Gute Gründe für einen Italienurlaub in der Nebensaison

Wer nach Italien reist, tut das wegen dem Lebensgefühl, den Sonnenstunden und dem wunderbaren Mittelmeer. Zumindest dann, wenn man seinen Italienurlaub in der Hochsaison bucht. Denn, wer sich für Kultur, Geschichte und Sightseeing interessiert, muss in den Sommermonaten damit rechnen,

  • Stunden seines Lebens in sengender Hitze in Eintrittsschlangen vor den Attraktionen verbringen zu müssen,
  • um die letzten verbliebenen Sitzplätze im Flugzeuge und Hotelzimmer seiner Herberge kämpfen zu müssen
  • und all das nur, um sich zwischen Tausenden anderen durch die Sehenswürdigkeiten quetschen zu müssen.

Natürlich gibt es durchaus gute Gründe, Italien in der Hauptreisezeit zu besuchen. Die Kids haben eben nur im Juli/August ausreichend Ferien. Und die meisten Arbeitgeber genehmigen lieber in der konjunkturschwächeren Jahreszeit Urlaub. Da ist es dann schnell egal, ob man für ein Hotelzimmer bis zu 50% mehr bezahlt.  Immerhin wird einem im Sommer auch wesentlich mehr geboten. Wobei auch das mitunter ein Trugschluss sein kann. Denn viele, besonders traditionelle Events finden gerade nicht in den heißesten Monaten des Jahres statt. Je nachdem, also, ob man Italien von seiner authentischen oder seiner touristischen Seite erleben möchte, ist man mit einem Italienurlaub in der Nebensaison besser oder schlechter beraten.

Wann ist in Italien Hauptsaison und Nebensaison?

Das kommt ganz drauf an, wohin ihr reisen wollt. Grundsätzlich und gemeinhin versteht man unter der Hauptsaison die Hauptreisezeit. Und die beträgt in Italien vorrangig die regenarmen, heißen Monate Juli und August. Allerdings gibt es gerade im Norden und Nordwesten des Landes auch viel frequentierte Wintersportgebiete. Dort ist die Hauptreisezeit natürlich eine andere. Die Hauptsaison dort verlagert sich dementsprechend in die Monate Dezember, Januar und Februar.

Alle anderen Monate außerhalb der jeweiligen Hauptreisezeiten bezeichnet man als Nebensaison. Das bedeutet für den Süden praktisch das ganze Jahr über, außer im Hochsommer. Für den Norden hingegen teilt sich die Nebensaison in zwei Jahreshälften zwischen März und Juli, sowie zwischen September und November. Grob gesagt. Denn viele Urlauber haben den September nord wie süd längst zur Hochsaison erkoren und bereisen den Stiefelstaat auch im Spätsommer noch.

So profitiert ihr von Italienurlaub in der Nebensaison

Finanziell:
Flüge, Unterkünfte, Benzin … in der Hochsaison nutzen die Unternehmer und Betreiber die Gelegenheit, sich ihren Lebensunterhalt für das gesamte Jahr zu verdienen. Entsprechend schlagen sie bei den Kosten für Übernachtung und Verpflegung drauf. Darüber hinaus bedingt auch die Nachfrage den Preis. Und da in der Hochsaison deutlich mehr Leute verreisen, wird der belohnt, der entweder sehr viel im voraus bucht oder aber gewillt ist, einen entsprechenden Aufpreis zu bezahlen. Nicht wenige Hotels und Airlines verlangen für ihre Dienste in der Hochsaison bis zu 50% mehr, als in der Nebensaison. Von dem Geld, das ihr bei einem Italienurlaub in der Nebensaison spart, könnt ihr euch einen Ausflug, ein Souvenir oder eine Zimmerkategorie mehr gönnen. Es ist also eine Überlegung durchaus wert.

Mental:
Wo viele Menschen, da viel Stress. Und wer will schon Stress im Urlaub? Genau davor will man ja eigentlich fliehen. Aber in der Hochsaison ist Italien überlaufen von Menschen aus aller Herren Länder. Dazu kommt noch, dass im August auch die meisten Italiener den ganzen Monat über Urlaub haben. Nicht gerade wenige von ihnen steuern dann ebenfalls die mediterranen Gefilde ihres Landes an. Während ihr in der Hochsaison am Kolosseum in Rom bei locker 40°C auf den Eintritt warten müsst, müsst ihr im Süden damit rechnen, dass ihr an den Stränden wie die Sardinen gedrängt liegt. Aber wenigstens geht am Meer ein Lüftchen und im Wasser könnt ihr euch gut abkühlen. 😉 Trotzdem, ab September nehmen die Touristenströme in den Hauptreisezielen ab September spürbar ab, die Italiener kehren in die Arbeitswelt zurück und gerade die ersten Septemberwochen sind auch noch für ein paar Tage am Strand warm genug. Den teilt ihr euch dann aber nur noch mit ein paar einheimischen Senioren.

Kulturell:
Manche Reiseveranstalter werben ja damit, dass das Vergnügungsangebot im Sommer sehr viel vielseitiger und größer ist, als in der Nebensaison. Das ist genau genommen aber nicht mehr als ein Marketinggag. Denn auch, wenn, gerade All-inklusive-Hotels, in der Hochsaison alle Register ziehen, Sommerfeste organisiert werden, Reiseshuttles enger getaktet fahren und sonstige Touristenaktivitäten im Überangebot vorhanden sind, so hat das mit Authentizität eher weniger zu tun. Denn die traditionellen Feste, Prozessionen und Events finden tatsächlich dann statt, wenn die Italiener wieder “unter sich” sind. Und das ist eben dann, wenn die Hauptsaison um ist. Wenn ihr euch also wirklich kulturell für Italien interessiert, dann packt eure Koffer in der Nebensaison. Im Herbst finden Olivenernten und Weinlesen oder Sagras zu Ehren vieler Herbstfrüchte (Pilze, Trüffel, usw.) statt, viele Prozessionen zu Ehren der Schutzheiligen werden im Spätsommer veranstaltet, im Winter gibt’s Messen und Events rund um Handwerkskünste (zum Beispiel Schokolade) und zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Karneval und Ostern kulinarische Spezialitäten, die ihr andernfalls nie kennenlernen würdet. Im Frühjahr feiert man etwa in den Borghi rund um die Castelli Romani eine Sagra della Fragola, ein Fest zu Ehren der Erdbeere, bei der es allerlei Leckeres aus und mit Erdbeeren zu kosten gibt. In der Hochsaison seid ihr dafür zu spät dran.

So profitiert Italien von eurem Besuch in der Nebensaison

Wenn man bedenkt, dass 85% aller Italienurlauber das Land in der Hochsaison besuchen, dann kann man sich ungefähr denken, dass das nicht nur für jeden Touristen Stress bedeutet. Sondern auch für die Gastgeber. Mit einem Italienurlaub in der Nebensaison tut ihr also den Besitzern von Hotels, BnBs und Pensionen in zweierlei Hinsicht einen Gefallen.

  1. Sorgt ihr dafür, dass sie auch außerhalb der Hauptauslastungszeiten Geld verdienen können.
  2. Entzerrt ihr das hohe Aufkommen in den Sommermonaten, wodurch die Gastgeber mehr Zeit und Ruhe haben, um sich um euch als Gäste zu kümmern.

Und das gilt nicht nur für das Hotelgewerbe und die Gastronomie, sondern auch für die vielen kleinen, oft privaten, Tourveranstalter, die sich über Buchungen auch in den weniger frequentierten Monaten freuen. Die Entzerrung dieses Tourimusaufkommens tut nicht nur den Menschen gut, sondern auch der Umwelt. Wenn im Sommer weniger Menschen durch die Parks, Wiesen, Wälder und über die Strände trampeln, dafür ein paar mehr in den Frühlings-, Spätsommer- und Frühherbstmonaten, können sich Flora und Fauna besser regenerieren. Außerdem hat doch gerade die Natur in den Monaten außerhalb der Hochsaison ein ganz besonderes Farbenspiel zu bieten. Gerade im Sommer sind im Süden des Landes Wiesen und Felder oft vertrocknet, während sie im Frühjahr in bunten Farben und frischem Grün erstrahlen. Im Herbst bieten die Wälder in Mittel- und Norditalien ein abwechslungsreiches Farbenspiel und im Winter? Da überrascht euch so manche ungeahnte Ecke mit weißen Gipfeln und Wipfeln.

Italienurlaub außerhalb der Hochsaison – das Fazit

Ein Italienurlaub in der Nebensaison lohnt sich für alle Beteiligten in mehrfacher Hinsicht. Er spart Kosten✔, kann authentischer und “näher an Land und Leuten” gestaltet werden✔ und ist deutlich entschleunigender und stressfreier✔, als ein vergleichbarer Aufenthalt in der Hochsaison. Aber die beste Reisezeit ist selbstverständlich auch abhängig davon, was man sich vom Urlaub erwartet. Ich persönlich, allerdings, würde jederzeit zu einem nebensaisonalen Aufenthalt tendieren.

Und wann ist eure Lieblingsreisezeit für Italien? Könnt ihr euch einen Urlaub außerhalb der Hochsaison vorstellen?

4 Comments

  1. Ich muss kurz widersprechen *husthusträusper*

    “Wer nach Italien reist, tut das wegen dem Lebensgefühl, den Sonnenstunden und dem wunderbaren Mittelmeer. Zumindest dann, wenn man seinen Italienurlaub in der Hochsaison bucht.” (nein, nicht wirklich. Eher ergänzen 😀 )

    Also, ich fahre ja jedes Jahr mehrfach nach Italien. Ganz klar, will ich auch Sightseeing machen, aber ich fahre GERADE auch wegen dem Lebensgefühl und den Sonnenstunden dorthin.
    Denn ganz ehrlich: Im Sommer scheint die Sonne bei uns auch. Da brauch ich zum Vitamin D -tanken doch nicht wegfahren. Ich fahre ja bewusst in Frühling und Herbst, um meinen Sommer zu verlängern.
    Wenn es hier Ende Februar noch ungemütlich ist, so kann ich sogar in Venedig meinen Aperol Spritz schon draußen trinken – das gleiche auch im November, wo ich in Rom noch draußen meinen Rotwein trank. hach.
    Und wenn Ende September der Herbst einkehrt und es kühl wird, kann ich immer noch im Meer planschen, was man in Deutschland meist nicht mal im Hochsommer wirklich kann.

    Sprich: Gerade auch die Sonnenanbeter haben einen GUTEN Grund, nicht in der Hochsaison zu fahren 🙂
    Meine Hauptreisezeiten für Italien sind immer Ende Februar – April und ab Ende September. Dass es dann allerdings auch mal schwierig werden kann, hab ich auch schon gemerkt. In Como fuhren Ende März noch fast keine Schiffe. Vieles konnte ich so nicht erreichen. Eine Woche später wäre das alles kein Problem gewesen. Solche Dinge sollte man also auch im Auge behalten.
    Städte eignen sich für absolute Nebensaison am besten, da die Infrastruktur da ja rund ums Jahr gegeben ist.
    Sorrento macht vielleicht dicht zwischen November und März, Neapel aber sicher nicht 😉

    • Hi Ilona…. ich hab deinen lieben Kommentar jetzt mehrfach durchgelesen, aber ich erkenne nicht, wo du mir da konkret widersprechen würdest. 😉 Ich stimm da voll mit dir überein, aber klar ist halt auch, dass Juli und August die ultimativen Strandmonate sind, zumindest für die, die eben gerne faul am Strand und am Abend über die Promenade bummeln. Ich war letztes Jahr zwar auch Anfang September nochmal im Wasser, aber der Wind war mir persönlich da doch schon was zu frisch. 😀 Aber ich bin wahrscheinlich für Temperaturen auch kein Maßstab… 😀

  2. Wir kommen am liebsten im Mai und im Oktober. Da ist nicht zu viel los und die Temperaturen sind perfekt!

    • Oh ja, Diana, Mai ist wirklich eine tolle Jahreszeit für Urlaub in Italien. 🙂 Oktober find ich persönlich schon wieder etwas zu regnerisch, aber das kommt wahrscheinlich auch auf die Region an. Wetter lässt sich gerade im Oktober ja immer nur schwer voraussehen…

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