Apulien verbietet Plastik am Meer

Endlich mal eine Nachricht, die Anlass zur Hoffnung gibt. Besonders im Hinblick auf die Sorglosigkeit, mit der in Süditalien mit dem Meer und der Natur umgegangen wird. Wasserflasche leer? Ab ins Hafenbecken damit. Zu viel Hausmüll? Ab an den Straßenrand. Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. Und die Kommunen machen sich längst schon nicht einmal mehr die Mühe, den illegal entsorgten Müll wenigstens wegzuräumen. Von Strafzetteln für Umweltsünder mal ganz zu schweigen, da können die Carabinieri sogar neben dran stehen, wenn die x-te Kippenschachtel, Wasserflasche oder Tempopackung ins Meer oder auf die Straße fliegt. Ab der Badesaison 2019 legt sich Apulien also nun selbst ein Verbot auf, wonach Plastik an den Stränden und Strandbädern verboten ist. Aber, ob das wirklich effektiv sein wird, steht auf einem anderen Blatt…

Apulien verbietet Plastik am Meer - Symbolbild: Plastikflasche am Sandstrand bei Sonnenuntergang

Problem Nr.1 – Plastikverbot nur an Strandbädern

Die ersten, die dafür sorgten, dass ein Plastikverbot überhaupt Thema wurde, waren die Strandbadbetreiber auf den Isole Tremiti. Ihnen schlossen sich wenige Monate später die Lido-Besitzer rund um Tarent an und nun gab die Vereinigung der Strandbadbetreiber Cna Balneatori bekannt, dass sich insgesamt 200 Strandbäder in ganz Apulien dieser Initiative angeschlossen haben.

Das ist zwar löblich, aber was ist mit den ganzen freien Stränden, die nicht organisiert betrieben sind? An denen weder Bar noch Toilettenhäuschen, geschweige denn Liegestühle und Sonnenschirme oder Rettungsschwimmer vorhanden sind?

Problem Nr. 2 – das Verbot ist kein Gesetz

“Einem Bericht des Europäischen Parlaments zufolge, machen Flaschen und Deckel 20% des gesamten Plastikmülls im Meer aus. Schon seit Jahren ist eine Mülltrennung an den apulischen Stränden Pflicht, aber wir haben bemerkt, dass das nicht mehr ausreicht. Also nehmen wir uns vor, die Verwendung von Einwegplastik, das durch Behälter und Instrumente aus biologisch abbaubarer Zellulose, Becher, Besteck und Teller, sowie Tüten aus Karton ersetzt werden wird, auf freiwilliger Basis selbst zu reduzieren.” — Fabrizio Santorsola, Präsident des Cna Balneatori.

Nicht nur, dass das Plastikverbot nur an privat betriebenen Strandbädern gültig sein wird. Ob und wie konsequent das Verbot angewendet wird, ist außerdem auch noch eine Frage der Freiwilligkeit.

Problem Nr. 3 – nur 1/3 der Strandbäder macht mit

In Apulien gibt es 569 voll ausgerüstete und bediente Strandbäder, sogenannte Lidi, mit Schließfächern, Bar, Duschen, Liegen und Sonnenschirmen, sowie Rettungsschwimmern. Die zu betreiben kostet Geld und somit ist ein Besuch mit Eintrittsgeld verbunden. So weit so gut. Die Anzahl der vielen öffentlichen Strände, an denen es diesen Komfort zwar nicht gibt, aber wo eben auch weder der Besuch Geld kostet, noch irgendwer kontrolliert, ob und was man zum Strand mitbringt, geschweige denn, wo man es später entsorgt, ist ungleich höher. Aber davon einmal abgesehen, sind von den 569 privaten Strandbädern auch nur die Betreiber von 200 eben dieser überhaupt willens, das Verbot von Plastik am Meer durchzusetzen.

Wenn weniger als ein Drittel aller Strandbadbetreiber sich überhaupt darum bemüht, ein zudem noch freiwilliges Plastikverbot einzuführen, dürfte der Effekt auf die Sauberkeit im Meer nicht wirklich nennenswert sein.

Apulien verbietet Plastik am Strand - Symbolbild: Plastikflasche in seichtem Meerwasser am Sandstrand

Hype oder Schritt in die richtige Richtung?

Seit April 2018 überschlagen sich die Blogs und Nachrichtenportale Italiens – vor allem die regionalen – förmlich und titeln eifrig: “Isole Tremiti verbieten Plastik”, “Tarent verbietet Plastik am Meer”, zuletzt “Apulien verbietet Plastik am Meer”. Die Headlines versprechen leider mehr, als nachher dahinter steckt. Wünschenswert wäre, dass das Ganze eine regionalpolitische Angelegenheit wäre und als solche auch von den entsprechenden Behörden mit Nachdruck durchgesetzt würde.

Ohne allzu pessimistisch sein zu wollen, glaube ich persönlich, das Plastikproblem wird erst dann eine halbwegs nachhaltige Lösung finden, wenn das EU-Parlament 2021 ein umfassendes Verbot zur Herstellung, Verkauf und Verwendung von nicht recyclebarem (noch bessere wäre natürlich jeglichem) Plastik qua Gesetz erlässt.

Mein Hoffnungsschimmer aber glimmt noch. Denn zumindest in Tarent hat die Umweltbeauftragte der Provinz angekündigt, dass Kontrollen durchgeführt werden sollen und auch auf den Isole Tremiti kommt die Anweisung von “ganz oben”. Der Bürgermeister hat die Anweisung unterzeichnet und wer sich nicht daran hält, wird mit Strafen von bis zu 500 € belegt – egal, ob Bäderbetreiber oder Tourist. Da sag ich mal toi, toi, toi. Und? Was haltet ihr davon, dass Apulien Plastik an seinen Stränden verbietet?

14 Comments

  1. Liebe Giulia,
    auf den ersten Blick hört es sich wirklich nach wenig an, aber ich glaube dennoch, dass es das richtige Startsignal ist. Auch wenn es wünschenswert wäre, wenn alle Strandbäder mitmachen oder sogar mitmachen müssen, ich finde immer “every little helps” und irgendwo und irgendwann muss man anfangen. Und der Zustand der Meere ist sowieso schon so vermüllt, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Ich hoffe, dass sich viele Strände (nicht nur in Apulien) davon inspirieren lassen. Zum Wohle der Meere und letztendlich zum Wohle von uns allen.
    VG Simone

    • Da hast du sicher recht. Es ist immerhin mal ein Anfang. Die Liebe der (Süd-) Italiener zu ihrem Plastik wird ohnehin noch zu Hamsterkäufen führen, wenn 2021 das Gesetz kommt, fürchte ich. Also zumindest an den öffentlichen Stränden, die nicht in privater Hand sind, wird sich so schnell, fürchte ich, nichts ändern. Trotzdem stimme ich dir zu, ein Anfang ist es erst mal, ja.

  2. Na da kann man nur hoffen, dass die Menschen endlich erkennen, was sie da mit unserer Erde anstellen. Es muss sich endlich was in den Köpfen ändern, wenn wir wollen, dass auch unsere Enkelkinder und deren Kinder nicht nur in Müll aufwachsen. Ich denke daher dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist und mehr Bewusstsein dafür schaffen wird. Vielleicht nicht innerhalb kurzer Zeit aber das wird sich immer mehr schärfen.

    • Ja, wie man so schön sagt… die Hoffnung stirbt zuletzt. Es ist allerhöchste Eisenbahn, dass sich da was tut in den Köpfen.

  3. Es ist zumindest ein Anfang. Aber du hast völlig recht. Wäre es eine regionale Entscheidung, machte es das Projekt erfolgreicher. Ixh war 2018 auf See im Indischen Ozean und “besichtigte” diese riesige Plastikinsel zwischen Indien und Ostafrika. Auf der Rückfahrt waren alle sehr still. Es ist furchtbar und ich könnt heulen Darum ist diese Kampagne einfach ein guter Schritt. Wir sind früher doch auch ohne diese schei* PET Flaschen ausgekommen. Tun wir es wieder! Toller Bericht.

    • Ich verstehe dich bestens, bei mir hinterlassen schon Bilder aus den Medien über die Plastikatolle immer einen schalen Beigeschmack. Und selbst, wenn ich natürlich auch vor meiner eigenen Haustür noch genug zu kehren hab, finde ich es dennoch immer wieder erschütternd, wie achtlos die Mehrheit der Menschen, besonders hier im Süden des Stiefels, noch immer mit allem umgeht.

      Danke für dein liebes Lob zum Artikel. 🙂 Hoffen wir, es folgen bald konkrete Vorschriften auch auf Gesetzesebene – und darauf auch mal Carabinieri, die ihren Job machen. :/ Das ist nämlich das “nächste” Problem…

  4. Ja, ein Hoffnungsschimmer glimmt aber es wird vermutlich überall noch sehr lange dauern bis die Dringlichkeit dieses Problems klar wird. Ob die EU Verordnungen helfen? Ich weiß es nicht und bin nicht ganz so optimistisch. Das Problem ist ja ein weltweites… und wenn ich Richtung Asien & Indien schauen, dann wird mir schlecht. Da kann Europa noch so Clean sein, wenn nicht auch die Teile der Erde mit der meisten Bevölkerung mitmachen, bringt es nix.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Das stimmt leider natürlich, Sabine. Zumal auch viel nicht recyclbarer Plastikmüll aus Deutschland nach Asien verschippt wird und dort dann auf illegalen Halden im Dschungel landet. 🙁 Andererseits lese ich auch viel von Initiativen etwa in Indien (Beach- bzw. Fluss-Clean-ups u.m.) und Projekte, die Geräte zur Befreiung der Meere von Plastikmüll konzipieren und bauen – also, ich mag die Hoffnung in die Vernunft der Menschen einfach noch nicht aufgeben und da klammere ich mich auch an solche kleinen Strohhalme wie den jetzt. Liebe Grüße 🙂

  5. Ich glaube, dass jeder Schritt in Richtung kein Plastik ein guter Schritt ist und zum Bewusst werden des Problems beiträgt …
    Ob es sich in Apulien durchsetzen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln …
    Toll, dass du auf die Thematik aufmerksam machst!

    Liebe Grüße,

    Doris von diegutelaune.com

    • Dem kann ich nur zustimmen – sowohl hinsichtlich dem Schritt in die richtige Richtung, als auch den Bedenken bzgl der Belehrbarkeit der Apulier. Leider… Liebe Grüße 🙂

  6. Hallo Julia, ein wichtiges Thema – zweifellos. Und ich bin der Ansicht, dass jeder Schritt, jede Maßnahme besser ist als Nichtstun. Klar geht es immer noch besser, konkreter, verpflichtender. Aber es ist ein Anfang.
    Liebe Grüße,
    Cornelia

    • Da geb ich dir vollkommen recht. Besser als Nichtstun ist es allemal. Und man kann ja hoffen, dass sich das auf das Bewusstsein der Badegäste aus dem jeweiligen Umkreis positiv auswirkt. Zumindest so lange, bis dieses Plastikgesetz 2021 durch ist. Im Idealfall darüber hinaus. Liebe Grüße

  7. Ja, sehr schwierig umzusetzten, wenn es kein Gesetz dazu gibt. Es ist echt schade, dass es nur die Bäder betrifft, denn die meisten Strände Italiens sind eben frei zugänglich. Wichtig wäre, schon in den Schulen und Kindergärten ein Bewusstsein für Umweltschutz zu schaffen.
    Aber ja, definitv ein Schritt in die richtige Richtung. Doch man könnte noch viel härter durchgreifen.

    Liebe Grüße,
    Tamara von Photoventure.net

    • Ja, stimmt leider. Ich beobachte das vor allem hier im Süden immer wieder, wie unbedacht auch die Erwachsenen mit dem Thema Umwelt, Müll und so weiter umgehen. Und woher sollten es die Kinder lernen, wenn nicht von ihren direkten Bezugspersonen. Das mit dem Unterricht zu dem Thema hatte ich auch schon mal zu meinem Freund gesagt, ja, der meinte dann nur: Das wirst du nicht erleben. Vor allem nicht bei der oft mangelnden Begeisterung von Lehrern gegenüber ihrem Job insgesamt. 🙁 Nur haben wir leider keine Zeit mehr, auf die nächste Generation zu warten. Darum hoffe ich, dass sich da auch bald was tut. Andererseits wurde nun Geschichte aus dem Lehrstoff fürs “Abi” gestrichen. Dass die aktuelle Regierung ausgerechnet in Sachen Klima oder Umweltschutz da was einbringt, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem denke ich auch, ein erster Schritt, ein Signal kann dieser Zusammenschluss schon sein. Vielleicht erreicht man damit ja wenigstens ein paar Leute, die ihr Verhalten so überdenken – im besten Fall sogar ändern. Liebe Grüße

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