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Sardinien

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Ein Griff ins Klo

Ein Griff ins Klo

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Weil man ja nicht immer nur von tollen Orten und Entdeckungen erzählen kann, will ich euch meinen Griff ins Klo auf Sardinien auf keinen Fall vorenthalten.

Seit meinem Fehlgriff mit Castellana Grotte – wo ich, wie ich mittlerweile weiß, einfach nur am falschen Bahnhof ausgestiegen war – versuche ich, möglichst ohne Erwartungen zu reisen. Vor allem dann, wenn ich im Blindflug losfahre. Wie im Fall von Decimomannu.

Weil ich nicht eine ganze Woche nur in Cagliari verbringen wollte, hab ich mir auf der Karte angeguckt, was denn so an Orten rundherum vielleicht spannend sein könnte.

Bei Decimomannu hat mich vor allem der Name irgendwie gefesselt.

Ein bisschen Recherche im Netz und ich dachte: Joa, scheint gar nicht mal so unschön zu sein. Vielleicht gibt’s da tatsächlich was zu entdecken.

DecimomannuUm das Ganze abzukürzen: Nö. Gab’s nicht.

Es gab nicht einmal ein Stadtzentrum. Nicht einmal ein kleines.

Google Maps zeigte mir bei entsprechender Eingabe nur eine größere Fläche an, die ich auch brav ablief. Aber wohin ich auch ging, welche Straße ich auch nahm, nirgends war eine größere Piazza oder irgendetwas, das als Zentrum des Ortes hätte durchgehen können.

Ich verbrachte in etwa eine Stunde in Decimomannu. Zwanzig Minuten davon gingen alleine für den Weg zurück zum Bahnhof drauf.

Wenn ihr also wissen wollt, was ihr in Südsardinien wirklich nicht sehen müsst, dann ist es Decimomannu. 😀

Die Cagliaritani und ich, Teil 3

Die Cagliaritani und ich, Teil 3

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Willkommen zurück bei meinen Beschreibungen vom mehr oder minder (un-) freiwilligen Kontakt mit den Einheimischen in Cagliari.

Lest hier Die Cagliaritani und ich, Teil 1
Lest hier Die Cagliaritani und ich, Teil 2

Das Witzige an dieser dritten Begegnung war, mehr als die Begegnung selbst, dass sie perfekt getimed nach einer einstündigen Einführung meines Bekannten dort darüber passierte, wie schwer es wäre, das Eis mit den Cagliaritani zu brechen.

Mal wieder die Tattoos

In Neapel haben sie schon für Kopfschütteln gesorgt, in Bari wurde ich darauf angesprochen und in Alberobello hatte ich auch das  zweifelhafte Vergnügen, ihretwegen in ein Gespräch verwickelt zu werden.

  • Ja, ich hab ein paar mehr Tattoos, als eure Kollegin mit dem Schmetterling auf dem Schulterblatt.
  • Nein, ich kann sie teilweise schon längst nicht mehr verstecken. Je nach Jahreszeit was mehr, was weniger.

Mein Bekannter begleitete mich in den Supermarkt, wo ich mich für die Abende in der Küchenverbotszone (alias meine AirBnB-Unterkunft) mit Salat und Co. eindecken wollte.

Nach dem Bezahlen entdeckte ich beim Rausgehen eine an den Supermarkt angeschlossene Bar. Ich bot meinem Begleiter für seine Hilfe und Hilfsbereitschaft einen Kaffee an und er willigte ein. Also schleppten wir die Tüten zur Bar und ich konnte nicht umhin, auf den tätowierten Arm des Baristas zu schielen.

Als er zu uns kam, um uns nach unserer Bestellung zu fragen, entdeckte er natürlich auch meine Tattoos und wir sagten gleichzeitig: „Schöne Tattoos.“ Gefolgt von Lachen ob der ungeplanten Simultanität.

So viel zum Thema, das Eis zu brechen dauert lang.

Der obligatorische Teil

Obligatorischer Weise folgte die Frage, ob mein Begleiter mein Partner wäre.

Als ich das verneinte, folgte die ebenfalls obligatorische Fachsimpelei unter Tätowierten bis hin zur Empfehlung der Tattoo-Convention in Cagliari. Mal sehen, vielleicht schaff ich’s, die mitzunehmen.

Wiedersehen macht Freude

Weil mein Bekannter über die Feiertage nach Hause fuhr, betrachtete ich die Bar im Supermarkt als neue Anlaufstelle und besuchte den Barista noch ein weiteres Mal im Laufe der Woche.

Nachdem er mir dann schon zum zweiten Mal den Kaffee ausgegeben hat, versprach ich ihm, an meinem letzten Tag nochmal zum Verabschieden vorbeizukommen. Ich fragte ihn nach seiner Schicht und wollte zwei Tage später vor 15 Uhr nochmal wiederkommen, um Tschüss zu sagen.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

Leider muss ich zu meiner Beschämung gestehen, dass ich es nicht rechtzeitig geschafft hab. Ich war an dem besagten Tag mit meinem mittlerweile nach Cagliari zurückgekehrten Bekannten unterwegs, Mittagessen.

Bis wir fertig waren, war die Schicht des Baristas längst zu Ende.

Seither plagt mich ein latent schlechtes Gewissen.

Aber vielleicht krieg ich ja bei der Tattoo-Convention in Cagliari die Gelegenheit, mich für mein sang- und klangloses Verschwinden zu entschuldigen …

Sardinien und Cagliari

Sardinien

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Sardinien bietet für Touristen jede Menge Sehens- und Entdeckenswertes. Neben wunderschönen Stränden, die sogar im Oktober noch mit 20°+ zu locken wissen, vor allem viel Geschichte.

Durch seine Lage im östlichen Mittelmeer lief Sardinien schon immer Gefahr, von fremden Völkern angegriffen und assimiliert zu werden. Kaum eine Nation, die sich Sardinien nicht zu irgendeinem Zeitpunkt angeeignet hätte. Erst die Phönizier aus Nordafrika, dann die Römer, Byzantiner, selbst die Araber haben hier gesiedelt. Später auch die schwäbischen Staufer, dann die Spanier, danach die österreichischen Habsburger und Savoyen. Erst die haben Sardinien an die Italiener abgetreten.

Alle haben ihre Spuren in der Architektur, in der Lebensart, der Küche, Kultur und dem Selbstverständnis der Sarden hinterlassen. So bezeichnen sich die Sarden nicht nur nicht als Italiener, sie haben bis in die 1980er Jahre hinein auch immer wieder für eine vollständige Autonomie gekämpft.

Im Grunde ist Sardinien ein Melting Pot der Kulturen und Völker. Viele Einflüsse, die es in andere Regionen Italiens niemals geschafft haben. Sei es, weil es Seefahrervölker waren oder weil sie am Festland auf zu große und starke Gegenwehr gestoßen sind und unterlegen waren.

Wissenswertes zu Sardinien

  • Die sardische Flagge ist berühmt. Ein rotes Kreuz auf weißem Grund und vier Köpfe in jedem Feld. Und sie ist noch heute Zeuge dieses Hin und Hers, das Sardinien im Laufe seiner Besiedelungsgeschichte durchgemacht hat. Das Motiv soll auf den spanischen König Peter I. von Aragón zurückgehen. Die vier Maurenköpfe symbolisieren die erfolgreiche Rückeroberung Sardiniens durch die Spanier aus den Händen der Mauren.

    Sardische Flagge
    Sie sollten künftigen Angreifern zur Abschreckung dienen – wir schlagen euch die Köpfe ab!
  • Mir wurde erzählt, dass Sardinien einmal – ähnlich wie Australien – eine Gefängnisinsel war. Denn ohne Boote waren die Gefangenen nicht in der Lage, die Insel zu verlassen.

Seit 19 n. Chr. die befreiten Juden von Herrscher Tiberius per klassischem Urteilsspruch „ich verbanne dich nach Sardinien“, den man in einigen Filmen aus den 50er Jahren noch hören kann, mit der Deportation auf die Insel bestraft wurden, hat die Vorstellung von Sardinien als wildes, unwirtliches Land, das von „Barbaren“ bewohnt ist und in der Geschichte nur am Rande eine Rolle spielt, zwei Jahrtausende überstanden. Quelle

Der Vorteil der Lage Sardiniens heute

Heutzutage kommen Überfälle durch fremde Nationen eher selten vor. Wenn man von den regelmäßigen Touristenströmen einmal absieht. 😉 Aber die tun ja in der Regel niemandem was.

Dafür haben sie erkannt, dass der ehemals militärisch strategische Vorteil der Lage Sardiniens auch ihnen zum Vorteil gereichen kann. Sardinien ist nur etwa 200 km über’s Tyrrhenische Meer von der Toskana entfernt, von Korsika gerade einmal 12 km (im Norden). Tunesien ist ebenso ein Katzensprung von weniger als 200 km im Süden und auch nach Menorca kann man es in einem Tag schaffen.

Inselhopping über Korsika bis hin zur Inselkette rund um Elba und dann eine Tour durch die Toskana ist ein Klacks.

Dank zahlreicher Flughäfen, die auch von Low-Fare-Airlines angeflogen werden, sind diverse andere Städte auf dem Festland Italiens, Frankreichs oder Afrikas ebenfalls in wenigen Stunden erreichbar.

Und mit den beiden Bahnbetriebe (Ferrovie dello Stato, Ferrovie della Sardegna) kann man sogar die ganze Insel innert weniger Tage befahren.

Rundreise, kein Problem.

Cagliari

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Ich kann natürlich nur davon erzählen, was euch in Cagliari erwartet. Da wären zunächst einmal viele Hügel. Besonders, wenn ihr den historischen Stadtteil besichtigen möchtet, müsst ihr euch auf ein paar Bergwanderungen gefasst machen. Aber für die Gehfaulen oder die, die schlecht zu Fuß sind, stehen an mehreren Punkten auch Aufzüge zur Verfügung. Die bringen Euch hoch und wieder runter und lassen euch das Panorama über die Bucht vor Cagliari oder über die Viertel am Fuß des Berges – je nachdem, auf welcher Seite ihr euch befindet – genießen. Außer ihr habt’s nicht so mit Höhen. Dann – wörtlich – Augen zu und durch. 😉 So wie ich. 😀

Das historische Viertel erlaubt von unterschiedlichen Punkten aus einen Ausblick über die gesamte Stadt. Oben könnt ihr viele Kirchen (darunter eine russisch-orthodoxe) besichtigen, ein ehemaliges jüdisches Ghetto (aus dem Mittelalter, unsereins hat damit nichts zu tun) und weitere historische Überbleibsel, wie etwa den Elefantenturm.

Darin ist noch immer ein Stadttor aus Eisen, unter dem ihr durchlaufen müsst, wenn ihr wieder den Berg runter wollt. Mir hat’s ein mulmiges Gefühl gemacht. Auch, weil diese verdammten Spitzen gefährlich genug aussehen. Das Tor ist aber angeblich gesichert. Jedenfalls sind an dem Tag weder mir noch anderen Spaziergängern oder Autofahrern was passiert.

In Cagliari könnt ihr abgesehen vom historischen Stadtkern auch einen tollen Strand besuchen. Je nach Wetterlage und Saison zum Baden oder einfach nur, um die gute Meerluft und den Ausblick auf das Teufelsjoch genießen. Vom Stadtzentrum (Bahnhof) mit dem Bus sind das etwa 10 – 15 Minuten.

Auch die Hafenpromenade lädt zum Spaziergang ein. Und wenn mal grade eine Festivität ansteht, könnt ihr hier lokale Leckereien probieren und kaufen. Ich hab mich für Schokolade mit Orangen- und Erdbeergeschmack entschieden. Und ein bisschen selbstgemachte Torrone hab ich obendrauf geschenkt gekriegt. Außerdem hab ich sardisches Craftbeer probiert. War auch sehr lecker. Besser, fand ich, als das berühmte Ichnusa.

Die Hafenpromenade ist übrigens auch nachts ein sehr schöner Ort für einen Absacker oder, um ein paar Schritte zu gehen.

Um Cagliari herum

Wenn ihr euren Urlaub vorrangig im Süden Sardiniens verbringen wollt, dann rate ich euch dazu, die Orte und Ziele rund um Cagliari gleich noch mitzunehmen. Mit den Bussen und Bahnen kommt ihr auch in entlegenere Gegenden, wie etwa Villasimius oder Oristano, wo das Meer wunderschön sein soll.

Andernfalls könnt ihr auch Sassari in vier Stunde mit dem Zug erreichen. Oder eben gleich die ganze Insel per Bahn erkunden. Dafür solltet ihr aber pro Ort einen oder zwei Tage einplanen.

Fotografische Höhepunkte 2016

Ein Rückblick in Fotos

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Dezember ist Weihnachtsmonat und Jahreswechselmonat. Da ich aber zu Weihnachten und Silvester in Italien noch keine großen Informationen für euch habe, außerdem auch gar nicht sooo der Weihnachtsmensch bin und zwar noch gefühlte 1.000 Artikel darauf warten, geschrieben zu werden, ich aber kaum dazu komme vor lauter Arbeit, hab ich beschlossen, heute mal den Bildern das Sprechen zu überlassen.

Fotoparade von Erkunde die Welt

Beim Aussuchen meiner Fotos für diesen Beitrag, respektive für die Teilnahme an der Fotoparade von Erkunde die Welt, ist mir aufgefallen, dass ich seit August irgendwie so gar nicht mehr einfach mal nur gereist bin.

Im Oktober war ich in Bari auf Wohnungssuche. Danach eine Woche in Cagliari. Davor zuletzt in Rom und seit ich nun fest in Bari bin, war ich erstmal auch nirgends mehr. Ich schätze das ist das, was alle meinen, wenn sie davon reden, dass uns alle irgendwann der Alltag wieder einholt.

Gut, dass ich fürs kommende Jahr schon ein paar Ziele und Pläne gemacht hab. Und iiiirgendwann werden sicher auch die noch nicht geschriebenen Beiträge zu Cagliari und Umgebung, Bergamo, sowie noch fehlende Artikel zu Rom fertig. 😉

Michael macht den Blog Erkunde die Welt und hat für diese Fotoparade sechs Kategorien (tierisch, berühmt, gewachsen, nachts, Gebäude und schönstes Foto) vorgegeben, wozu man je ein Bild der letzten sechs Monate auswählen soll. Nun war ich die letzten sechs Monate allerdings nur in Rom und Cagliari und Umgebung unterwegs, darum beschränkt sich mein Rückblick auf drei Stationen: Rom, Cagliari und Villasimius.

  • Mein Foto der Kategorie „tierisch“

Da mich viele meiner Reisen eher in die Städte ziehen, ist es mit tierischen Motiven nicht allzu weit her bei mir. Ich dachte zunächst an das Bild, auf dem eine Statue von Vittorio Emanuele II. einer Möwe als Raststätte dient. Aber dieses hier gefiel mir dann irgendwie doch besser. Der Vogel sieht auf den ersten Blick nämlich aus wie ein Handy. 😀 Findet ihr nicht?
  • Mein Foto der Kategorie „berühmt“

Das Bild hab ich gewählt, weil … wenn es mal ein berühmtes Motiv in Rom gibt (eins, höhö), dann ist das ganz klar der Petersdom.
  • Mein Foto der Kategorie „gewachsen“

Flora ist schon wieder eher ein Metier, in dem ich mich eher Zuhause fühle, als in der Fauna. Da hatte ich dann auch einiges zur Auswahl. Aber von diesem Foto war ich schon in dem Moment begeistert, als ich es geschossen hab. Darum ist es nur fair, dass es hier seinen Platz bekommt.
  • Mein Foto der Kategorie „nachts“

Dieses Foto habe ich deshalb für die Kategorie „nachts“ gewählt, weil es im Grunde eine Art optische Täuschung ist, die ich mit der Kamera eingefangen habe. Es könnte durchaus nachts oder am späteren Abend entstanden sein, aber es ist hier nicht der Mond, der das Meer in einen silbrigen Schimmer taucht, sondern die Sonne. Ich hab’s also geschafft, eine Nachtaufnahme am helllichten Tag zu knipsen. Das darf man ruhig mal komplimentieren. 😛
  • Mein Foto der Kategorie „Gebäude“

Zählt ein uralter Verteidigungs- oder Festungsturm als Gebäude? Ich finde schon. Erst recht, wenn er in einer so unendlich coolen Kulisse steht!
  • Mein Foto der Kategorie „schönstes Foto“

Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachter. Für mich ist das hier aber eindeutig das schönste Bild, das ich in den letzten sechs Monaten geschossen hab. Klassischer No-Filter-Hashtag-Fall.

Ich bin sicher kein Top-Fotograf und von Belichtungszeiten oder Nachbearbeitung versteh ich nur im Ansatz und rein theoretisch was. Und das auch nur, weil sich ein Freund von mir mal die Mühe gemacht hat, mir das zu erklären. Trotzdem finde ich, ist mir die Auswahl doch einigermaßen gut gelungen, oder? Welches Foto gefällt euch am besten?

Die Cagliaritani und ich, Teil 2

Die Cagliaritani und ich, Teil 2

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Weiter geht es mit Teil 2 aus Julia’s unfreiwillig absurd-komischen Begegnungen mit Menschen.

In Cagliari residierte ich einmal mehr per AirBnb. Was ich nicht wusste (und ehrlich gesagt einigermaßen panne fand) war, dass man die Küche in der Wohnung nicht benutzen durfte. Das war dem Wohnungsbesitzer vorbehalten – sogar der Kaffee wurde einem gekocht. Einigermaßen befremdlich. Zumal das morgens getan wurde, um 7.30 Uhr. Egal, wann man selbst aufstand.

Meine Begeisterung hielt sich einigermaßen in Grenzen, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Aber Gott sei Dank war schönes Wetter. Das glich das Ganze wieder aus. Und einen neuen Kunden habe ich in der Woche auch dazu gewonnen (Dual-Sim-Handy, ick liebe dir).

Trotzdem war ich jeden Morgen latent aufs Neue genervt, lauwarmen Kaffee trinken zu „müssen“ (für die Kapselmaschine (yayks) gab’s nur koffeinfreie Kapseln (Doppel-yayks)) und jeden Tag zwei Mahlzeiten außer Haus einzunehmen ging außer auf die Nerven auch noch auf den Geldbeutel – zumindest dann, wenn man nicht zwei Mal am Tag Pizza essen will.

A propos Pizza

Auf der Suche nach etwas Essbarem, außer Salat, den muss man ja nicht kochen, ging also, musste ich also die Straße in Richtung Innenstadt nehmen. Die, auf der ich bei einer meiner Erkundungstouren auf den Herren aus Teil 1 gestoßen bin.

Ein paar Wohnblocks weiter hatte ich dort nämlich Nahrungsquellen ausgemacht. Ein japanisches Restaurant, eine Pizzeria, ein Fischlokal, eine Bar (frischer Kaffee und waaarm!), daneben eine weitere Pizzeria und ein Tabakladen (ok, da gibt’s nichts Essbares (hab ich überprüft), ich wollt’s nur der Vollständigkeit halber erwähnt haben).

Es war nachmittags gegen Drei. Und ich die einzige Kundin. Da man mir sagte, dass es um diese Zeit schwer sein könnte, in Cagliari etwas zu essen zu kriegen, war ich froh, dass noch offen war und kehrte ohne lange nachzudenken (oder Zeit zu verschwenden) direkt in die erste Pizzeria ein.

… kennen wir uns?

Ich setzte grade an zu meiner Frage nach einer Pizza Margherita bzw. ob ich schon zu spät, der Ofen schon aus wäre, da begrüßte mich der gemütlich dreinblickende, dickbäuchige alte Inhaber mit den Worten: „Hast Du das von dem Lottogewinn gehört?“

Ähm.

Nach einer Sekunde der Überforderung – verwechselt der mich oder warum spricht er mit mir, als würde er mich schon ein Leben lang kennen? – erinnerte ich mich, dass ich am Vorabend noch einen Tweet über einen Rekord-Lottogewinn in Kalabrien gelesen hatte: 163,5 Millionen.

„Ja, den hat jemand in Kalabrien gewonnen“, antwortete ich geistesgegenwärtig aber innerlich immer noch verdattert. – „Ach ja?“

„Ja, wenn ich das nicht falsch verstanden habe, ich glaube schon … “

„Hast Du gehört, *Sohn, der Gewinner ist aus Kalabrien“, wandte er sich an den jungen Mann, der währenddessen hinter dem Tresen damit beschäftigt war, meine Pizza zu machen. Der murmelte was von das hab ich dir doch auch schon gesagt, warf mir einen verschmitzten Blick zu und schob meine Margherita in den Ofen.

„Na, die können es auch brauchen, da hat’s die Richtigen getroffen“, spielte *Vater währenddessen auf die kalabrische Wirtschaftslage an mich gewandt an. – „Oh, ja, absolut“, stimmte ich zu, „von dem Geld könnte man ganz Kalabrien, ach was sag ich, ganz Italien wirtschaftlich wiederherstellen und hätte immer mehr übrig, als man in einem Leben ausgeben könnte.“

„Darauf würde ich nicht wetten, da stehen dann ganz schnell die Verwandten und Freunde Schlange und jeder will etwas abhaben“, mischte sich jetzt auch der *Sohn ein. Pizza war ja im Ofen, da kann man mal mitschnacken.

„Und der, der ihnen den Lottoschein verkauft hat, will bestimmt auch was und der Staat will Steuern“, war *Vater überzeugt. – „Selbst dann ist das noch unglaublich viel Geld!“

Das Gespräch kam gerade zum Ende, als *Vater unvermittelt fragte: „Woher kommst Du eigentlich?“

Spaghetti alle vongole

„Ach, Du bist Deutsche? Letzten Monat war eine Gruppe Deutscher hier, die haben für 30 Euro gegessen und für 150 Euro getrunken!“ Er war begeistert. 😀 Glaube ich. 😀

Nachdem ich also erklärt hatte, woher ich sei und was ich in Cagliari machte, klagte ich meinem neuen Freund erst einmal mein Leid darüber, dass ich in meiner Unterkunft ja die Küche nicht benutzen dürfe. „Wir werden uns in den nächsten Tagen wohl noch öfter sehen“, sagte ich halb im Scherz, halb im Ernst.

Er bedeutete mir, dass ich jederzeit willkommen sei. (Na wenigstens das! 😉 ) Und dass ich gern schon Morgen wieder kommen könne. (Logisch, ich bring ja Kohle. 😀 )

Man kann ja aber nun wirklich nicht jeden Tag (zwei Mal) Pizza essen. Also. Klar, kann man, aber ihr wisst schon …

Das sagte ich ihm ziemlich genau so, woraufhin er nur sagte: „Ich mach‘ Dir Spaghetti alle vongole!“ Seine Augen leuchteten, als er davon erzählte, dass er sie frisch vom Fischer bekäme. Meine zugegebenermaßen dann auch. Denn für Tiefkühlmuscheln muss ich nicht ans Meer fahren.

Nachdem ich meine Pizza artig verspeist und noch so manches Gesprächsthema mehr oder minder erfolgreich bestritten hatte, verabschiedete *Vater mich nach dem Bezahlen mit einem festen Händedruck und schwor mich noch mal auf die Spaghetti alle vongole ein.

Was soll ich mit dem Löffel?

Ich hatte die darauffolgenden Tage irgendwie schlechtes Timing. Jedes Mal, wenn ich vorbeilief, war die Pizzeria geschlossen. Erst am vorletzten Tag hatte ich nochmal Glück.

Ich war noch nicht richtig im Laden drin, da entdeckte *Vater mich von hinter der Theke, kam dahinter vor, steuerte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf mich zu und begrüßte mich mit den Worten: „Spaghetti alle vongole?“

Na, aber Hallo! 😉

Er bereitete mir die Spaghetti mit Venusmuscheln frisch zu. Mit Knoblauch. Viel Knoblauch! Sehr viel Knoblauch! Wow, hab ich gestunken hinterher! 😀 Zum „Glück“ musste ich ja aber niemanden mehr küssen an dem Tag. (Und an allen anderen auch nicht. 😛 )

Ein bisschen beleidigt war ich, als er mir das Besteck hinlegte. Was zur Hölle soll ich mit einem Löffel?

Erst dachte ich noch, dass das Besteck ja vielleicht schon so vorbereitet gewesen war. Als dann aber am Nachbartisch drei Sarden ebenfalls Spaghetti alle vongole bestellt haben und er ihnen jeweils nur die Gabel hinlegte und fragte, ob sie einen Löffel wollten, wusste ich: Das Klischee, wonach Deutsche Spaghetti nicht ohne Löffel essen (können), hält sich hartnäckig!

Pöh! 😉

Beim Gehen – ich hatte für die wirklich große Portion Spaghetti („Ich hätte nicht gedacht, dass Du alles aufisst“, Zitat *Vater) plus ein Wasser und einen Kaffee 12 € bezahlt, was echt mehr als ok ist – drückte *Vater mir die Hand, umfasste sie mit der andern und schüttelte sie mir herzlich. Er wünschte mir eine gute Reise und bat mich, auf jeden Fall nochmal wieder zu kommen, sollte es mich nochmal wieder nach Cagliari verschlagen.

Aber klar das! 🙂

Die Cagliaritani und ich, Teil 1

Die Cagliaritani und ich, Teil 1

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Man kann mich aber nun auch wirklich nicht alleine lassen. Irgendwie schaff ich es dann doch immer, mich in absurde, zwischenmenschliche Situationen hineinzumanövrieren.

(A propos, absurd – das Wort gebrauche ich nahezu inflationär, seit Italienisch sozusagen meine zweite Alltagssprache geworden ist. Absurd. 😉 )

So geschehen jedenfalls und unvermeidlich also auch in Cagliari. Und das obwohl man den Sarden nachsagt, sie seien nicht so kontaktfreudig und aufgeschlossen, wie beispielsweise die Süditaliener. (Weil, Sarden sind ja nun mal keine Italiener – hatten wir schon. 😉 ) Tatsächlich begrüßt man sich auch nicht schon beim zweiten Treffen im Leben mit Küsschen-links-Küsschen-rechts. Der gewöhnliche Sarde braucht dafür doch mehr Anlaufzeit. Eine Eigenschaft, die besonders bei Deutschen auf Wohlgefallen stoßen dürfte.

Dass ich es nun dennoch geschafft habe, (ohne größeres Zutun) bei immerhin vier Cagliaritani das Eis zu brechen, betrachte ich aufgrund dessen als eine beachtliche Mammutleistung. Und als Überraschung. Selbst meinem persönlichen Haus-und-Hof-Sarden kam das höchst ungewöhnlich vor. Will also was heißen. Irgendwie.

Erste, zarte Bande

Den ersten Kontakt mit einem Cagliaritano abgesehen von meinem Bekannten (und ja, ich hab tatsächlich so viele Bekannte und Freunde in Italien, ich such mir die nicht bewusst, das passiert einfach und das ist gut so!) hatte ich am – ich glaube ungefähr – zweiten oder dritten Tag.

Ich war unterwegs ins Stadtzentrum und kam auf dem Weg an den Wohnblocks vorbei, die die Straße säumten. Nichtsahnend schlenderte ich brav meines Weges, als ich von schräg hinten plötzlich jemanden rufen hörte: „Scusi, mi scusi signorina!“

Da ich niemanden bewusst gesehen hatte, blieb ich zwar kurz stehen, setzte meinen Weg aber nach wenigen Sekunden wieder fort. Wer weiß schon, was der wollte oder ob der überhaupt mich gemeint hatte.

Hatte er aber, denn in dem Moment, in dem ich mich wieder in Bewegung versetzte, rief er erneut. Als ich mich diesmal umsah, entdeckte ich plötzlich einen Arm, der durch die Gittertür vor einem der Wohnblöcke durch winkte.

Ok, also zumindest trennt uns eine Stahlbarriere, sollte er doch irgendwelche komischen Absichten haben. Ich schaute ihn fragend an und wollte wissen, ob er mich meinte. (Nicht, dass noch irgendwer anders da gewesen wäre, aber irgendwie schein ich so ne Art Leidenschaft für dumme Fragen zu haben.)

Er nickte und blickte mich erleichtert an und bat mich, bei einer der Bewohnerinnen zu klingeln. Er sei dort zu Reparaturarbeiten gewesen, aber die Tür sei ins Schloss gefallen und er könne sie von innen nicht öffnen.

Der Arme saß also fest – konnte weder wieder in den Palazzo hinein, weil Haustür zu, noch aus dem Vorhof raus, um zu seinem Auto zu gelangen, noch erreichte er die Klingelleiste recht neben der Gittertür, geschweige denn, dass er die richtige Klingel gefunden hätte.

Ich war zwar immer noch verdutzt, fand die Situation aber auch irgendwie köstlich und konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Er lachte halb selbst amüsiert, halb erleichtert mit, während ich bei seiner Kundin klingelte und sie bat die Tür nochmal zu öffnen, damit ihr Elektriker weiterfahren könnte.

😀

In Cagliari ist der Teufel los

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Halten wir fest: Italien ist ein katholisches Land. Wie zwischen den Vatikan und das Küssen von Kruzifixen noch Verwünschungen passen, die alle Heiligen und verstorbenen Ahnen verfluchen, erklärt sich zwar auf den ersten Blick nicht so richtig. Aber das kann man ja irgendwie erstmal unter „kulturelle Eigenheit“ verbuchen.

Halten wir außerdem fest, dass im katholischen Glauben der Teufel und seine Dämonen das ultimative Böse verkörpern. Man meidet sie … nun ja, wie der Leibhaftige höchstpersönlich eben das destillierte gesegnete Weihwasser.

Umso merkwürdiger erscheint es da, dass der Höllenfürst in Cagliari fast schon omnipräsent ist. Man könnte nun sagen, dass das daran liegt, dass Sardinien ja nicht zu Italien gehört – also, formell schon, aber es hat sich eine gewisse Autonomie bewahrt und die Sarden selbst fühlen sich auch nicht als Italiener.

(Wenn ihr also bei einem Sarden so richtig punkten wollt, sprecht dort nicht von Italienern und Italien, sondern macht die Unterscheidung in Sarden und Sardinien.)

Ist der Teufel Spanier?

Ich kann jetzt natürlich nicht belegen, dass es an der räumlichen Trennung vom Festland und der Isolation der Insel liegt, dass dem Fürst der Finsternis so eine Ehrerbietung zuteil wird. Vielleicht sind auch die spanischen Einflüsse schuld – immerhin waren die ja auch in Mexiko, wo man bis heute den Tag der Toten feiert.

(Allerdings weiß ich auswendig auch nicht, ob dieser Tag ein traditionell mexikanischer ist oder, ob die spanischen Invasoren den katholischen Feiertag, den wir in bestimmten Regionen als Allerseelen kennen und begehen, und den die Italiener (und Sarden) ebenfalls Tag der Toten nennen, importiert haben. Was mir unter den gegebenen Umständen wahrscheinlicher scheint.)

Also, wer weiß, vielleicht waren es tatsächlich die Spanier, die Tod und Teufel nach Cagliari gebracht haben.

Sind die Cagliaritani verkappte Satanisten?

  • Eine Felsformation am süd-östlichen Küstenzipfel im Süden Cagliaris heißt übersetzt „Teufelsjoch“ oder „Sattel des Teufels“.

Man kann auch hochkraxeln, ich hatte dafür aber nicht das passende Schuhwerk im Gepäck. (Und mir schon bei der Stadterkundung am Vortag eine Blase gelaufen.) Ich könnte aber wetten, dass die Aussicht wirklich toll ist. Sollte es euch nach Cagliari verschlagen, wäre das auf jeden Fall ein Ausflugstipp von mir – und dann bitte Bilder zeigen, ja?! 😉 Meine Kommentarspalte und ich freuen uns. 😀

  • Die offensichtlichste Teufelswidmung ist die Straße „Sankt Luzifer“ – Luzifer natürlich aus dem Latein; lux = Licht, ferre = tragen oder bringen.

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Tatsächlich erinnere ich, dass meine Oma mir einmal erklärte, dass Luzifer eine gefallener Erzengel sei. Und im 4. Jht gab es in Cagliari einen gleichnamigen Bischof. Damit erklärt sich vielleicht die Bezeichnung als Heiliger. Übrigens ist Luzifer auch Latein für „Morgenstern“, der wiederum die Venus ist, der (oder dem) wiederum das Geschlecht der Julier entstammen (ihr wisst schon Julius Cäsar und so) soll, auf denen sich wiederum mein Name Julia begründet. Heil mir Satanas! 😀

  • Ich nehme einmal an, dass auch Krypta und Kirche des gleichen Namens eher dem besagten Bischof geweiht sind, denn mir dem Fürst der Finsternis (nach seinem Fall).

chiesa_cripta_san_lucifero_cagliari

chiesa_san_lucifero_cagliari

Die Krypta habe ich nicht besucht, weil an dem Tag zu viel los war – es war, nagelt mich nicht fest, entweder grade Allerheiligen oder der Feiertag zu Ehren des Schutzpatrons von Cagliari. Vom Innern der Kirche konnte ich einen Blick erhaschen, war aber unspektakulär.

  • Viel interessanter fand ich dagegen die Teufels- und Toddarstellung in der Kathedrale Santa Maria in Cagliaris Altstadt. Und hier hat Luzifer eindeutig nichts mehr mit dem gleichnamigen Bischof zu tun.

Der Tod thront über allem – wo sonst eigentlich ein Strahlensymbol für das Licht des Herrn platziert ist. (Moment, Licht wie in Lichtträger? Und Licht soll Gott symbolisieren? Heißt das am Ende Gott ist der Teufel oder umgekehrt? Wow…! 😉 ) Kenne ich jedenfalls in dieser Deutlichkeit aus keiner Kirche bisher. Denn im Grunde nimmt in dieser Darstellung der Tod eine höhere Stellung ein, als der Allmächtige.

Die Sünder stürzen angesichts des rettenden Lichtes (hm) in das Fegefeuer (das die katholische Kirche mittlerweile übrigens abgeschafft hat – zu meinem Glück, sonst wäre ich allein für diesen frevelhaften Artikel (von meinen anderen Verfehlungen gar nicht erst zu reden) mit Sicherheit dort gelandet, aber, hey, immerhin is dort warm). Auch die Darstellung von Sündern wäre mir bisher in dieser Form in keiner Kirche zuvor aufgefallen – mit den Teufelshörnern bei den Fallenden und den Schlangendämonen bei denen, die bereits im Feuer baden brennen.

  • An dieser Stelle schließe ich mein Plädoyer mit einem letzten Beweisstück, das mir zufällig vor die Linse geriet:

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P.S. Im ersten Weltkrieg trugen die sardischen Soldaten rote Halstücher, was ihnen bei den österreichischen Gegnern den Spitznamen „rote Teufel“ einbrachte.

Villasimius

Villasimius

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Der Bus schlängelt sich die Hügel hoch. Passiert ein verschlafenes Nest nach dem anderen. Mein Ziel? Villasimius.

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Eine kleine Stadt oder eher ein Dorf im sardischen Hinterland. Ich sitze auf der rechten Seite des Busses. Die Fenster geben den Blick frei auf die Küste. Felsen und Sand wechseln sich ab. Kleine Buchten liegen zwischen Hügeln und Bergen. Hier und da ein paar Sonnenanbeter, die die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres noch mitnehmen wollen.

Es ist Sonntag. Obendrein auch noch Feiertag. „Tutti al mare“ ist hier kein bloßer Spruch. Es ist eine Lebenseinstellung. Zumal, wenn das Wetter noch so gut mitspielt wie in diesen Tagen.

Bis auf 24 Grad klettert das Thermometer.

Ich genieße den Ausblick und die Sonnenstrahlen, deren Kraft durch die Fensterscheiben um einiges potenziert wird.

Irgendwie scheint der mächtige Reisebus nicht so recht in die dörfliche Idylle hineinzupassen, während er die Straßen hochpoltert.

Nach etwa eineinhalb Stunden und etlichen Kurven im Umland Cagliaris kommt der Bus in Villasimius an.

Friedlich liegt der kleine Ort in die sardischen Küstenhänge eingekuschelt da. Einer von vielen entlang der Route von Cagliari hierher.

Fast unvorstellbar, dass diese 3.000-Seelengemeinde einmal eine wichtige Anlaufstelle für Seefahrervölker war. Die Phönizier hatten aus dem versteckten Ort oberhalb der Bucht eine kleine Hafenstadt gemacht.

Die Geschichte von Villasimius reicht aber viel weiter zurück

Prähistorische Funde zeugen von einer Besiedelung Villasimius schon in der Zeit 2.000 vor Christus. Die Phönizier bemächtigten sich ohnehin vorzugsweise strategisch gut gelegenen maritimen Zonen und siedelten sich entsprechend in der buchtenreichen Gegend um Villasimius an.

In der Stadt selbst errichteten sie nicht nur den eben schon genannten Hafen (Cuccureddus), sondern hinterließen auch Spuren ihres Glaubens. Diese wiederum wurden unter der Herrschaft der Karthager, die etwa 500 vor Christus über den kleinen Hafenort herfielen, vernichtet.

Nach den Römern fiel Villasimius, gemeinsam mit den Dörfern und Ortschaften ringsum, unter die Herrschaft Galluras (eine seinerzeit potente Machtzentrale im Nordosten Sardiniens). Später rissen sich die Spanier die Herrschaft unter den Nagel. Ihre Spuren sind bis heute in ganz Sardinien deutlich sichtbar.

Es fällt einem schwer zu glauben, dass dieses kleine Bergdorf so viel Geschichte und Wandlung in sich trägt. Gelebt haben die Menschen hier übrigens auch nie besonders von der Fischerei, sondern eher von der Landwirtschaft und Viehzucht.
Heute? Ist Villasimius ein Touri-Ort.

Ein Geheimtipp, der längst keiner mehr ist

Mein erster Eindruck, als ich aus dem Bus gestiegen bin und mich von der Haltestelle am Ortseingang in Richtung Stadtzentrum aufmachte: „Also entweder wohnen hier nur reiche Menschen (Italiener und deutsche Rentner) oder Villasimius ist tatsächlich mehr ein Ferienort denn alles andere.“

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Wenn dem so ist, bin ich froh, nicht in der Hauptsaison hergekommen zu sein.

Wie in einer Mulde liegt Villasimius in den Hängen des südsardischen Inselinneren. Die Landschaft aus Hügeln und Bergen umarmt den Ort, der am Fuß der Gebirge sanft über einen schönen, schmalen Sandstrand ins Meer abfließt.

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villasimius_3Und trotzdem: Villasimius ist ganz klar auf Tourismus ausgelegt. Hotels und Ferienwohnungen reihen sich an BnBs und Pensionen. Souvenirshops säumen die Via Al Mare (die ihren Namen nicht ohne Grund trägt, führt sie immerhin geradewegs ans Meer). Hinter dem Strand sind Bars und Restaurants angesiedelt, die zu dieser Jahreszeit aber fast schon unheimlich wirken. Verlassen und ohne jegliches Zeichen von Lebendigkeit.

Ich mag diese Ruhe und stressfreie Atmosphäre.

Und vor allem mag ich sie mir nur ungern von dem Gedanken kaputt machen lassen, dass hier zwischen Juni und September ganze Horden von Touristen ankommen. Sich durch die engen Gässchen drängeln, schubsen, schieben und diese Gegend hier in Beschlag nehmen, für sich einnehmen.

Mag mir gar nicht vorstellen, wie ein endloses Stimmengewirr in allerhand unterschiedlichen Sprachen diese Ruhe durchbricht und verdrängt. Sie geradezu erstickt. Sich wie ein dichter Nebel über das Zwitschern der Vögel und Zirpen der Zikaden legt.

Der Strand war fast menschenleer. Nur ein paar Einheimische machten einen Spaziergang.

Ich konnte die wunderbare Luft bis in die letzten Kapillaren meiner Lungen aufsaugen. Den Sand unter meinen Füßen spüren. Dem Rauschen des Meeres lauschen.

Das Meer hat einen ganz eigenen Rhythmus. Wie ein Pulsschlag. Man spürt ihn entweder oder man spürt ihn nicht.

Der einzige Wermutstropfen, den ich zunächst erkennen konnte, war der, zurück zum Bus wieder bergauf laufen zu müssen.
Und später musste ich zu meinem Leidwesen feststellen, dass pünktlich zum Sonnenuntergang die Schnaken lebendig werden. Und hungrig.

Ich habe noch nie so lange gebraucht, um meine Schuhe anzuziehen. Ständig musste ich wedeln und verjagen. Hatte dann natürlich den eben vom Sand befreiten Fuß wieder abgestellt und musste ihn wieder abwischen.

Und noch nie hab ich so dreiste Mücken erlebt. Flugfaule noch dazu, die sich meine Wenigkeit als Transportmittel ausgesucht hatten. Auf dem Weg zurück auf den Hügel in die Stadt, habe ich noch mehrere davon aus meinen Haaren und von meiner Kleidung entfernt.

Gestochen haben mich letztendlich „nur“ zwei. Oder eine zwei Mal. Jedenfalls am Ohr und am Finger.

Villasimius ist Strandurlaub und Natururlaub

villasimius_1Viel zu tun scheint es hier nicht zu geben. Für die Abendgestaltung gibt’s ein paar Bars und Lokale.

Wer aber hier ein Kino oder Theater sucht, hat mit Villasimius eindeutig daneben gegriffen in der Urlaubsplanung. Ohne (Miet-) Auto schafft man es am Abend vielleicht noch nach Cagliari, aber zurück dürfte schwierig werden.

Allerdings bin ich eben auch nur ein paar Stunden hier. Ein paar Stunden an einem Wochentag, an dem sowieso wenig los wird. Also vielleicht trügt der Schein auch gewaltig.

Von Cagliari nach Villasimius

Das Busunternehmen Arst bringt Euch mehrmals am Tag von Cagliari nach Villasimius und zurück. Die momentan aktuellen Fahrtzeiten findet ihr hier.

Die Fahrt dauert etwa eineinhalb Stunden und belohnt eure Geduld mit einer spektakulären Aussicht – rechts wie links der Straßen. 🙂

arst_ticketAm besten kauft ihr euch ein Tagesticket, damit seid ihr ein bisschen günstiger dran und müsst später keinen Aufpreis bezahlen, um ein Rückfahrtticket beim Busfahrer zu bekommen.

Die Tickets könnt ihr im Mac Donalds neben dem Bahnhof in Cagliari kaufen. Der Busbahnhof für die Überlandverbindungen liegt hinter dem Gebäude.