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Sardinien

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Ein Griff ins Klo

Ein Griff ins Klo Weil man ja nicht immer nur von tollen Orten und Entdeckungen erzählen kann, will ich euch meinen Griff ins Klo auf Sardinien auf keinen Fall vorenthalten. Seit meinem Fehlgriff mit Castellana Grotte – wo ich, wie ich mittlerweile weiß, einfach nur am falschen Bahnhof ausgestiegen war – versuche ich, möglichst ohne Erwartungen zu reisen. Vor allem dann, wenn ich im Blindflug losfahre. Wie im Fall von Decimomannu. Weil ich nicht eine ganze Woche nur in Cagliari verbringen wollte, hab ich mir auf der Karte angeguckt, was denn so an Orten rundherum vielleicht spannend sein könnte. Bei Decimomannu hat mich vor allem der Name irgendwie gefesselt. Ein bisschen Recherche im Netz und ich dachte: Joa, scheint gar nicht mal so unschön zu sein. Vielleicht gibt’s da tatsächlich was zu entdecken. Um das Ganze abzukürzen: Nö. Gab’s nicht. Es gab nicht einmal ein Stadtzentrum. Nicht einmal ein kleines.…

Die Cagliaritani und ich, Teil 3

Die Cagliaritani und ich, Teil 3 Willkommen zurück bei meinen Beschreibungen vom mehr oder minder (un-) freiwilligen Kontakt mit den Einheimischen in Cagliari. Lest hier Die Cagliaritani und ich, Teil 1 Lest hier Die Cagliaritani und ich, Teil 2 Das Witzige an dieser dritten Begegnung war, mehr als die Begegnung selbst, dass sie perfekt getimed nach einer einstündigen Einführung meines Bekannten dort darüber passierte, wie schwer es wäre, das Eis mit den Cagliaritani zu brechen. Mal wieder die Tattoos In Neapel haben sie schon für Kopfschütteln gesorgt, in Bari wurde ich darauf angesprochen und in Alberobello hatte ich auch das  zweifelhafte Vergnügen, ihretwegen in ein Gespräch verwickelt zu werden. Ja, ich hab ein paar mehr Tattoos, als eure Kollegin mit dem Schmetterling auf dem Schulterblatt. Nein, ich kann sie teilweise schon längst nicht mehr verstecken. Je nach Jahreszeit was mehr, was weniger. Mein Bekannter begleitete mich in den Supermarkt, wo…

Sardinien und Cagliari

Sardinien Sardinien bietet für Touristen jede Menge Sehens- und Entdeckenswertes. Neben wunderschönen Stränden, die sogar im Oktober noch mit 20°+ zu locken wissen, vor allem viel Geschichte. Durch seine Lage im östlichen Mittelmeer lief Sardinien schon immer Gefahr, von fremden Völkern angegriffen und assimiliert zu werden. Kaum eine Nation, die sich Sardinien nicht zu irgendeinem Zeitpunkt angeeignet hätte. Erst die Phönizier aus Nordafrika, dann die Römer, Byzantiner, selbst die Araber haben hier gesiedelt. Später auch die schwäbischen Staufer, dann die Spanier, danach die österreichischen Habsburger und Savoyen. Erst die haben Sardinien an die Italiener abgetreten. Alle haben ihre Spuren in der Architektur, in der Lebensart, der Küche, Kultur und dem Selbstverständnis der Sarden hinterlassen. So bezeichnen sich die Sarden nicht nur nicht als Italiener, sie haben bis in die 1980er Jahre hinein auch immer wieder für eine vollständige Autonomie gekämpft. Im Grunde ist Sardinien ein Melting Pot der Kulturen und…

Fotografische Höhepunkte 2016

Ein Rückblick in Fotos Dezember ist Weihnachtsmonat und Jahreswechselmonat. Da ich aber zu Weihnachten und Silvester in Italien noch keine großen Informationen für euch habe, außerdem auch gar nicht sooo der Weihnachtsmensch bin und zwar noch gefühlte 1.000 Artikel darauf warten, geschrieben zu werden, ich aber kaum dazu komme vor lauter Arbeit, hab ich beschlossen, heute mal den Bildern das Sprechen zu überlassen. Fotoparade von Erkunde die Welt Beim Aussuchen meiner Fotos für diesen Beitrag, respektive für die Teilnahme an der Fotoparade von Erkunde die Welt, ist mir aufgefallen, dass ich seit August irgendwie so gar nicht mehr einfach mal nur gereist bin. Im Oktober war ich in Bari auf Wohnungssuche. Danach eine Woche in Cagliari. Davor zuletzt in Rom und seit ich nun fest in Bari bin, war ich erstmal auch nirgends mehr. Ich schätze das ist das, was alle meinen, wenn sie davon reden, dass uns alle irgendwann…

Die Cagliaritani und ich, Teil 2

Die Cagliaritani und ich, Teil 2

Weiter geht es mit Teil 2 aus Julia’s unfreiwillig absurd-komischen Begegnungen mit Menschen.

In Cagliari residierte ich einmal mehr per AirBnb. Was ich nicht wusste (und ehrlich gesagt einigermaßen panne fand) war, dass man die Küche in der Wohnung nicht benutzen durfte. Das war dem Wohnungsbesitzer vorbehalten – sogar der Kaffee wurde einem gekocht. Einigermaßen befremdlich. Zumal das morgens getan wurde, um 7.30 Uhr. Egal, wann man selbst aufstand.

Meine Begeisterung hielt sich einigermaßen in Grenzen, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Aber Gott sei Dank war schönes Wetter. Das glich das Ganze wieder aus. Und einen neuen Kunden habe ich in der Woche auch dazu gewonnen (Dual-Sim-Handy, ick liebe dir).

Trotzdem war ich jeden Morgen latent aufs Neue genervt, lauwarmen Kaffee trinken zu „müssen“ (für die Kapselmaschine (yayks) gab’s nur koffeinfreie Kapseln (Doppel-yayks)) und jeden Tag zwei Mahlzeiten außer Haus einzunehmen ging außer auf die Nerven auch noch auf den Geldbeutel – zumindest dann, wenn man nicht zwei Mal am Tag Pizza essen will.

A propos Pizza

Auf der Suche nach etwas Essbarem, außer Salat, den muss man ja nicht kochen, ging also, musste ich also die Straße in Richtung Innenstadt nehmen. Die, auf der ich bei einer meiner Erkundungstouren auf den Herren aus Teil 1 gestoßen bin.

Ein paar Wohnblocks weiter hatte ich dort nämlich Nahrungsquellen ausgemacht. Ein japanisches Restaurant, eine Pizzeria, ein Fischlokal, eine Bar (frischer Kaffee und waaarm!), daneben eine weitere Pizzeria und ein Tabakladen (ok, da gibt’s nichts Essbares (hab ich überprüft), ich wollt’s nur der Vollständigkeit halber erwähnt haben).

Es war nachmittags gegen Drei. Und ich die einzige Kundin. Da man mir sagte, dass es um diese Zeit schwer sein könnte, in Cagliari etwas zu essen zu kriegen, war ich froh, dass noch offen war und kehrte ohne lange nachzudenken (oder Zeit zu verschwenden) direkt in die erste Pizzeria ein.

… kennen wir uns?

Ich setzte grade an zu meiner Frage nach einer Pizza Margherita bzw. ob ich schon zu spät, der Ofen schon aus wäre, da begrüßte mich der gemütlich dreinblickende, dickbäuchige alte Inhaber mit den Worten: „Hast Du das von dem Lottogewinn gehört?“

Ähm.

Nach einer Sekunde der Überforderung – verwechselt der mich oder warum spricht er mit mir, als würde er mich schon ein Leben lang kennen? – erinnerte ich mich, dass ich am Vorabend noch einen Tweet über einen Rekord-Lottogewinn in Kalabrien gelesen hatte: 163,5 Millionen.

„Ja, den hat jemand in Kalabrien gewonnen“, antwortete ich geistesgegenwärtig aber innerlich immer noch verdattert. – „Ach ja?“

„Ja, wenn ich das nicht falsch verstanden habe, ich glaube schon … “

„Hast Du gehört, *Sohn, der Gewinner ist aus Kalabrien“, wandte er sich an den jungen Mann, der währenddessen hinter dem Tresen damit beschäftigt war, meine Pizza zu machen. Der murmelte was von das hab ich dir doch auch schon gesagt, warf mir einen verschmitzten Blick zu und schob meine Margherita in den Ofen.

„Na, die können es auch brauchen, da hat’s die Richtigen getroffen“, spielte *Vater währenddessen auf die kalabrische Wirtschaftslage an mich gewandt an. – „Oh, ja, absolut“, stimmte ich zu, „von dem Geld könnte man ganz Kalabrien, ach was sag ich, ganz Italien wirtschaftlich wiederherstellen und hätte immer mehr übrig, als man in einem Leben ausgeben könnte.“

„Darauf würde ich nicht wetten, da stehen dann ganz schnell die Verwandten und Freunde Schlange und jeder will etwas abhaben“, mischte sich jetzt auch der *Sohn ein. Pizza war ja im Ofen, da kann man mal mitschnacken.

„Und der, der ihnen den Lottoschein verkauft hat, will bestimmt auch was und der Staat will Steuern“, war *Vater überzeugt. – „Selbst dann ist das noch unglaublich viel Geld!“

Das Gespräch kam gerade zum Ende, als *Vater unvermittelt fragte: „Woher kommst Du eigentlich?“

Spaghetti alle vongole

„Ach, Du bist Deutsche? Letzten Monat war eine Gruppe Deutscher hier, die haben für 30 Euro gegessen und für 150 Euro getrunken!“ Er war begeistert. 😀 Glaube ich. 😀

Nachdem ich also erklärt hatte, woher ich sei und was ich in Cagliari machte, klagte ich meinem neuen Freund erst einmal mein Leid darüber, dass ich in meiner Unterkunft ja die Küche nicht benutzen dürfe. „Wir werden uns in den nächsten Tagen wohl noch öfter sehen“, sagte ich halb im Scherz, halb im Ernst.

Er bedeutete mir, dass ich jederzeit willkommen sei. (Na wenigstens das! 😉 ) Und dass ich gern schon Morgen wieder kommen könne. (Logisch, ich bring ja Kohle. 😀 )

Man kann ja aber nun wirklich nicht jeden Tag (zwei Mal) Pizza essen. Also. Klar, kann man, aber ihr wisst schon …

Das sagte ich ihm ziemlich genau so, woraufhin er nur sagte: „Ich mach‘ Dir Spaghetti alle vongole!“ Seine Augen leuchteten, als er davon erzählte, dass er sie frisch vom Fischer bekäme. Meine zugegebenermaßen dann auch. Denn für Tiefkühlmuscheln muss ich nicht ans Meer fahren.

Nachdem ich meine Pizza artig verspeist und noch so manches Gesprächsthema mehr oder minder erfolgreich bestritten hatte, verabschiedete *Vater mich nach dem Bezahlen mit einem festen Händedruck und schwor mich noch mal auf die Spaghetti alle vongole ein.

Was soll ich mit dem Löffel?

Ich hatte die darauffolgenden Tage irgendwie schlechtes Timing. Jedes Mal, wenn ich vorbeilief, war die Pizzeria geschlossen. Erst am vorletzten Tag hatte ich nochmal Glück.

Ich war noch nicht richtig im Laden drin, da entdeckte *Vater mich von hinter der Theke, kam dahinter vor, steuerte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf mich zu und begrüßte mich mit den Worten: „Spaghetti alle vongole?“

Na, aber Hallo! 😉

Er bereitete mir die Spaghetti mit Venusmuscheln frisch zu. Mit Knoblauch. Viel Knoblauch! Sehr viel Knoblauch! Wow, hab ich gestunken hinterher! 😀 Zum „Glück“ musste ich ja aber niemanden mehr küssen an dem Tag. (Und an allen anderen auch nicht. 😛 )

Ein bisschen beleidigt war ich, als er mir das Besteck hinlegte. Was zur Hölle soll ich mit einem Löffel?

Erst dachte ich noch, dass das Besteck ja vielleicht schon so vorbereitet gewesen war. Als dann aber am Nachbartisch drei Sarden ebenfalls Spaghetti alle vongole bestellt haben und er ihnen jeweils nur die Gabel hinlegte und fragte, ob sie einen Löffel wollten, wusste ich: Das Klischee, wonach Deutsche Spaghetti nicht ohne Löffel essen (können), hält sich hartnäckig!

Pöh! 😉

Beim Gehen – ich hatte für die wirklich große Portion Spaghetti („Ich hätte nicht gedacht, dass Du alles aufisst“, Zitat *Vater) plus ein Wasser und einen Kaffee 12 € bezahlt, was echt mehr als ok ist – drückte *Vater mir die Hand, umfasste sie mit der andern und schüttelte sie mir herzlich. Er wünschte mir eine gute Reise und bat mich, auf jeden Fall nochmal wieder zu kommen, sollte es mich nochmal wieder nach Cagliari verschlagen.

Aber klar das! 🙂

Die Cagliaritani und ich, Teil 1

Die Cagliaritani und ich, Teil 1 Man kann mich aber nun auch wirklich nicht alleine lassen. Irgendwie schaff ich es dann doch immer, mich in absurde, zwischenmenschliche Situationen hineinzumanövrieren. (A propos, absurd – das Wort gebrauche ich nahezu inflationär, seit Italienisch sozusagen meine zweite Alltagssprache geworden ist. Absurd. 😉 ) So geschehen jedenfalls und unvermeidlich also auch in Cagliari. Und das obwohl man den Sarden nachsagt, sie seien nicht so kontaktfreudig und aufgeschlossen, wie beispielsweise die Süditaliener. (Weil, Sarden sind ja nun mal keine Italiener – hatten wir schon. 😉 ) Tatsächlich begrüßt man sich auch nicht schon beim zweiten Treffen im Leben mit Küsschen-links-Küsschen-rechts. Der gewöhnliche Sarde braucht dafür doch mehr Anlaufzeit. Eine Eigenschaft, die besonders bei Deutschen auf Wohlgefallen stoßen dürfte. Dass ich es nun dennoch geschafft habe, (ohne größeres Zutun) bei immerhin vier Cagliaritani das Eis zu brechen, betrachte ich aufgrund dessen als eine beachtliche Mammutleistung. Und…

In Cagliari ist der Teufel los

In Cagliari ist der Teufel los Halten wir fest: Italien ist ein katholisches Land. Wie zwischen den Vatikan und das Küssen von Kruzifixen noch Verwünschungen passen, die alle Heiligen und verstorbenen Ahnen verfluchen, erklärt sich zwar auf den ersten Blick nicht so richtig. Aber das kann man ja irgendwie erstmal unter „kulturelle Eigenheit“ verbuchen. Halten wir außerdem fest, dass im katholischen Glauben der Teufel und seine Dämonen das ultimative Böse verkörpern. Man meidet sie … nun ja, wie der Leibhaftige höchstpersönlich eben das destillierte gesegnete Weihwasser. Umso merkwürdiger erscheint es da, dass der Höllenfürst in Cagliari fast schon omnipräsent ist. Man könnte nun sagen, dass das daran liegt, dass Sardinien ja nicht zu Italien gehört – also, formell schon, aber es hat sich eine gewisse Autonomie bewahrt und die Sarden selbst fühlen sich auch nicht als Italiener. (Wenn ihr also bei einem Sarden so richtig punkten wollt, sprecht dort nicht von…

Villasimius

Villasimius Der Bus schlängelt sich die Hügel hoch. Passiert ein verschlafenes Nest nach dem anderen. Mein Ziel? Villasimius. Eine kleine Stadt oder eher ein Dorf im sardischen Hinterland. Ich sitze auf der rechten Seite des Busses. Die Fenster geben den Blick frei auf die Küste. Felsen und Sand wechseln sich ab. Kleine Buchten liegen zwischen Hügeln und Bergen. Hier und da ein paar Sonnenanbeter, die die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres noch mitnehmen wollen. Es ist Sonntag. Obendrein auch noch Feiertag. „Tutti al mare“ ist hier kein bloßer Spruch. Es ist eine Lebenseinstellung. Zumal, wenn das Wetter noch so gut mitspielt wie in diesen Tagen. Bis auf 24 Grad klettert das Thermometer. Ich genieße den Ausblick und die Sonnenstrahlen, deren Kraft durch die Fensterscheiben um einiges potenziert wird. Irgendwie scheint der mächtige Reisebus nicht so recht in die dörfliche Idylle hineinzupassen, während er die Straßen hochpoltert. Nach etwa eineinhalb Stunden…