Erste Eindrücke und Updates aus Turin

Nun bin ich also in Turin – oder zumindest in der nahen Provinz – angekommen. Und es sollte doch noch mal knapp 3 Wochen dauern, bis ich die Hauptstadt des Piemont endlich auch mal besichtigen konnte. Wobei “besichtigen” vielleicht in seiner vollumfänglichen Bedeutung nicht das passende Wort ist. Sagen wir, ich hab einen mehrstündigen Spaziergang durch Teile der Innen- und Altstadt von Turin gemacht. Denn, um Turin wirklich zu besichtigen, denke ich, werd ich wohl noch diverse Ausflüge dorthin folgen lassen müssen. 😉

Wie ich Turin finde

Ich kannte Turin vor meiner Ankunft hier Anfang Juni nur von Bildern und Erzählungen. Der Vater meines Freundes hat in den 60ern lange dort gelebt, studiert und gearbeitet. Mein Freund war letztes Jahr auf Jobsuche ein paar Wochen hier. Der Schwager meines Freundes ist ebenfalls zum Arbeiten den Großteil des Jahres in der Provinz Turin. Zugegeben, der Umzug war eine Art Blindflug für mich. Aber, weil die Situation im Süden sich für meinen Partner eben nicht so entwickelte, wie wir das gehofft hatten und ich – mit all meiner teutonischen Ungeduld – besorgt bin um seine ökonomische Unabhängigkeit und Altersversorgung, konnten wir nicht in Apulien darauf warten, dass sich in Turin oder Mantua eine Arbeitsvermittlungsagentur darauf besinnt, meinen Freund zur Arbeit in den Norden zu zitieren. Also, Ärmel hochgekrempelt, Sachen gepackt und los ging’s.

Straßenschmuck Turin

Nachdem mein Freund – zu unser beider Erleichterung – innerhalb einer sehr aufwandsintensiven Woche einen Job gefunden hat, der zumindest als Übergangslösung für ein bisschen (finanzielle und mentale) Entspannung sorgt, gestaltete sich die Wohnungssuche etwas abenteuerlicher. (Meine Erlebnisse beim Mieten von Wohnungen in Italien ist längst ein eigenes Blogkapitel oder gar ein Buch wert, darum möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, sondern hebe mir das für ein anderes Mal auf.) Seit dem 29.06. haben wir aber nun auch das erfolgreich durchgestanden und halten seit Samstag erleichtert (und ob der anstehenden Anstrengungen gleichzeitig auch bedrückt) die Schlüssel zu unserer ersten gemeinsamen Wohnung im Piemont in der Hand. Kein Wunder also, dass ein Ausflug nach Turin nicht so richtig weit vorne auf unserer Prioritätenliste stand. Dennoch …

Ausblick über den Po Turin

… als wir es dann endlich mal geschafft hatten, war ich tatsächlich positiv überrascht und verzückt. Gleich am Eingang der Stadt ist etwa ein riesengroßes Parkgelände gelegen, das sich am Po entlang erstreckt, in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt ist und an sich schon jede Menge Fotomotive und Sehenswürdigkeiten beherbergt. An dem Tag, als wir in die Stadt gefahren sind, war eine Automobilausstellung, weshalb ich auf Fotos zunächst einmal verzichtet hab. Das hol ich zu gegebener Zeit nach, denn die kleine Burg und den riesigen Brunnen im Park möchte ich sowieso unbedingt noch sehen. Folgt man der Straße, die parallel zum Park ins Stadtzentrum führt, fährt man neben den Straßenbahngleisen entlang, den Hügel rauf, den Hügel runter wieder in Richtung Po – eine Route, die mich spontan an diverse Straßenverläufe in Stuttgart erinnert hat.

Blick über den Po zum Kuppelbau Turin

Nun muss ich dazu sagen, dass ich Stuttgart nur so semi-geil finde. Die Stadt gibt mir einfach nichts. Aber okay, es war einerseits ein Gefühl von Vertrautheit, was ich als enorme Erleichterung empfand. Andererseits mischte sich die Befürchtung dazu, dass mir auch Turin dieses nichts sagende Gefühl vermitteln könnte. Als wir dann die Stadt durchkreuzten, um nahe der Giardini Reali zu parken, mischte sich in den Stuttgarter Eindruck ein Hauch von Berlin – auch eher nicht meine Stadt. Aber als wir dann die letzten Meter zu Fuß bestritten und im Stadtzentrum angekommen waren, gesellten sich ein Gefühl der Neugierde, Aufgeschlossenheit, Lebhaftigkeit und ein großes Stück Bologna-Feeling dazu. Das hat meine anfängliche Berlin- und Stuggi-bedingte Skepsis vollständig verdrängt. Zum Glück. So konnte ich die Innenstadt von Turin – wenn auch nur im Schnelldurchlauf und oberflächlich – mit der nötigen Offenheit erkunden.

Bilder sagen mehr als 1.000 Worte

Was mir an Turin besonders gut gefällt, sind, neben den vielen Grünanlagen, die über die gesamte Stadt (und das Umland) verteilt angelegt wurden, die von Galerien gesäumten Straßen, wie sie typisch sind für Städte in Mittel- und Norditalien. Außerdem ist Turin eine Universitätsstadt, denen ja tendenziell eher eine etwas aufgeschlossenere, neugierigere und vielfältiger interessierte Bevölkerung anheim ist. Ein Umstand, den ich sehr begrüße – vor allem, nachdem ich in dem Dorf, in dem wir aktuell unsere Unterkunft haben, bevor wir in den nächsten Tagen in unsere Wohnung in der nahe gelegenen Provinzstadt beziehen, während eines nächtlichen Spaziergangs erstmal ein paar besonders hartnäckige Aufkleber der Identitären Bewegung von Straßenlaternen und Pollern entfernen musste (musste natürlich im übertragenen Sinne), was mir ein ziemlich ungutes Gefühl vermittelt und meine Ungeduld natürlich befeuert, bald meine eigene Wohnung nahe Turin  beziehen zu können. Darüber hinaus, ja, auch ich fühle mich als Ausländerin in Italien und meine Solidarität ist damit wohl klar gepolt. Auch, wenn die Deutschen eher als “die guten Ausländer” verstanden werden, sind solche fremdenfeindlichen Bekundungen indirekt auch immer ein Angriff auf mich. Okay, aber lassen wir das. Das soll ja hier kein politischer Rant werden, sondern ein Einblick in meine Gedankenwelt rund um Turin.

Und weil ich nach einem einzigen mehrstündigen Ausflug natürlich auch nur entsprechend flache erste Eindrücke wiedergeben kann, lass ich doch vielleicht lieber meine fotografischen Einblicke für mich bzw. sich sprechen. Ich kann an dieser Stelle und in diesem Beitrag schlicht noch nichts dazu sagen, welche Sehenswürdigkeiten Turin bietet, wie die Straßen, Parks und Piazzen heißen oder sonst eine Anleitung für einen Besuch der piemontesischen Hauptstadt geben.

Da müsst ihr euch einfach bitte noch ein paar Wochen und Monate gedulden – mein vierjähriger Mietvertrag zumindest verspricht im kommenden Bestehen dieses Blogs jedenfalls einen sehr deutlichen Schwerpunkt. (Urlaube und Ausflüge bilden natürlich die vielzitierte Ausnahme dieser Regel. 😉 ) Ich glaube aber, Turin bietet genügend Möglichkeiten, den Blog ausreichend und sinnvoll, profund und intensiv zu füttern. Aber das braucht eben seine Zeit. Darum überlasse ich das “Sprechen” an dieser Stelle den Bildern, die ich in Turin geknipst habe und hoffe, ihr könnt euch daran auch ein bisschen erfreuen, solange ich keine konkreteren Infos und Tipps zu der Stadt habe…?! 🙂

Insgesamt aber finde ich nach meinem ersten Besuch Turin eine spannende, beeindruckende, schöne und ansprechende Stadt und bin gespannt, was die nächsten Jahre im Piemont so für mich und uns bereithalten. Und ich freu mich schon, das Angebot in Turin und die Stadt selbst genauer zu erkunden, Kontakte zu knüpfen und meine Erlebnisse und Erkenntnisse mit euch zu teilen. ♥

1 Comment

  1. Hi Julia,

    ich kannte Turin ja bisher nur von einigen italienischen Filmklassikern und muss sagen, dass die Stadt mich schon länger reizt. 🙂
    Lieben Dank für deine Eindrücke, welche mir wieder einmal bestätigt haben, dass ich wirklich eine Reise nach Piemont planen sollte.

    Liebe Grüße,
    Sigrid

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