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In Vino Veritas – „Castello DiVino“

Es war mehr oder weniger Zufall, dass ich ein paar Tage vor dem 12. August auf die kleinen Plakate aufmerksam wurde, die überall in Termoli verteilt waren: Weinprobe im Kastell! Unter dem Motto „Castello DiVino“. (Ich bin ja großer Fan von Wortspielen, wahrscheinlich stach mir das Plakat auch deshalb ins Auge… 🙂 )

Weinprobe
Weinprobe
Weinprobe
Weinprobe

An vier Stationen gab es verschiedene Weine zu probieren. Die weißen am Anfang, dann gings weiter zum Rosé, dann gab’s zwei Tische an denen Rotweine serviert wurden – angefangen mit den leichten, fruchtigen bis zu den schweren.

Pro Person kostete der Spaß gerade mal 7 Euro für die man das Glas geschenkt bekam und 7 Weine probieren durfte. Nach jedem probierten Wein wurde auf einem kleinen Kärtchen ein Kreuzchen gemacht. Wenn die 7 voll waren war man es entweder selbst auch oder man musste sich eben nochmal eine Karte kaufen. 😀

Wir haben’s bei einer Runde belassen. 😉

In Vino Veritas
In Vino Veritas

Vini da Campobasso

Zu Probieren gab es ausschließlich Weine aus Campobasso. Und logischerweise liegt bei einer italienischen Weinprobe der Fokus auf den Roten. Ich selbst bin ja kein großer Rotweintrinker. Auch wenn ich einen guten Barolo durchaus zu schätzen weiß, hab ich für weiße und rosé Weine ein besseres Händchen, Näschen und Gäumchen. 😉

Kaum an der ersten Station – Weißwein, juhu! 🙂 – sprach uns die Dame hinter dem Tisch (Sommelière heißt das dann glaub ich?!) an: „Entschuldigung, Sie beide kenne ich doch?“ Kurz drauf stellten wir dann zu dritt fest, dass wir uns Ende Mai schon einmal bei einer Weinprobe kennengelernt hatten. Damals auf einem nahegelegenen Weingut – Cipressi -, das zufällig den Eltern der Freundin des Bruders meines Freundes (Könnt Ihr mir folgen? 😀 ) gehört.

1. Station Weißweine
1. Station Weißweine

An jeder Station gab’s wahlweise Taralli oder Weißbrot mit Olivenöl und Käse, um den Geschmack des jeweils probierten Weines zu neutralisieren.

Also ging’s los mit dem Weißen.

Ich hatte mich für den Bioweißwein vom Weingut Cipressi entschieden (Familie und so 😉 ) und Einen namens Kantharos entschieden. (Von dem ich mir dann am Ende nochmal ein Gläschen genehmigte, weil er mir einfach so gut geschmeckt hat…)

Kantharos
Kantharos

Bei der nächsten Station haben wir die Roséweine versucht. Mein Freund entschied sich für einen frizzante – dem kann ich nicht allzu viel abgewinnen, probierte dann von Adams Glas, sah mich bestätigt…..

2. Station Roséweine
2. Station Roséweine

…..und entschied mich für den Aere aus der Cantina San Zenone und siehe da: mein Auge für leichte Weine hatte mich auch dieses Mal nicht im Stich gelassen! Er war köstlich. 🙂

Aere
Aere

Also probierte ich mein Glück – oder besser gesagt meinen 7. Sinn, meinen Wein-Sinn 😉 – nochmal und auch mit dem nächsten lag ich nicht daneben. Zwar fand ich den Aere ein bisschen besser, weil der Rosator doch nochmal ein bisschen schwerer war, aber geschmeckt hat mir auch der:

Rosator
Rosator

Wenn man bedenkt, dass so manche Flasche dieser angebotenen Weine das vielfache des Eintrittes zu dieser Weinprobe kosten, war das schon ein echt gelungenes Schnäppchen, das wir da gemacht haben.

Die Roséauswahl
Die Roséauswahl

Außerdem vergaß man an der 2. Station mein Kreuz auf dem Kärtchen, was mir am Ende des Rundgangs ermöglichte, den Kantharos nochmal zu „probieren“.

Weiter ging’s zu den Roten. Das war eher Adams Welt. Er mag vor allem die wuchtigen Rotweine gerne, die man oft zu Fleischgerichten trinkt. Außerdem sind wir in Italien – besonders im Süden – ja doch eher im Land der roten Weine. Wahrscheinlich gab’s auch deshalb zwei Tische Rotweine…

3. Station Rotweine #1
3. Station Rotweine #1
3. Station Rotweine #2
3. Station Rotweine #2
Rotwein
Bei Rotwein versagt mein „Weinsinn“ leider 😀
Rotwein
Bei Rotwein versagt mein „Weinsinn“ leider 😀

Entsprechend war’s dann auch so, dass ich eher an Adams Glas mal nippte, bevor ich mich entschied. Man muss sich Anordnung der Weine so vorstellen: Angefangen hat das Angebot immer mit den leichten Weinen und wurde dann nach links hin immer schwerer und wuchtiger. Das heißt konkret. Mein Freund war an der 2. Rotweinstation ganz am linken Ende des Tisches in seinem ganz eigenen Rotweinparadies. Ich dagegen fühlte mich – wenn schon rote Weine – am Anfang der 2. Rotweinstation ganz rechts wesentlich wohler. 😀 Daheim war ich zwar ohnehin eher bei meinen weißen und rosé Weinen, aber auch die Roten wollte ich nicht unprobiert lassen und gab also auch hier einigen eine Chance.

Lag aber mit beiden Auswahlen leider sowas von daneben….dass ich dann lieber auf altbewährtes zurückgriff und mir mit meinem Freund einen mir bereits bekannten (und für gut befundenen Wein) teilte, bevor ich mir den zweiten Kantharos abholte… 😉

Cipressi
Cipressi

Draußen vor dem Eingang war eine Station aufgebaut, an der man seine Fähigkeiten als Sommelier testen konnte: „Entdecke deine natürlichen Fähigkeiten und lerne, wie man Wein verkostet.“

Plakat Sommeliertest
Sommeliertest

Als wir ans Castello kamen, war die Station leider gerade belagert, weshalb wir uns entschieden haben, erst die Weinprobe, dann die Sommelierprobe. Fataler Fehler. 😀 Wir haben gnadenlos versagt. 😀

Der Test bestand aus drei Teilen: Sehtest, Geruchstest und Geschmackstest.

Der Sehtest: Es wurden uns 3 schwarze Plastikbecher gereicht, in denen jeweils entweder Wasser, Weißwein oder Rotwein drin war. Das war noch einfach. Zwar konnte man beim schummrigen Nachtlicht und den schwarzen Bechern nicht wirklich die Farbe erkennen, aber irgendwie verrieten sie sich doch. Also, bestanden. 🙂

Der Geruchstest: Es wurden uns mehrere geschlossene Becher gereicht, mit einem Loch im Deckel. Darin waren Kräuter und Gewürze und man musste das Aroma erschnuppern. Um die Sache abzukürzen. Wir lagen bei allen 4 Aromen komplett daneben. 😀 Ich behaupte ja, es lag daran, dass wir zuerst den Wein probiert haben, statt erst diesen Sinnestest zu machen, aber mein Freund meinte noch vor der Weinprobe, dass er bei den Gerüchen komplett versagen würde. Nun, wie es scheint bin ich da auch kein Spezialist. 😉

Der Geschmackstest: Man reichte uns drei kleine Becher mit vier unterschiedlichen Flüssigkeiten zum Trinken. Süß, salzig, sauer und bitter (na danke!). Da lagen wir wieder richtig und haben 100% bestanden. 🙂

Fazit: 2 von 3 reicht nicht, um Sommelier zu werden. Nix mit zweitem Standbein. 😀 Schade eigentlich. Aber alles in allem war es ein rundum gelungener Abend. 🙂 Nein, ehrlich, es war toll. Falls sich irgendwer einmal im Sommer nach Termoli verirren sollte, haltet auf jeden Fall die Augen nach dem „Castello DiVino“ offen. Es lohnt sich. Letztes Jahr gab’s Weine aus Molise zu probieren, dieses Jahr aus Campobasso. Süditalienische Spitzenweine zu echt unschlagbaren Preisen. Und es macht wirklich Spaß. In diesem Sinne: Cin cin! 🙂

Weinprobenfinale
Weinprobenfinale: 7 Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren 😀

Anmerkung: Ich wollte hier keine Schleichwerbung machen. Die namentlich erwähnten Weingüter und Weine habe ich nur deshalb explizit genannt, falls es dein ein oder anderen Weinliebhaber gibt, der sich ggf. interessiert.

Festa di San Basso | Termoli 2015

Vorab ein paar Zeilen zum „Projekt Nichtrauchen“. Es sind erste Fortschritte erkennbar. Glaube ich. 😀 Nachdem ich am Freitag erst einmal die E-Zigarette auf Arbeit vergessen hatte und so nervös wurde bei der Vorstellung eines „rauch“freien Wochenendes, dass ich abends zurück gefahren bin, um sie noch zu holen. Bin ich nun immerhin soweit, dass ich zwar immer noch hibbelig werde, wenn ich sie, wie gestern, wieder auf Arbeit vergesse. Aber ich hab’s immerhin ausgehalten bis heute Morgen zu warten – das sind 15,5 Stunden ohne Zigarette (also: ohne Möglichkeit zu rauchen) und 17 Stunden ohne Nikotin. Ich habe zwar mit dem Gedanken gespielt, zur Tankstelle ums Eck zu laufen und ersatzweise Tabakwaren zu kaufen. Nachdem ich allerdings letzte Woche das erste Mal an dem Punkt war, dass ich kalten Zigarettenrauch gar nicht so gern riechen mag und mir das endgültige Ziel, mit dem Rauchen aufzuhören, vor Augen hielt, habe ich darauf verzichtet. Außerdem war ich zu faul, am Abend nochmal vor die Tür zu gehen. Also hab ich mich schießhundmäßig selbst beobachtet und dafür gesorgt, dass ich mangelndes Rauchen nicht mit Essen kompensiere – das passiert vielen, die das Rauchen lassen möchten, weshalb sie dann gerne ein paar Kilo zulegen.
Fazit 1: E-Zigaretten haben einen großen Nachteil. Wenn man sie irgendwo liegen lässt oder vergisst, kann man sich am nächsten Automaten nicht einfach ein neues Päckchen ziehen.
Fazit 2: Ich fühl mich in der Annahme bestätigt, dass mein Rauchen eher ein lästige Angewohnheit, als eine echte Sucht ist. Ich sage nicht, dass das bei jedem so ist, aber ich bin schon immer eher ein Gewohnheitstier gewesen, als wirklich suchtgefährdet. Werde das weiter beobachten.

Nun aber zum eigentlichen Thema.

San Basso

San Basso ist zum einen kurz für „Festa di San Basso“ und benennt natürlich zum anderen den Namensgeber dieses zweitägigen, termolesischen Ausnahmezustands und Schutzpatron der Stadt. Jedes Jahr sind der 03. und der 04. August dem Bischof und Märtyrer San Basso gewidmet. Dabei teilen sich die Festtage auf den katholisch kirchlichen Teil und den Teil mit den Schnapsleichen am Strand auf.

Am 03. August wird das Festa di San Basso mit einer Prozession eingeläutet. Dabei wird die Statue des San Basso aus der Cattedrale die Santa Maria della Purificazione (oder auch dem Dom von Termoli) durch die Straßen der termolesischen Altstadt hinunter zum Fischereihafen getragen. Begleitet von Musik und vielen Gläubigen, Einheimische und Touristen gleichermaßen.

Nun sind weder ich noch mein Freund besonders gläubig oder gar noch Mitglieder der katholischen Kirche, weshalb wir den ersten Teil der Prozession verstreichen ließen. (Deshalb habe ich auch selbst keine Bilder gemacht, aber hier findet Ihr dennoch einige.)

Die Statue des San Basso wird also bis hinunter in den Hafen getragen und dort auf ein Fischerschiff geladen, das die Heiligenfigur hinaus ins Meer bringt – begleitet von anderen Fischereischiffen und den örtlichen Kirchenrepräsentanten und dem Bischof der Region Campobasso. Sowohl die Ausfahrt aufs Meer, als auch die Rückkehr ist ein Spektakel für die Einwohner und Touristen. Abends kehrt die Delegation bestehend aus Fischern und Klerikern zurück und bringt San Basso nach Termoli zurück, wo er über Nacht im alten Fischerviertel der Stadt stehen bleibt. (Genauer gesagt, wird er in einer Lagerhalle des Fischereiamtes (sagt man das so?) eingesperrt. Wohl zu seinem eigenen Schutz in diesem Fall… 😉 )

Am 04. August dann wird der Schutzpatron im zweiten Teil der Prozession zurück vom Hafen in den duomo getragen.

Wieder säumen dabei viele Menschen die Straßen. Besuchen danach die anschließende Messe in der Cattedrale di Santa Maria. So richtig zünftig wird’s dann aber erst bei Einbruch der Dunkelheit. Ich glaube, mit der Aussicht auf den Abend des 04. August, vergessen die Menschen sicher gern, worum es in diesen zwei Tagen eigentlich geht. Anders als hier oft, allerdings, wissen sie zumindest den Hintergrund der beiden Feiertage. 😀

San Basso lebte zu einer Zeit, in der Selbstmord von der katholischen Kirche noch nicht verpönt war, sondern zu der Selbsttötung noch Grund genug war für eine Seligsprechung – zumindest, solange der Tote ein Amt der Kirche bekleidet hatte. (Ja, auch in der katholischen Kirche gab es einstmals einen Märtyrerkult.) Laut meinem Freund hat sich San Basso gemäß der Legende selbst im Meer ertränkt, wo dann Fischer eines Tages einen Marmorsarg treiben sahen und darin die Reliquien des Schutzpatrons fanden.

Für den Abend des zweiten Feiertages wurden bereits Tage vorher am Yachthafen von Termoli Feuerwerkskörper, Knaller, Böller usw. installiert. Die Testläufe der Kanonenschläge waren über die ganze Stadt zu hören und man bekam ein bisschen einen Eindruck davon, wie es wohl geklungen haben mag, als die Stadt dereinst tatsächlich von den Turkvölkern angegriffen worden ist. Es hallte so absurd laut durch die Straßen, dass ich – hätte ich nicht gewusst, was los ist – tatsächlich von einem Angriff durch Schlachtschiffe überzeugt hätte werden können. Ein mulmiges Gefühl mit Gänsehautfaktor. Besonders weil in der antiken Stadt mit der alten Architektur und Struktur, dieser Geist der Vergangenheit beizeiten doch noch sehr lebendig scheint.

Am Abend war von diesem Gruselfaktor nichts mehr zu spüren. Die Stadt versammelt sich am Strand, wo Lagerfeuer entzündet wurden, die Strandbars für musikalische Untermalung sorgten und hier und da der ein oder andere reglose Körper aus der seichten Brandung am Strand gezogen werden musste.

Der Spaziergang am Strand glich eher einem Slalomlauf, um weder den betrunkenen Jugendlichen im Weg zu stehen, die gerade mal wieder ins Meer stolperten (wahlweise zum Schwimmen, sich übergeben oder die Blase zu leeren), noch über die überall verteilt herumliegenden, leeren Flaschen oder knutschenden und quasi-kopulierenden Pärchen zu fallen.

Offtopic: Übrigens ist nachts ins Meer gehen irgendwie gruselig. Das Meer sieht aus wie eine schwarze Brühe, man sieht nicht wohin man tritt….tiefer als knietief habe ich es auch mit Begleitung eines bekanntlich ja Mannes vom Meer nicht geschafft. Also zum Schwimmen hätte mich jedenfalls keiner gekriegt.

Um Punkt Mitternacht wird dann mit drei Kanonenschlägen der Beginn des halbstündigen Feuerwerksspektakels eingeläutet, das den Abschluss des Festa di San Basso bildet. Endgültig Schluss ist dann, wenn erneut drei laute Knalle ertönen, deren durchdringendes Getöse von den Stadtmauern zurück aufs offene Meer geschleudert wird. Der Strand leert sich interessanterweise auch umgehend (man muss dazu sagen, dass nun der 05. auch ein Werktag war, ich kann natürlich nicht beurteilen, wie es gewesen wäre, wäre der nächste Tag auf einen Samstag oder Sonntag gefallen), es bleiben aber genug Feierwütige vor Ort. So auch wir, haben’s aber etwas entspannter angehen lassen und den Cousins meines Freundes Gesellschaft geleistet, die an einer der Lidos aufgelegt haben.

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Am nächsten Tag war der ganze Spuk, wie man so sagt, vorbei und das süditalienische Sommerleben ging wieder seinen gewohnten Gang. Was bleibt mir also zu sagen?! Es war interessant zu sehen. Denn ich brauche nicht gläubige Katholikin zu sein, um das Spektakel zumindest aus der Position des Skeptikers oder Atheisten beobachten und gar genießen zu können. In der Geschichte spielt auch der Glauben und im Glauben eben der Kult eine große Rolle. Ich habe zumindest den zweiten Teil der Prozession (die ich aus meinem Miniheimatort nur von Ostern kenne) respektvoll und leider ohne Handy (d’oh!) betrachtet und neugierig verfolgt. Und es war interessant zu sehen und vor allem die Geschichte dahinter, die Legende hinter dem Brauch kennenzulernen. Und zum Rest?! Ich wollte schon immer einmal nachts am Strand feiern gehen!! 😀

Reisefieber – Die Taschen sind gepackt

So, meine Lieben. In 24 Stunden sitze dann auch schon “wieder” am Flughafen (bzw. bin auf dem Weg dahin) und reise der Sonne entgegen. Bei dieser Sommertristesse, die hier in den letzten Tagen herrscht, scheint mir das auch ausnehmend gut getimed. 😉

Mich erwarten 2 Wochen sole, mare und amore! (Sowie die beste Küche der Welt, juhu!) Und ich kann’s kaum erwarten, wenngleich ich noch nicht sicher bin, dass es nicht doch noch in eine Odyssee ausarten wird, denn dieses Mal lande ich so spät, dass nur noch zwei Züge weiterfahren am Abend.

Ich werde also um (planmäßig) 20 Uhr landen. Dann weiß ich (a) noch nicht, ob die Ticketverkaufsstelle für den Shuttle noch offen hat und muss, wenn nicht, erst einmal herausfinden, von welcher der beiden Haltestellen das nächste fährt. Dann (b) muss ich rechtzeitig am Bahnhof ankommen – die Freccia Rossa werde ich wahrscheinlich verpassen, den Regionalzug könnte ich kriegen. Allerdings wird der Ticketschalter sicher schon geschlossen sein bis ich da bin und für gewöhnlich kann man die Tickets für die Regionalzüge nicht am Automaten kaufen, weil diese, anders als die Regios, Teil der staatlichen Eisenbahnen sind……..Und (c) muss ich endlich aufhören, mich verrückt zu machen! 😀

Da werde ich wohl vor allem über meinen Schatten springen müssen und mit dem Zugschaffner mit meinem spärlichen, italienischen Sprachvermögen verhandeln müssen, mir das Ticket ausnahmsweise mal im Zug zu verkaufen. Zu sagen, dass ich auch davor Bammel hab, wäre stark untertrieben, ehrlich gesagt.

Nun ja. Im Zweifel muss eben mein Freund wieder zum Rettungseinsatz eilen. Kennt er ja schon. 😉

Jedenfalls muss ich in diesem Zusammenhang noch gestehen: Ich liebe mein Handy!

Handyreisereminder
Handyreisereminder

Stets drei Tage vor Abflug erinnert es mich mehrfach täglich daran, dass ich ja bald in Urlaub fliege. Nicht, dass ich einen Motivator bräuchte, aber es steigert die Vorfreude noch zusätzlich. Und zu guter Letzt ist mein Freund gerade dabei, uns eine Schlafmöglichkeit außerhalb des Familiendomizils zu organisieren, wenigstens für ein paar Tage bzw. Nächte. So haben wir endlich einmal wirklich Zeit zu zweit und können wenigstens unser Einjähriges nachfeiern.

Ich könnt‘ platzen vor Glück und Vorfreude, und hab vor lauter-lauter wahrscheinlich auch schon wieder viel zu viele Klamotten eingepackt:

All my bags are packed, I'm ready to leave
All my bags are packed, I’m ready to leave *siiiiing*

…kurze Hosen, lange Hosen (man kann ja nie wissen und ich bin ja ohnehin verfroren…), zwei Bikinis (zum Wechseln und je nach Tagesform) und ’nen nicht zu unterschätzenden Haufen T-Shirts. Und da ich ja zwei Wochen weg bin, hab ich natürlich auch noch mehr Kosmetik- bzw. Pflegeartikel eingepackt, als sonst. Plus das Geschenk zum Einjährigen! Also, ich fürchte, der Koffer wird nur mit Gewalt zugehen dieses Mal, aber macht nichts. Ich steh‘ in den Startlöchern und kann kaum an etwas anderes denken, als dass ich morgen Abend endlich in meiner Lieblingsstadt meines Lieblingslandes mit meinem Lieblingsmenschen vereint sein werde…

Ach, ja… Dieser bittersüße Nebeneffekt einer Fernbeziehung… 🙂

Ich freu mich auf endlich einmal wieder richtig Zeit zum Erholen, zum Blogs lesen und – hoffentlich – ganz viel zu schreiben zu sammeln!

Worauf freut Ihr euch im super-Sommermonat August so?

Vom Fremdenvorteil…

In Bezug auf meinen letzten Post zu der lebendigen Fischerei in Termoli, bzw. zu der verspeisten Frittura, ist mir noch ein kleiner Schwank eingefallen, den es zu erzählen lohnt.

Bei meinem mittlerweile vorletzten Besuch in Süditalien, aßen wir das erste Mal die Frittura aus dem gleichen kleinen Laden, den wir auch letztes Mal frequentiert haben. Damals kam es zu einem kleinen Missverständnis.

Der Laden ist nicht besonders groß, es stehen sechs oder acht kleine Tische darin, am Ende des Raumes die Ladentheke, in der die Fischgerichte ausgelegt sind. Zumindest die, die man kalt essen kann. Die Frittura wird dahinter in der Küche natürlich frisch zubereitet. In der Theke liegen Polposalat, marinierte Sardellen, gefüllte Tintenfische und Fischpolpette aus.

Jedenfalls war der Laden sonntags abends gut gefüllt, circa eine halbe Stunde vor Ladenschluss. Es war die erste Zeit in Richtung Sommer, warm und die Leute sind viel und lange auf der Straße unterwegs. Entsprechend voll war es eben auch in dem Lokal.

Sie haben dort einen kleinen Automaten aufgestellt, wo man Nummern ziehen kann, eben damit man, wenn’s voll ist, nicht den Überblick verliert. Wir haben das natürlich – eben auch, weil’s voll war – nicht gesehen, sind an die Theke gelaufen und als wir „an der Reihe“ waren, unsere Bestellung aufgegeben. Eine Frittura. Die Portionen sind groß genug, dass man mit etwas Brot dabei usw. locker zu zweit davon satt wird.

Die Bedienung meinte dann aber, dass die Frittura aus sei für den Tag. Wir entschieden also um, ich wollte ein bisschen hiervon, davon kaufen und probieren, damit ich – wenn ich schon mal am Meer war und frischen Fisch essen konnte – die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen ließ. Wir hatten noch 10 Euro in bar dabei und wollten für eben jene 10 Euro also etwas anderes anstelle der Frittura kaufen.

Frittura Fresca
Frittura Fresca

Während ich aussuchte und etwas rechnete, kam mein Freund mit einem anderen Paar ins Gespräch, auf die wohl eine der letzten Fritture reserviert war. Nachdem aber eben alles voller Kunden war und die Bestellungen hin und her gingen und uns dann gesagt wurde, dass die Frittura für heute aus sei, drückte uns eben jenes Paar kurz darauf ihr Ticket mit der Nummer in die Hand und sagte so etwas wie: „Nun, wenn die Frittura eh aus ist, brauchen wir auch nicht mehr länger zu warten.“

Leider war das aber ein Missverständnis. Denn die Meeresfrüchte hatten zum Zeitpunkt der Bestellung der beiden ja noch für zwei Portionen gereicht, erst als wir ankamen war damit aber dann eben nichts mehr.

Die beiden waren kaum verschwunden, kam die Bedienung und wollte ihnen ihre Frittura geben und wunderte sich dann, dass sie nicht mehr da waren. Wir konnten mit etwas Herumgeknote dann das Missverständnis aufklären, aber die beiden waren eben unwiderruflich weg, also nahmen wir die Frittura entgegen. Zwischenzeitlich hatte aber eine zweite Bedienung schon angefangen, meine weitere Auswahl in Schälchen zu verpacken.
Am Ende waren wir bei einer Summe von 12 Euro. Hatten aber eben nur noch diese besagten 10.

Wie gelegen kann es da also kommen, wenn man 1.) den einen Mitarbeiter in dem Lokal noch aus Schulzeiten kennt und 2.) mal eben schnell die Sprache switchen kann.

Mein Freund schaltete plötzlich um und sprach ein für mich unverständliches Kauderwelsch. Alles was ich davon verstand, war: „Lei è da fuori…“ Ich bin von außerhalb. War ja nicht gelogen, höchstens etwas untertrieben. Was es damit aber auf sich hatte, stellte ich erst später fest.

Nachdem Verlassen des Ladens meinte mein Freund dann zu mir: „Entschuldige bitte, dass ich dort drin plötzlich Dialekt gesprochen hab, aber ich musste denen klar machen, dass ich von hier bin, so haben wir immerhin einen 2-Euro-Sconto auf unsere Bestellung gekriegt…“ 🙂

Ich sagte darauf nur: „Och, Du, wenn die Masche funktioniert, machen wir das jetzt einfach immer. Du sprichst Dialekt und sagst, dass ich nicht von hier bin und Du mich die Spezialitäten der Gegend probieren lassen möchtest…“ 😀

Manchmal ist es schon ein Vorteil, von „außerhalb“ zu sein……………. 😉

Fisch, ganz frisch.

Ich bin ja nun schon wieder einige Tage am Countdown zählen, bis ich endlich das nächste Mal in den Flieger steigen werde, um meinen Lieblingsmenschen in meiner aktuellen Lieblingsstadt besuchen zu können. _20150704_143445 Mein nächster Besuch wird auch auf San Basso fallen, ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons von Termoli. Darüber freue ich mich schon, schreiben zu können…. 😉 Da wird ein Feuerwerk am Hafen geben, die Nacht wird bei Lagerfeuer und Vino am Strand verbracht. An besagtem Hafen waren wir bei meinem letzten Besuch in Termoli auch unterwegs. Nachts. Und sind mehr oder minder zufällig genau dann am Fischereihafen vorbei gekommen, als einige Fischer gerade zurückkamen, um ihren Fang direkt vom Boot in die Lastwägen und Transporter der Kunden zu laden, die den frischen Fisch am nächsten Tag in ihren Osterias, Trattorias und Restaurants anbieten würden. Manche Fischer haben auch ihre eigenen Lokale, wie die Familie, bei denen wir schon das Mal vorher und auch letztes Mal wieder, eine Frittura gekauft hat. Den Markt, wo der sonstige Fisch sonst direkt angeboten wird, haben wir dann allerdings verschlafen 😀

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Heimweh vs. Fernweh

Definition_FernwehDas blöde an Fernbeziehungen – zumal an einer, die über die Landesgrenzen hinaus geht – ist, dass man sich irgendwann in der eigenen Wohnung nicht mehr so richtig zu Hause fühlt. Irgendetwas fehlt einfach. Irgendwer fehlt einfach.

Irgendwie treibt einen der Gedanke nach dem Wiedersehen ständig um:
Wann? (Nie schnell genug.)
Wie lange? (Immer zu kurz.)
Wieso? (Ist ist die gemeinsame Zeit immer so schnell vorbei…)

Das Leben zu Hause gerät ein wenig in den Hintergrund, weil selbst die gemütlichste, eigenhändig eingerichtete Wohnung leblos erscheint, wenn man ständig von sehnsüchtigen Gedanken und Wünschen umgeben ist.

Natürlich hält man sein Leben aufrecht: Arbeiten, Freunde, Einkaufen. Das alles findet natürlich weiterhin statt, aber am Ende des Tages kommt alles auf diesen einen zentralen Punkt zurück: Wie lange soll oder kann das noch so weitergehen?

Ich stelle mir diese Frage in letzter Zeit häufiger. Nach einem Jahr. Ein weiteres haben wir uns gegeben, dann möchten wir unser Leben endlich gemeinsam führen. (Darüber berichte an anderer Stelle ausführlich.)

Immer wenn ich zurückkomme von verlängerten Wochenenden, Kurzurlauben, etc. folgt meinerseits der quasi-obligatorische Anruf bei meiner Mutter. „Ja, ich bin gut angekommen. Ja, mir geht es soweit gut…“

Was heißt soweit?

Soweit heißt, dass ich großes Heimweh habe. Nicht zwingend nach der Fremde. Kein wahres Fernweh also. Obwohl auch dies mich seit meinem Urlaub in Australien ein wenig plagt. Und obwohl auch dies sicher einen Teil zu unserer Entscheidung beigetragen hat, dass ich zu ihm, statt er zu mir ziehen werde.

Fernweh, der Wunsch nach einer einschneidenden, alles (einschließlich mich selbst) verändernden Erfahrung, die Herausforderung, mich in einem neuen, fremden Land zurechtzufinden, eine neue Kultur anzunehmen. Auch das hat ein wenig Besitz von mir ergriffen.

Das Heimweh allerdings, ist viel, viel schlimmer.

Definition_HeimwegDas liegt daran, dass Heimweh nicht zwingend an einen Ort gebunden ist.

Wenn meine Mutter mich also fragt, ob es mir gut gehe, dann meine ich mit „soweit ja“, dass ich einfach unglaubliches Heimweh nach meinem Freund, nach unserer Beziehung, unserer Zweisamkeit habe.

Natürlich mischt das Fernweh nach Meer und einer positiveren Lebenskultur gehörig mit.

Termoli
Termoli vom Hafen aus
(By Zitumassin (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons)
Aber das Heimweh ist ein nahezu zerstörerisches Element.

Ich begegne ihm mit gemischten Gefühlen, weil es mich einerseits dazu bringt, mir neue Ziele zu setzen. Mich motiviert, mich neuen Herausforderungen zu stellen und sie anzugehen.

Andererseits legt es mich gleichzeitig lahm, weil es eine unglaubliche Kraft ist, die mich dazu bringt, mein Leben, meinen Alltag, mein Handeln auf sich auszurichten.

Was davon schwerer wiegt? Das ist jeden Tag anders. Dank dem Heimweh weiß ich also auch nie, was ich am nächsten Tag von mir selbst zu erwarten habe.