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Das Castello Aragonese in Tarent

König Ferdinand II. von Aragón, Sohn des göttlichen Alfons und Enkel des himmlischen Ferdinands, baute dieses baufällige Schloss um; er vergrößerte es und sicherte es ab, damit es der Wucht der Kugeln standhalten könnte – 1492.

So steht es über der Porta Paterna des Castello Aragonese in Tarent neben dem Wappen derer von Aragón. Im Klartext heißt das, das Kastell wurde im ausgehenden 15. Jahrhundert fertig gestellt und war zum Zeitpunkt dieser letzten (Um-) Baumaßnahmen bereits über 500 Jahre alt. Mittlerweile hat es (Stand: 2018) satte 1.051 Jahre auf dem Buckel und ist nun in all seiner Pracht und allen Baustadien zu besichtigen.

Um die Erhaltung des Castello Aragonese kümmern sich die italienischen Seestreitkräfte, deren Sitz in Taranto in eben jenem Kastell liegt. Und sie sind es auch, die dort Führungen anbieten. Darum also nicht wundern, wenn ihr beim Warten vor dem Eingang auf die nächste Besichtigungstour ein- und ausgehende Marinesoldaten und -offiziere seht. Das soll schon so. 😉

Castello_Aragonese_Tarent-1170x508 Das Castello Aragonese in Tarent

Führungen durchs Castello Aragonese in Tarent

Die Führungen durchs Castel Sant’Angelo finden zu jeder vollen Stunde statt. Nur um die Mittagszeit (11.30 – 14.00 Uhr) sind zwei Stunden Siesta. 🙂

Die genauen Zeiten der Besichtigungstouren könnt ihr entweder im angegliederten Infobüro ablesen oder erfragen. Dieses findet ihr am seitlichen Turmeingang vor der Brücke, die euch von Taranto Vecchia nach Neu-Tarent führt. Oder aber direkt neben bzw. auf dem schmiedeeisernen Eingangstor des Kastells.

Die gratis Besichtigungen werden auch an Sonn- und Feiertagen angeboten.

Die geführte Tour dauert etwa 1:30 Stunden und beinhaltet eine komplette Wiedergabe der Erbauungsgeschichte des Kastells, aber auch Einblicke in die Historie von Tarent als Stadt und ist eine spannende und kurzweilige Veranstaltung, die man bei einem Besuch in der Stadt unbedingt mitnehmen sollte.

Modell_Castello_Aragonese_Tarent-225x300 Das Castello Aragonese in Tarent

Kleiner Wermutstropfen: Die Führungen werden ausschließlich in italienischer Sprache durchgeführt. Sodass sich eine gewisse Grundkenntnis der Sprache mindestens empfiehlt. Einige Beschreibungen auf Schildern sind aber auch in deutscher Sprache verfügbar.

Eintritt und Führung im Castello Aragonese sind kostenlos! 

Die Kuratoren des Kastells bieten auch eine virtuelle Tour durch das Castel Sant’Angelo in Tarent an. Einfach auf die sich bewegenden Pfeile der unterschiedlichen Stockwerke links in der Grafik klicken und euch am Bildschirm auf Besichtigungstour begeben:

Hier geht’s zur Virtual Tour durch das Castello di Taranto.

Zur Geschichte des Castello Aragonese di Taranto

Beim Castello Aragonese in Tarent handelt es sich um ein über 1.000 Jahre altes Gebäude. Entsprechend viele Ären, Wirren, Zeitenwenden und Herrscher haben die Gemäuer kommen und gehen sehen.

Die Byzantiner

Die Byzantiner haben das Castello Aragonese in seiner ersten Version errichtet. Und zwar auf den Resten griechischer Siedlungsstätten aus dem 4. bis 3. Jahrhundert vor Christus. Entstanden ist das byzantinische Fort zwischen 780 und 916. Zu dieser Zeit bestand die primitive Befestigungsanlage noch aus wenig mehr als hohen, schmalen Türmen. Von hier aus wurde die heutige Altstadt von Tarent auf der vorgelagerten Insel mit Lanzen und Pfeilen, bisweilen gar mit kochendheißem Öl vor Eindringlingen verteidigt.

Die Byzantiner haben damals noch die griechische Aufteilung Tarents übernommen haben. Das heißt, die Stadt selbst erstreckte sich lediglich über den Teil Tarantos, der heute als Altstadt auf der kleinen Insel vor dem Festland liegt und durch das kleine Meer von der Neustadt getrennt ist. Dort, wo mittlerweile der moderne Teil der Stadt errichtet steht, befand sich die Totenstätte, die Necropolis. Vom Castel Sant’Angelo aus verteidigten die Byzantiner Tarent vor den feindlichen Sarazenen und gegen die Republik Venedig.

Die Neapolitaner

Es dauerte fast ein halbes Jahrtausend bis am Castello Aragonese merkliche Veränderungen vorgenommen wurden. So wurde zunächst ein befahrbarer Kanal angelegt, um über den Seeweg schneller Verstärkung ins Kastell schicken zu können. Dabei war der Kanal aber schmaler als der aktuelle und die Ufersicherung unregelmäßig, schlicht, um der feindlichen Kriegsmarine den Zugang zum Mar Piccolo zu erschweren.

In Auftrag wurde die Verstärkung des Castel Sant’Angelo in Tarent von Ferdinand I., König von Neapel und eigentlich Ferdinand II. von Aragón gegeben.

Nach der Anlage des beschiffbaren Kanals widmeten sich die Herrscher derer von Aragón den Türmen der Anlage. Denn längst hielten die byzantinischen Originalmauern den modernen Waffen des Mittelalters nicht mehr stand. Also wurde aufgestockt. Zwischen 1486 und 1492 wurde die Anzahl der Verteidigungstürme erhöht. Aber auch die Struktur der vorhanden nachhaltig verändert. Sie wurden niedriger, aber dafür im Durchmesser größer und die Mauern dicker. Sieben an der Zahl wurden errichtet.

Die drei niedrigsten davon entlang des neu angelegten Kanals sind der Torre San Cristoforo, San Lorenzo und der Torre Sant’Angelo. Die Türme waren 21 Meter hoch, ihre Wände etwa 8 Meter dick. Im Durchmesser kam der größte der Türme, der San Cristoforo auf satte 28 Meter. Die andern beiden waren aber mit 18 Meter nun auch keine Schwächlinge.

Ergänzt wurden diese drei Haupttürme von weiteren vieren. Zwei davon wurden zur heutigen Altstadt von Tarent hin errichtet. Das waren der Torre della Bandiera und der Torre della Vergine Annunziata. Zwei weitere Türme entstanden entlang des Wassergrabens in Richtung des “kleinen Meeres” zwischen Tarent auf der Insel und der Nekropole auf dem Festland.

1491 wurde zwischen dem Torre della Bandiera und dem Torre San Cristoforo ein dreieckiger Wallschild erbaut. Die fünf benannten Türme, wobei der Torre Sant’Angelo als letzter zum Gesamtkonstrukt hinzu gefügt wurde, sind über Walle miteinander verbunden und schaffen damit eine Form, die entfernt an ein Skorpion erinnert. Ob das Absicht war oder Zufall aufgrund der strategischen Anordnung der Verteidigungstürme, ist nicht belegt.

Die Spanier

Als die Spanier Anfang des 16. Jahrhunderts die Herrschaft derer von Aragón beendeten, bauten sie die Plattformen und Türme des Castello Aragonese in Tarent weiter aus, um das Manövrieren der Kanonen und der Artillerie zu vereinfachen. Sie füllten alte Gänge zwischen den Mauern und antike Wallgewölbe der Wehrfestung mit Erde auf. Einerseits, um deren Standhaftigkeit zu verbessern, sie also zu verstärken. Andererseits, um die Artilleriestellung zu optimieren.

Außerdem verbreiteteren sie die Wasserstraße, die das Mar Piccolo mit dem Mar Grande verbindet. Und ergänzten eine weitere Befestigung aus drei Türmen.

So konnte das Castello Aragonese in Tarent sich dank der Verstärkungsmaßnahmen der Spanier in vielen Schlachten im 16. Jahrhundert behaupten, ohne größeren Schaden zu nehmen. Besonders wichtig erwies sich das Castel Sant’Angelo in der letzten Schlacht von 1594, als die Türken Taranto angriffen.

Die Habsburger

Als die Österreicher die politische Gewalt in Süditalien an sich rissen, verlor das Castello Aragonese in Tarent an Bedeutung. Statt als Verteidigungswehr wurde das Kastell nun zum Gefängnis umfunktioniert. Ein ziemlich berüchtigtes sogar.

Denn die baulichen Eigenschaften des zur Folterkammer umfunktionierten Gewölbes verstärkten die gellenden Schreie der Gefolterten zusätzlich. Der psychologische Stress für die Mitgefangenen muss mindestens so unerträglich gewesen sein, wie die Folter selbst.

Das Castello Aragonese di Taranto ab dem 19. Jht

Es war tatsächlich Napoleon Bonaparte, der das Castello Aragonese wieder seinem ursprünglichen Zweck zuführte. Seitdem dient das Castel Sant’Angelo wieder als Militärsitz bzw. Kaserne für die Marinestreitkräfte.

1883 wurde der Torre Sant’Angelo teilweise abgetragen, um Tarents zweites Wahrzeichen, die Drehbrücke, zu installieren.

Im gleichen Jahr übernahm die Marine die Kuratorenschaft über das Castello Aragonese in Tarent und restauriert nach und nach alle noch zugänglichen Bereiche. Unterstützt werden sie dabei von freiwilligen Helfern unter den Bewohnern Tarents. Ziel der Restaurationsarbeiten ist es, die aragonesische Beschaffenheit wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Und außerdem die griechischen, byzantinischen, normannischen und schwäbisch-angevinischen Strukturen wieder ans Tageslicht zu bringen.

Besonders sehenswert im Castello Aragonese in Tarent

Was mich persönlich sehr begeistert hat, abgesehen von der wirklich gut erhaltenen Substanz des restaurierten Kastells, war …

  • … der zu Teilen frei gelegte Originalturm aus byzantinischer Zeit. Dieser wird umringt von einem der größeren, aragonesischen Türme. Er weist eine leicht rosa-gelbliche Farbe auf, die sich durch die Kristallisierung der Baumaterialien über die Jahrhunderte herausgebildet hat. Verstärkt wurde diese “Verfärbung” durch das Meerwasser und die Sonneneinstrahlung über die Jahrhunderte.
  • … der Originalmechanismus, um die Zug- bzw. spätere Drehbrücke zu öffnen und zu schließen. Dieser wurde damals mit Wasserkraft betrieben und kann vollständig erhalten im Innern einer der Türme bestaunt werden. Der Guide erklärt auch genau, wie das System funktioniert hat. Die aktuelle Brücke zwischen Alt- und Neu-Tarent ist natürlich elektrisch.
  • … die in pompejischer Manier “mumifizierte” Katze, die in einem der Wehrtürme ausgestellt ist. Die Ärmste muss wohl bei einem Angriff von heißer Asche bedeckt und darunter erstickt sein. Etwas makaber, aber gleichzeitig auch eine faszinierende “Zeitzeugin”.
  • … die Kapelle San Leonardo direkt links hinter dem Eingang. Sie ist der letzte Stop der geführten Tour durch das Castello Aragonese. In dieser Kapelle heirateten die letzten königlichen Herrscher über Tarent und sie ist Teil der jährlich stattfindenden Nachstellung eben jener Heirat.
  • … die Sammlung antiker Schriften und Dokumente. Viele davon sind natürlich schriftlich festgehaltene Marineaufzeichnungen. Aber es finden sich darunter auch philosophische und andere Schriften. Sogar deutsche sind darunter.

Hier findet ihr weitere Tipps zu Tarent, seinen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Specials.

 

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