Eine Sache, die ich an meiner Wahlheimat Bari besonders schätze, ist, dass die apulische Hauptstadt (für süditalienische Verhältnisse) richtig gut an die Umgebung angebunden ist. Dazu muss man nicht einen Roadtrip mit einem eigenen Auto planen und man braucht auch nicht mit dem Wohnmobil den Stiefel zu durchqueren, um die Provinz Bari und die Region Apulien zu entdecken. Nein. Man kann seinen Urlaub um Tagesausflüge und Sightseeing-Trips bequem mit dem ÖPNV bereichern. So auch das Ausflugsziel, das ich euch heute vorstellen möchte: Locorotondo.

Wie erreicht man Locorotondo?

Straße mit Topfpflanzen in Locorotondo.

Von Bari ist Locorotondo circa 70 km entfernt.

  • Wer mit dem Auto Urlaub in Apulien macht, kann die kleine Stadt nahe Martina Franca über die SS16 – je nach Verkehrslage natürlich – in knapp einer Stunde erreichen. Alternative Routen (SS16 – SP66 – SP240 – SP96 – SP113 – SS172 oder SS16 – SS100 – SS172) dauern ein wenig länger. Je nach Verkehr bis zu anderthalb Stunden.
  • Mit dem Zug der Ferrovie Sud Est braucht ihr rund zwei Stunden, je nach Verbindung bis zu zweieinhalb. Das Ticket kostet zwischen 5.00 und 6.00 Euro. Ihr solltet darauf achten, dass ihr eine Verbindung wählt, bei der ihr nicht mehr als nötig umsteigen müsst, dann wird’s nämlich schnell übersichtlich. Bei Verbindungen mit einem Umstieg geht’s ab Putignano mit dem Bus weiter nach Locorotondo.

Wissenswertes über Locorotondo:

Kirchturm der Chiesa Madre in Locorotondo.Locorotondo hat seinen Namen nicht von ungefähr. Ähnlich wie Ostuni thront auch diese kleine apulische Gemeinde auf einer Anhöhe im Hinterland und ist rund (rotondo) angelegt. Darum wundert es auch nicht, dass man sich in der Altstadt von Locorotondo im Grunde nicht verlaufen kann, denn man wird einfach ein paar Mal im Kreis herum geführt.

Die Kleinstadt bot die Kulisse für diverse italienische Filmproduktionen, zuletzt 2006 für den Film Baciami Piccina, der in den frühen Vierzigerjahren, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, spielt.

Locorotondo liegt im Valle d’Itria und wurde 2001 in die Borghi più belli d’Italia aufgenommen, seither zählt das Städtchen – meiner Meinung nach verdient – zu den schönsten Orten in Apulien.

Imposanter Torbogen an einem Palazzo in Locorotondo.Seit 2010 wird die apulische Kleinstadt regelmäßig mit der Bandiera Arancione, dem einzigen von der Weltorganisation für Tourismus anerkannten italienischen Programm zur Entwicklungsförderung des Tourismus, ausgezeichnet (Stand: 11/2018), die sie als einen der 10 schönsten Orte Süditaliens ausweist. 

Die Stadt ist über 1.000 Jahre alt und ist für seine Spitzdächer bekannt. Für Deutsche kein ungewöhnlicher Anblick, sind mit Dachschrägen versehen Häuser in Süditalien eher selten anzutreffen.

Wodurch Locorotondo aber besonders hervorsticht, und das hat sie wiederum mit Ostuni gemein, ist ihr weißer Anstrich. Meiner Meinung nach hätte Locorotondo mehr als Ostuni den Beinamen “Weiße Stadt” verdient.

Welches sind die Sehenswürdigkeiten in Locorotondo?

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Locorotondo sind wahrscheinlich mit Abstand die Chiesa Madre di San Giorgio, deren Bau im ausgehenden 18. Jahrhundert begann und die durch ihre neoklassizistische Fassade auszeichnet, die Chiesa Madonna della Greca aus dem 15. Jahrhundert, und der Palazzo Morelli mit seinem imposanten Eingangsportal aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Dekorierte Terrasse auf der Straße in Locorotondo.

Meiner Meinung nach sollte man auch einen Blick in die von außen etwas unscheinbare Chiesa di San Nicola di Myra nicht auslassen. Denn dort wurden Fresken an den Wänden offen gelegt, die auf das 17. Jahrhundert zurückgehen. Die Deckenmalereien wurden aufwändig und farbenfroh restauriert und erzählen von den Wundern, die der Hl. Nikolaus vollbracht haben soll.

Deckenfresko in der Chiesa San Nicola di Myra in Locorotondo.

Über seine ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten hinaus, ist Locorotondo als solches aber ein entzückendes Städtchen, das einen Besuch unbedingt lohnt. Weinfreunde werden hier ihre wahre Freude haben, ebenso wie Besucher, die eine Schwäche für gutes Olivenöl haben. Ein weiteres Herzstück der für Locorotondo typischen Produkte ist der Honig.

Antikes Mobiliar vor einem Haus in Locorotondo.

Aber nicht nur, wer ein Faible für italienische Kulinarik hat, wird in Locorotondo glücklich. Das historische Zentrum der Stadt ist einfach schön, lädt zum Verweilen ein und bietet jede Menge hervorragende Fotomotive. Im Ecomuseo di Valle d’Itria in Locorotondo könnt ihr außerdem mehr über die Traditionen, die Geschichte und Kultur der Stadt erfahren.

Schicke Balkone an einer Häuserfassade in Locorotondo.

Unabhängig von bestimmten Sehenswürdigkeiten ist Locorotondo völlig zu Recht einer der schönsten Orte Italiens – völlig zu Unrecht hingegen ein von Touristen allzu oft zugunsten längst bekannter und überlaufener Reiseziele in Apulien unterschätztes Kleinod.

Hübsch dekoriertes Ladengeschäft in Locorotondo.

2 Comments

  1. Die kleinen Gässchen wecken Kindheitserinnerungen an Sardinien. Damals, als Tourismus noch ein Fremdwort war und die älteren Herren zum Kartenspielen oder reden auf der Straße saßen.

    Warum Locorotondo “weiße Stadt” heißt, verstehe ich nach deinem Artikel nur zu gut.

    Liebe Grüße, Katja

    • Hi Katja,

      nee, heißt sie ja nicht. Ich fände es nur passend. 🙂 Aber das hab ich vielleicht auch etwas kompliziert beschrieben. 😀 Manchmal verheddere ich mich in meinen eigenen Gedanken… 😀

      Ich freu mich aber sehr, dass der Beitrag / die Fotos schöne Erinnerungen wecken! Das ist ein ganz besonderes Lob, finde ich.

      LG Julia

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