Ausflug in die Provinz Bari: Giovinazzo ❤️

Ich bin ja der Meinung, dass ohne Giovinazzo Apulien um ein kleines Juwel ärmer wäre. Darum hab ich bisher noch jeden Verwandten, der mich hier besucht hat, in diese kleine Stadt nördlich von Bari gebracht, seit ich sie selbst 2017 das erste Mal besucht hab.

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Giovinazzo liegt direkt am Meer, die Stadtmauer trennt die etwas höher gelegene Altstadt von der Brandung. Doch auch unterhalb der Mauer direkt am Küstenabschnitt entlang kann man herrlich schlendern und den Blick über die Weiten der Adria schweifen lassen, dem Brechen der Wellen lauschen und wunderbar abschalten oder sich auf einem der großen Felsstücke entlang der Uferschutzmauer von der apulischen Sonne verwöhnen lassen.

Je nach Tageszeit, taucht die Sonne die helle Tuff- und Kalksteinstadt immer in ein anderes Licht. Mein persönlicher Tipp?

Wann ihr Giovinazzo am besten besucht:

Giovinazzo ist der wohl kitschigste perfekteste Ort in Apulien, um traumhafteste Sonnenuntergang-Fotos zu knipsen. Darum empfehle ich euch einen Besuch am Nachmittag. Dann könnt ihr ganz in Ruhe, weil die meisten Süditaliener ja zwischen 14:00 und 16:00 / 17:00 Uhr sowieso Siesta machen, durch die Altstadt schlendern und seid zum Sonnenuntergang pünktlich an der Kaimauer unterhalb der Altstadt.

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Eindrücke aus Giovinazzo

Nun war ich also schon mindestens 4 Mal in Giovinazzo und 3 Mal davon hatte ich die Kamera sogar dabei und hab jedes Mal Fotos gemacht. Mein Freund meinte beim letzten Ausflug dorthin, dass ich doch alles schon mehrfach fotografiert hätte und nun immer dieselben Fotos machen würde. Warum ich es bisher nicht geschafft hab, meine Eindrücke nicht nur in Bildern, sondern auch in Schrift festzuhalten und mit euch zu teilen, ist mir selbst nicht ganz klar. Aber das möchte ich nun hiermit mal nachholen.

Warum ich Giovinazzo mag?

Ehrlich gesagt, ich bin mir selbst nicht sicher warum, aber irgendwie hat es mir die Kleinstadt nördlich von Bari einfach angetan. Es ist so ein Mix aus Gelassenheit und Romantik, gepaart mit einer für Süditalien relativ untypischen Unaufgeregtheit, die Besucher hier empfängt. Es sind die creme-weißen Gebäude der Altstadt, die einen Eindruck von Sauberkeit vermitteln. Es ist die Nähe zum azurblauen Meer der Adria. Es ist die schöne Promenade am Kai, das unterhalb der Stadtmauern verläuft. Es sind die schönen Fotospots. Es ist die Gemütlichkeit, die ein Spaziergang durch und ein Blick über die kleine Hafenbucht am Rande der Altstadt vermittelt. Es sind die antiken Bögen, die historischen Mauern, die engen, verwinkelten Gassen, die sich motivartig durch das Stadtzentrum ziehen. Es ist der aufgeräumte Eindruck, den Giovinazzo macht. Richtig greifen kann ich es nicht. Aber auf jeden Fall finde ich, dass Giovinazzo Apulien bereichert. Als Ausflugsziel, als Urlaubsort, als Symbolbild. Und darum würde ich Giovinazzo jedem ans Herz legen, der Apulien oder die Provinz Bari bereist. Nicht, weil es hier so viel Spannendes zu sehen gibt. Sondern einfach nur, weil die kleine Stadt einen ganz eigenen Reiz hat, einen ganz eigenen Vibe transportiert, der sie von anderen Ausflugszielen wie Alberobello (hektisch), Polignano (touristisch) oder Trani (überlaufen) deutlich abhebt.

Sehenswürdigkeiten in Giovinazzo

Nun, die wohl nennenswerteste Sehenswürdigkeit von Giovinazzo dürfte wohl die in der Altstadt gelegene Kathedrale Santa Maria Assunta sein, die bereits im frühen 12. Jahrhundert erbaut wurde. Die Hauptkirche im romanisch-apulischen Stil weist außerdem orientalische Ornamente und normannische Elemente auf und wurde im 18. Jahrhundert im großen Stil restauriert. Das Innere entstammt Renovierungen aus dem späten Barock und ist mit Gemälden geschmückt, die aus dem 13., 15. und 17. Jahrhundert erhalten geblieben sind.

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Ich könnte euch nun noch weitere kleinere und größere Kirchenbauten als Sehenswürdigkeiten von Giovinazzo anpreisen. Aber ich muss gestehen, dass ich keine einzige davon von Innen gesehen habe, nicht einmal die Kathedrale. Mir war die Altstadt Giovinazzos immer Sehenswürdigkeit genug. Die kleinen Hausaufgänge, die in prachtvollen Farben blühender Pflanzen erstrahlen … Die Bögen und Treppen, die Häuser und Fassaden schmücken und verbinden … Aber eine Sehenswürdigkeit sei dennoch als solche benannt, auch wenn sie, vielleicht, weil sie so offensichtlich ist, von Wikipediaeinträgen und Co. nicht als solche gewürdigt wird:

Der kleine Boots- und Yachthafen von Giovinazzo nämlich. Mich erinnert er immer ein bisschen an den alten Hafen von Monopoli – dem wohl meist fotografierten Hafen Apuliens, wenn nicht gar Italiens: Oben vom Plateau vor der Altstadt, von der Terrasse des Eiscafés oder von der linksseitig am Meer entlang führenden Allee aus betrachtet bietet er nicht nur ein 1A-Postkartenmotiv, das jeden Hobbyfotografen entzücken dürfte. Sondern er vermittelt auch irgendwie immer einen Eindruck, als handle es sich dabei um ein Portal in längst vergangene Zeiten. Wenn die Ruderboote sanft auf den längst zu Wogen ausgelaufenen Wellen schaukeln, die Masten von Segelbooten in den von der untergehenden Sonne in tiefes Rot getauchten Himmel ragen, die Möwen unter Zeter und Mordio ihre Kreise ziehen, kann man einfach alles um sich herum vergessen. Irgendwie ein Ort der Stille mitten im Herzen Giovinazzos. Zückt unbedingt schon mal die Kamera! 🙂

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Ein bisschen was zur Geschichte Giovinazzos

Giovinazzo wurde wohl bereits im 4. Jahrhundert vor Christus gegründet und ist unter dem Namen Natiolum in der Tabula Peutingeriana (Peutingersche Tafel) verzeichnet, einer antiken Karte des gesamten römischen Straßennetzes von Europa bis nach Zentralasien. Seinerzeit muss Giovinazzo wohl ein kleines Fischerdorf gewesen sein, das nach der Eroberung durch die Langobarden im 7. Jahrhundert n. Chr. Sitz des langobardischen Haushofmeisters (Gastalde, ital. Gastaldato) wurde, bis zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert die Byzantiner die Herrschaft über Süditalien zurückgewannen. Zwischen den Langobarden und den Byzantinern entfachte ein andauernder Kampf um die Vorherrschaft in Giovinazzo, der bis zur Eroberung der Region durch die Normannen andauern sollte.

1257 schenkte der Sohn Friedrichs II., Manfredi, die Stadt seinem Marschall Giordano Lancia. Später ging Giovinazzo an die Aragoneser über, die knapp ein Jahrhundert lang die Herrschaft behielten. Unter der Spaniern wurde die Stadt an den Herzog von Termoli, Ferdinando di Capua, verkauft, von diesem an die Gonzaga weitergegeben, die sie schließlich an den Prinzen von Cellamare veräußerten. Bis zum Tod der letzten Erbin der Familie 1770, blieben sowohl Giovinazzo, als auch Terlizzi in Besitz dessen Familie und Nachkommen. Danach fiel das Besitzrecht bis zum Ende des Feudalsystems 1806 an den König von Neapel.

Die Legende von der Gründung Giovinazzos

Was man sich so erzählt, soll Giovinazzo 786 Jahre vor der Gründung Roms vom Göttersohn Perseus als “Jovis Natio”, also Nation Jupiters (italienisch Giove), gegründet worden sein. Und so soll es sich im Jahr 1359 vor Christus (oder 355 vor der Zerstörung Trojas, um mal bei der griechischen Zeitrechnung zu bleiben,) zugetragen haben:

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Der Großvater Perseus’, Akrisios, soll sich eines Tages auf seiner kleinen, griechischen Heimatinsel zum Tempel begeben haben, um sich die Zukunft wahrsagen zu lassen und erfuhr, dass sein zukünftiger Enkelsohn Perseus ihn aus Versehen töten werde. Erschrocken über ein solches Orakel, schloss er seine einzige Tochter Danaë in eine Festung ein und verbot ihr jedweden Kontakt mit Männern.

Die Tränen der eingesperrten Danaë berührten den Gott Jupiter so sehr, dass er in Gestalt von Regen ins Kastell eindrang und das junge Mädchen schwängerte. Sie gebar daraufhin den Göttersohn Perseus. König Akrisios war nun in einer Zwickmühle. Natürlich konnte er sich nicht an einer Gottheit rächen, wollte aber natürlich sein sicheres Schicksal abwenden. Was tat er also? Er warf seine Tochter und deren Sohn, seinen Enkel, ins offene Meer.

Nach mehreren Schicksalsschlägen, trugen die Meeresströmungen die beiden Schiffbrüchigen in die Adria und übergaben sie dort wieder festem Boden. Die beiden wurden am Meeresufer in Zentralapulien angespült, dort, wo später Giovinazzo entstehen würde. Gestrandet am heutigen Standort von Santo Spirito, sah Perseus erstmals die riesigen Felsen des Küstenstreifens. Er hielt sie auf den ersten Blick für angsteinflößende Monster, die es zu besänftigen galt.

Bald jedoch lernte er sie zu schätzen und begann, sie als Schutzgötter zu verehren. Schlussendlich entschloss er sich, an diesem Ort eine Stadt zu gründen, die er Giovinazzo, also Nation des Jupiter nannte. Dazu entnahm er aus der Bucht die Grundsteine, auf denen sie erbaut werden sollte. Konkret Zeugnis von diesem vermeintlichen Geschehen legt die immense Tiefebene ab, die weit ins Gebiet zwischen Giovinazzo und Terlizzi hineinreicht. Diese trägt bis heute den Namen Klinge des Perseus’ (ital. Lama di Perseo).

Tatsächlich wurde die Legende von der Entstehung Giovinazzos von vielen Schriftstellern und Dichtern über die Jahrhunderte hinweg immer wieder aufgegriffen, meist aber ohne dabei den Namen der Stadt konkret zu benennen oder auszusprechen. Unter anderem gibt es eine Analogie dazu von Ovid. Was bei Ovid aber als Legende begann und klar erkennbar als Legende endete, nimmt in der Entstehungsgeschichte von Giovinazzo zunehmend realistischere Züge an und endet in konkretem Bezug auf echte Gegebenheiten, sodass sozusagen Geschichte und Geschichte miteinander verschmelzen. Und irgendwie ist so eine mystische Legende, wie man sie sich ja häufiger über italienische Städte, darunter auch Mantua, erzählt, ja immer auch ein spannender Aspekt, auf den die Einwohner nicht selten auch ziemlich stolz sind. Immerhin reichen ihre Ursprünge quasi bis zu den Hellenen zurück. 😉

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