Wie feiert man Ostern in Apulien?

Ostern ist nach Weihnachten das meist gefeierte Fest in ganz Italien. Da bildet Apulien keine Ausnahme. Im Gegenteil. In Apulien  feiert man Ostern eine Woche durchgängig, von Palmsonntag (Domenica delle Palme) bis Ostersonntag (Domenica di Pasqua) – genau genommen sogar bis Ostermontag (Pasquetta).

Am weitesten verbreitet sind Prozessionen und Gedenkfeiern. Die werden praktisch in jedem noch so kleinen Ort veranstaltet. Für apulische Familien ist Ostern eine willkommene Gelegenheit, sich ausschweifenden Festmählern hinzugeben, die vorrangig aus typisch apulischen Rezepten bestehen.

Veranstaltungen zu Ostern in Apulien

Wenn ihr überlegt, Ostern in Apulien zu verbringen, macht euch auf ein paar religiös-traditionelle Festivitäten gefasst. Die ausgefallensten ihrer Art finden in der Provinz Foggia, in Molfetta (Provinz Bari), Tarent und Gallipoli statt.

Ostern in San Marco in Lamis

San Marco in Lamis liegt in der Provinz Foggia. Die typische Ostertradition des Ortes darf man getrost als ungewöhnlich bezeichnen. Dort werden zu Ostern Baumstämme zusammengeschnürt. Die gestapelten Stämme werden dann mit Stöcken und Astwerk aufgefüllt und in Brand gesteckt. Mit diesem Feuer werden die Straßen des Ortes erhellt, durch die sich die Prozession zu Ehren der Mater Dolorosa schlängelt.

Ostern in Molfetta

Die Molfettani fahren zu Ostern in Apulien schwere Geschütze auf. Hier wird jedes Jahr am Kardienstag die Passion Christi nachgestellt bzw. nachgespielt. Dabei dienen unterschiedliche Plätze in der Altstadt als Veranstaltungsort. An jeder Piazza wird also eine andere Szene dargestellt.

Ostern in Tarent

In Tarent wird von den ortsansässigen Bruderschaften traditionell am Ostersamstag eine Prozession, die Processione dei Misteri, organisiert. Die Mönche und Äbte tragen dabei weiße Kleidung und tanzen und schunkeln barfuß stundenlang durch die Straßen der Stadt, während sie eine Statue Christi vor sich hertragen.

Ostern in Gallipoli

Auch Gallipoli versteht sich auf österliche Prozessionen. Dort finden die gesamte Karwoche über welche statt. Am Karfreitag vereinen sich dann alle religiösen Kongregationen, um alle im Laufe der Woche präsentierten Heiligenstatuen nochmals gemeinsam durch die Stadt zu tragen. Am Karsamstag findet dann eine letzte Prozession an der alten Stadtmauer statt, die zum Meer hinzeigt.

Was isst man an Ostern in Apulien?

Ostern wird in Apulien nicht nur von den Prozessionen und Umzügen bestimmt, sondern natürlich auch von dem, auf das sich die Italiener (mitunter) am besten verstehen: Essen. Natürlich gibt es auch hier Schokoeier und die traditionelle Ostertaube. 😉 Ein Gebäck aus Sauerteig, dessen Entstehung laut Legende auf den Langobardenkönig Alboino zurückgeht. Diesem soll die Colomba Pasquale im 6. Jahrhundert als Friedenszeichen während der Belagerung von Pavia angeboten worden sein.

Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Eine andere Legende schreibt dieses österliche Süßgebäck in Taubenform der Langobardenkönigin Teodolina und dem heiligen, irischen Abt San Colombano zu. Gemäß dieser Überlieferung soll der Abt bei seiner Ankunft in der Stadt um 612 von den Langobardenherrschern empfangen und mit seinen Mönchen zum Mittagessen eingeladen. Da der noch nicht Karfreitag war, also Fastenwoche, lehnten der Abt und seine Mönche die reichen Speisen ab, woraufhin sich die Königin – ganz in der Tradition italienischer Mütter und Gastgeberinnen – beleidigt fühlte. Zum Glück besaß der Abt diplomatische Fähigkeiten und konnte ihr erhitztes Gemüt besänftigen. Scheinbar willigte er also ein, die Speisen doch zu essen, aber erst, nachdem er sie gesegnet hätte. Das zu tun hob er die rechte Hand und zeichnete ein Kreuz in die Luft. Da verwandelten sich Wildbret und Wein in Brot, das in Form und Farbe weißen Tauben glich. Davon war die Königin wohl sehr beeindruckt, denn sie entschied sich dazu, dem Abt das Gebiet von Bobbio zu schenken, wo später die Abtei di San Colombano gegründet wurde. Die weiße Taube ist bis heute das ikonographische Symbol des Heiligen, der oft mit eben jener auf der Schulter dargestellt wird.

Zurück zu den irdischen Freuden – italienische Kulinarik. Während die Colomba italienweit verbreitet ist (in Sizilien kennt man sie als Cuddure), stehen an Ostern in Apulien aber auch noch lokale Spezialitäten auf dem Tisch. So etwa die Scarcella. Ein Ostergebäck, das eine Ursprünge in Foggia hat. Ein Mürbeteiggebäck, das nach Wunsch mit weißer Glasur versehen und bunten Zuckerperlen dekoriert wird. Mittlerweile findet man die Scarcella auch in unterschiedlichen österlichen Formen oder als Flechtzopf, in dessen Mitte ein hartgekochtes Osterei platziert wird.

An Ostersonntag wird traditionell ein besonderes Ostermenü aufgetischt. Antipasti aus Wurstwaren, gefolgt von einem ersten Gang, der meistens aus einem Nudelgericht besteht. Danach wird als zweiter Gang das Osterlamm serviert, dazu oft ein Gemüseomelett. Und danach selbstredend Obst, Nüsse und Kerne, Süßes und Schokolade.

Ostermontag – mein Lieblingsteil der Ostertradition

Jetzt könnte man meinen, dass die Pugliesen sich nach solch einem ausschweifenden Menü am Montag eine Auszeit gönnen. Aber weit gefehlt. Ostermontag, auf Italienische Pasquetta, was so viel heißt, wie “kleines Ostern”, zieht’s die Menschen mit Sack und Pack in die Natur. Wer einen eigenen Garten oder ein Olivengrundstück besitzt, lädt Familie und Freunde ein, um dort ein Picknick (das nicht weniger reichhaltig ist, als das Sonntagsessen!) zu veranstalten.

Dabei wird nicht selten ein Feuerchen entzündet, um zu grillen. Alle Eingeladenen bringen Torten, Kuchen oder Beilagen mit. Wenn’s die Temperaturen zulassen, kann es auch passieren, dass das Familienpicknick ans Meer verlagert wird und vielleicht sogar schon das erste Bad genommen wird. In Bari wird die Badesaison ohnehin am 25. April eingeläutet – im Rahmen des Festes zur Befreiung Italiens, fühlen sich die Baresen dann auch frei genug, um den ersten Sprung des Jahres in die Fluten der Adria zu wagen. 😉

1 Comment

  1. Wow, es scheint als würden die Italiener Ostern wirklich ausgiebigst feiern. Was mir persönlich am besten gefällt an ihrer Tradition ist das Picknick in der Natur mit der Familie – das klingt wirklich wunderschön 🥰

    Liebe Grüße aus der Schweiz ,
    Michaela

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