Steigender Meeresspiegel – hier spürst du die Klimaerwärmung in Italien

Zwar gibt es selbst 2018 noch immer Menschen, die den Klimawandel und mit ihm einhergehend schmelzende Eiskappen und steigende Meeresspiegel auf Biegen und Brechen leugnen. Wir wollen uns an dieser Stelle aber lieber den wissenschaftlichen Erkenntnissen widmen. Denn nicht zuletzt bedroht ein höherer Meeresspiegel auch die deutschen Küsten. Und die Küsten in der Deutschen liebstem Urlaubsland, Italien. Wie also steht es um den Meeresspiegel in Italien?

In 100 Jahren könnten 5.500 km2 italienischer Küste überflutet sein

Ich sitze hier im späten Oktober bei strahlendem Sonnenschein und wünsche mir, dass es Weihnachten noch genauso warm sein soll. Irrwitzig eigentlich. Denn ich weiß, dass ein Winter bei frühlingshaften Temperaturen nur dann denkbar ist, wenn das Klima sich weiter erwärmt. Gleichzeitig sorgt genau das dafür, dass der Meeresspiegel steigt und so das Meer die Landmassen peu à peu verschlingt. Ein Gedanke, der Gänsehaut verursacht. Bisher sind es 7 Gegenden, deren Küstenabschnitte vom ansteigenden Meeresspiegel in Italien bedroht sind. In knapp 80 Jahren könnte die Klimaerwärmung den gewohnten Anblick drastisch verändert haben.

Italien saubere Strände - Symbolbild: Strand in Apulien, Provinz Lecce

Wenn die Meere weiter ansteigen, wird der Meeresspiegel Italien irgendwann verschlungen haben. Schon in den nächsten weniger als 100 Jahren könnten ihm mehrere Tausend Quadratkilometer Küste zum Opfer gefallen sein. Und vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, sind 100 Jahre ein Wimpernschlag in der Erdgeschichte. Das stellt eine Gefahr dar für alle am Meer gelegenen Orte. Und in Italien sind das nicht gerade wenige. Am schlimmsten betroffen werden laut Angaben des ENEA, dem Nationalen Ausschuss für Kernenergie und alternative Energien, die Regionen Mittel- und Süditaliens sein.

Hier bedroht der Meeresspiegel Italien am meisten

Die betroffenen Regionen erstrecken sich vor allem von den Abruzzen bis nach Sizilien. Hier ein Einblick in die Teile Italiens, die bald ihr nasses Grab finden werden – wenn nicht rechtzeitig interveniert wird und Klimaziele endlich durchgesetzt und erreicht werden.

  • Pescara, Martinsicuro, Fossacesia (Provinz Chieti) in den Abruzzen
  • Lesina (Provinz Foggia) in Apulien
  • Granelli (Provinz Siracusa) auf Sizilien
  • Valledoria (Provinz Sassari) auf Sardinien
  • Marina di Campo auf Elba

Eine Aussicht, die Anlass zur Besorgnis gibt. Schon vor längerem hat der ENEA gewarnt, dass die Gebiete zwischen Triest, Venedig und Rom, sowie der Golf von Tarent und die sardischen Meeresebenen von Oristano und Cagliari vom Anstieg des Meeresspiegels der Adria bedroht seien. Weitere Risikogebiete befinden sich in der Toskana, im Lazio, in Kampanien und auf Sizilien. Genauer gesagt

  • die Gegenden um Versilia,
  • Fiumicino, Fondi und andere Zonen in der Pontinischen Ebene,
  • die Sele-Ebene einschließlich Eboli und Paestum, die Volturno-Ebene,
  • sowie die Küstenregion um Catania und die Liparischen (Äolischen) Inseln.

Die Angaben des ENEA sind präzise und zuverlässig. Dafür sorgt ein Mega-Computer, den der Energieausschuss zusammen mit dem berühmten MIT in Boston entwickelt hat. Dieser liefert genaue ozeangrafische, geologische und geophysische Informationen, die es ermöglichen, den Anstieg des mediterranen Meeres beinah beängstigend genau vorherzusagen und zu verorten.

Was bedeutet der steigende Meeresspiegel für Italien?

Der bis zum Anfang des 22. Jahrhunderts erwartete Anstieg des Meeres wird die Überflutung von gut und gerne 5.500 km2 Küstengebieten in Italien zur Folge haben. Was bedeutet das für den Stiefelstaat und seine Einwohner? Das bedeutet, dass das Land Gefahr läuft, insgesamt so große Gebiete den Fluten opfern zu müssen, dass mehr als die Hälfte der Italiener ihre Heimat verlieren würden. Ja, richtig gelesen. Den offiziellen Berechnungen zufolge, wird der ansteigende Meeresspiegel Italien die Menge an Landmasse rauben, auf der über die Hälfte aller Einwohner des Landes lebt.Italien saubere Strände - Symbolbild: Strand in Apulien, Provinz Tarent

Eine Größenordnung, die schockiert, aber nicht wirklich überrascht. In den letzten 200 Jahren ist das Durchschnittsniveau der Meere so schnell angestiegen, wie in den vorangegangenen 3.000 Jahren nicht. Diese Beschleunigung bedeutete allein in den vergangenen 20 Jahren einen Anstieg von 3,4 Millimetern im Jahr. Das klingt wenig. Und tatsächlich, für das menschliche Auge geht dieser Prozess beinah unbemerkt von statten. Dieser Prozess, der Strände kontinuierlich schmaler werden und das Meer sich immer weiter ins Landesinnere fressen lässt. Und doch, auf den ersten Blick unmerklich, wird der steigende Meeresspiegel Italien nachhaltig verändern, wenn nicht gar verschlingen.

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