Lieblingsprodukte werden aus allen möglichen Bereichen kommen, von Kosmetik bis Ernährung, Putzmittel oder was mit sonst noch so in die Hände fällt.

Zwar birgt so eine Reihe auch die Gefahr, dass das jemand als Werbung missversteht, aber ich kann euch vergewissern: Sollte es jemals dazu kommen, dass ich Kooperationen jedweder Art eingehe, dann werde ich die entsprechend kennzeichnen und ggf. eine eigene Rubrik dafür einrichten. Bis dahin aber, sind alle von mir vorgestellten Produkte selbst gekauft und unabhängig vom Hersteller präsentiert.

In diesem Sinne geht’s auch gleich schon los mit dem 1. Teil.

#ItalienischesLieblingsprodukt No. 1

Ich mag Deo-Sticks nicht. Und wenn ich sage, ich mag sie nicht, dann meine ich eigentlich: Ich hasse sie. Als zu unhygienisch, schmierig und klebrig empfind ich sie und meistens wirken sie einfach nicht so gut, wie meine geliebten Sprays.

Mit diesem hier kam ich erstmals über meinen Exfreund in Kontakt, der ihn benutzte. Aus der Not heraus (mir war das Deo ausgegangen oder am Flughafen abgenommen worden, ich weiß es nicht mehr so genau), griff ich auch darauf zurück. Und es war der erste Deo-Stick, den ich je benutzt habe, der nicht eklig schmiert und in der Achselhöhle herumrutscht.

Borotalco

Der Name verrät’s schon: Borotalco basiert auf Boraten (Salze der Borsäure) und Talk.

Dass Borotalco ausgerechnet in Florenz entwickelt wurde, dürfte demnach kein Zufall sein, denn freie Borsäure kommt in Mittelitalien, wie z.B. in den toskanischen Wasserdampfquellen, häufig vor. Das gleiche gilt für das Bormineral Sassolin.

Talk hingegen dürfte jeder kennen, den die Sportlehrer in früher Kindheit über Barren und sonstige Folterinstrumente gequält haben. Es macht die Handflächen griffig, damit man am glatten Holz und Metall nicht abrutscht. Und dieser Effekt kommt im Borotalco-Deo auch zum Tragen.

Borotalco-Puder ist ein natürliches Produkt, das durch Förderung, Auslese, Trocknung und Pulverisierung des Talks aus dem Val Chisone in der italienischen Provinz Turin erzeugt wird. Quelle: Borotalco.at

Borotalco kam zunächst als Körperpuder auf den Markt, bevor die Produktpalette mit den Jahren immer erweitert wurde. (Mal sehen, ob sie irgendwann auch eine Bodylotion produzieren. Wenn die ähnlich wirkt, wie das Deo, könnte das im Sommer enorme Abhilfe schaffen. 😉 ) Das erste Borotalco-Puder gab es 1878 zu kaufen. So lange behauptet sich das Produkt schon auf dem italienischen Markt.

Jeder Italiener kennt Borotalco. Und jeder Italiener kennt diesen ureigenen Geruch des Deos. Manche, wie mein Gastgeber in Rom, boykottieren das Deo sogar deshalb. Weil sie den Geruch nicht mehr mögen oder ertragen.

Mittlerweile gibt es Borotalco auch als Deo-Spray, hab ich gesehen. Ausprobiert hab ich das aber noch nicht. Ich bin aber mit dem Stick auch super zufrieden und sehe aktuell gar keinen Anlass, nochmal zu wechseln.

Ich habe mir meinen, den ich aktuell noch immer benutze, im Juli / August gekauft (weil mir mein mitgebrachtes Deo ausging). So lange hält er mir schon.

Was ich an Borotalco mag?

  • Es ist nicht parfümiert und riecht nicht künstlich oder chemisch, sondern hat einen ganz dezenten, natürlich süßlichen Geruch.
  • Es schmiert nicht – außer es ist richtig, richtig heiß draußen, aber dann trocknet er auch schnell wieder.
  • Es macht keine Flecken – außer er schmiert und man benutzt zu viel davon, dann einfach ein bisschen antrocknen lassen, bevor ihr euch was überzieht.
  • Es beinhaltet keinen Alkohol, keine Silikone und keine Aluminiumpartikel.
  • Es wirkt!

Borotalco_Italien_und_ichUnd! Er gilt im Handgepäck – erprobter Weise – nicht als Flüssigkeit und damit ist im 1-Liter-Flüssigkeiten-Plastik-Zip-Beutel mehr Platz für andre Sachen.

P.S. Wie es scheint, gibt es Borotalco mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum zu kaufen. Wen es also demnächst mal zu unseren österreichischen Nachbarn verschlägt oder wer dort wohnt, kann ja mal die Augen offenhalten und bei Versuch gern berichten. 😉

P.P.S. In der Schweiz auch. Och, dann ist es eh nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch in Deutschland zu kaufen geht, denk ich. 😀

Fundstück des Monats: Oktober

Warum sollte jemand in Bari leben (wollen)?

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Nicht, dass ich nicht sowieso grundsätzlich häufig gefragt werde, was eine Deutsche ausgerechnet nach Italien treibt. Aber dann auch noch ausgerechnet nach Bari?

Wie gut, dass es mir die Kollegen von Bari Today abgenommen haben, selbst antworten zu müssen. Stattdessen lassen sie Studenten und Arbeitnehmer, junge und ältere, Zugezogene und Alteingesessene genau diese Frage nach dem Warum beantworten.

Das ist also mein Fundstück des Monats Oktober

Die Umfrage ist schon etwa ein Jahr alt und dümpelte auch in meinem Themenplan lange vor sich hin. Aber jetzt, wo ich den Mietvertrag gemacht hab, passt sie einfach wie die Faust aufs Auge.

Hier das Video

VIDEO | Un buon motivo per vivere a Bari? Le risposte di baresi e… forestieri

Hier die transkribierte Übersetzung

F: Ein Grund, in Bari zu leben?

A 1: Ein guter Grund, um in Bari zu leben … vor allen Dingen aus Studentensicht sind in Bari alle Fakultäten in einer Stadt.

A 2: Das gute Essen. Das ist essentiell.

A 3: Die Leute sind nett [deine Stimme aber furchtbar; Anm. d. Bloginh.], wir sind sympathisch.

A 4: Es ist eine sehr schöne Stadt, eine Universitätsstadt, reich an Kultur – auch wenn die Bewohner dieses wertvolle, kulturelle Erbe nicht besonders wahrnehmen und wertschätzen.

A 5: Mir hat die Stadt nie gefallen. Ich bin aus der Provinz, mir gefallen dezentere Orte besser. Auch was die Luftverschmutzung angeht, immerhin ist es ja doch eine große Stadt. Und auch die Menschen hier finde ich irgendwie unsympathisch.

A 6: Es gibt sicherlich einige [gute Gründe; Anm. d. Bloginh.], ich fühl mich hier wirklich gut, auch in Sachen Zeitvertreib und Unterhaltung.

A 7: Eine weitere Eigenschaft, die mir an Bari gefällt, ist, dass sie von der Größe her für Menschen gemacht ist. Ich zum Beispiel habe noch nie den Bus benutzt, weil ich zur Universität nur 5 Minuten brauche, zum Bahnhof 10.

F: Eine Sache, die an Bari schön ist und die es wert macht, hier zu leben?

A 8: Na, uns geht es doch sehr gut hier in Bari Vecchia. Man braucht nicht viel. Uns geht es gut.

F: Die Luft? Die Sonne? Das Meer? Was denn?

A 9: Ach, wir haben hier ein tolles Meer, tolle Menschen.

A 10: Und wir haben auch San Nicò [San Nicola, der Schutzpatron Baris; Anm. d. Bloginh.], der uns beschützt.

A 11: Und außerdem, und das ist ganz klar das Schönste, ist, dass man super Focaccia essen kann, dazu ein schönes, kühles Bier und das alles im Sommer direkt am Meer. Das ist ein super Grund, um nach Bari zu kommen.

A 12: Die Menschen in Bari sind gastfreundlich, sonnig [im Sinne von gut gelaunt, ein sonniges Gemüt; Anm. d. Bloginh.], sie schaffen es, dass man sich hier Zuhause fühlt. Ich bin auch nicht von hier, aber ich fühle mich hier Zuhause.

F: Ein guter Grund, um in Bari zu leben?

A 13: Weil es eine schöne Stadt ist. Weil die Menschen hier toll sind. Und weil man hier gut leben kann.

A 14: Au Backe … weil es die schönste Stadt im Mittelmeerraum ist. Darüber hinaus ist sie sehr gepflegt. Mir gefällt vor allem, dass sie die Altstadt komplett restauriert haben.

F: Ein Ihrer Meinung nach guter Grund, um in Bari zu leben?

A 15: Wegen dem Meer. Wegen dem Meer, dem Klima, Bari ist schön.

A 16: Bari ist unsere Wiege.

Noch Fragen? 😉 

 

Fundstück des Monats: September

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Fundstück des Monats: September

Zugegeben, wenn ich mir so manche Satiresendung im deutschen Fernsehen anschaue, bin ich mir manchmal auch nicht sicher, ob so manches Bauvorhaben, Gesetz oder Erlassung nur dafür geschaffen worden sind, damit man sich darüber lustig machen kann. Da strotzt es teilweise nur so vor Realsatire.

Grund genug, mich diesem Phänomen auch mal in Italien zu widmen und zu schauen, was es da so an alltäglichen Absurditäten zu entdecken gibt.

Und tatsächlich: Ich bin fündig geworden!  (Wer hätt’s gedacht!? 😉 )

Die Italiener sind ja grundsätzlich ein eher kreatives Völkchen. Vor allem wenn es darum geht, Dinge nicht zu tun, zu umgehen und zu vermeiden. Das kann für den einzelnen Bewohner natürlich erstmal vorteilhaft sein.  Zum Nachteil wird es erst dann, wenn diese Kreativität auf politischer Ebene eingesetzt wird. Ich habe mir deshalb mal

fünf der absurdesten Steuern und Abgaben

angesehen, die Italiener (eigentlich) zahlen müss(t)en.

5. Die Flaggensteuer

Es ist eine Sache, eine Steuer darauf zu erheben, dass man die Nationalflagge im Garten, vor dem Haus oder auf dem Hotelparkplatz hissen darf. Das eigentlich Absurde an dieser Abgabe ist aber, dass sie als Werbesteuer deklariert ist. Vulgo: Wer die italienische Flagge hisst, macht damit Werbung für sein Anwesen, Hotel, etc. mit dem italienischen Staat und das wird ihm folglich in Rechnung gestellt. Übrigens so im Schnitt 140 €.

4. Pilze-Sammel-Steuer

Wer zum Herbstanfang lecker Pilze im Wald sammeln gehen will, braucht dafür in Italien eine offizielle Genehmigung. (Auch wenn ich starke Zweifel habe, dass sich die jemand holt.) Die muss man natürlich bezahlen, is‘ klar. Aber auf die Kosten für die Genehmigung werden nochmal zusätzliche Gebühren erhoben, die von Gegend zu Gegend variieren. Ehrlich gesagt, hätte es mich nicht gewundert, hätte es so etwas bei uns auch gegeben, aber … nein, nichts dergleichen. In Österreich gibt es tatsächlich etwas Vergleichbares, allerdings in Südtirol. Südtirol aber gehört formal ja nicht zu Österreich, sondern zu Italien. Hm.

3. Die Schattensteuer

Die Schattensteuer hingegen gibt es in ähnlicher Form auch bei uns, ist Teil des Gewerberechtes und zwar als Sondernutzung von Straßen und öffentlichen Wegen. Das tritt dann in Kraft, wenn ein Lokal den Gehweg vor dem Laden bestuhlen und gegebenenfalls mit einer Markise den bestuhlten Bereich beschatten (hehe) möchte. In Italien braucht’s für die Schattensteuer erst gar keine Stühle oder Tische. Eine ausgefahrene Markise reicht. Der Teil der öffentlichen Straßen und Wege, die von der Markise überschattet werden, werden besteuert. Ehm. Ja.

2. Die Sterbesteuer

Ja, ihr habt richtig gelesen! In Italien bezahlt man Abgaben fürs Sterben. Also eigentlich bezahlt man eine Gebühr für die offizielle Feststellung des Ablebens des Verstorbenen. Ich hab zwar in Deutschland schon davon gehört, dass die GEZ Toten weiterhin Abschläge und Mahnbescheide schickt, aber außer einer Erbschaftssteuer und einem Steuer-Schutzbrief, habe ich sonst nichts gefunden, dass der italienischen Sterbesteuer irgendwie ähnlich wäre. 36 € werden hier in Rechnung gestellt. 35 € Todes-Feststellungs-Gebühr und 1 € für die Briefmarke. 😀 Kein Scherz! 😀

1.  Die Atomkraftwerkssteuer

Und weil eine Sterbesteuer noch nicht absurd genug ist, setzt Italien noch eins drauf. Auf jeder Stromrechnung wird pauschal 1 € als Atomkraftwerksabgabe für die Kommunen aufgeführt. Na, immerhin. Wenigstens nur in den Gemeinden und Gegenden, in denen Atomkraftwerke stehen. Damit kann man ja irgendwie noch leben. Allerdings auch nur dann, wenn man nicht weiß, dass nicht ein einziges Atomkraftwerk auf italienischem Boden steht! Die Italiener importieren ihre Kernkraft nämlich aus Frankreich und Russland. Wofür dann die AKW-Steuer? Wahrscheinlich nur zur Zwecken der Realsatire. 😉

P.S. Eine Kernbrennstoffsteuer (schönes Wort, oder?!) gibt es in Deutschland tatsächlich auch – die zahlen allerdings die AKW-Betreiber, nicht die Stromkunden.

Plastik zum Wohle der Gesundheit?!

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Plastik: Zum Wohle der Gesundheit?

Der Faible der Italiener für Plastik ist, man könnte es durchaus so sagen, berühmt berüchtigt. Wer schon einmal in Italien einkaufen war, weiß, dass man aus keinem Supermarkt rauskommt, ohne mindestens eine Plastiktüte in der Hand zu halten.

Abgesehen davon, dass es in Sachen Nachhaltigkeit eeecht Besseres gibt, sind – zumindest der Form nach – die meisten Plastiktüten mittlerweile biologisch abbaubar. Ähnlich wie bei uns die Plastiktüten für den Biomüll, die man dankbarer Weise gleich mit in die Biotonne kloppen kann. Beziehungsweise, sie sollten es eigentlich mittlerweile sein. Vielfach aber werden immer noch die stinknormalen Plastiktüten angeboten, von denen die Italiener zwischen 180 und 190 pro Jahr und Kopf verbrauchen. Das ist mehr als eine jeden zweiten Tag. Also schon ne beachtliche Zahl.

Während man den Plastiktüten aber noch so einigermaßen Sinn abringen kann, komm‘ ich wirklich nicht drüber weg, warum man Plastikhandschuhe braucht.

Ich erinnere meine erste Begegnung mit den Plastikhandschuhen in der Obst- und Gemüseabteilung bei Conad in Bologna, als ich das erste Mal mit meinem Ex einkaufen war. Ganz fettnäpfchentreffsicher wie ich nun mal bin, griff ich zu Banane und Co. packte sie in unseren Einkaufskorb. Fragende Blicke. Was denn? Willst Du die nicht in eine Tüte packen? Ehm … wozu? Bei Bananen isst man die Schale eh nicht mit und alles andere wäscht man doch ohnehin vorher ab, oder? Lag ja auch schon so in der Auslage und davor im LKW / Schiff / Transportkorb und davor auf dem Förder- und Fließband und dadavor wurde es mit irgendwelchen Pestiziden behandelt. Abwaschen läuft oder?

Nun gut, Exmännchen gab sich geschlagen. Aber ich hatte die Hand noch nicht so recht an den Äpfeln (für die ich sogar eine Plastiktüte benutzt habe, weil sie sonst einzeln irgendwo rumkullern und ich sie ja auch wiegen muss), als ein älterer Herr sich neben mir räusperte und mich auf die Handschuhe hinwies. Ich wusste überhaupt nicht, was er meinte, hatte die Handschuhe bisher 1.) nicht gekannt und 2.) nicht bemerkt. Und als ich sie auf seinen Hinweis hin dann doch noch bemerkte, erschloss mich mir ihr Sinn nicht so richtig. Mein Exfreund meinte dann, dass man die aus Gesundheitsgründen anziehen solle. Aha? Aber … Ich bin nicht krank! Und hey! Ich wasche Obst und Gemüse vor dem Verzehr ab. (In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass im italienischen Fernsehen auch Sagrotanwerbung läuft für ein Desinfektionsmittel, das man ins Gemüsewaschwasser kippen kann / soll. Allein bei dem Gedanken wird mir speiübel!)

Das Argument für diesen ollen One-Size-fits-all-Plastikhandschuh ist also Gesundheit bzw. Gesundheitsschutz.

Hm.

Ich frag mich ja echt, wie wir hier in Deutschland überleben, wo alle Leute jeden Apfel, jede Gurke, jede Feige und jeden Salatkopf mit der bloßen Hand antatschen … ! Nein, ich frage mich, warum wir nicht nach einem Supermarktbesuch alle der Reihe nach wie tote Fliegen umfallen … !

Plastikhandschuh 2Plastikhandschuhe als Gesundheitssicherungsmaßnahme?

Ok, warte!

Ich nehm den Handschuh, pack mir den Apfel aus der Auslage, dreh und wende ihn, niese einmal drauf und leg ihn zurück. Meine Viren krabbeln dann immer noch von meinem mit Plastikhandschuh angefassten Apfel auf den Apfel daneben, von dem auf den nächsten und von dem hüpfen sie rüber auf die Orangen, Bananen und was da sonst noch so alles rumliegt. Von den durch Klimaanlagen herumgewirbelten Bakterien und Keimen mal ganz zu schweigen, potenziert sich diese Viren- und Bakterienschleuderei mit jedem Besucher. Aber Hauptsache, man hat den Apfel nicht mit bloßen Händen berührt!

What?

Operation „Sicheres Meer“

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Operation „Sicheres Meer“

Ich hatte esSocken und Sandalen ja schon erwähnt – die Deutschen lieben es über alles, sich Strand- und Poolliegen zu reservieren. Dafür sind wir berühmt. Auch wenn es ein eher zweifelhafter Ruhm ist. Zugegeben. Aber eben deutsch. 😀 Mindestens so deutsch, wie die immer wieder bemühten Socken in den Sandalen. 😀

Und den Italienern reicht’s jetzt! Sie greifen durch. Hart durch! Und zwar mit aller Staatsgewalt.

Weil Touristen die besonders im Norden immer weiter dezimierten, öffentlichen Strandabschnitte mit Sonnenliegen, Handtüchern und Badeutensilien reservieren, setzt man nun die Polizei ein, um besagte Gegenstände einzusammeln, wenn die Besitzer nicht in Sichtweite sind.

Öffentliche Strände dürfen von Staat und Gemeinde zwar an Lidobetreiber und Hotels vermietet werden. Dort wo das aber nicht der Fall ist, gelten sie als öffentlich zugängliches Allgemeingut. Handtuch hinschmeißen und dann erstmal gepflegt zurück ins Bett oder Frühstücksbüffet bevor man den vollgestopften Pansen in die Sonne streckt, is‘ nich‘ mehr.

Anfang August – also inmitten der Urlaubssaison – hat z.B. die Küstenwache in Livorno auf gerade einmal 100 Metern Strandabschnitt 37 Sonnenstühle, 30 Sonnenschirme, eine Liege, Handtücher und Badekleidung abtransportiert.

In Alba Adreatica in den Abruzzen waren immerhin 25 Sonnenschirme, in Kampanien bei Ascea knackige 30 Schirme und 50 Liegestühle.

Bis hierhin noch zum Schmunzeln, aber …

Tatsächlich wird künftig auch zur Kasse gebeten. Wer sich erwischen lässt, darf ein Loch von 200 Euro in die Urlaubskasse reißen. Also ist durchaus Vorsicht geboten. Die Italiener machen jetzt Ernst.

Und irgendwie kann ich sie verstehen. Teilweise sind die Utensilien so nah am Wasser abgelegt und abgestellt, dass das Meer sie problemlos mitnehmen kann. Besonders dann, wenn keiner da ist, um ein Auge drauf zu haben. Und noch mehr Müll im Meer braucht’s nun wirklich nicht!

Den Italienern geht’s aber auch noch um was anderes. An manchen Orten ist der Strand erst ab einer bestimmten Uhrzeit für den Publikumsverkehr geöffnet. Dabei geht’s wahrscheinlich eher um die Lärmbelästigung der Nachbarn, als um den Umweltschutz, aber umso besser, wenn davon auch Strand und Meer profitieren.

Also heißt es auch für des Deutschen liebstes Urlaubshobby in Italien erstmal: Lass‘ stecken! 😉 Ich find’s eigentlich gut. Und Ihr?