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Ein Ausflug in die Provinz Bari:

Bitonto und seine Beziehung zur Madonna

Ich bin Anfang des Jahres vom Zentrum Baris in die etwas außerhalb gelegene Kommune Bitonto gezogen. Und natürlich blieb es da nicht aus, sich auch mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. In den nächsten Monaten werden euch also wohl noch ein, zwei weitere Artikel aus der 55.000 Einwohner-Stadt Bitonto in der Provinz Bari erwarten.

Gegründet wurde die Kleinstadt irgendwann in den letzten Jahrhunderten vor Christus. Namensgeber stand dabei der König der Illyrer, Botone. Die Illyrer waren ein Mittelmeervolk, das ab etwa 500 v. Chr. die Küstenregionen des heutigen Albaniens, Montenegros, Makedoniens und Herzegowinas besiedelt hatten. Im zweiten Illyrischen Krieg um 219 v. Chr. verleibten sich die Römer einen Großteil des Illyrischen Reiches ein und besiegelten damit das Ende deren Herrschaft.

Spuren erster Besiedelung gehen aber bis auf das neolithische Zeitalter zurück und schon zu Zeiten der Peuketier (eine altitalienische, oskisch-umbrische Bevölkerungsgruppe) ein wichtiges Handelszentrum in Apulien. Bevor Bitonto Teil der Provinz Bari wurde, war es eng verknüpft mit der etwa 100 Kilometer entfernten Provinz Taranto (Tarent) und somit auch unter der Magna Grecia ein bereits bekannter Ort.

Um euch aber nicht weiter mit historischen Einzelheiten zu langweilen, komm ich nun zum eigentlichen Kern dieses Artikels. Bitontos etwas spezielle Beziehung zur Heiligen Jungfrau Maria.

Die Legende der heiligen Maria als Schutzpatronin der Bitontiner

Wie ziemlich jede andere Stadt in Italien hat auch Bitonto in der Provinz Bari seine ureigene Schutzheilige. Und wie sich das gehört, steht dahinter auch eine Legende, die die Wahl des oder der jeweiligen Schutzpatron*in sozusagen rechtfertigt. Im Falle Bitontos ist das nun einmal die heilige Jungfrau Maria. Und warum ausgerechnet die?

Im Jahr 1703 wurde die Provinz Bari von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Einzig Bitonto wurde vor Schäden bewahrt, während die Territorien um die Stadt herum allesamt schwer beschädigt wurden. Dieses Wunder schrieb man seinerzeit der Jungfrau Maria zu und errichtete ihr zu Ehren einen Obelisken auf der heutigen Piazza Cattedrale im historischen Zentrum von Bitonto.

Das eigentliche Wunder aber, das die Beziehung der Bitontiner zur Heiligen Maria zementierte, geschah während der “Schlacht von Bitonto” im 18. Jahrhundert. Dazu muss man wissen, dass 1707 die Österreicher Süditalien an sich rissen. Die bis dahin herrschenden Spanier wollten sich das natürlich nicht wirklich gefallen lassen und so plante man die Rückeroberung des Gebietes. So standen sich am 25. Mai 1734 die beiden Heere in der Provinz Bari gegenüber. 10.000 Österreicher wollten ihr Herrschaftsgebiet gegen 14.000 Spanier verteidigen. Was zunächst nach einem Sieg für die Österreicher aussah, wandte sich durch Verstärkung für die Spanier aus Andria später zugunsten der Spanier unter Führung des Generals Montemar.

Nach neunstündiger Schlacht, während derer man sich immer weiter in Richtung Küste bewegte, drohten die Spanier den Österreichern überlegen zu sein. Also traten diese die Flucht an und versteckten sich hinter den Verteidigungsmauern Bitontos. Am nächsten Tag ritt das spanische Heer den geflüchteten Österreichern nach. Diese ergaben sich ohne großen Widerstand und wurden von den Spaniern gefangen genommen.

Dem General der Spanier war das aber nicht genug. Er bestand darauf, Bitontos Schutzmauern einzureißen und ließ sie so lange mit Kanonen belagern, bis die Stadt ungeschützt und verteidigungslos war. Während dieser (wie ich finde) etwas kindischen Bestrafungsaktion (wohl eher Frust∼) gegenüber der Stadt, die dem Feind Schutz geboten hat, soll dem spanischen Heeresführer die Schutzpatronin Bitontos erschienen sein.

Von wegen keine Verteidigung mehr!

Und so sah sich General Montemar unter der 3 Jahrzehnte zuvor zu Ehren der “Mutter Gottes” errichteten Säule der Heiligen Jungfrau Maria gegenüber. Die warnte ihn einschüchternd davor, die Stadt weiter zu zerstören und soll zu ihm gesagt haben:

Beleidigt nicht diese Stadt, denn diese ist mein Augapfel und ihre Bewohner meine Kinder. Ich werde sie verteidigen!

So, so will es die Legende, wurde die kleine Stadt in der Provinz Bari verschont. Und die Bitontiner hatten endgültig ihre Schutzheilige.

…und wer sich fragt, wie die weitere Schlacht ausging…

Nach der intensiven Begegnung mit der Jungfrau Maria zog sich der spanische General nach Bari zurück, wo sich mittlerweile die verbliebenen Österreicher verbarrikadiert hatten. Die sahen sich allerdings zwischen den Fronten. Einerseits die ankommenden Spanier, andererseits die Baresen. Und die hatten mal so gar keinen Bock darauf, ihre Stadt von den Spaniern in Einzelteile zerlegt zu bekommen, so wie es die Bitontiner gerade noch mal so dank des Eingreifens ihrer Schutzpatronin verhindern konnten.

Die Baresen begehrten gegen die Österreicher auf, die sich in ihrer Stadt eingeschlossen hatten. Und so blieb Letzteren kaum etwas anderes übrig, als sich dem spanischen Heer zu ergeben.

Übrigens: Diesen Geschehnissen in der Provinz Bari während der Schlacht zwischen den Österreichern und Spaniern schreibt man den weiteren Verlauf der spanischen Rückeroberung Süditaliens zu. Denn natürlich verbreitete sich die Kunde der siegreichen und fiesen Spaniern wie ein Lauffeuer im “Königreich beider Sizilien”. Und das war den meisten Bewohnern des “Königreichs Sizilien diesseits und jenseits des Leuchtturms von Messina” Grund genug, ihre Städte ohne größere Widerstände unter spanische Herrschaft stellen zu lassen. …andererseits: Wer hätte sie auch vor den Spaniern verteidigen wollen, lagen die Österreicher doch längst dar nieder?!?

Obelisk_Carolino_Bitonto_Provinz_Bari-225x300 Ein Ausflug in die Provinz Bari: Bitonto und seine Beziehung zur MadonnaDer neue Spanische Herrscher über Süditalien, Karl III. von Spanien, ernannte den siegreichen General Montemar zum ewigen Kommandanten von Castelnuovo und Herzog von Bitonto. Außerdem ließ er ihm zu Ehren einen Obelisken errichten, der an seinen Sieg erinnern sollte. Dieser steht noch heute genau da, wo dem Heeresführer die Heilige Jungfrau Maria in der Provinz erschienen sein soll. Auf der Piazza XXVI Maggio vor der Basilika dei Santi Medici Cosma e Damiano. (Die Piazza trägt natürlich auch den Namen “26. Mai”, weil eben an jenem Tag die Marienerscheinung geschehen sein soll, die Bitonto vor der Vernichtung bewahrt hat.)

 

 

 

if_13_-_Pintrest_2945055 Ein Ausflug in die Provinz Bari: Bitonto und seine Beziehung zur Madonna

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1 Comment

  1. Das war ja alles ganz schön stressig zu der damaligen Zeit in Europa. Wenigstens ist man bei uns heute nicht mehr so kriegerisch, wenn gleich in anderen Regionen der Welt dafür umso mehr. Aber Maria hatte es wohl echt drauf 😉
    Liebe Grüße
    Sabine

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