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Eigentlich sollte dieser Beitrag den Abschluss meiner #Sizilienwochen bilden. 

Nun kommt es aber 1. anders und 2. als man denkt.

So gern ich euch an dieser Stelle nun meinen versprochenen Beitrag über den Parco della Neapoli in Siracusa präsentiert hätte, muss ich dafür noch etwas um eure Geduld bitten. In den letzten chaotischen Vorweihnachtstagen zwischen Kofferpacken und Geschenkekaufen, Arbeiten und Umzugvorbereiten habe ich leider die Bilder Zuhause liegen lassen, die euch den Parco della Napoli näher bringen sollen. Darum muss der zweite Siracusa-Artikel bis nach Weihnachten warten. Ich hoffe, ihr habt so lange noch Geduld und stattdessen vielleicht ja Spaß beim Lesen des folgenden, vorgezogenen Beitrags aus bzw. über Sizilien.

In diesem Sinne frohe Festtage euch allen schon mal und viel Vergnügen mit …

Der Tag, an dem Opa sich auszog

Wie oft schon, musste ich mir die längst lästig gewordene Frage anhören: “Wie Du mit den Tattoos wohl mal aussehen wirst, wenn Du alt bist?”

(Antwort: Genauso schrumpelig und faltig wie jeder andere auch, nur “in Farbe und bunt” (cit.) und ganz sicher werd ich dann andre Sorgen haben, als die Tattoos, etwa, ob mein neues künstliches Hüftgelenk was taugt oder die neuen Medikamente meine Diabeteswerte in den Griff kriegen.)

Und dann kam dieser Tag im September, an dem ich in Sizilien ans Meer ging.

Ich breitete mein Tuch auf einem der rar gesäten Sandflecken zwischen den Kieselsteinen in der Nähe des Meeres aus, drapierte es schön in Richtung des Winkels, aus dem die Sonne mit ihren wärmenden (oder besser gesagt: kochend heißen) Strahlen den Melaninzellen meines Körpers (und der Wahrscheinlichkeit irgendwann an Hautkrebs zu erkranken, die ich aber erfolgreich verdränge) einen ordentlichen Boost verpasste.

So lag ich da, ließ mich brutzeln, kühlte meinen aufgeheizten Körper zwischendurch im kühlen Nass ab und kehrte dann zurück auf mein Laken, um mich trocknen zu lassen.

Sonnenbaden, nass machen, repeat, sonnenbaden, nass machen, repeat.

22050702_1954535504785412_2120812313_o-150x150 Der Tag, an dem Opa sich auszogNachdem ich so einige Zeit mit meinem Wal gleichen Strandkörper die Alleinherrschaft über den Strandabschnitt genossen hatte, gesellte sich irgendwann ein älterer Herr in meinen Dunstkreis.

Nicht etwa, dass der nahezu menschenleere Strand ausreichend Platz geboten hätte. Doch es schien dem Mann ein Anliegen gewesen zu sein, sich in gut sichtbarer Distanz zu mir anzusiedeln.

Ich schenkte dem Ganzen zunächst keine weitere Beachtung, wenngleich ich mich meiner zugegeben aufgrund der Umstände etwas ausgedehnten Komfortzone beraubt fühlte.

Dann jedoch machte mein neuer Strandnachbar Anstalten, sich in seine Badehose zu zwängen. Dachte ich zumindest.

(Es ist mir übrigens immer wieder ein Rätsel, warum manche Menschen nicht schon Zuhause oder im Büro meinetwegen in der dortigen Toilette Bikini und Badehose unter die Klamotten anziehen. Dieses heimliche “Ich binde mir ein Handtuch um und ziehe mich am Strand um” Getue ist doch umständlich wie nix.)

Doch anders als gewohnt hielt der Herr fortgeschrittenen Alters es nicht für notwendig, seinen Körper scheinheilig in ein Badetuch zu hüllen, um sein zum Schwimmen geeignetes Kleidungsstück anzulegen.

Sekunden später erklärte mir sich auch, wieso.

Er hatte keins.

Stattdessen gewährte er mir ungewollten Blick auf sein schrumpeliges Gemächt, das er jedes Mal, wenn er sich bückte, etwa, um sein Strandlaken glatt zu ziehen, nur allzu gut erkennbar in meine Richtung baumeln ließ.

Nicht, dass ich prüde wäre oder peinlich berührt von schlaffen, runzeligen Samensäcken. Im Gegenteil. Ich war fasziniert.

In Bari nämlich ist es bei Strafe verboten, am öffentlichen Strand seine primären und sekundären Geschlechtsmerkmale kleidungsfrei zu präsentieren. (Könnten ja Kinder sehen – welch scheinheiliges Argument!)

Vielleicht, so dachte ich, ist Sizilien da etwas liberaler.

Kurz war ich sogar am Überlegen, ebenfalls blank zu ziehen. Zumindest obenrum. Denn irgendwie sehen Brüste und Po im Sommer bei mir immer aus, als wären sie mir transplantiert worden. …und die Spenderin war Albino.

Gründe für ein nackt Sonnenbaden

  • Ich hätte die geringe Chance meine ohnehin abnehmende Bräune nahezu nahtlos auszuweiten.
  • Mich kennt hier kein Mensch. Mir kann also egal sein, was sie von mir denken oder wie sehr sie sich scandalizzare.
  • Das Gefühl, oberkörperfrei in der Sonne zu liegen ist einfach einzigartig. Wer unter den Frauen nicht als allererstes den BH auszieht, wenn sie nach Hause kommt, werfe den ersten Stein! 😉

Gründe gegen ein nackt Sonnenbaden

  • Wenn mal ein Körperteil die Sonnenstrahlen nicht gewohnt ist, dann sind das meine Brüste und mein Hintern! Sonnenbrand ist auf der Sitzfläche und den sonst immer im Büstenhalter eingesperrten Quarktaschen also 1. so gut wie sicher und 2. höchstwahrscheinlich höchst unangenehm.
  • Irgendwie fühl ich mich aufgrund meines “exotischen” Äußeren (groß, blond, blaue Augen … oh, und tätowiert) auch ohne dass ich blank ziehe schon zur Genüge unter Beobachtung. Brauch ich da wirklich zusätzliche, schräge Blicke, die mich bewerten und verurteilen? Ich denke nicht. Erst recht nicht im Urlaub.

Was mir diese Begegnung an Erkenntnis brachte

Ich hoffe, wenn ich alt bin, ist mir auch irgendwann einfach alles egal.

Egal, ob andre mich – aufgrund von Falten, Tattoos oder Nacktheit – anglotzen und hinter vorgehaltener Hand tuscheln.

Egal, ob sie sich empören, wenn ihnen meine längst bis zum Bauchnabel reichenden Hupen schlabbernd die Aussicht versperren, weil ich nach dem Nacktbaden im Meer zwangsläufig zwischen ihren Badelaken und Sonnenstühlen durchlatschen muss.

Egal, ob sie mir auf meine faltige Poperze starren, die ich ihnen genüsslich in Blickrichtung entgegenstrecken werde, während ich mein Badetuch glatt ziehe, um meinen wunderschön bunten, runzeligen, alten Körper nahtlos zu bräunen.

“Wenn ich mal groß bin, mag ich so sein, wie der Opa, der sich auszog.”

Danke, Sizilien, für diesen eindrücklichen Moment.

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