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Pizza, Pasta, Alimente

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Pizza, Pasta, Alimente

Langsam könnte man doch eine Reihe draus machen: Dinge, die so in Deutschland nicht passieren würden …

Ich wurde auf eine Schlagzeile aufmerksam, bei der ich unweigerlich grinsen musste.

Am 27. Mai titelte die Zeitung Il Gazzettino auf seiner Internetseite:

Pizza und Focaccia als Alimente für die Exfrau, Freispruch

Das war passiert: Mann trifft Frau, verliebt sich, heiratet sie, kriegt ein Kind mit ihr, lässt sich scheiden.

Logische Konsequenz: Unterhaltszahlungen. In diesem Fall in Höhe von ungefähr 400 € monatlich.

Dann kommt: Die Wirtschaftskrise.

Was also tun?

Der Mann, Pizzaiolo von Beruf, musste harte, finanzielle Einbußen hinnehmen, 2010 sogar die Pizzeria schließen, war zwischenzeitlich außerdem schon wieder verheiratet und Vater geworden, diesmal gleich dreimal.

Als dem 50-Jährigen aus Villafranca die Unterhaltszahlungen an die Ex nicht mehr möglich waren, hat er sie und die gemeinsame Tochter dann statt mit Geld, mit Essen versorgt.

Die Exfrau nahm die Pizzen und Pastagerichte zwar an, aber als Ersatz für die Alimente wollte sie sie nicht akzeptieren, weshalb sie ihren Exmann verklagte.

Leider hat sie die Rechnung ohne die Richterin gemacht, die den vierfachen Vater freigesprochen hat.

Ironische Wendung: Die Tochter fand den Alimenteersatz scheinbar völlig in Ordnung und lag aufgrund dessen irgendwann im Clinch mit ihrer Mutter, zog danach zum Vater und dessen neuen Familie, sodass jetzt die Klägerin 300 € monatlichen Unterhalt bezahlen muss. 😀

Die Frau mit dem bösen Blick

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Die Frau mit dem bösen Blick

Als ich von meiner Erkundungstour durch Treviso zurück an den Bahnhof komme, stelle ich erstmal meinen Hochleistungskoffer ab und reibe mir die Hand – Kopfsteinpflaster und etliche Kilometer machen sich mittels des Plastikgriffs vom Koffer gut bemerkbar an der Handinnenfläche. Ich öffne meine Handtasche und fische nach der Schachtel Zigaretten (wie war das mit Aufhören?! *räusper*). Nach erfolgreicher Angeltour in den schier unendlichen Tiefen meiner Tasche, während der meine Augen zielgerichtet aufs Innenleben eben jener fixiert waren, zieh ich die Schachtel Zigaretten raus und hebe – naturgemäß – meinen Kopf und damit Blick wieder nach oben, als plötzlich eine alte Frau vor mir steht. Und mit vor mir meine ich: 10 Zentimeter näher und unsere Nasenspitzen hätten sich berührt. Ich greife nach meinem treuen Begleiter in Form meines Koffers und stelle ihn vor mich, ergo: zwischen uns. Nicht, dass die noch auf die Idee kommt, meine Komfortzone noch weiter zu überschreiten. Irritiert gucke ich sie an, dann mich um. Keiner da. Denke: Hiiiilfe… Gucke wieder sie an. Überlege: Soll ich schreien? Sie fixiert mich mit geöffnetem Mund, der ein recht zahnloses Innenleben preisgibt, und zusammengekniffenen Augen – so als ob sie sich nicht sicher wäre, ob ich nicht vielleicht doch eine Erscheinung (oder eine Litfasssäule) bin. Ich denke: Soll ich sie fragen, ob alles in Ordnung ist? Während mein Blick weiter hilfesuchend nach anderen Menschen Ausschau hält. Hechelt die wirklich oder mein ich das nur?

Noch nie in meinem Leben sind 15 / 20 Sekunden sooo langsam vergangen! In dem Moment aber, in dem ich mich endgültig entschieden habe, sie zu fragen, ob ich ihr helfen könne, wendet sie sich von mir ab, läuft um mich herum an mir vorbei und geht ohne jegliche Regung, Aussage oder einen Blick zurück ihrer Wege.

Daran, mir an die rechte Brust zu fassen, um Schlimmeres von mir abzuwenden, habe ich leider in dem Moment nicht gedacht (es fehlt also noch ein ganzes Stück bis ich so richtig italienisiert bin 😛 😀 ). So bleibt mir nur zu hoffen, dass mein Schutzengel nicht auch auf Reisen ist und so zuverlässig wie sonst eingreift, um mich vor den Konsequenzen des bösen Blicks der Alten bewahren wird…!

Treviso

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Treviso

Bei meiner neuerlichen Invasion, diesmal mit dem Ziel, Ravenna zu erobern (dabei hat sie mich erobert, aber nun gut), habe ich mich auch dieses Mal wieder für die Nordroute über die Alpen entschieden. Die Elefanten hab ich Zuhause gelassen (sag nochmal einer, die Menschen würden aus der Geschichte nichts lernen) und hab mich stattdessen für meine angestammte Airline entschieden. Abflug Frankfurt-Hahn, Ankunft Treviso. Wer’s ein bisschen mehr kommod mag, kann selbstverständlich auch nach Bologna (wollte ich aus Gründen vermeiden, ging aber leider dann doch nicht ganz, aber egal jetzt) fliegen und von da aus im Zug weiter nach Ravenna; oder noch bequemer nach Forlì fliegen, das nur 25 km von Ravenna entfernt liegt. (Ursprünglich wollte ich mich ja eben dort mal erkundigen, ob Poltron e Sofa tatsächlich so qualitative Wertarbeit leisten, wie sie selbst behaupten, hab mich dann aber doch für Ausflüge nach Ferrara und Rimini entschieden. Auch, weil man mir sagte, dass es außer den Sofamachern nichts sehenswertes gäbe in Forlì. Ich betone an dieser Stelle: Das hat man mir gesagt, das spiegelt nicht meine Meinung wieder – hab da genau genommen gar keine zu, weil ich ja nicht dort war. Andererseits hat man mir auch gesagt, Rimini sei hässlich und Ferrara schön. Hm…)

Ich jedenfalls bin wie bei meinem Besuch in Triest in Treviso gelandet. Gesund und munter. Unglaublicherweise. Nachdem ich letztes Mal mit einiger Verspätung in Treviso angekommen bin und den Zug dort verpasst habe – wobei, das ja nicht so wirklich stimmt, da ich ja dort abgeholt und nach Triest gefahren worden bin. Aber ich hätte den Zug verpasst, wäre das nicht der Fall gewesen –, wollte ich dieses Mal – echt deutsch – auf Nummer sicher gehen und hab mir ein Ticket für den Zug später geholt, damit nicht alles so ganz knapp wird. Ausgerechnet dieses Mal ging dann natürlich alles reibungslos vonstatten, sodass ich am Ende drei Stunden Zeit in Treviso totschlagen musste / durfte / konnte. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, nach Venedig reinzufahren – Züge kontrolliert, von dem Gedanken verabschiedet. Der nächste Zug wär auch erst später gefahren, sodass ich von Venedig wahrscheinlich eh nicht viel gesehen hätte, bis ich wieder zurückfahren hätt müssen. Aber drei Stunden am Bahnhof von Treviso (absolut unspannend, kann ich Euch versichern) wollt‘ ich mir nun auch nicht antun. Also packe ich meinen treuen, rollenden Gefährten, aka. Mr. Rollkoffer, und mach nen Stadtrundgang durch Treviso.DSC_0053 (Wenn dieser Koffer irgendwann übrigens auf den Müll fliegt, hat er wahrscheinlich mehr Kilometer runter, als mein letztes Auto. 😀 Gut, dass man bei Rollkoffern keine Reifen wechseln muss, sonst müsst ich wegen abgefahrenen Profils mittlerweile wohl eine nicht unerhebliche Strafe zahlen… 😉 ) 

Treviso 18Glücklicherweise hatte es der Wettergott an dem Tag noch nicht auf mich abgesehen und so zogen ich und mein Rollkoffer einfach auf gut Glück los ins Zentrum von Treviso. Vom Bahnhof aus gings geradeaus, dann links, dann rechts, dann über ein Brückchen, dann wieder rechts, links, gradeaus. So verwirrend das klingt, so verwirrt war ich auch unterwegs. Das bin ich allerdings immer, von daher nichts Neues. Und ich bin ja der Meinung, dass ich genau so so manche Stelle und so manches Kleinod überhaupt nur entdecken kann. Außerdem ist der Ausgang immer offen. Werde ich entführt werden? Im Ghetto rauskommen? Im Villenviertel vom Ferrari angefahren? Verlauf ich mich komplett und verpasse dann den Zug? Herrlich, die Vorstellung, einfach nie zu wissen, was auf einen zukommt. 😀

Außerdem sagte ich ja bereits, dass ich das Gefühl habe, in Italien wandle man nur wenige Zentimeter über den Resten des römischen Reiches… Vielleicht tut sich ja zufällig bei einer meiner verpeilten Aktionen mal ein Loch vor (nicht unter!) mir auf und ich bin die Entdeckerin einer spätrömischen Siedlung. 😀 Scherz beiseite.

Im Grunde ist Treviso nicht spektakulär (vielleicht sind drei Stunden aber auch nur nicht lang genug), aber hübsch allemal. Für ein paar Fotos hat’s jedenfalls ausreichend Motive gegeben. 🙂 Die bunten Säulen fand ich zum Beispiel absolut schön – hab dann später allerdings enttäuscht feststellen müssen, dass die weder bemalt noch in höchster kunsthandwerklicher Manier gestaltet sind, sondern nur in Stoff gehüllt. Der Effekt ist trotzdem toll. Vor allem aus der Entfernung. Und wenn man sich den Teil mit dem Stoff wegdenkt. 😀

Treviso 7

Irgendwann habe ich beschlossen, mich einfach nur ein Stündchen müde in die frühlingshafte Mittagssonne zu setzen und den ersten richtigen Kaffee dieser Reise zu genießen.


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Der Tag, an dem der Flughafenkontrolleur mir den Vogel zeigte

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Der Tag, an dem der Flughafenkontrolleur mir den Vogel zeigte

Aus der Reihe, “Dinge, die Dir so in Deutschland niemals passieren würden”, möchte ich Euch einen kleinen Schwank von meiner Reise nach Triest nicht vorenthalten.

Bei meiner Abreise stand ich brav in der Schlange an der Flughafenkontrolle, den Gürtel hatte ich schon ausgezogen, den obligatorischen Plastikbeutel mit Flüssigkeiten am Start, Laptop und Handy im Anschlag…

Als ich also meine Habseligkeiten in die Kästen auf das Kontrollband legte, lugte mich der Flughafenkontrolleur von schräg oben herab an und zeigte mir den Vogel. Ich war verdattert und verdutzt und irgendwie ein bisschen beleidigt… Ich schaute ihn also nur fragend an und er? Zeigte mir glatt nochmal den Vogel!

Ich war kurz davor mich aufzuregen, als ich dann merkte… Ups, Mütze! 😀

Nunja, immerhin war Januar und ich hab die Mütze einfach wirklich nicht mehr gespürt auf meinem Kopf… Ähnlich wie man den Geldbeutel in der Hosentasche irgendwann nicht mehr merkt, wenn man ihn nur lang genug darin trägt. 😀

Warum er mir nicht einfach gesagt hat, was er von mir will, erschließt sich mir zwar bis heute nicht, aber immerhin konnten wir beide dann gemeinsam drüber lachen… 😀

In diesem Sinne wäre also wohl der Titel “Der Tag, an dem der Flughafenkontrolleur mir den Vogel zeigte – oder ich das zumindest dachte” richtiger. Sei’s drum. 😛

ÜBRIGENS! 😀 Für alle Sprachnerds: Wie mir gestern zugetragen wurde, hat die wörtliche Übersetzung von “jemandem den Vogel zeigen” (dare l’uccello a qualcuno) eine ganz, ganz…gaaanz andere Bedeutung! Also Vorsicht! 😀

 

Romantisches Verona

Als mein Freund noch im Norden, genauer gesagt in Bologna war, haben wir entschieden, wir machen einen Ausflug. Zur Wahl standen Venedig und Verona. Entschieden haben wir uns dann für Verona.

Verona. Das ist die Stadt in der Romeo und Julia spielten. Shakespeare hat der Stadt mit seiner dramatischen Liebesgeschichte das Marketingkonzept schlechthin geliefert. Ohne es zu wissen. Aber die Verantwortlichen haben es geschafft, dass die Geschichte der beiden Liebenden nahezu als wahre Begebenheit scheint.

Man könnte es der Stadt Verona fast abkaufen, dass es die Familien Montague und Capulet tatsächlich gab und die tragische, unerfüllte Liebe der beiden Sprösslinge tatsächlich so geschehen ist.

Wegweiser in Verona - Casa di Giulietta
Wegweiser: Casa di Giulietta

Der Weg zum Haus der Giulietta Capulet ist ausgeschildert, sobald man die Straße, die links am Colosseum vorbeiführt hinunterläuft:

Colosseum Verona
Colosseum Verona
Straße zum Haus der Julia
Straße zum Haus der Julia
Julias Hauseingang und Balkon
Julias Hauseingang und Balkon

Vor dem Eingang zum Haus tummeln sich Touristen aus aller Welt und wenn man durch den Eingang läuft, sind die Wände beklebt und beschrieben mit Liebesbotschaften aus aller Herren Länder in allen möglichen Sprachen. Die Romantik und der Glaube an die unsterblichen Liebe lebt hier komplett auf. Und wenn man in den Hof hineintritt, befindet sich der angebliche Balkon (tatsächlich wurde er im Zuge der gezielten Marketingstrategie nachträglich an das Haus angebaut 😉 ) und darunter eine Statue der „Julia“.

Die Statue der Julia
Die Statue der Julia

Wie unschwer zu erkennen ist, ist die rechte Brust der Statue bereits ordentlich abgegriffen. Wie war das?! Um Unglück abzuwenden, berühren Frauen sich an der rechten Brust?! Na, dann muss das Anfassen einer so tragischen Figur, wie der Julia ja Glück bringen… 😀

Tatsächlich sagte man uns, dass die Stadt aktuell darüber nachdenkt, die Statue einzuzäunen, um weiteren „Brustschwund“ zu vermeiden. 😀 Ob das zwischenzeitlich geschehen ist oder ob es überhaupt durchgesetzt wird, kann ich nicht sagen.

Die Straße führt einen dann weiter, die hohen, langen Stadtmauern entlang bis … ja, bis zum (vermeintlichen) Grab der Julia:

Julias Grab
Julias Grab

Wie deutlich zu sehen ist, hat mich das alles sehr mitgenommen 😀 😀 Es war ein bisschen als stünde ich an meinem eigenen Grab 😉 (An dieser Stelle fasse ich mir mal kurz an die rechte Brust… 😀 ) Nein, Scherz. Tatsächlich hat mein Freund mich „genötigt“, mich mit traurigem Gesicht neben das Schild zu stellen…

Man muss aber sagen, der Weg hin zur „Grabkammer“ ist tatsächlich sehr sehr schön:

Der Gang zur Grabstätte
Der Gang zur Grabstätte

Die hängenden Pflanzen, kleine Statuen rechts und links. Es ist schon wirklich sehr schön gemacht. Natürlich gehört zu ordentlichem Stadtmarketing aber auch, dass der Zugang zum Grab (genauso wie der Zugang auf den Balkon) extra kostet und einen zu Fuß durch fast die komplette, historische Innenstadt Veronas führt. 😉 Wir haben uns das gespart. Also. Das mit dem Extraeintritt. 🙂 Aber grundsätzlich ist Verona definitiv einen Ausflug wert!

Und wenn man sich etwas durch die Seitengassen und verwinkelteren Straßen mogelt, kriegt man auch einen Caffè zum Normalpreis, statt wie an den Touristen-Hotspots für 6 – 8 Euro (und ja, wir sprechen hier von caffè normale, von „Espresso“). Das sei als Tipp noch mit auf den Weg gegeben.

Grundsätzlich mag ich Verona gern als Ausflugsziel empfehlen. Etwas überlaufen zwar, aber das kann man gelassen sehen und wenn man außerhalb der Reisehochzeiten dorthin fährt, ist es auch einigermaßen entspannt. Für Touristenzentrumsverhältnisse. 😀 Sehenswert allemal. Oder mal für ein (verlängertes) Wochenende mit dem Liebsten?! Eines kann ich für mich jedenfalls bestätigen, die Romantik geistert eifrig und sehr lebendig durch die Straßen dort.

Das Stadttor und die Piazza
Das Stadttor und die Piazza