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Auf halber Strecke: Ein Zwischenstopp in Putignano

Putignano sieht auf den ersten Blick (besonders den auf die deutsche Wikipedia dazu) ziemlich unspektakulär aus. Ein Ort, durch den man eher durchfährt. Etwa, wenn man von Bari nach Alberobello fährt … oder umgekehrt. Eine 30.000-Einwohner-Kleinstadt, etwa auf halber Strecke von Bari nach Taranto, die man bei einem Besuch Apuliens leicht übersieht. Und auch ich bin eher zufällig hier gelandet, dank einem Gutschein für einen Spa-Besuch dort.

Eigenschaften von Putignano

Einmal abgesehen von ihrer Unscheinbarkeit, hat die Kleinstadt Putignano ein paar ganz nette Charakteristiken, die man getrost mal in den Vordergrund rücken darf.

Putignano9-225x300 Auf halber Strecke: Ein Zwischenstopp in PutignanoPutignano liegt in der Murgia genannten Kalkhochebene, die sich von etwa der Mitte Apuliens bis in den Osten von Basilikata erstreckt. Diese Gegend zeichnet sich einerseits durch die vielen Tropfsteinhöhlen in der Region aus. Die Castellana Grotte ist dabei wahrscheinlich die bekannteste. Aber auch Putignano selbst hat eine davon. Und die zwei sind noch lange nicht die einzigen. Darüber hinaus ist die Gegend aber Teil des fast 700 km2 großen Nationalparks Alta Murgia und ist das Zentrum der durch Alberobello berühmt gewordenen Trulli.

Für Naturfreunde ist Putignano also schonmal echt eine interessante Anlaufstelle – und von den Touristen noch weitgehend unentdeckte Gegend außerdem.

Die Stadt Putignano mag sich nicht wie Taranto oder Syrakus in zwei Teile spalten, dennoch hebt sich auch hier das historische Zentrum deutlich von der Neustadt ab. Letztere liegt der ersteren nämlich sozusagen zu Füßen. 😉 Und das ist auch der Grund, warum Putignano so unscheinbar wirkt, beim Durchfahren. Man lernt aus dem Autofenster heraus nämlich nur die Neustadt kennen. Hier führt die Strada Statale (SS 172) einmal quer durch den nordöstlichen Teil der Stadt. Die Altstadt hingegen befindet sich auf einem Hügel. Den kann man natürlich auch per Auto erreichen, aber dazu muss man erstens ja erst einmal wissen, dass der überhaupt da ist, und es sich bei Putignano nicht um eine junge Gemeinde handelt. Und zweitens muss man wissen, dass das historische Zentrum der Kleinstadt tatsächlich einen Besuch wert ist.

Zu guter Letzt sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das historische Zentrum von Putignano auf dem Hügel kreisrund angelegt ist und man es von verschiedenen Seiten betreten kann. Die Haupteingänge zur Altstadt sind durch antike Stadtbögen gekennzeichnet. Aber auch zwischen den Häusern lässt sich ganz einfach durch eine der schmalen Sträßchen und Gassen ein Zugang finden.

Das Venedig des Südens?!

Typisch für Putignano ist übrigens sein Karnevalsfest. Das wird nirgendwo in Süditalien so gefeiert wie hier. Genauer gesagt, wird der Karneval in Putignano sogar als der älteste Europas gehandelt, denn er ist bereits seit 1396 belegt. Damit jährt er sich 2019 zum 625. Mal und wird wahrscheinlich noch größer gefeiert werden, als sowieso schon. Für Karnevalisten ein Termin, den sie sich im Kalender schon mal ankreuzen sollten. 😉 Wäre doch mal ein gegebener Anlass für einen Besuch in Putignano, oder? 🙂

Der Karneval wird hier übrigens offiziell am 26.12. eingeläutet und dauert bis zum Martedì Grasso. Neudeutsch (und französisch) Mardi Gras. Oder halt schlichtweg Faschingsdienstag. 😀

Was es in Putignano zu sehen gibt

Zugegeben, zu sehen gibt es hier vorrangig………………………….Kirchen. Aber insgesamt ist das Stadtzentrum einfach nett zum Bummeln und Fotografieren. Außerdem bieten lokale Guides geführte Touren an – zu Fuß oder mit dem Rad und auch ein Museum wartet im Stadtzentrum im gleichen Gebäude, indem sich die Touristeninformation befindet. Der Vorteil: Alles befindet sich ziemlich zentral im Zentrum des Zentrums direkt neben und um die Hauptkirche der Stadt, der Chiesa di San Pietro Apostolo, herum.

Wann man den Ausflug nach Putignano machen sollte

Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen: Nicht im Dezember und nicht über die Mittagszeit! 😀 Wobei auch das seine Vorteile haben kann. So hat man die Altstadt weitgehend für sich allein ab Mittags bis etwa 16 Uhr. Dann nämlich öffnen die ersten Lokale und Bars auch wieder und das Leben verlagert sich wieder nach draußen. Und auch, wenn der apulische Dezember mitnichten so kalt ist, wie der deutsche, nach ein paar Stunden zu Fuß in der Altstadt von Putignano unterwegs, wird’s dann doch etwas ungemütlich. Wir jedenfalls waren ganz froh, als wir um 16 Uhr in ein Teehaus (darüber demnächst mehr) einkehren konnten, das uns so begeistert hat, dass wir dort fast die Zeit vergessen hätten und zu spät zu unserem Spa-Termin gekommen wären.

Wer auf der Durchfahrt ist oder einen Apulien-Rundtrip plant, sollte sich überlegen, in Putignano einen Tagesstopp einzulegen, es lohnt sich. Denn auch wenn uns die vier Stunden an dem Tag lang wurden, wer die Kirchen alle besucht, eventuell noch eine Tour macht, einen spektakulären Nachmittagstee und ein regionales Abendessen genießen will, kann im historischen Zentrum von Putignano eine gute Zeit verleben und die Stunden gut ausfüllen!

Putignano2 Auf halber Strecke: Ein Zwischenstopp in Putignano

2 Comments

  1. Ciao Julia. Ich gehe davon aus, dass die Fotos so menschenleer sind, weil es um die Mittagszeit aufgenommen wurde? Jedenfalls deutet der kleine Smilie darauf hin. Ich selbst kenne das auch von größeren Städten, überall dort, wo wenig Tourismus ist. Aber, es gibt auch Städte, wo, wie hier, eine Neustadt aus unterschiedlichsten Gründen neben die Altstadt gebaut wurde, auch in Deutschland. Oft, weil die alten Häuser eben alt sind, unisoliert (Deutschland), ungünstig aufgeteilt, dunkel, keine Parkplätze, unter Denkmalschutzklauseln… Das führt manchmal dazu, dass die Altstädte zwar nett anzuschauen sind, aber im Prinzip doch zu Museen werden.

    Wie war es denn Abends in Putignano? War es da wieder richtig belebt oder auch nur so gerade eben? Ich frage, weil mein persönliches Wohlgefühl eben auch sehr an den Menschen hängt, nicht allein am Stein.

    • Hallo Martin. Danke für deinen Kommentar! 🙂 Ja, ja, am Abend sind sie wieder alle auf die Gassen geströmt, so ab 16/17 Uhr. Da öffnen die Geschäfte und Lokale wieder und das Leben verlagert sich wieder auf die Straßen. Das ist überall in (Süd-) Italien so. Aber gerade in den kleinen Orten merkt man das umso deutlicher. Da sind die Innenstädte mittags wie ausgestorben. In Bari hingegen, gehen die Leute in der Mittagspause auch schon mal wo essen usw., sodass dort die Siesta zwischen 12/13 und 16/17 Uhr nicht so stark auffällt. Am Tag nach unserem Besuch war auch ein Fest geplant, sodass vor den Eingängen zur Altstadt und den Kirchen Haufen aus Holzschnitt herumlagen, die am nächsten Tag fürs Fest angezündet wurden. Haben wir halt um einen Tag verpasst, das Spektakel. Aber umso mehr Überraschungseffekt versteckt sich halt auch in (spontanen) Besuchen kleinerer Gemeinden.
      Auch in Putignano sind die Neubauten rund um die Altstadt angelegt, nur halt den Berg runter. 😀 War halt auch kein Platz mehr auf der Hügelkuppe irgendwann. Wobei ich in Süditalien die Isolierung der Häuser nur rudimentär als Grund für ein versetztes Neubaugebiet betrachte. Oft werden auch “Neubauten” aus den 50er/60er/70er Jahren nicht nachträglich restauriert und isoliert. Dafür muss man sich dann schon eine moderne Wohnung vom Ende des 20. Jahrhunderts suchen. 😀

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