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Hinweis: Dieser Artikel enthält einen Werbelink. Der im Artikel geschilderte Inhalt bleibt davon unberührt und basiert, wie alle Beiträge auf Italien und ich, zu 100% auf persönlicher Erfahrung und eignen Erlebnissen.

Touristest Du noch oder expatest Du schon?

Gute Frage. Als ich vor mittlerweile einem Jahr gen Apulien zog, dachte ich mir würde das alles bestimmt ganz klar werden. Ein halbes Jahr, Jahr hab ich mir gegeben, um zu entscheiden, ob ich zurückgehe oder bleibe … oder ob ich innerhalb von Italien nochmal andernorts mein Glück probier.

Nun ist ein Jahr vorbei und würde meine Schwester mir nicht das Messer auf die Brust setzen, dass ich endlich ihren Keller von meinen Habseligkeiten befreien soll, ich hätte es nicht bemerkt. Und das trotz mittlerweile beantragter Steuernummer und Wohnsitz. Demnächst stehen Personalausweis und Krankenkassenkarte auf dem Programm. Die Umstände erlauben mir nicht, wirklich eine Entscheidung zu treffen, ob ich denn eher noch Langzeittouristin oder doch schon Auswandererin bin.

Wo einige Dinge bereits in die entsprechenden Expat-Bahnen gelenkt worden sind, stehen in anderen Aspekten noch alle Zeichen auf Dauerbesucherstatus. Auch, weil sich bisweilen beide Welten überschneiden, fällt es mir mitunter wirklich schwer zu sagen, ob ich denn nun Touristin bin oder doch schon Auswandererin.

Formale Italienerin meets informale Deutsche

So oder so ähnlich könnte man das wohl beschreiben, was ich da grad so als „Alltag“ erlebe.

  • Ich hab zwar eine Wohnung, aber angekommen fühle ich mich hier noch nicht. Ich musste mich von einer 3ZKB mit Balkon in Deutschland auf eine dunkle 1-Zimmer-Kochecke-Nasszellen-Butze ohne Balkon verkleinern, um mein angespartes Budget zu schonen.
    • Hier hab ich aber keinen Platz für all meine Sachen, die derzeit noch in deutschen Kellern stehen. Und so fühl ich mich ohne meine Habseligkeiten weder besonders heimisch noch erlauben es mir 30 qm, mich hier angekommen zu fühlen. Alles ist irgendwie noch so „auf Durchreise“.
  • Ich hab mittlerweile zwar den Wohnsitz bewilligt bekommen, aber noch kein Dokument, mit dem ich meine italienische residenza ausweisen könnte.
    • So lange ich ohne diese Ausweismöglichkeit auskommen muss, bleiben mir die Eröffnung eines italienischen Bankkontos (kostenlos gibt’s die nur online) und die Ausstellung einer Versichertenkarte verwehrt.
  • Ohne Krankenkassenkarte muss ich weiterhin freiwillige Versichertenbeiträge in Deutschland bezahlen. Erst mit Versichertenkarte kann ich der TK belegen, dass ich in Italien versichert bin.
  • Ohne Bankkonto hingegen muss ich weiterhin mit meiner deutschen Kreditkarte bezahlen; einerseits ist das deutsche Konto für meine deutschen Kunden ein Vorteil (wobei dank EU und IBAN ja eh keine Gebühren anfallen, auch nicht für eine Überweisung nach Italien), andererseits brauche ich aber sowieso ein italienisches Konto, weil der Staat das für Selbstständige so vorsieht.
    • Und noch einige andere Dinge hängen wie ein Rattenschwanz an der italienischen Bankverbindung. So erschwert der kontolose Zustand auch die Suche nach einer Wohnung.

Und während ich in Sachen Krankenversicherung und Konto aktuell nur abwarten und Tee trinken kann, dachte ich, ich kann die Bankgeschichte ja mal zum Anlass für ein paar Tipps für angehende Expats und Urlauber nehmen, wie man sich in Italien mit einem deutschen Konto durchschlagen kann.

Tipps zum Geld abheben in Italien

Geld_abheben_in_Italien Touristest Du noch oder expatest Du schon?Egal, ob ihr die ersten Schritte einer Auswanderung nach Italien unternehmt oder zum Urlaub im bel paese seid, lasst euch gesagt sein: Ihr könnt euer deutsches Konto – EU sei Dank – behalten. Also, als Urlauber sowieso, als angehende Expats zumindest zusätzlich zu einem italienischen.

Was ihr aber beachten solltet, ist, dass ihr beim Geld abheben in Italien mit einer deutschen Maestro-Karte unter Umständen Gebühren bezahlen sollt. Darauf weisen euch italienische Bankautomaten beim Geldabheben aber ohnehin hin. In der Regel sind es auch nicht die italienischen Banken, die sogenannte commissioni einziehen, sondern eure deutschen Hausbanken.

Viele Banken haben zwar auch hier Filialen, Unicredit, Barclays oder Deutsche Bank. Aber – obwohl ein Wechselkurs und somit eine Währungsumrechnung entfällt – kann es sein, dass die Schwesternbank in Deutschland Geld von euch will.

Konkrete Tipps, um vom deutschen Konto in Italien Geld abzuheben

  1. Fragt vor dem Urlaub oder Auswandern bei eurer Bank nach, ob und ggf. in welcher Höhe oder bis zu welchem Betrag sie Gebühren berechnet, wenn ihr in Italien mit der GiroCard Geld abhebt.
  2. Um solche eventuellen Gebühren zu minimieren, hebt immer höhere Summen ab, die euch mindestens ein paar Tage lang ausreichen.
  3. Nutzt im besten Fall Automaten von eurer Bank auch in Italien, sollten damit Gebühren entfallen oder reduziert werden.

Was ich euch nicht empfehle: Das gesamte Urlaubsbudget bereits in Deutschland abzuheben. Für Expats gilt das gleich doppelt. Denn das Einführen hoher Bargeldsummen muss man – meines Wissens, korrigiert mich, wenn ich irre – verzollen. Aber auch immer die komplette Reisekasse in bar mit sich herumzuführen ist eher keine gute Idee. Nicht mal nur, weil die Handtasche geklaut werden kann. Sondern auch, weil man sie vielleicht doch mal irgendwo liegen oder hängen lässt. Bargeld ist nicht versichert. Also, wer günstig reisen will und damit keine 5-Sterne-Suite mit Safe gebucht hat, sollte sich mit Bargeld etwas zurückhalten.

Extratipp: Wenig Bargeld und dafür lieber einmal mehr mit der Maestro-Card im Handel bezahlen. Ich hab mit meiner Postbank-Karte die Erfahrung gemacht, dass für EC-Zahlungen in Italien keine Gebühren anfallen. EC-Zahlung ist übrigens nicht nur im Supermarkt, sondern auch in den meisten Restaurants mittlerweile problemlos möglich.

Die Kreditkarte als Alternative zur EC-Karte

Ich selbst hab eine Kreditkarte, die ich bereits in Deutschland mein Eigen genannt habe. Damit habe ich bei meiner Kreditkartenbank den Vorteil, dass diese weder bei Barabhebungen noch bei Kartenzahlungen Gebühren erheben. Und zwar unabhängig davon, wo ich Geld abhebe.

Für eine Woche Urlaub lohnt es sich natürlich nicht, extra eine Kreditkarte zu beantragen. Aber wer länger bleibt, viel herumreist oder eben erste Auswandererschritte hier unternimmt, sollte über eine Kreditkarte zumindest mal nachdenken.

In meinem Fall etwa, ist die Kreditkarte an ein Bankkonto gekoppelt, das ich automatisch zur Kreditkarte dazu bekommen habe. Die Beträge, die ich mit der Kreditkarte bezahle oder abhebe werden über dieses Konto automatisch und fristlos abgebucht und damit ausgeglichen. Das heißt, nicht erst nach mehreren Wochen und danach als überteuert bezinste Ratenzahlung.

So eine Kombination aus Kreditkarte und Girokonto eignet sich besonders für Auswanderer sehr gut. Sie können damit auch von Italien aus gebührenfrei Transaktionen aller Art vornehmen und sind auch bei einer eventuellen freiberuflichen Tätigkeit für den Anfang auf der sicheren Seite.

Sprich: Wie etwa bei mir jetzt, kann ich das Kreditkartenkonto weiter für die Eingänge behalten, die ich von meinen Kunden in Deutschland erhalte und somit sozusagen als Geschäftskonto weiterführen. Nur brauch ich halt ein italienisches Konto zusätzlich – auf das ich mir dann später sozusagen mein eigenes Gehalt überweisen muss. (Als ich ob dem Erhalt dieser Information mit den Augen rollte, meinte mein Steuerberater nur zu mir: „Eh, benvenuta in Italia.“)

Angehenden Auswanderern würde ich also in jedem Fall zum Besitz einer Kreditkarte in Italien raten. Auch hier aber ist es empfehlenswert, sich über mögliche Gebühren (Kontoführung, Abhebungen, usw.) und das Rückzahlungssystem (revolvierend oder kumulierend) der Kreditkarte gut zu informieren.

Und ich so?

Ich? Ich plane aktuell meine Standortverlagerung, um dem drohenden 30-qm-Koller zu entgehen. Und ich übe mich fleißig weiter in Geduld, bis die Frist zur Beantragung eines Personalausweises abgelaufen ist, um danach die restlichen Formalitäten für eine Freiberuflichkeit in Italien abzuschließen. In der Hoffnung, dass mir 2018 ein paar wenigere, berufliche und persönliche Stolpersteine in den Weg legen möge.

Bis dahin jongliere ich weiter mit meinem exilideutschen Halb-Touri-Halb-Expat-Status und werd euch auf dem Laufenden halten, wie es damit weitergeht. 🙂

 

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