Okay, genau genommen, ist der Titel irreführend. Denn Barletta liegt zwar in der Nähe von Bari und gehörte irgendwann tatsächlich auch mal zur gleichnamigen Provinz. Aber eigentlich müsste es korrekter Weise heißen: Ausflug in die Provinz Barletta-Andria-Trani. Klingt ein bisschen schwerfällig für meinen Geschmack. Und da Barletta auch nur eine knappe Autostunde von Bari entfernt liegt, sei mir dieser geografische Frevel verziehen.

Die 3 wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Barletta

Inspiriert von der Nachfrage einer treuen Leserin auf Facebook, hatte ich mir einen Besuch in Barletta auf die Agenda gesetzt. Dass wir uns ausgerechnet am Gratis-Museumssonntag auf den Weg dorthin gemacht hatten, war kompletter Zufall. Der Umstand ist uns erst aufgefallen, als man uns an der Kasse des Castellos sagte, dass der Eintritt an jenem Sonntag kostenfrei wäre.

Jeden 1. Sonntag im Montag ist in Apulien “Domenica al Museo”, an dem der Eintritt in Museen und Burgen gratis ist.

Wenn ihr die Gelegenheit habt, könnt ihr bei eurem Besuch des Castellos also ein paar Euro sparen. Und einen solchen würde ich euch unbedingt ans Herz legen. Denn das Castello di Barletta ist definitiv die Hauptattraktion der Stadt.

Nur ein paar Schritte dieses weiteren, beeindruckenden Verteidigungsforts Friedrichs II. ist die zweite wichtigste Sehenswürdigkeit Barlettas gelegen, die Cattedrale di Santa Maria Maggiore, unter deren Glockenturm hindurch man das historische Stadtzentrum beschreitet.

Glockenturm der Kathedrale von Barletta

Kathedrale von Barletta

Die dritte Attraktion der apulischen Stadt ist Herakles. Besser bekannt als der Koloss von Barletta. Dabei handelt es sich um eine 4,5 m hohe Bronzestatue aus dem 5. Jahrhundert, die neben der Basilica del Santo Sepolcro steht.

Was erwartet euch im Castello di Barletta?

Ich hab das nicht genau verifiziert, aber nachdem ich nun schon eine gewisse Anzahl schwäbischer Kastelle in Apulien besucht habe, musste ich überrascht feststellen, dass im kleinen Barletta die – meinem Empfinden nach – größte dieser Burgen steht. Das kann auch daran liegen, dass man aus den Castelli in Trani und Barletta einfach mehr macht, als aus dem in Bari, daran, dass sie verwinkelter sind als das baresische Pendant oder daran, dass im Castello Svevo in Bari nicht alle Teile und Türme für den Publikumsverkehr geöffnet sind. Oder schlicht daran, dass ich kein Augenmaß hab. 😉

Burghof im Castello di Barletta

Spaß beiseite, der Schlosshof in Barletta ist deutlich größer, als der in Bari. Und man kann das Kastell vom unterirdischen Geschoss bis aufs Dach hoch begehen. Im Erdgeschoss und im ersten Stock erwarten euch Ausstellungen – im Erdgeschoss begegnet ihr antiken Ausgrabungen, Büsten, wie der von Friedrich II., sowie Dekorationen und Mauerwerk aus unterschiedlichen Epochen des Castellos und der Stadt Barletta.

Büste Kaiser Friedrich II. im Castello di Barletta

Antiker Teil der Ausstellung im Castello di Barletta

Einmal über den Schlosshof rüber und die Treppe hoch erwartet euch im ersten Stock der Burg eine zeitgenössische Ausstellung, in denen Uniformen der Partisanen ausgestellt sind, Porträts von Garibaldi und private Sammlungen, die von Alltagsgegenständen der einheimischen Bevölkerung über Gemälde bis hin zu antiken Waffen und historischen Flaggen, Dekreten und satirischen Karikaturen reichen. Absolut sehenswert, wenn ihr euch (auch) für moderne (süd-) italienische Geschichte interessiert.

Partisanenuniform im Castello di Barletta

Teil der zeitgenössischen Ausstellung im Castello in Barletta

Im begehbaren Teil des Untergeschosses erwarten euch die Fundamente aus normannischer Zeit. In den dicken Mauern sind Gitter eingelassen. Wir haben vermutet, dass die als Zellen gedient haben, aber konnten das weder verifizieren, noch widerlegen. Einige davon führen außerdem in den großräumigen Garten, der das Castello umgibt – oder sie würde dorthin führen, wären sie nicht versperrt. Unser Highlight war allerdings der große Raum mit der kuppelförmigen Decke, in dem ein raumgreifendes Echo entsteht, wenn man darin umherläuft oder spricht … oder Musik hört. Auch im unterirdischen Burgteil finden wohl immer mal wieder Ausstellungen statt. Als wir da waren, war das Untergeschoss aber komplett leer.

Unterirdischer Teil des Castello di Barletta

Kuppelraum im unterirdischen Teil des Castello di Barletta

Anders als in den anderen Castelli, die ich in Apulien besichtigt habe, kann man in Barletta sogar das Dach der Burg erklimmen. Von dort aus hat man einen tollen Blick über das Meer und den Park, der vor der Burg angelegt wurde. Das Dach vermittelt einen guten Eindruck davon, wie sich dort die Wachen bewegt und die Soldaten positioniert haben müssen, die vom Castello di Barletta aus die Stadt gegen Attacken vom Meer aus verteidigt haben. Das war umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass die Stadt Barletta im Früh- und Hochmittelalter sich gerade einmal über die überschaubare Fläche hinter der Verteidigungsburg erstreckt hat.

Barletta antiker Stadtplan

Aussicht vom Dach des Castello di Barletta

Ausblick vom Dach des Castello in Barletta

Wenn ihr eine Pause von all den Ausstellungsstücken und dem Erkunden der Burg braucht, müsst ihr nicht einmal das Gelände verlassen. Einmal quer über den Burghof rüber findet ihr eine Cafeteria bzw. Kaffeebar, in der ihr (Sonntag vormittags vergünstigt) einen Aperitivo genießen oder einfach einen Kaffee zum Aufwärmen trinken könnt. Ich könnte mir vorstellen, dass im Frühling und Sommer auch der Innenhof bestuhlt ist, sodass ihr im Castello di Barletta guten Gewissens einen kompletten, entspannten Nachmittag verbringen könnt. Und wem das nicht reicht, der kann im Park davor im Schatten der Palmen picknicken oder sich an einem der vielen Brunnen links des Kastells erfrischen. Wenn ich die Mülleimer im ehemaligen Burggraben richtig interpretiert habe, ist der Garten des Castellos bestimmt zu besonderen Anlässen oder in den milderen Jahreszeiten auch für Besucher geöffnet. Im Dezember allerdings ist das nicht der Fall.

Der Park vor dem Castello in Barletta

Die Öffnungszeiten des Castello di Barletta

Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober ist das Kastell von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet.

Ab dem 1. November bis zum 30. April von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Letzter Einlass ist jeweils eine dreiviertel Stunde vor Schließung. Ich würde euch aber ohnehin nicht empfehlen, nur 45 Minuten Zeit mitzubringen. Wir haben dort gut 3 Stunden verbracht – wenn man eventuell den Schlossgarten besichtigen (kann) und im Untergeschoss eine Ausstellung stattfindet, kann man von 4 bis 5 Stunden ausgehen, wenn man sich wirklich alles ansieht und Zeit lässt.

Ganzjährig geschlossen ist die Burg immer montags.

Außerdem ist am 25. Dezember, 1. Januar und 15. August zu.

Eintritt ins Kastell

Das Ticket für den Eintritt ins Castello, die Gemäldegalerie und die Cantina della Sfida kostet 8,00 € für Erwachsene. Kinder ab 6 Jahren bezahlen 4,00 €, jüngere Kinder haben gratis Eintritt, ebenso wie Menschen mit Handicap und deren Begleitperson. Der reduzierte Preis gilt außerdem für Besucher, die ihr 25. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen und die, die ihr 65. bereits überschritten haben.

Für 6,00 € pro Erwachsenem (3,00 € für Besucher mit Anspruch auf den reduzierten Preis), habt ihr Zugang zur aktuellen Sonderausstellung, wenn gerade eine stattfindet. Die letzte bis Februar 2017 war Kaiser Hannibal gewidmet.

Ich möchte euch auch hier nochmals ans Herz legen, auf den 1. Sonntag im Monat zu achten. Dann ist nämlich der Kompletteintritt für alle Besucher und alle Teile des Kastells gratis. Vorausgesetzt er fällt nicht auf einen der oben genannten Feiertage, an denen das Castello di Barletta geschlossenen ist.

Außenansicht Castello Barletta

2 Comments

  1. wow, das klingt und schaut wunderschön aus! ich war noch nie in dieser Region – bin auch sonst eher selten in Italien unterwegs 😉
    finde es aber einen tollen Einblick und könnte mir durchaus vorstellen dort auch mal Urlaub zu machen – ganz nach dem Motto, über den Tellerrand zu gucken 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

    • Über den Tellerrand zu schauen und die eigene Komfortzone hin und wieder zu verlassen, um eigene Grenzen und Sichtweisen neu auszuloten, ist immer eine gute Idee. 😉

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