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Das Castel del Monte

Die Murgia (deutsch: Murge) habe ich im Artikel über Putignano bereits erwähnt. In dieser großflächigen Kalkhochebene, die sich von Apulien bis nach Basilikata erstreckt liegt der Nationalpark Alta Murgia. Und in diesem Nationalpark wiederum befindet sich das UNESCO-Kulturerbe Castel del Monte. Genauer gesagt in der Nähe von Andria, dem Zentrum für Käseherstellung und Eisspezialitäten in Apulien.Castel_del_Monte_Panorama1 Ausflug zum Castel del Monte in Andria (BA), Apulien

Wie das Castel del Monte nach Apulien kam

Der Ursprung des Castel del Monte wird von einigen Historikern auf den 29. Januar 1240 datiert. An jenem Tag soll Stauferkönig Friedrich II. in seiner Funktion als römisch-deutscher Kaiser und Herrscher über das Königreich Sizilien, das seinerzeit auch Apulien umschloss, den Bau in Auftrag gegebenen haben. Er beauftragte also den Scharfrichter von Capitanata, was heute in groben Zügen der Prinz Foggia entspricht, die notwendigen Materialien zu besorgen. Andere glauben, der Bau sei zu dieser Zeit schon längst im Gange gewesen.

Das heutige Kastell soll auf den Ruinen einer noch älteren langobardischen bzw. später normannischen Festung erbaut worden sein. Man geht davon aus, dass Friedrich II. den Abschluss der Bauarbeiten am Castel del Monte, das seinerzeit noch Castel di Santa Maria del Monte hieß, nicht mehr miterlebte. Seit einem königlichen Dekret vom Dezember 1463, erlassen von Ferdinand I. von Neapel, wurde das Kastell dann mit dem heute bekannten Namen versehen.

Die Mysterien des Castel del Monte

Castel_del_Monte1-768x1024 Ausflug zum Castel del Monte in Andria (BA), ApulienDas Kastell wurde in der Nähe der heute nicht mehr sichtbaren Kirche Sancta Maria de Monte errichtet und zeichnet sich vor allem durch seine überraschend schnelle und präzise Errichtung aus.

Die Wissenschaft streitet bis heute darüber, wieso das Achteck das Grundthema des Baus bildet. Sowohl der Korpus, als auch die acht Türme rund um das Kastell herum, sind in oktogonaler Symmetrie erbaut. Manche Historiker glauben, dass das Kastell nach arabischem Vorbild gestaltet wurde. Andere meinen, die Erbauer hätten sich in der Form von der apulischen Krone inspirieren lassen. Bis heute ist das Oktogon Symbol Apuliens – erkennbar im Wappen bzw. der Flagge Apuliens, im Logo der BancApulia, im Siegel der Universität Aldo Moro in Bari, usw.

Ebenfalls unklar ist, wer sich die Form überhaupt ausgedacht hat. Einige schreiben die Architektur Friedrich II. selbst zu. Nicht ganz abwegig, der Gedanke, wenn man weiß, dass Friedrich II. ein kulturell und naturwissenschaftlich sehr interessierter Mensch gewesen ist. Andere glauben, der Haus- und Hofarchitekt des Kaisers da Lentini, der unter anderem auch das Castello Maniace in Syrakus entworfen hat, stecke hinter der rätselhaften Form.

Eine weitere Vermutung seitens der Historiker ist, dass das Castel del Monte im Original mindestens ein Stockwerk höher gewesen sein soll. Dafür spräche, dass bis heute Reste von Wendeltreppen erkennbar sind, die oberhalb des ersten Stocks in den Türmen liegen. Man kann sie aber nicht betreten, weil die Verbindung zwischen erster und vermeintlich zweiter Etage schlicht fehlt. Genau genommen sieht es gar so aus, als wäre sie nie da gewesen. Wie es allerdings dazu kam, dass der zweite Stock so gleichmäßig verschwunden ist, darüber schweigt die Wissenschaft sich aus.

Nicht zuletzt bleibt es bis heute ein Mysterium, welchen Zweck das Kastell eigentlich erfüllen sollte. War es Lustschloss, Verteidigungsturm, Jagdschloss oder das Versteck des Staatsschatzes? Vieles ist denkbar. Bedenkt man, dass man vom Kastell aus bis aufs Meer vor der Küste Andrias blicken kann, ist ein gewisser strategischer Gedanke bei der Errichtung nicht abzustreiten. Es kann aber auch nur bedeuten, dass der Herrscher nach der Jagdsaison schneller am Ablegeplatz seiner Schiffe war, die ihn zurück zu seinem Hauptsitz in Sizilien und später Deutschland gebracht haben.Castel_del_Monte_Panorama2-768x1024 Ausflug zum Castel del Monte in Andria (BA), Apulien

Eins ist jedenfalls sicher: Das Castel del Monte gibt bis heute Rätsel auf.

Castel del Monte im virtuellen Schnelldurchlauf

Das Castel del Monte betritt man durch den nach Osten gerichteten Haupteingang. In jedem der acht Türme führen Treppen in den ersten Stock. Nicht alle sind allerdings für Besucher frei gegeben.

Auf der Erdgeschossebene könnt ihr euch über den Stammbaum Friedrichs II. und die Geschichte des Kastells informieren.Castel_del_Monte_Stammbaum_FriedrichII-1024x768 Ausflug zum Castel del Monte in Andria (BA), Apulien

Im zweiten Stock könnt ihr großartige, antike Handwerkskunst bestaunen: Säulen aus Marmor, Dekorationen aus Korallen, Überreste von Kaminen. Von diesen findet ihr in jedem zweiten Raum einen. In den andren befinden sich balkonartige Fenster. Und in einem der Türme befindet sich gar die Toilette der Kastellbewohner.

Genießt unbedingt auch den Ausblick rund um das Kastell. Das Panorama ist wirklich einzigartig.

Castel_del_Monte_Panorama2 Ausflug zum Castel del Monte in Andria (BA), Apulien

Wie kommt man zum Castel del Monte

Von Bari aus fahren Busse direkt zum Castel del Monte.

Alternativ könnt ihr aber auch mit dem Zug nach Andria fahren und dort in einen Shuttlebus steigen.

Die dritte Variante ist die Anfahrt mit einem Auto, Motorrad oder Wohnmobil. Für letztere gibt’s sogar extra Parkplätze, wo man eventuell auch eine Nacht stehen bleiben kann. Etwa, wenn man erst spät abends ankommt und den Besuch des Castel del Monte auf den nächsten Morgen schieben möchte.

Es gibt zwei Parkareale, ein großes am Fuß des Hügels, auf dem das Kastell steht. Und ein kleineres etwas näher am Kastell dran. Dort ist der Platz allerdings begrenzt, aber dafür gratis. Das ist er auf dem Parkplatz unterhalb nicht. Vom großen Parkplatz aus, müsst ihr dann zu Fuß zum Kastell hochlaufen.

Wir waren mit dem Motorrad unterwegs und hatten deshalb das Glück, direkt unterhalb des Kastells parken zu können. Andere haben den “Aufstieg” durch den Wald genießen dürfen. Nicht wenige Besucher waren auch mit Hunden da, wenn euer vierbeiniger Begleiter also sozialverträglich ist, kann der durchaus auch mit. (Und wenn ihr ein paar Leckerli mitnehmt, freuen sich die Streuner, die sich rund ums Castel del Monte aufhalten, auch über einen kleinen Snack und ein paar Streicheleinheiten zwischendurch.)

Wann besucht man das Castel del Monte am besten?

Ich persönlich empfehle die Nebensaison zum Besuch des Castel del Monte. Man hat dort einfach mehr Ruhe als in der Hauptsaison. Und immerhin sprechen wir hier von einem der meist besuchten Ausflugsziele Italiens. Im Jahr 2014 katapultierten 206.924 Besucher das Castel del Monte auf Platz 30 der Besucherstatistik.

Wir waren am ersten Februarwochende dort, mit dem Motorrad. Und die Parkplätze waren so gut wie leer. Trotz dass an jenem Sonntag Gratis-Museum-Tag in Apulien war.

Wer aber auch regulär den Eintritt sparen möchte, sollte sich einen Besuch im Castel del Monte für jeden ersten Sonntag im Monat vorbehalten. Dann könnt ihr das Kastell und die immer mal wieder darin aufgeführten Ausstellungen in Ruhe und kostenlos erkunden. An regulären Tagen kostet der Eintritt ins Kastell 5 € für Erwachsene, für Kinder unter 18 ist er gratis. Darin ist aber nicht der Besuch der Ausstellung enthalten. Wenn ihr diese auch besuchen wollt, müsst ihr das doppelte bezahlen.

Castel del Monte Öffnungszeiten

Castel_del_Monte_Panorama_Meer Ausflug zum Castel del Monte in Andria (BA), ApulienDas Castel del Monte ist an 363 Tagen im Jahr geöffnet. Ausnahme sind der 25. Dezember und der 1. Januar.

In der Hochsaison zwischen April und Ende September öffnet das Kastell von 10:15 Uhr bis 19:45 Uhr.

In der Nebensaison von Oktober bis Ende März ist das Castel del Monte von 09.00 Uhr bis 18:30 Uhr geöffnet.

Rechnet ein paar Minuten mehr ein und taucht dort nicht zu überpünktlich auf, denn in Süditalien ticken die Uhren ein klitzeklein bisschen anders. 😉

Der Ticketschalter schließt jeweils eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeit.

22 Comments

  1. Ein wirklich schöner Bericht. Ist schon über zehn Jahre her dass ich dort war und hatte einiges vergessen, aber nun sind die Lücken wieder gefüllt.
    Ich habe mich schon gefragt ob es dort noch immer viele Streuner gibt und dein Bericht war die erste und bis jetzt einzige Antwort die ich darauf finden konnte, also vielen Dank xD

    • Haha, na immerhin. Das ist auch schon mal schön zu hören, dass mein Artikel ein Alleinstellungsmerkmal beinhaltet. 😀

  2. Hurra! Diesen Artikel muss ich meinem Mann zeigen. Er interessiert sich sehr für Geschichte und Architektur! Ich bin selbst gerade auch total begeistert und werde mir das “Castel der Monte” auf jeden Fall vormerken. Besonders interessant finde ich den Fakt, dass nicht ganz klar zu welchen Zweck das “Castel” erbaut wurde. 🙂

    Insgesamt möchte ich dir ein großes Kompliment für deinen interessanten Blog hier lassen! Ich lebe sehr grenznah zu Italien und werde bestimmt öfters mal hier vorbeischauen.

    Alles Liebe
    Corinna

    • Vielen lieben Dank für das nette Kompliment, liebe Corinna, und ja, plant schon mal eine Sightseeing-Tour. Apulien ist dafür wie gemacht. 🙂 Schön, dass ich bei Dir und deinem Mann den Nagel auf den Kopf getroffen hab, mit dem Post über das Castel del Monte. 🙂 LG Julia

  3. Das ist ein toller, informativer und gut recherchierter Bericht über das Castel! Sehr interessant und macht Lust, es sich mal in Natura anzusehen.

    • Danke dir, Britta für das Kompliment. 🙂 Ja, in natura ist es echt beeindruckend. 🙂 LG

    • So muss das doch. 🙂 Noch dazu wo es geraden einmal Februar war. 🙂 War wirklich ein toller frühlingshafter Tag. LG Julia

  4. Ein wirklich toller und sehr ausführlicher Bericht. In Italien war ich schon lange nicht mehr. Aber dein Beitrag macht wirklich Lust darauf. Sollte ich also auf meine Reiseliste setzen.

    Alles Liebe

    Freya

    • Ich persönlich finde ja, Italien sollten auf keiner Reiseliste fehlen. 🙂 Falls es dich mal hierher verschlägt, meld dich gern. 🙂 LG Julia

  5. Ein interessanter Bericht und ein wunderschönes Schloss. So anders als das Schnörkelige das ich so liebe. Ich muss auch irgendwann mal in Italien auf Tour gehen.

    • Ja, die Stauffer hatten es mit Schnörkeln nicht so. 😀 Aber Apulien bietet auch Barock. In Lecce etwa lässt sich wunderbar der italienische Barock mit Schnörkeln und Verzierungen begucken. 🙂 LG Julia

  6. Ein super schöner und informativer Beitrag, der wirklich Lust auf das Castle macht.

    Danke für den liebevollen Beitrag.

    LG Sabana

  7. Wir sind ja eher die Outdoor-Fans und zum Nationalpark Alta Murgia “müssen” wir jetzt wohl mal genauer recherchieren. Deine Castel-Führung macht auf jeden Fall Appetit, sich dieses historische Gebäude auch von innen anzuschauen.

    Viele Grüße Silke & Thomas

    • Hallo ihr beiden, danke für den Kommentar. Ja, in Apulien gibt es historisch viel Interessantes zu entdecken. Da werdet ihr auf jeden Fall finden, was ihr sucht. 🙂 LG Julia

  8. ein toller und informativer Reise-Bericht liebe Julia!
    ich war selber noch nicht in der Gegend von Apulien, mag aber solche historischen Orte sehr gerne. ist immer spannend mehr über die Geschichte dort live zu sehen und zu erfahren 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    • Danke für das liebe Kompliment. Also, wenn Du auf Geschichte stehst, ist Italien ja die ultimative Anlaufstelle – und Apulien im Speziellen natürlich sowieso. 😀 LG Julia

  9. Danke für den informativen Bericht! Ich liebe Burgen und Schlösser, daher wäre das auch was für mich. Interessant das es so viele Rätsel um das Castell gibt.

    LG aus Norwegen
    Ina

    • Ja, den Aspekt find ich auch sehr spannend. War mir zuvor gar nicht bewusst. Aber das macht den Besuch umso interessanter. 🙂 Schicke ebenfalls liebe Grüße mal eben 3.000 Kilometer in den Norden. Julia

  10. Ziemlich ausführlicher Beitrag und es erweckt in mir die Sehnsucht dahin zu kommen. Die Geschichte ist gut recherchiert und macht den Beitrag mehr als Interessant. Du warst doch sicherlich dort! Wann geht man zu welcher Uhrzeit am Besten dahin? Morgens? Mittags oder Abends?

    • Hi Kari, klar war ich da. Sonst hätte ich keine Fotos schießen können. 😀 Wir sind sonntags am späten Vormittag losgefahren und waren etwa um die Mittagszeit herum dort. Dass nun ausgerechnet sonntags so wenig los war, mag Jahreszeit bedingt gewesen sein. Denn logischer Weise sind im Februar noch kaum Touristen hier. Besonders, wo am ersten Sonntag im Monat der Eintritt auch gratis ist. Tendenziell würde ich zu einem Besuch um die Mittagszeit raten, weil die Süditaliener oft ihre berüchtigte Siesta halten zwischen 12/13 und 16 Uhr. Aber garantieren kann ich für nix. Besonders im Sommer oder generell bei gutem Wetter kann selbst der Schuss nach hinten los gehen. Kommt auch drauf an, was man sonst noch geplant hat. Ist das Casel del Monte nur Zwischenstop und man hat am Nachmittag noch andres geplant? Oder ist man sowieso in der Gegend? Das spielt alles in die individuell beste Besuchszeit mit rein. 🙂 Liebe Grüße und vielen lieben Dank für das nette Kompliment zum Artikel! Julia

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